Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

486
Kolbe (Adolf Wilh. Herm.) - Kolbenwasserkäfer
Haar wurde nach allen Seiten gleichmäßig herab-
gekämmt, in der Mitte der Stirn gerade abgeschnitten
und diese Linie etwa bis zur Mitte des Ohres weiter
geführt. Ebenso trug man zwar einen Vollbart,
schnitt ihn aber direkt unter dem Kinn in gerader
Linie ab, sodaß der Kopf nicht mehr lang, sondern
rund wie eine Knolle am Ende einer Keule erschien.
Mit K. ward sowohl der Kopf an und für sich als
das Haar allein, dann besonders der glatt gescho-
rene Kopf und später sogar die Perücke bezeichnet.
Kolbe, Adolf Wilh. Herm., Chemiker, geb.
27. Sept. 1818 zu Elliehausen bei Göttingen, studierte
Chemie in Göttingen unter Wöhler, wurde 1842
Assistent bei Vunsen in Marburg und 1845 Assistent
Lyon Playfairs am Laboratorium des Uu86um ok
economio (^ow^ in London. 1847 übernahm er in
Braunschweig die Redaktion von Liebigs und Wöh-
lers "Handwörterbuch der Chemie", wurde 1851 ord.
Professor der Chemie in Marburg, 1865 in Leipzig,
wo er 25. Nov. 1884 starb. Seine Experimental-
untersuchungen waren zumeist auf die Ausbildung
der Theorie von der Konstitution der organischen
Verbindungen gerichtet, an deren Entwicklung er
einen hervorragenden Anteil genommen hat. Er
war bis zu seinem Tode überzeugter Anhänger der
ältern, von ihm neu belebten Nadikaltheorie, ob-
gleich er selbst wohl das meiste dazu gethan hat,
die Zusammengesetzten Radikale in immer kleinere
aufzulösen. Den letzten konsequenten Schritt des
Zurückgehens bis auf die Elementaratome hat er
nicht mitgemacht, sondern, wie vordem der Typen-
theorie, so später der Strukturchemie Opposition
gemacht. Von seinen Entdeckungen sind einige
auch von praktischer Bedeutung geworden, so die
1861 mit R. Schmitt beobachtete Umwandlung der
Carbolsäure in Korallin, die Aussindung einer Me-
thode, Salicylsäure in großen Mengen künstlich dar-
zustellen (1873), und seine Entdeckung der antisep-
tischen Eigenschaften der Salicylsäure, wodurch diese
ein wertvolles Arzneimittel geworden ist. Unter K.s
Werken sind hervorzuheben: "Ausführliches Lehr-
buch der organischen Chemie" (3 Bde., Vraunschw.
1854-78), dessen zweite Auflage (ebd. 1880-84)
von E. von Meyer herausgegeben wurde; "Kurzes
Lehrbuch der Chemie" (Tl. 1: Anorganische Chemie,
ebd. 1877; 2. Aufl. 1884; Tl. 2: Organische Chemie,
ebd. 1883). In den Schriften "Das chem. Labora-
torium der Universität Marburg" (ebd. 1865) und
"Das chem. Laboratorium der Universität Leipzig"
(ebd. 1872) sind gemeinschaftliche Arbeiten K.s und
seiner Schüler zusammengestellt. 1869 übernahm K.
die Redaktion des "Journals für praktische Cbemie".
Kolben, eine im Mittelalter gebräuchliche Schlag-
waffe (Streitkolben) von keulenartiger Beschaf-
fenheit, aus Stiel und kugelartigem Knopf bestehend.
Ferner der untere Teil des Schaftes der Handfeuer-
waffen und Jagdgewehre (Gewehrkolben); der
K. der Infanteriegewehre wird, ohne dazu bestimmt
zu sein, im Handgemenge häufig als Schlagwaffe
angewendet.-In derIägersprachc die noch weichen,
knorpeligen Stangen und Enden am Geweih und
Gehörn. - über K. in der Botanik s. Blutenstand
nebst Tafel: Blütenstand, Fig. 9. - In der
Chemie ist K. ein kugeliges Glasgefäß mit nach
dem Ende zu sich erweiterndem Hals, das bei der
Destillation als Vorlage verwendet wird.
Kolben,imMaschinenbaudiejenigenOrgane,
die sich in einem Cylinder, an dessen Wandungen
sie sich dicht anschließen, hin und her bewegen und
Artikel, die man unter K verm
den Zweck haben, von Flüssigkeiten oder Gasen
Kräfte aufzunehmen oder auf sie Kräfte zu über-
tragen. Im ersten Fall läßt man die Flüssigkeiten
oder Gase unter Druck hinter den K. treten, wo-
durch dieser (hier Treibkolben genannt) im Cy-
linder fortgeschoben wird und Arbeit verrichtet,
welche durch die Kolbenstange weiter übertragen
wird. Im zweiten Fall wird der K. durch außen an
der Kolbenstange angreifende Kräfte bewegt und
damit die im Cylinder befindliche Flüssigkeit oder
Luft in Bewegung versetzt. Der erste Fall tritt
vielfach bei Motoren, der letzte bei Pumpen und
Gebläsen ein. Der Konstruktion nach unterscheidet
man die Scheid enkolben, welche aus einer dün-
nen (hohlen oder massiven) Scheibe bestehen, und die
hauptsächlich bei Pumpen angewendeten Plunger -
oder Tauch erkolb en, hohle oder massive Cylinder,
welche länger als der Hub der Pumpe sind; die
letztern K. können als K. und Kolbenstange zugleich
darstellend angesehen werden. Damit der K. mög-
lichst vollkommen arbeitet, muß er sich so dicht, als
dies ohne zu große Erhöhung der Rcibungswider-
stände geschehen kann, an die Cylinderwandung an-
schließen; er wird zu diesem Zweck gegen die letztere
abgedichtet. (S.Dicktung.) DieMatcrialien zurHer-
stellung eines festen Abschlusses werden in Nuten am
Umfang der K. eingebracht, oder auch, bei Plunger-
kolben, in Nuten in der Cylinderwand (Bramah-
kolben). Besondere Anwendung finden die K. für
Kolbensteuerung (s. d.) und beim Indikator (s. d.).
Kolbenbärlapp, s. I^co^oäium.
Kolbenblütler, s. Spaoicifloren.
Kolbenente, s. Enten (Bd. 6, S. 167d).
Kolbengebläse, soviel wie CylindergeM^e,
s. Gebläse (Bd. 7, S. 622 d). Kolbens.
Kolbenhals, der obere dünne Teil des Gewehr-
Kolbenhirsch, ein Hirsch, der noch die Kolben
Kolbenhirse, s. 86wria. ^(s. d.) trägt.
Kolbenkappe, die aus Eisen oder Hartgummi
hergestellte, am untern Teile des Gewehrkolbens zu
dessen Schutz angebrachte Platte.
Kolbenpistole, s. Pistole.
Kolbenpumpe, s. Pumpen.
Kolbenstange, s. Kolben (im Maschinenbau).
K. heißt auch ein mit eingelassenen Feilen versehe-
ner Holzcylinder, der an einem starken Draht be-
festigt ist und zum Einreihen schwacher Längsrisse
in Schrotläufen dient.
Kolbensteuerung oder Kolbenschieber-
steuerung, eine Steuerung für Dampfmaschinen
oder Wassersäulenmaschinen, bei der die Vertei-
lung des Dampfes oder Druckwassers durch Kol-
benschieber bewirkt wird, derart, daß die Kanten
des Kolbenschiebers die in dem Hohlcylinder, in
dem er sich bewegt, angebrachten Kanäle sür die
Dampf- oder Druckwasservcrteilung entsprechend
öffnet und schließt. Auch versteht man unter K. bei
Dampfmaschinen und Dampfhämmern diejenige
Einrichtung, wonach der im Dampfcylindcr sich be-
wegende Arbeitskolben durch überdecken und Frei-
lassen der in der Cylinderwand befindlichen Damps-
ein- und -Austrittsöfjnungen selbst die Dampfver-
teilung bewirkt, sodaß jeder Steuerungsmcckams-
mus wegfällt.
Kolbenstoß, s. Bajonettfechten.
Kolbenverschluß, s. Geschütz (Bd.7, S.9i3a,
nebst Fig. 14) und Handfeuerwaffen (Vd.8,S.763I>).
Kolbenwasserkäfer, s. Hydrophilidcn und
Palpicornier.
ißt, sind unter C aufzusuchen.