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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kolbenweizen - Kolde

Kolbenweizen, s. Weizen.

Kolbenzeit, die Zeit, während welcher Hirsche und Böcke noch Kolben (s. d.) tragen.

Kolberg oder Colberg, Kreisstadt und Bad im Kreis Kolberg-Körlin des preuß. Reg.-Bez. Köslin und ehemalige Festung, an der Persante, die bei K. in die Ostsee mündet, an der Linie Belgard-K. (35,8 km) der Preuß. Staatsbahnen und der Nebenlinie Gollnow-K. (99,4 km) der Altdamm-Kolberger Eisenbahn, Sitz des Landratsamtes des Kreises Kolberg-Körlin, eines Amtsgerichts (Landgericht Köslin), Hauptzollamtes und einer Reichsbanknebenstelle, hat (1890) 16999 (8285 männl., 8714 weibl.) E., darunter 786 Katholiken und 383 Israeliten, in Garnison das 1., 2. und 4. Bataillon des 7. pommerschen Infanterieregiments von der Goltz Nr. 54, Postamt erster Klasse mit Zweigstelle, Telegraph und Fernsprechverbindung mit Berlin und Stettin. Die Befestigungen nach der Landseite sind 1873, die Hafenforts 1887 aufgegeben. Von den sieben Kirchen sind die 1258‒1316 erbaute St. Marien-Domkirche und die 1871‒76 erbaute Nikolaikirche zu nennen. K. hat ein königl. Gymnasium mit Realgymnasium, höhere Mädchenschule, ein Fräuleinstift, vier Hospitäler; Eisengießerei und Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen, Ackerbau und Fischerei. Die Ältesten des Seglerhauses vertreten die Stelle einer Handelskammer. Die Stadt, als See-und Solbad viel besucht (1893: 8773 Kurgäste), besitzt zahlreiche Solquellen, mehrere Badeanstalten für warme See-, Sol-, und Moorbäder, ein städtisches Kurhaus (Strandschloß), zwei Kinderheilstätten, je ein christl. und israel. Kurhospital.

Geschichte. K. ist eine sehr alte Stadt und war bereits im 11. Jahrh. eine Zeit lang Sitz eines Bischofs. K. war ehemals die Hauptstadt des Landes Kassuben und wurde 1277 an das Stift Cammin abgetreten, mit dem es 1648 an Brandenburg kam. Nachdem 1758 der General Palmbach und 1760 die Schweden und Russen K. vergebens belagert hatten, zwang endlich 16. Dez. 1761 Romanzow die Stadt nach viermonatiger Belagerung durch Hungersnot zur Kapitulation. Ebenso tapfer wurde K. 1807 durch den greisen Kommandanten Loucadou, später durch Gneisenau mit Hilfe Schills und des Bürgers Nettelbeck (s. d.) gegen die Franzosen verteidigt und so lange gehalten, bis die Nachricht vom Tilsiter Frieden eintraf. – Vgl. Held, Geschichte der drei Belagerungen K.s im Siebenjährigen Kriege (Berl. 1848); Riemann, Geschichte der Stadt K. (Kolb. 1873); Hirschfeld, Führer durch das See-, Sol- und Moorbad K. (7. Aufl., ebd. 1890); Führer durch das See-, Sol- und Moorbad K. mit Plan von K. und Umgebung (7. Aufl., ebd. 1892).

^[Abb. Wappen von Kolberg]

Kolberger Heide, s. Friedrichsort.

Kolberg-Körlin, Kreis (Landratsamt in Kolberg) im preuß. Reg.-Bez. Köslin, hat 929,91 qkm, (1890) 52234 (25920 männl., 26314 weibl.) E., 2 Städte, 73 Landgemeinden und 67 Gutsbezirke.

Kölberlstahl, im Frischfeuer dargestellter Rohstahl von der Form einer kleinen Flasche mit zugespitztem Ende, der durch Glühen und Hämmern zu feinem Stahl (Brescianer Stahl) verarbeitet wird.

Kölbing, Eugen, Philolog, geb. 21. Sept. 1846 in Herrnhut in Sachsen, besuchte die Universität Leipzig, 1870‒72 war er Gymnasiallehrer in Dresden und Chemnitz, 1872‒73 Assistent an der Universitätsbibliothek in Straßburg. 1873 habilitierte er sich in Breslau, wo er 1880 außerord. und 1886 ord. Professor für engl. Sprache und Litteratur wurde. Er veranstaltete viele Ausgaben alt-nord., altfranz. und altengl. Werke. Selbständige Werke K.s sind: «Untersuchungen über den Ausfall des Relativpronomens in den german. Sprachen» (Straßb. 1872), «Über die nord. Gestaltungen der Partenopeussage» (ebd. 1873), «Beiträge zur vergleichenden Geschichte der romantischen Poesie und Prosa des Mittelalters» (Bresl. 1876). Aus dem Isländischen übertrug er «Die Geschichte von Gunnlaug Schlangenzunge» (Heilbr. 1878). Seit 1877 giebt K. die «Engl. Studien» heraus (18 Bde. erschienen), und begründete die «Altengl. Bibliothek», eine Sammlung älterer engl. Texte (1. bis 4. Bd., Heilbronn 1883‒90; 5. Bd., Lpz. 1890).

Kolbuszōwa (spr. -busch-). 1) Bezirkshauptmannschaft in Galizien, hat 868,52 qkm und (1890) 70774 (34580 männl., 36194 weibl.) meist poln. E., 62 Gemeinden mit 139 Ortschaften und 58 Gutsgebieten und umfaßt die Gerichtsbezirke K. und Sokolów. – 2) Markt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft sowie eines Bezirksgerichts (615,83 qkm, 45117 meist poln. E.), nordwestlich von Rzeszów, hat (1890) 3072 poln. E., in Garnison 1 Eskadron des 16. Husarenregiments «Graf Üxküll Gyllenband», Post, Tischlereien und bedeutenden Schweinehandel.

Kolchis, Landschaft Asiens, an der Ostküste des Schwarzen Meers, etwa das heutige Gouvernement Kutais im russ. Transkaukasien und die nächst angrenzende türk. Landschaft Trapezunt umfassend, war im frühesten Altertum berühmt als das sagenhafte Vaterland der Medea und das Ziel der Argonauten, wurde aber den Griechen erst durch die von den Milesiern dort gegründeten Kolonien bekannter. Früher hatten die Kolchier ihre eigenen Könige, die von dem Perserkönige Darius zur Tributzahlung gezwungen wurden, aber schon im 5. Jahrh. sich wieder frei machten; später kamen sie unter die Herrschaft des pontischen Königs Mithridates. Nachher erhielten sie wieder eigene Fürsten, die in der Kaiserzeit von den Römern abhängig waren. Die bedeutendste Stadt war Dioskurias, später Sebastopolis genannt, der Hauptstrom der Phasis (der heutige Rion).

Kolde, Theod. Herm. Friedr., prot. Theolog, geb. 6. Mai 1850 zu Friedland in Oberschlesien, studierte in Breslau und Leipzig, habilitierte sich 1876 in Marburg, wurde daselbst 1879 außerord. Professor, 1881 ord. Professor der Kirchengeschichte in Erlangen. Er veröffentlichte: «Die deutsche Augustinerkongregation und Joh. von Staupitz» (Gotha 1879), «Friedrich der Weise und die Anfänge der Reformation» (Erlangen 1881), «Analecta Lutherana. Briefe und Aktenstücke zur Geschichte Luthers» (Gotha 1883), «Martin Luther. Eine Biographie» (2 Bde., ebd. 1884‒93), «Die Heilsarmee nach eigener Anschauung und nach ihren Schriften» (Erlangen 1885), «Melanchthons Loci communes in ihrer Urgestalt nach G. L. Plitt in 2. Auflage herausgegeben und erläutert» (ebd. und Lpz. 1890), «Luthers Selbstmord. Eine Geschichtslüge P. Majunkes beleuchtet» (1. bis 3. Aufl., Lpz. 1890), «Beiträge zur Reformationsgeschichte» (ebd. 1890), «Über Grenzen des histor. Erkennens» (ebd. 1890 u. 1891).

^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.]