Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

381
Kis-Szeben - Kistna
tion mit Telegraphenbetrieb, Fernsprechcinrichtung,
drei kath., eine evang. und engl. Kirche, Realschule,
drei vortrefflich eingerichtete Badeanstalten, ein
tönigl. Salinenbad (seit 1876 samt dem Wasser-
versand für K. und dem 8 km
entfernten Bocktet an den Hof-
rat Streit in Würzburg ver-
pachtet), ein Badehaus am
königl. Kurhaus, ein Aktien-
Badehaus, 1869 aus rotem
Sandstein erbaut, neues Kasino
mit Lesesaal, Kurhaus, Kon-
versationssaal, 1838 erbaut,
1875renoviert,einen prächtigen
Pavillon aus Gußeisen, 1842 durch König Ludwig I.
mit einem Kostenaufwand von 500000 Fl. über der
Rakoczy- und Pandurquelle errichtet, der zugleich
als Trinkhalle dient, eine neue Wandelbahn, ferner
Marmorstandbilder der Könige Ludwig I. (1891) von
Knoll-München und Maximilian II. und fünf
Mineralquellen, die zum Teil schon im 16. Jahrh,
benutzt wurden. - Das Wasser des Rakoczy (9° II.),
entdeckt 1737 , ist vollkommen durchsichtig bläulich,
etwas bitter im Geschmack, perlt stark und steigt
mit großem Geräusch empor; es ist schwach eisen-
haltig, aber sehr kohlensäurereich. Der Pandur
(8,07° K.), früher Badebrunnen genannt, die älteste
Trinkquelle, entspringt gleichfalls mit Geräusch,
bat viel Ähnlichkeit mit dem Nakoczy, aber mehr
freie Kohlensäure und weniger feste Bestandteile.
Der Maxbrunnen (8,75° N.), bis 1815 Kurbrunnen
genannt, ist krystallhell, stark perlend, von prickeln-
dem, säuerlich-salzigem, erfrischendem Geschmack,
mit viel sreicr Kohlensäure. Der 2130 m von K.
entfernte Solesprudel (2 Proz. Salzgehalt, 18° 0.)
entspringt aus 100 m tiefem Schacht mit brau-
sendem Aufschäumen, steigt und fällt abwechselnd
bis 3 iu; die Quelle liefert in der Minute 5001
Wasser von sehr salzigem, schwach eisenartigem,
säuerlichem Geschmack. Aus dem Schachte steigen
in der Minute 2-6000 1 Kohlensäure auf. Der
Schönbornsprudel bei dem Dorfe Hausen, 3650 in
entfernt, mit 650 m tiefem Bohrloch, ist in seiner
Zusammensetzung dem vorigen gleich, liefert in der
Minute 5-6000 1 Wasser und 4-6000 1 Kohlen-
säure. Die beiden ersten Quellen gehören zu den
eisenhaltigen Kochsalzquellen, die dritte zu den koch-
salzhaltigen Säuerlingen, die beiden letzten zu den
^olequellen. Außer seinen Kochsalzquellen besitzt K.
auch ein Bitterwasser, welches dem Friedrichshaller
nahe steht. Zum Trinken werden alle Quellen be-
nutzt, am meisten der Nakoczy, zum Baden die Solc-
auellen, selten nock Pandur. Außerdem sind noch
Vorrichtungen zu Bädern in kohlensaurem Gas, in
salzsaurem Dampf, in der Mutterlauge des Sole-
sprudels und in einem kohlen- und falzsäurehaltigen
Schlamm; ferner bestehen Einrichtungen für Sole-
mhalation, eine Molkenkur-, Kaltwasser-, pneuma-
tische und elektrische Anstalt mit den übrigen Badc-
einrichtungen verbunden. Die beiden Salinen ober-
halb der Stadt werden nur noch zur Gewinnung von
Mutterlauge betrieben. Die Wirkung der Mineral-
quellen äußert sich durch Einfluß auf die Thätigkeit
der Schleimhäute, der Därme, Anregung des Appe-
tits und Beschleunigung des Blutlaufs, also durch
Beförderung des Stoffwechfels. Der Gebrauch der
Kissinger Wässer ist bei fieberhaften Krankheiten,
Tuberkulose und Krebs zu widerraten. Als Kur-
ort ist K. erst seit Anfang des 19. Jahrh, in Auf-
Artikel, die man unter K verm
nähme gekommen und wird in neuester Zeit sehr
besucht (1893:15200 Kurgäste, darunter viele Eng-
länder und Russen); jährlich werden etwa 75000
Bäder verabreicht. Häufiger Gast ist Fürst Bismarck.
Die Versendung des Nakoczy beträgt jährlich
5-600000 Flaschen. 8 km entfernt von K. liegt
das Bad Bocktet (s.d.).
Im Kriege von 1866 griff 10. Juli die Division
Goeben die Stellung der Bayern unter Prinz Karl
bei K. an. Die Brigade Wrangel überschritt die
Saale bei Lindesmühle, und es kam zu einem
erbitterten Kampfe um den Besitz von K., das schließ-
lich von den Preußen erstürmt wurde. Alle Ver-
suche der Bayern, in der Höhe des Dorfes Winkels
sich zu behaupten, scheiterten. Die Bayern zogen
auf Nüdlingen ab. Gegen Abend wurden jedoch
die bayr. Truppen verstärkt, drangen in den Wald
des Sinnberges ein und überraschten die preuß.
Vortruppen; indessen sammelten sich die Preußen
sehr bald und warfen die Bayern an allen Punkten
zurück, sodah der Tag von K. mit einem voll-
ständigen Siege endete. (Vgl. Kunz, Feldzug der
Mainarmee 1866, Verl. 1890.)
Am 13. Juli 1874 war K. der Schauplatz eines
von dem fanatisierten kath. Böttchergesellen Kull-
mann gegen den Fürsten Bismarck verübten Atten-
tats: zur Erinnerung daran wurde 29. April 1877
das Vismarck-Denkmal (eine 3,5 ui hohe Bronzestatue
auf 4,8 in hohem Sandsteinsockel) in den Anlagen
der königl. Salinenbadeanstalt enthüllt.
Vgl. Diruf, Bad K., eine kurze Übersicht seiner
Heilmittel und ihrer Anwendung (2. Aufl., Kiss.
1873); Herm. Welsch, Ids spring and datliZ okX.
(2. Aufl., ebd. 1880); Sotier, Bad K. (2. Aufl., Lpz.
1883); Dietz, Die Kurmittel K.s bei den Erkrankun-
gen der Atmungsorgane und des Halses (2. Aufl.,
Kiss. 1884); Kaden, Bad K. (2. Aufl., ebd. 1892);
von Balling, Die Heilquellen und Bäder zu K.
(9. Aufl., ebd. 1886); von Ising, Die Heilmittel des
Kurortes K. (4. Aufl., ebd. 1889); Werner, Bad K.
und feine Umgebung (4. Aufl., ebd. 1891); Diruf,
K. und feine Heilquellen (6. Aufl., Würzb. 1892);
Heinr. Welsch, Anwendung und Wirkung der Heil-
quellen und Kurmittel von Bad K. (3. Aufl., Kiss.
1893). lZeben (s. d.).
Kis-Szeben (spr. kisch ße>), ungar. Name von
Kiste, Maß- (namentlich Zahlmaß-) und Ge-
wichtsbezeichnung für verfchiedene Waren, z. B. bei
Mineralwasser ^ 100 Flaschen; bei franz. Rotwein
^48 Flaschen, in Marseille---25 Flaschen; bei
Genever in Holland ^ 15, in Antwerpen - 12 Fla-
schen; bei Weißblech in England ^ 100, 200 und
225 Tafeln (je nach der Sorte); bei Fensterglas -
120 Tafeln (20 Bund zu 6 Tafeln), in England ^
100 engl. Quadratfuß; bei Opium -- 1^ Kuffen -
70-75 kg; bei Thee in England -- 38 K3.
Kistew, s. Kiestem.
Kisten, Völkerschaft, s. Tschetschenzen.
Kistenbau, eine für Flußufer angewendete Be-
festigungsart, die darin besteht, daß Pfähle (Kisten-
pfahle) reihenweise längs des Ufers eingerammt
und zwischen denselben Buschholz befestigt wird.
Kiftna oder Krifchna, Fluh in Vorderindien,
entfpringt von den östl. Abhängen der Westlichen
Ghat, ungefähr 64 kni von der Westküste, und durch-
strömt in östl. Richtung die Halbinsel. Nach dem
Durchbruch der Ostghat verbreitert er sich bedeutend
und bildet in 161 Km Entfernung von der Küste ein
Delta (den Distrikt K. der Präsidentschaft Madras,
ißt, sind unter C aufzusuchen.