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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Koi-su; Koinvestitur; Koios; Koipu; Köj; Kojambatur; Koje; Kojetein; Kojundschuk; Koka; Kokan; Kokanada; Kokapflanze; Kokarde

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Koinvestitur - Kokarde

Orient stehen neben ihnen die Sketen (s. d.) und die Kellien (s. Kellion). Als Neubildungen der Koinobien sind die idiorrhythmischen (s. d.) Klöster anzusehen.

Koinvestitur (lat.), Mitbelehnung, im Lehnswesen die Investitur, die mehrern Personen gleichzeitig an demselben Gegenstand erteilt wird.

Koios (lat. Cöus), nach der griech. Sage einer der Titanen und Vater der Leto und Asteria.

Koipu, s. Sumpfbiber.

Koi-su (türk., "Hammelwasser"), mehrere Flüsse im russ. Gebiet Dagestan, die auf dem Hauptrücken des Kaukasus entspringen. Die hauptsächlichsten sind der Awarische K. (östlich) und der Andische K. (westlich), die nordöstlich fließen und sich zum Fluß Sulak (s. d.) vereinigen.

Köj (Kjöi, türk.), Dorf.

Kojambatur(u), früher Kojampadi und Koïbmutur genannt (engl. Coimbatore), Hauptort des Distrikts K. (20 310 qkm und [1881] 1 657 690 E., meist Hindu) in der indobrit. Präsidentschaft Madras in Britisch-Ostindien, ist unter 11° nördl. Br. und 77° östl. L. auf dem linken Ufer des Nojil, eines rechten Nebenflusses des Kaweri, unweit des Nilgirigebirges, in einer trocknen, gesunden Gegend, an der Bahnlinie Madras-Bepur (Beypore) gelegen und hat (1891) 46 883 E.

Koje (niederdeutsch), feste hölzerne Bettstelle auf Kauffahrteischiffen, die gewöhnlich für die Mannschaften und Passagiere zu zweien übereinander an der Bordwand aufgebaut sind. Die Offiziere auf Kriegsschiffen haben feste hölzerne oder schwingende eiserne K. in ihren Kammern.

Kojetein, Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Prerau in Mähren, an der March und an den Linien Brünn-Prerau und K.-Bielitz (180 km) der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn, Sitz eines Bezirksgerichts (252,63 qkm, 27 469 meist czech. E.), hat (1890) 5605 meist czech. E., Post, Telegraph, ansehnliche Kirche, Rathaus; Zuckerraffinerie, Aktienmalzfabrik, 2 Brauereien und Ackerbau.

Kojundschuk, s. Kujundschik.

Koka (Coca) oder Cuca, der peruan. Name eines Strauches (Erythroxylon Coca Lam., s. Erythroxylon und Fig. 3 beim Artikel Äsculinen), dessen das Alkaloid Cocaïn (s. d.) enthaltende Blätter ähnlich wie der Betel gekaut werden. Der Kokastrauch (Kokapflanze) erinnert in seinem Aussehen an unsern Schwarzdorn. Er erreicht eine Höhe von etwa 1½ m und wächst wild in Ecuador, Bolivia, Peru und dem nördl. Chile. Man kennt zwei Spielarten: Ypara, besonders in Peru gedeihend, und Hatun Yunca, die in Bolivia verbreitet ist und oberseits dunkelgrüne, unterseits aber hellere Blätter trägt als die erstere Spielart. Die Kokablätter sind länglich elliptisch, bis 6 cm lang und etwa halb so breit. Nach oben enden sie gewöhnlich in einer Spitze, können aber auch abgerundet und mit einem Stachelspitzchen versehen sein; nach unten verjüngen sie sich in einen kurzen, 5 mm langen Stiel. Sie sind ganzrandig und der Rand etwas umgebogen, oberseits schmutziggrün, unterseits blasser, kahl, dünn, steif und zerbrechlich. Von dem starken Mittelnerv verlaufen meist zwei Falten nach der Spitze zu, die besonders unterseits deutlich hervortreten. Infolge des zur Zeit lebhaften Bedarfes an Kokablättern wird der Anbau des Strauches mit großem Erfolge betrieben und zwar vorzugsweise an den östl. Abhängen der Anden in einer Höhe von 1-2000 m ü. d. M. Die Fortpflanzung geschieht am besten durch Samen, die kurz vor der Regenzeit, dem besten Zeitpunkte für die Aussaat, geerntet werden. Die Samen werden auf ein humusreiches, gut zerkleinertes, durch ein Matten- oder Blätterdach gedecktes Beet gesät, nur wenig eingedrückt und gut bewässert. Wenn die jungen Pflänzlinge 15 cm hoch sind, wird das Schutzdach entfernt. Bei Eintritt der folgenden Regenzeit werden dann die Pflanzen auf trocknen, aber nicht magern Boden, der sorgfältig zerkleinert und von Unkraut gereinigt ist, versetzt. Die Pflege der Pflanzungen besteht von nun an in zeitweiligem Auflockern und Reinhalten des Bodens. 1½ Jahre nach dem Verpflanzen kann zum erstenmal geerntet werden (höchstens zwei Drittel der Blätter). Nach je 2-2½ Monaten wiederholen sich die Ernten bis zum 40. Jahre. Die geernteten grünen Blätter werden in dünnen Lagen auf einer Wärme aufsaugenden, schwarzen Unterlage (Wolltuch oder Schieferplatten) getrocknet und dann in Säcke von etwa 25 kg Inhalt fest eingepackt. Da dieses Verfahren aber noch sehr mangelhaft ist, kommt selten gute, recht oft sogar fast wertlose K. nach Europa. Man schätzt die jährliche Gesamtproduktion auf 16 Mill. kg. Die Ausfuhr der getrockneten Kokablätter betrug 1888: 3194 Doppelcentner im Werte von 239 166 M., 1889: 4572 Doppelcentner im Werte von 423 950 M.

Kokan, Khokan, Chokand. 1) Ehemaliges Chanat in Centralasien, zu beiden Seiten des Syr-darja, grenzte im O. an China, im W. an Buchara, im S. an Karategin, im N. an den Steppenfluß Tschu und hatte gegen 220 000 qkm. Das Land hatte sich 1597 von Buchara freigemacht. 1840 begannen neue Händel, die zuletzt die Einmischung der Russen hervorriefen. 1853 wurde von den letztern die Feste Ak-metschet (jetzt Fort Perowskij) erobert, 1864 Turkestan genommen, bald darauf Tscheschkent (Taschkent), 1866 Chodschent, 1876 der letzte Rest K.s, aus dem das russ. Gebiet Ferghaná (s. d.) gebildet wurde. - 2) Kreis im westl. Teil des russ.-centralastat. Gebietes Ferghaná, hat 15 036,5 qkm und 201 977 E. - 3) Kreisstadt im Kreis K., 12 km südlich vom Syr-darja, an drei Armen des Flüßchen Tul, hat (1885) 54 043 E. K. ist Knotenpunkt verschiedener Karawanenzüge und war bis 1876 Hauptstadt des Chanats.

Kokanada (Cocanada), s. Kakinada.

Kokapflanze, s. Koka.

Kokarde, in Frankreich Bezeichnung für die Bandschleife in Gestalt einer Rosette auf dem Hute, die anfangs als Erkennungszeichen polit. Parteien und später als Nationalzeichen galt. Die größte Berühmtheit erlangte die dreifarbige, blau-weiß-rote K. (blau und rot sind die Farben von Paris, weiß die Farbe des Königtums). Seit dem Befreiungskriege von 1813 kamen auch in Deutschland die Nationalkokarden, nach den Landesfarben zusammengesetzt, auf. Man trug sie damals allgemein; später wurden sie nur noch vom Militär und uniformierten Beamten getragen. In der deutschen Armee hat nach Art. 63 der Reichsverfassung der betreffende Kontingentsherr die K., wie überhaupt die äußern Abzeichen zu bestimmen. Doch führen die Truppen derjenigen Bundesstaaten, die mit Preußen Militärkonventionen abgeschlossen haben, außer ihrer Landeskokarde auch die preuß. (schwarz-weiße) K. Die deutsche Marine trägt die deutsche (schwarz-weiß-rote) K. Die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte und die Versetzung in die

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