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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Klinger - Klinke
ichaft Zwickau, an der böhm. Grenze, der Nebenlinie ^
K.-Herlasgrün (53,i km) der Sächs. Staatsbahnen
und der Linie K.-Falkcnau a. d. Eger (30 1<m) der
Vuschtiehrader Eisenbahn, Sitz eines Amtsgerichts
(Landgericht Plaucn) und Zollamtes, hat (1890)
5023 E., darunter 365 Katholiken; Post zweiter
Klasse, Telegraph, eine Musikschule; bedeutende Fa-
brikation von Streich- und Vlasinstrumenten, Saiten,
Zithern, Guitarren, Mundharmonikas, Konzertinos
und Accordions, außerdem Weiß- und Buntstickerei.
Klinger, Friedr. Maximilian von, Dichter, geb.
17. Febr. 1752 zu Frankfurt a. M., verlor schon
1760 seinen Vater und wuchs in ärmlichen Verhält-
nissen auf; seit 1774 studierte er in Gießen die Rechte
und erregte zuerst Aufsehen durch das von Hamburg
aus 1775 mit dem ersten Preise gekrönte Trauer-
spiel "Die Zwillinge". 1776-78 war er Theater-
dichter bei der Seylerschen Schauspielergesellschaft.
Als der Bayrische Erbfolgekrieg ausbrach, trat er
in das Woltersche Freikorps als Unterlieutenant.
Nach dem Frieden verabschiedet, lebte er bei seinem
Freunde I. G. Schlosser in Emmendingen und bei
Sarasin in Pratteln bei Basel. 1780 ging er nach
Petersburg, wo er als Offizier und zugleich als Vor-
leser bei dem Großfürsten Paul angestellt wurde, in
dessen Gefolge er 1781 eine Neife durch Italien,
Frankreich, die Schweiz und Deutschland mitmachte.
Als Offizier bei dem adligen Kadettenkorps in
Petersburg 1784 thätig, stieg er unter Katha-
rina II. bis zum Obersten, wurde 1798 General-
major und 1801 Direktor des Kadettenkorps. Unter
Alexanders I. Regierung wurden ihm die Kuratel der
Universität zu Dorpat und die Oberaufsicht über
das Pagenkorps, über die Verwaltung des Fräulein-
stifts und des St. Katharinen-Ordensstiftcs anver-
traut. Auch erhielt er die Rente eines Kronguts in
Kurland auf Lebenszeit und wurde 1811 General-
lieutenant ; 1820 legte er die meisten seiner Ämter nie-
der. K. starb 25. Febr. (9. März) 1831 zu Dorpat.
Seine frühern Dramen, wie "Die Zwillinge"
(1776), "Otto" (Neudruck, Heilbr. 1881), "Das lei-
dende Weib", "Sturm und Drang" (1776), welches
jener Litteraturperiode den Namen gab, "Grifaldo"
u. s. w., ergriffen durch gewaltige, wiewohl unge-
zügelte Kraft, fesselten aber nicht auf die Dauer. Die
spatern, vor allen "Medea in Korinth" und "Medea
auf dem Kaukasos" (1791), in der Fremde entstanden,
blieben trotz der großartigen tragifchen Kraft, die
sich in ihnen offenbart, der deutfchen Litteratur
fremd. Auch feine Versuche auf dem Gebiet des Lust-
spiels fanden nicht die ihnen gebührende Beachtung.
Unter seinen Romanen ist der bekannteste die düster-
pessimistische Behandlung des Fauststoffs "Fausts
Leben, Thaten und Höllenfahrt" (Petersb. 1791;
vgl. G. I. Pfeiffer, K.s Faust. Eine litterarhistor.
Untersuchung, hg. von V. Seuffert, Würzb. 1890).
Erwähnung verdienen außerdem "Geschichte Giafars
des Barmenden", "Geschichte Rafaels de Aquilas",
"Die Reisen vor der Sündflut", "Der Faust der
Morgenländer", "Geschichte eines Deutschen der
neuesten Zeit", "Der Weltmann und der Dichter"
und "Sahir, Evas Erstgeborener im Paradiese".
Als tiefen Denker, edlen Menschen und trotz aller
trüben Erfahrungen unverwüstlichen Idealisten
offenbart sich K. in seinen "Betrachtungen und
Gedanken über verschiedene Gegenstände der Welt
und der Litteratur" (3 Bde., Lpz. 1802-5), die den
bedeutendsten Erzeugnissen der klassischen Litteratur-
periode zuzuzählen sind. Seine gesammelten Werke
erschienen in 12 Bänden (Ko'nigsb.1809-15; neue
Aufl., Lpz. 1832-33; Stuttg. 1841), eine Auswahl
in 8 Bänden (Stuttg. 1878-80) und in Kürschners
"Deutscher Nationallitteratur" (Stürmer und
Dränger, hg. von Sauer, Bd. 1, Stuttg. 1883). -
Vgl. Rieger, K. in der Sturm- und Drangperiode
dargestellt (Bd. 1, Darmst. 1880); E. Schmidt, Lenz
und K. (Berl. 1878); Prosch, K.s philos. Romane
(Wien 1882); Iacobowski, K. und Shakespeare
(Dresd. 1891).
Klinger, Max, Maler und Radierer, geb.
18. Febr. 1857 in Leipzig, war Schüler Gussows in
Karlsruhe und siedelte mit diesem 1875 nach Berlin
über, wo er Schüler der Akademie wurde. 1879 ging
er nach Brüssel, 1883 auf drei Jahre nach Paris,
dann wieder nach Berlin. 1888 - 92 lebteer in
Rom und ließ sich 1893 in Leipzig nieder. 1879
erschienen seine ersten Radierungen, denen beson-
ders die großartige und stimmungsvolle Auffassung
der Landschaft ihre Bedeutung giebt. In den Cyklen
Ein Leben, Dramen, Eine üiebe schilderte er im
nackten Naturalismus die Prosa des Liebeslebens
in den Großstädten, die durch ihre Auffassung wie
durch die Schwächen der Zeichnung die Abneigung
des Publikums hervorriefen. Glücklicher war K. in
der Schilderung der Macht des Todes. 1887 stellte
er das kolossale Ölgemälde Urteil des Paris aus,
1891 die Kreuzigung Christi, dann I^keui-s diene,
1893 eine ?i6tü. (Dresdener Galerie) und eine be-
deutende Stichfolge Vom Tode (2 Teile). Auch als
Plastiker ist K. hervorgetreten (Salome, Marmor;
Museum in Leipzig) und ist mit einem großen Ge-
mälde: Christus auf dem Olymp, beschäftigt. -
K. schrieb "Malerei und Zeichnung" (Lpz. 1891).
Klingfor, s. Klinschor.
Klingstein, s. Phonolith.
Klinik (lat. clwicum, vom grch. klins, Bett), zu-
nächst der Unterricht in der praktischen Medizin am
Krankenbett, dann auch eine Anstalt, in welcher die
angehenden Arzte in der Erkennung und Behandlung
der Krankheiten unterwiesen werden. Es giebt drei
Arten vonK.: 1) die stehendeoder stationäre K.,
d. h. der Unterricht im klinischen Hospital, in welchem
Kranke unentgeltlich oder gegen geringe Vergütung
behandelt werden, aber bei ihrer Aufnahme sich still-
schweigend verpflichten, sich zum Unterricht der
jüngern Arzte gebrauchen zu lassen; 2) die städtische
oder Poliklinik, welche darin besteht, daß die
Kranken in ihren Wohnungen durch die jüngern
Arzte unter Aufsicht des Lehrers befucht und behan-
delt werden; 3) die ambulatorisch e K., eine Unter-
richtsanstalt, zu welcher die Kranken selbst kommen,
um sich Rat und nach Umständen (meist unentgelt-
liche) Arznei zu holen. Hinsichtlich der verschiedenen
Fächer, welche die K. behandelt, hat man wieder
eine medizinische (sog. innere), eine chirurgische (sog.
äußere), eine geburtshilfliche, eine augenärztliche,
eine Ohrenklinik u. s. w.
Kliniker (grch.), Lehrer in einer Klinik (s. d.);
auch der die Klinik besuchende Student.
Klinke, ein einarmiger, seltener zweiarmiger, um
einen Zapfen drehbarer kurzer Hebel, der dazu dient,
einen Maschinenteil in seiner Bewegung zu hemmen
(Sperrklinke,Fallklinke) oderauck, wie beider
Klinkensteuerung an Dampfmaschinen, die Bewegung
oder Umstellung eines Maschinenteils hervorzurufen.
Die gebräuchlichste Form der K. zeigt die umstehend
abgebildete Spcrrklinke. Hier ist das Sperrrad d
der in seiner rotierenden Bewegung durch die K. a
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.
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