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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kirschenspinner - Kis-Bér

Zwar findet sich die Süßkirsche in Europa teilweise wildwachsend vor, doch ist wohl anzunehmen, daß sie durch sehr frühe Kultur bereits lange Zeit verwildert ist. Sie ist jedenfalls schon in prähistor. Zeit entweder durch den Menschen oder durch Vögel in Europa verbreitet worden. In Pfahlbauresten der Schweiz sind mehrfach Kerne der Süßkirsche gefunden worden. Heimat der Sauerkirsche ist zwar auch das Gebiet zwischen Kaukasus und dem Mittelmeer, aber nach Europa wurde sie als Kulturpflanze erst in histor. Zeit durch die Griechen gebracht. Von Griechenland aus verbreitete sie sich dann weiter in Europa. Die oft wiederholte Behauptung, daß die K. von Lucullus aus Kleinasien nach Italien gebracht worden seien, beruht auf einer mißverstandenen Bemerkung von Plinius. Beide Kirscharten waren lange vor Lucullus schon in Europa bekannt, wahrscheinlich aber ist es, daß Lucullus eine besonders wohlschmeckende Kulturform aus Kleinasien in Italien einführte.

Kirschenspinner, s. Birkenspinner.

Kirschfink, soviel wie Kirschkernbeißer, s. Kernbeißer.

Kirschfliege (Spilographa cerasi L., s. Tafel: Insekten Ⅲ, Fig. 9), eine kleine, 4 mm lange Bohrfliege, deren Flügel vier braune, schräge Querbinden zieren; ihre Larven finden sich als Kirschmaden im Fleisch der Kirschen, der Heckenkirschen und der Beeren des Sauerdorns. Die Maden verlassen die Kirschen, wenn man letztere einige Stunden mit Wasser bedeckt stehen läßt. Da die Maden den Boden um die Kirschbäume herum aufsuchen, um sich hier zu verpuppen, so ist das Umgraben solcher Stellen oder das Begießen derselben mit Absud von Walnußblättern oder Tabak empfohlen worden.

Kirschfuchs, s. Fuchs (Schmetterling).

Kirschgeist, s. Kirschwasser.

Kirschgummi, ein cerasinreiches Gummi, das aus verletzten Stellen von Kirschbäumen, angeblich infolge einer Infektion von Pilzen, ausfließt und am Stamme zu farblosen oder gelbgefärbten Massen erstarrt. Es quillt in Wasser zu einer schleimigen Masse, ohne sich zu lösen. Man benutzt K. bei der Hutfabrikation zum Steifen der Hüte, weil es sehr geringe Brüchigkeit zeigt.

Kirschjohannisbeere, s. Johannisbeere.

Kirschkernbeißer, Vogel, s. Kernbeißer.

Kirschlorbeer oder Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus L., s. Tafel: Rosifloren Ⅰ, Fig. 2), ein immergrüner Strauch mit lederartigen, glänzenden, länglich-lanzettförmigen, gesägten Blättern und achselständigen, aufrechten Blütentrauben. Obschon aus Asien stammend, ist er doch jetzt im ganzen südl. Europa verwildert und hält auch im südl. Deutschland und in Tirol im Freien aus, muß aber weiter nördlich, wo er oft als Zierstrauch in Gärten kultiviert wird, im Winter mit schützender Bedeckung versehen werden. Die Vermehrung geschieht durch Stecklinge. Die Blätter, die nach bittern Mandeln riechen und schmecken, enthalten auch dasselbe blausäurehaltige, ätherische Öl wie diese in reichlicher Menge; das mit ihnen destillierte Wasser, das Kirschlorbeerwasser (s. Bittermandelwasser), war früher offizinell.

Kirschlorbeerwasser, s. Bittermandelwasser.

Kirschmaden, Larven der Kirschfliege (s. d.).

Kirschner, Lola, Romanschriftstellerin unter dem Pseudonym Ossip Schubin, geb. 17. Juni 1854 zu Prag, machte vielfache Reisen und brachte Winter und Frühling meist abwechselnd in Brüssel, ^[Spaltenwechsel] Paris und Rom zu. Ihre Romane und Novellen spielen daher auch in der internationalen großen Welt und schildern deren Leben und Treiben mit realistischer Wahrheit, vielfach nach dem Vorbilde Turgenjews, dessen Roman «Helena» sie auch das Pseudonym «Schubin» entnahm. Sie schrieb die Romane: «Ehre» (Dresd. 1883 u. ö.), «Bravo rechts» (Jena 1885), «Gloria victis!» (3 Bde., Berl. 1885; 3. Aufl. 1892), «Unter uns» (ebd. 1885; 4. Aufl. 1892), «Erlachhof» (2 Bde., Stuttg. 1888), «Asbeïn» (Braunschw. 1888; 3. Aufl. 1890); «Boris Lensky» (Berl. 1889), «O du mein Österreich!»(Stuttg. 1890; 4. Aufl., ebd. 1891), «Gräfin Erikas Lehr- und Wanderjahre» (3 Bde., 3. Aufl., Braunschw. 1893), «Toter Frühling» (2 Bde., 2. Aufl., ebd. 1893), die Novellen: «Mal' occhio und andere Novellen» (Berl. 1884), «Die Geschichte eines Genies. Die Galbrizzi» (ebd. 1884; 2. Aufl. 1890), «Ein Frühlingstraum» (Augsb.1884), «Unheimliche Geschichten» (2. Aufl., Dresd. 1891), «Thorschlußpanik» (ebd. 1892), «Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht» (3. Aufl., Berl. 1893), «Finis Poloniae» (Dresd. 1893) u. a.

Kirschperlen, s. Perlen.

Kirschrosinen, entkernte getrocknete Kirschen.

Kirschsaft, Kirschsirup (Sirupus Cerasorum), wird aus frischen sauern schwarzen Kirschen in gleicher Weise wie Himbeersaft (s. d.) bereitet.

Kirschvogel, s. Pirol.

Kirschwasser, Kirschgeist, Kirsch, in Süddeutschland, der Schweiz, namentlich im Schwarzwald und im Elsaß dargestellter Branntwein von feinem Aroma. Frische, reife Kirschen, am besten kleine schwarze Waldkirschen, werden in Fässern zerstampft und der Selbstgärung überlassen; zur Herbeiführung des angenehmen, bittermandelartigen, von geringen Mengen Blausäure herrührenden Geschmacks wird ein Teil der Kirschen vor der Gärung mit den Kernen zermalmt. Nach 2–3 Wochen ist die Gärung beendet und die Masse wird auf einer Blase abdestilliert. 100 l süße Kirschen geben etwa 10½ l Kirschwasser von rund 50 Proz. Alkohol.

Kirsey, Stoff, s. Kersey.

Kirtha, das heutige Constantine (s. d.).

Kirton (spr. kört'n), Marktflecken in der engl. Grafschaft Devon, s. Crediton.

Kirtorf, Stadt im Kreis Alsfeld der Hess. Provinz Oberhessen, am Kleinbach, hat (1890) 863 evang. E. und ein Schloß.

Kirunavara, Kjeronavare (d. i. Schneehuhn-Gebirge), Gebirge im schwed. Län Norrbotten, zwischen Torneå und Kalixelf, etwa 237 m hoch und 5 km lang, eins der an Eisenerz reichsten Gebirge der Welt. Der ganze Rücken und die 10 Gipfel bestehen fast ausschließlich aus Eisenerz, das etwa 70 Proz. Eisen enthält. Der Erzvorrat an der Oberfläche allein wird auf 255 Mill. t geschätzt. Erst wenn die Eisenbahn Luleå-Ofoten vollendet wird, können diese Reichtümer dem Lande zu gute kommen.

Kis, türk. und ägypt. Geldgröße, s. Beutel.

Kis (ungar., spr. kisch), klein, häufig in Ortsnamen.

Kisar, Insel, s. Kisser.

Kis-Bér (spr. kisch behr), Groß-Gemeinde im Stuhlbezirk Gesztes des ungar. Komitats Komorn (Komárom), 30 km südlich von Komorn, an der Linie Stuhlweißenburg-Uj-Szöny der Österr. Südbahn, hat (1890) 642 E., Post, Telegraph und ein berühmtes Staatsgestüt. K. züchtet engl. Vollblut- und edle Halbblutpferde des Reit- und leichten Wagenschlags. Bei einem Gesamtbestand von etwa

^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.]