Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Kleist

409

Kleist v. Nollendorf (Friedr. Heinr. Ferd. Emil) - Kleist (Heinr. Bernd Wilh. v.)

Idyllen und ein kleines Epos "Cissides und Paches") zeichnen sich durch wahre Naturempfindung, oft mit melancholischer Grundstimmung, gesunde Objektivität und einfache und korrekte Sprache aus. Nachdem K. selbst 1756 eine erste und 1758 eine Zweite Sammlung seiner "Gedichte" in Berlin hatte erscheinen lassen, besorgte nach seinem Tode sein Freund Ramler eine Ausgabe der "Sämtlichen Werke" (2 Bde., Berl. 1760 u. ö.). Eine gute Ausgabe von A. Sauer erschien in Hempels "Nationalbibliothek" (3 Bde., Berl. 1880-82). - Vgl. Chuquet, De Ewaldi Kleistii vita et scriptis (Par. 1887).

Kleist von Nollendorf, Friedr. Heinr. Ferd. Emil, Graf, preuß. Feldmarschall, geb. 9. April 1762 zu Berlin, wurde 1774 Page am Hofe des Prinzen Heinrich von Preußen und 1778 Infanterieoffizier im Regiment von Bülow, mit dem er am Bayrischen Erbfolgekriege teilnahm. Er wurde später Adjutant des Feldmarschalls von Möllendorf und 1790 im Generalstabe angestellt, in dem er als Hauptmann die Französischen Revolutionskriege mitmachte. Nachdem er einige Jahre lang ein Grenadierbataillon befehligt hatte, war er 1803-7 vortragender Generaladjutant des Königs. Ende 1808 erhielt er als Generalmajor das Kommando der niederschles. Brigade in Frankfurt a. O. und 1809 die Kommandantur von Berlin. Im Kriege gegen Rußland 1812 befehligte er die Infanterie des preuß. Hilfskorps unter Yorck, und bei Beginn des Feldzugs gegen Frankreich 1813 als Generallieutenant ein preuß.-russ. Korps, mit dem er in der Nacht zum 17. April bei einem Versuche gegen Wittenberg ein rühmliches Gefecht bestand. Als das verbündete Heer bei Dresden die Elbe überschritten hatte, besetzte er den Saaleübergang bei Halle. Er behauptete sich hier 28. April, zog sich aber am folgenden Tage über Schkeuditz zurück. Bei Bautzen verteidigte er 20. Mai mit geringen Kräften den Spreeübergang bei Burg so lange, bis Miloradowitsch Bautzen verlassen hatte. AIs preuß. Bevollmächtigter schloß er sodann 4. Juni den Waffenstillstand zu Poischwitz ab. Nach dessen Ablauf befehligte K. das 2. preuß. Armeekorps, das zum Hauptheere der Verbündeten in Böhmen stieß. In der Schlacht bei Dresden führte er die zweite Angriffskolonne. Auf dem Rückzüge marschierte er über den Kamm des Gebirges nach Nollendorf in den Rücken Vandammes und entschied 30. Aug. durch seinen Angriff die Schlacht bei Kulm. In der Schlacht bei Leipzig kämpfte er mit Glück auf dem linken Flügel des großen Heers bei Markkleeberg. Dann blockierte er mit seinem Korps Erfurt, und folgte später dem Heere nach Frankreich, wo er bei Etoges 14. Febr. 1814 unter Blücher mitkämpfte. Der Sieg bei Laon 9. März wurde vornehmlich durch seinen und Yorcks Entschluß, den Feind am Abend zu überfallen, errungen. Vor Paris kämpfte K. bei Villette. Der König ernannte ihn zum General der Infanterie und erhob ihn 3. Juni 1814 unter dem Namen K. von Nollendorf in den Grafenstand. Nach dem Frieden erhielt er das Generalkommando des 4. Armeekorps (Magdeburg). 1821 bei seinem Abschied wurde er zum Feldmarschall ernannt. Er zog sich auf seine Güter zurück und starb 17. Febr. 1823 zu Berlin. Nach ihm heißt seit 1889 das 1. westpreuß. Grenadierregiment Nr. 6.

Kleist, Heinrich Bernd Wilh. von, Dichter, geb. 18. Okt. 1777 zu Frankfurt a. O., erhielt Unterricht durch Privatlehrer teils in Frankfurt, teils in Berlin, trat 1792 in die preuß. Armee, machte als Junker den Rheinfeldzug von 1796 mit, nahm jedoch, da seine geistigen Interessen im Potsdamer Garnisonleben nicht genügende Nahrung fanden, 1799, dem Widerspruch der Familie zum Trotz, als Sekondelieutenant den Abschied. Nachdem er in Frankfurt seit Ostern 1799 hauptsächlich Philosophie studiert hatte, sah er sich infolge seiner Verlobung mit Wilhelmine von Zenge schon bald darauf genötigt, in Berlin sich nach einer Anstellung im preuß. Staatsdienste umzuthun. Aber ihm fehlte jedes Beharren. Seine ruhelose Wanderlust fand in längern Reisen nach Frankreich und der Schweiz Ausdruck, aber nicht Befriedigung. Im Sommer 1802 löste er sein Verlöbnis, hielt sich dann an verschiedenen Orten Deutschlands, in Jena, Weimar, Leipzig und schließlich Dresden auf, tief versenkt in großgeplante dichterische Arbeiten, die aber zu keiner Vollendung und Reife gediehen. Die ihn darüber anwandelnde Schwermut verließ ihn auch nicht auf einer in die Schweiz und nach Paris unternommenen Reise. Unter Abenteuern und Gefahren heimgekehrt, kam er 1804 wieder um eine Anstellung im preuß. Staatsdienste ein. Er ward als Diätar bei der Domänenkammer nach Königsberg versetzt, gab aber schon 1806 diese Stellung auf, um sich ganz der Dichtkunst zu widmen. Auf der Reise von Königsberg nach Dresden wurde er 1807 zu Berlin von den Franzosen zum Kriegsgefangenen erklärt, nach Frankreich geschafft und dort mehrere Monate lang gefangen gehalten. Nach seiner Freilassung begab er sich nach Dresden, wo er mit Adam Müller das Journal "Phöbus" (1808) herausgab. Er ging dann nach Berlin, wo er die "Abendblätter" (1810-11) redigierte. Hier lernte er Frau Henriette Adolfine Vogel kennen, zu der ihn die Sympathie ihrer trüben Stimmungen und gemeinsame Liebe zur Musik in ein näheres Verhältnis brachte, und die ihm das Gelübde abnahm, ihr einen Dienst zu leisten, sobald sie ihn fordern werde. Kurz darauf forderte sie ihn auf, sie zu töten. K., schon längst an sich und dem Vaterlande verzweifelnd, obendrein tief getroffen durch die Erfolglosigkeit seines poet. Schaffens und in gedrückter Lage, erschoß 21. Nov. 1811 am Wannsee bei Potsdam erst die Freundin und dann sich selbst.

K.s reiche dichterische Begabung, vielfach mit den Grundrichtungen der romantischen Dichterschule zusammenfallend, war gestört durch eine übermäßige Reizbarkeit und Neigung zu selbstquälerischem Grübeln. Dennoch gehören seine Dichtungen zu den wertvollsten der Neuzeit. Wirkliche Gestaltungskraft, feste sichere Zeichnung und lebensvolle Ausführung bleiben ihre großen Vorzüge; kein anderer deutscher Dramatiker hat die gedrängte Kraft und Fülle der Rede, die K. besitzt. Seine dramat. Werke sind: die Trauerspiele "Die Familie Schroffenstein" (Zür. 1803) und "Penthesilea" (Tüb. 1808), die Lustspiele "Amphitryon" (nach Molière, Dresd. 1808) und das niederländ. Genrebild "Der zerbrochene Krug" (Berl. 1812), die Schauspiele "Das Käthchen von Heilbronn" (ebd. 1810), "Die Hermannsschlacht" und "Der Prinz von Homburg"; die beiden letztgenannten, seine vollendetsten Dramen, wurden zuerst von Tieck in K.s "Hinterlassenen Schriften" (ebd. 1821) bekannt gemacht. Ein dramat. Plan "Robert Guiscard" blieb Fragment. K.s "Erzählungen" (2 Bde., ebd. 1810, 1811), unter denen sich namentlich "Michael Kohlhaas" als ein Meisterstück auszeichnet, bekunden ein glänzendes novellisti-^[folgende Seite]