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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Koagulum - Koalitionsrecht
Koagülum stat.), das Gerinnsel; in der Medizin
insbesondere der seste Nicderschlag aus dem Vlnt,
auch der Blutkuchen. <S. Blut, Bd. 3, S. 158d.)
Koaks, s. Koks.
5koal ^uäMllini3 niFor ^i</. c5 Ilo, s/.), schwär-
zer Kuckuck, ein 41-43 cm langer Kuckucksvogel
von schwarzgrüner Farbe, bewohnt von Ceylon an
ganz Indien bis zu den Philippinen.
Koala oder Beutelbär f?kH3c0iai'cw8 cine-
i-euZ <7?-a^, s. Tafel: Beuteltiere II, Fig. 4), ein
in Neusüdwales vorkommendes Beuteltier von etwa
60 cin Länge mit plumpem Körper, großem dickem
Kopse und füufzehigen Extremitäten. Ein Schwanz
fehlt vollkommen; der Pelz ist sehr dicht und weich
und von fchmutziggraucr Farbe. Der K. ist ein nächt-
liches, langsam sich bewegendes Klettertier, das von
Baumblättern und andern Vegetabilien lebt.
Koalieren (sich) oder Koalisieren (frz.), sich
verbinden, verbünden.
Koalition (frz., vom lat. <?0k1o3c6r6, zusammen-
wachsen, verschmelzen), Verbindung, Vereinigung,
insbesondere aber die Verbindung mehrerer Mächte
zum gemeinschaftlichen Kampfe gegen eine einzelne
Macht. Die K. ist eiue besondere Art der Allianz
(s. d.). Ein Koalitionsministerium ist ein sol-
ches, welches aus Mitgliedern verschiedener Par-
teien (z. B. in England aus Whigs und Tories) zu-
sammengesetzt ist. Endlich heißt K. auch die zeit-
weilige Vereinigung der Interessenten einer gewissen
Klasse zur Erlangung wirtschaftlicher Vorteile, wie
der Produzenten oder Inhaber gewisser Waren,
welche die Preise emportreiben wollen, oder der
Arbeiter oder Arbeitgeber (s. Koalitionsrecht).
Koalitionsrecht, Koalitionsfreiheit, das
Necht der Verbindung von Arbeitgebern sowie das
Recht der Arbeiter auf Vereinigung (Koalition) zum
Zweck einer Verbesseruug ihrer Arbeitsbedingungen.
Die Koalitionsfreiheit ist deshalb für den Arbeiter
notwendig, weil durch sie erst die Freiheit des Arbeits-
vertrags gewährleistet werden kann; vereinzelt ist
der Arbeiter dem Unternehmer gegenüber machtlos
und muß sich unter Umständen die härtesten Arbeits-
bedingungen gefallen lassen; mit seinen Kameraden
verbündet, stellt er eine ansehnliche Macht dar.
Namentlich aber, wenn den Unternehmern Koali-
tionsfreiheit gewährt wird, muß dasfelbe Necht auch
den Arbeitern zustehen. Erst in neuerer Zeit hat
man das K. den Arbeitern, wenigstens den indu-
striellen, in den meisten Kulturstaaten gewährt;
früher waren die Vereinigungen von Arbeitern und
Arbeitgebern vielfach unter Strafe gestellt. Schon
Adam Smith hatte das K. gegen die damalige
Gesetzgebung Euglands verteidigt. Nach dem
erneueilen Koalitwnsgesetz von 1800 wurde die
Koalition wie ein Verbrechen bestraft; jede Selbst-
hilfe der Arbeiter auf dem Wege der Vereinigung
war mit schweren Freiheitsstrafen bedroht. 1824
wurde dieses drakonische Gesetz beseitigt und das
Koalitionsverbot durch Gesetz vom 21."Juni 1824
aufgehoben. Nur die Anwendung von Gewalt
gegen Personen oder Eigentum, von Drohungen
oder Einschüchterungen, um den oder die Arbeit-
geber oder deren Beauftragte zur Bewilligung der
Wünsche der Arbeiter zu zwingen, wurde^mit Ge-
fängnis bedroht. Da infolge diefes Gesetzes massen-
haft Koalitionen erfolgten und man die schädlichen
Wirkungen der Koalitionsfreiheit fürchtete, bean-
tragte Huskisson 1825 die Nicdersetzung eines Par-
lamentsausschusses Zur Untersuchung der Koali-
tionen. Das K. wurde dann zwar nominell auf-
recht erhalten, aber 1825 in wichtigen Punkten das
Gemeine Recht über Verschwörungen für Koalitionen
wieder in Kraft gesetzt. Von Strafen waren danach
befreit nur Personen, die zusammenkommen, um
die Löhne und die Arbeitszeit festzustellen, welche
die bei der Zusammenkunft persönlich Gegenwär-
tigen verlangen oder gewähren sollen, und die eine
Vereinbarung zu diesem Zweck unter sich selbst tref-
fen. Alle andern Koalitionen zum Nachteil Dritter
wurden wieder als Verschwörungen und für straf-
bar erklärt. Erst in den siebziger Jahren wurde das
K. gewährt und zwar durch die beiden Gesetze vom
29. Juni 1871 (betr. die 'Ii-aäe nniong und betr.
Ids ciimin^i 1a>v Äiu6N(1iii6nt) und durch das Gesetz
vom 13. Aug. 1875.
Auch inFrankreich war durch Gesetz vom 14. bis
17. Juni 1791 das Verbot der Arbeiterkoalition aus-
gesprochen und gleichzeitig jede dauernde gewerb-
liche Verbindung untersagt. Erheblich verschärft
wurde dieses Verbot durch Gesetz vom 22. Germinal
XI (12. April 1803); 1810 wurde die Verfolgung
der Koalitionen durch §8.414-416 des (^oäe pönai
geregelt; durch Gesetz vom 27. Nov. 1849 wurden
Unternehmer und Arbeiter hinsichtlich der Strafen
für Koalitionen gleichgestellt. Durch Gesetz vom
25. Mai 1864 wurde das K. gewährt, aber gleich-
zeitig bestimmt, daß die Arbeiter bestraft werden
sollen, die die freie Ausübung der industriellen
Arbeit durch Gewaltthaten, Drohungen und betrüge-
rische Vorspiegelungen zum Zwecke einer Erhöhung
oder Erniedrigung der Löhne zu hindern suchen.
Was die preußisch-deutsche Gesetzgebung an-
belangt, so hatten die alten Koalitionsverbote noch
in der preuß. Gewerbeordnung von 1845 Ansnahme
gefunden. Wie in Preußen verhielt man sich auch
in den andern deutschen Staaten zum K. ableh-
nend. Der erste deutsche Staat, der das K. ein-
räumte, war Sachsen durch das Gewerbegesetz
vom 15. Okt. 1861. In den meisten andern Staaten
wurde es erst eingesührt durch die Gewerbeordnung
vom 21. Juni 1869; dort bestimmte §. 152: "Alle
Verbote und Strafbestimmungen gegen Gewerb-
treibcnde, gewerbliche Gehilfen, Gesellen oder Fabrik-
arbeiter wegen Verabredungen und Vereinigungen
zum Behufe der Erlaugung günstiger Lohn- und
Arbeitsbedingungen, insbesondere mittels Ein-
stellung der Arbeit oder Entlassung der Arbeiter,
werden aufgehoben. Jedem Teilnehmer steht der
Rücktritt von solchen Vereinigungen und Verabre-
dungen frei und es findet aus letztern weder Klage
noch Einrede statt." Der im Interesse der Freiheit
notwendige Schutz gegen den Mißbrauch, die freie
Entfchließung durch Drohungen zu beeinträchtigen,
wurde in der Strafbestimmung des §. 153 ge-
sucht: "Ner audere durch Anwendung körperlichen
Zwanges, durch Drohungen, durch Ehrverletzung
oder durch Verrufserklärung bestimmt oder zu be-
stimmen sucht, an solchen Verbindungen (§. 152)
teilzunehmen oder ihnen Folge zu leisten, oder an-
dere durch gleiche Mittel hindert oder zu hindern
versucht, von solchen Verabredungen zurückzutreten,
wird mit Gefängnis bis zu 3 Monaten bestraft,
sofern nach dem allgemeinen Strafgesetz nicht eine
höhere Strafe eintritt." Nur für ländliche Arbeiter
und Dienstboten und für Schiffsknechte besteht in
Preußen das K. noch nicht; vielmehr bestimmt das
Gesetz vom 24. April 1854, daß diese Personen, so-
bald sie die Arbeitgeber oder die Obrigkeit zu ge-
lirtitel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.