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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Knochenbrüchigkeit - Knochenfraß

übersehen werden kann, befestige man das kranke Glied mit Binden oder mit Tüchern, zerschnittenen Hemden, Bettlaken u. dgl. auf einer festen Unterlage (Schienen aus Latten, Brettern, Cigarrenkisten, Pappstücken, Draht, zusammengebundenen Zweigen u. ähnl.) derart, daß es nicht mehr schmerzt und sich nicht verschieben kann, und lege bis zur Ankunft des Arztes kalte Umschläge von Eis, Schnee oder Wasser auf die Bruchstelle auf. Im äußersten Notfalle kann man auch das gesunde Bein als Schiene benutzen, indem man das zerbrochene Bein mit Tüchern an dasselbe festbindet. Kann man das zerbrochene Glied nicht hinreichend fixieren, so mag man den Verletzten lieber noch längere Zeit bis zum Erscheinen des Arztes auf der Stelle, wo das Unglück geschehen ist, liegen lassen, als daß man ihn den Schmerzen und Gefahren eines längern Transports ohne hinreichende Sicherung der gebrochenen Knochen aussetzt.

Vgl. Esmarch, Die erste Hilfe bei Verletzungen (Hannov. 1875); Hoffa, Lehrbuch der Frakturen und Luxationen (Würzb. 1888); Esmarch, Die erste Hilfe bei plötzlichen Unglücksfällen (9. Aufl., Lpz. 1891); Kiesewetter, K. und Verrenkungen (Wiesb. 1893).

Knochenbrüchigkeit (Osteopsathyrosis), Weichheit der äußerlich sonst nicht nachweisbar erkrankten Knochen, sodaß dieselben leicht brechen. Die Ursache der K. ist unbekannt. In andern Fällen ist die K. dadurch bedingt, daß der Knochen durch Entzündungen, durch Geschwulstbildungen (Krebs) erweicht wird.

Die K. der Rinder, auch Markflüssigkeit, Rackseuche genannt, tritt namentlich bei trächtigen oder milchenden Kühen auf und ist die Folge einer zu starken Abgabe von Kalk aus den Knochen, die durch den Genuß kalkarmen Futters nicht genügend ersetzt wird. Behandlung: Futterwechsel und als Medikament präpariertes Knochenmehl (auf jedes Futter einen Eßlöffel voll).

Knochendrains, hohle, entkalkte Knochenröhren; sie werden in der Chirurgie behufs Ableitung des Wundsekrets, des Eiters u. s. w. angewandt; sie sind dadurch ausgezeichnet, daß sie sich von selbst auflösen.

Knochenentzündung, s. Ostitis.

Knochenerde, s. Knochen (S.445b)).

Knochenerweichung, s. Osteomalacie.

Knochenfett, s. Knochen (S. 445b).

Knochenfirnis, eine Form der Bernsteinstücke, s. Bernsteinindustrie (Bd. 2, S. 842a).

Knochenfische oder Grätenfische (Teleostei), die größte Ordnung der Fische, mit knöchernem Skelett, am Rande freien, unter einem Kiemendeckel verborgenen Kiemen und zwei Klappen am nicht muskulösen Arterienstiel des Herzens. Diese letztern Charaktere dienen besonders zur Unterscheidung von den Ganoiden oder Schmelzschuppern (s. d.). Die Wirbelsäule der K. besteht immer aus bikonkaven Wirbelkörpern. Man teilt die K. gewöhnlich nach dem Verbleiben eines geöffneten Luftgangs zwischen der Schwimmblase und dem Schlunde, oder dem Verschlüsse dieses Ganges, sowie nach der Beschaffenheit der vordern Strahlen der Rückenflosse, die bald stachlig, bald weich sind, endlich nach der Anordnung der Kiemen und der Kiefer- und Schlundknochen in die Unterordnungen der Stachelflosser, der Schlundkiefer, der Weichflosser, der Schlundblasenfische, der Haftkiefer und der Büschelkiemer. Es sind weit über 6000 Arten beschrieben. (S. die Tafel: Buntfarbige Fische [Bd. 6, S. 828] und die Tafel: Fische I, Fig. 1-10; Taf. II, Fig. 1-14; Taf. III, Fig. 1-5; Taf. IV, Fig. 1-5; Taf. V, Fig. 1-14; Taf. VI, Fig. 2 sowie die betreffenden Einzelartikel.)

Knochenfisteln, s. Knochenfraß.

Knochenfraß oder Beinfäule (Caries), eine mit Eiterung und Jauchung verbundene Verschwärung der Knochen (Knochengeschwür), die sich häufiger in schwammigen als in festen Knochen findet und dieselben Ursachen hat wie die Verschwärung anderer Gewebe, oder auch durch Syphilis oder Skrofulose veranlaßt ist. Der Knochen wird hierbei ganz allmählich zerstört, indem das Knochengewebe entweder Schicht für Schicht von der freien Oberfläche her in einen feinen molekularen Detritus zerfällt (sog. Molekularnekrose des Knochens) oder, was häufiger, durch wuchernde, vom entzündeten Knochenmark oder von den Blutgefäßen der Knochenrinde ausgehende Fleischwärzchen zerstört wird (malacische oder fungöse Karies). Ist mehr oder minder reichliche Eiter- und Jauchebildung mit der Knochenverschwärung verbunden, so spricht man von feuchtem K. (caries humida), im Gegensatz zum trocknen K. (caries sicca), bei welchem der zerfallene Knochen sofort aufgesaugt wird, ohne daß Knochenjauche zum Vorschein kommt. Seinen Ausgang nimmt der K. gewöhnlich von vernachlässigten und verschleppten Entzündungen und Vereiterungen der Weichteile, insbesondere der Gelenkteile, welche allmählich auf den Knochen übergreifen, seltener von Knochenhaut- oder Knochenmarkentzündungen, die viel häufiger zum Knochenbrand führen. Man erkennt den K. an der oft beträchtlichen Anschwellung und Austreibung des kariösen Gliedes, an der Steifigkeit und Schmerzhaftigkeit des benachbarten Gelenks und an dem Vorhandensein von mehr oder minder zahlreichen Fistelgängen, die eine dünneiterige, mißfarbige und übelriechende, häufig mit sandartigen Knochenpartikelchen vermischte Flüssigkeit absondern; dringt der Arzt mit einer metallenen Sonde in einen derartigen Fistelgang ein, so stößt er auf den rauhen, morschen und erweichten Knochen, der von seiner Beinhaut entblößt ist. Die Krankheit, welche sich vorzugsweise bei Kindern und skrofulösen jungen Leuten findet, nimmt meist einen chronischen, über viele Monate, selbst Jahre und Jahrzehnte dauernden Verlauf und erfordert zu ihrer Heilung außer der Kräftigung der Konstitution durch gute Nahrung, den Genuß frischer und reiner Luft und warmer Bäder nicht selten die operative Entfernung (Resektion) der kariösen Knochenteile.

Knochenbrand, Knochennekrose (Nekrosis) nennt man dagegen das Absterben eines Knochens oder Knochenteils, welches häufiger kompakte als schwammige Knochen befällt, und wobei der abgestorbene Knochen gewöhnlich nicht die geringste Veränderung seiner Textur und Struktur erfährt. Das abgestorbene Knochenstück oder der Sequester wird oft von dem noch vorhandenen oder von der Beinhaut neu gebildeten Knochen (Toten- oder Knochenlade) eingeschlossen. In der Knochenlade finden sich in der Regel mehrere fensterartige Öffnungen, sog. Kloaken oder Knochenfisteln, durch welche der im Innern der Lade gebildete Eiter nach außen abfließt. Knochenbrand entsteht am häufigsten durch Aufhören des Blutkreislaufs und damit der Ernährung des Knochengewebes infolge von Verletzungen und Erschütterungen oder auch aus innern Ursachen (Embolie, Skrofulose, Syphilis, Typhus u. dgl.). Heilung wird erzielt durch die Se-^[folgende Seite]

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