Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

487
Kolbenweizen - Kolde
Kolbenweizen, s. Weizen.
Kolbenzeit, die Zeit, während welcher Hirsche
und Böcke noch Kolben (s. d.) tragen.
Kolberg oder Colberg, Kreisstadt und Vad
im Kreis Kolberg-Körlin des preuß. Neg.-Bez. Kös-
lin und ehemalige Festung, an
der Persante, die bei K. in die
Ostsee mündet, an der Linie Vel-
gard-K. (35,81cm) der Preuß.
Staatsbahnen und der Neben-
linie Gollnow-K. (99,4 km) der
Altdamm-Kolberger Eisenbahn,
Sitz des Landratsamtcs des
Kreises Kolbcrg-Körlin, eines
Amtsgerichts (Landgericht Kös-
lin), Hauptzollamtes und einer Neichsbankneben-
stelle, hat (1890) 16999 (8285 männl., 8714 weibl.)
E., darunter 786 Katholiken und 383 Israeliten,
in Garnison das 1., 2. und 4. Bataillon des
7. pommerschen Infanterieregiments von der Goltz
Nr. 54, Postamt erster Klasse mit Zweigstelle, Tele-
graph und Fernsprechverbindung mit Berlin und
Stettin. Die Befestigungen nach der Landseite sind
1873, die Hafenforts 1887 aufgegeben. Von den
sieben Kirchen sind die 1258-1316 erbaute St.
Marien-Domkirche und die 1871-76 erbaute Ni-
kolaikirche zu nennen. K. hat ein königl. Gymnasium
mit Realgymnasium, höhere Mädchenschule, ein
Fräuleinstift, vier Hospitäler; Eisengießerei und
Fabrik für landwirtschaftliche Mafchinen, Ackerbau
und Fischerei. Die Altesten des Seglerhauses ver-
treten die Stelle einer Handelskammer. Die Stadt,
als See-und Solbad viel besucht (1893: 8773 Kur-
gäste), besitzt zahlreiche Solquellen, mehrere Bade-
anstalten sür warme See-, Sol-, und Moorbäder,
ein städtisches Kurbaus (Strandschloß), zwei Kinder-
heilstätten, je ein christl. und israel. Kurhospital.
Geschichte. K. ist eine sehr alte Stadt und war
bereits im 11. Jahrh, eine Zeit lang Sitz eines Bi-
schofs. K. war ehemals die Hauptstadt des Landes
Kassubcn und wurde 1277 an das Stift Cammin
abgetreten, mit dem es 1648 an Brandenburg kam.
Nachdem 1758 der General Palmbach und 1760 die
Schweden und Russen K. vergebens belagert hatten,
zwang endlich 16. Dez. 1761 Romanzow die Stadt
nach viermonatiger Belagerung durch Hungersnot
zur Kapitulation. Ebenso tapfer wurde K. 1807
durch den greifen Kommandanten Loucadou, später
durch Gneisenau mit Hilfe Schills und des Bürgers
Nettelbeck (s. d.) gegen die Franzosen verteidigt und
so lange gehalten, bis die Nachricht vom Tilsitcr
Frieden eintraf.- Vgl. Held, Geschichte der drei
Belagerungen K.s im Siebenjährigen Kriege (Berl.
1848); Riemann, Geschichte der Stadt K. (Kolb.
1873); Hirschfeld, Führer durch das See-, Sol-und
Moorbad K. (7. Aufl., ebd. 1890); Führer durch das
See-, Sol- und Moorbad K. mit Plan von K. und
Umgebung (7. Aufl., ebd. 1892).
Kolberger Heide, s. Friedrichsort.
Kolberg-Körlin, Kreis (Landratsamt in Kol-
berg) im preuß. Reg.-Bez. Köslin, hat 929,9i ykm,
(1890) 52234 (25920 männl., 26314 weibl.) E.,
2 Städte, 73 Landgemeinden und 67 Gutsbezirke.
Kölberlstahl, im Frischfeuer dargestellter Roh-
stahl von der Form einer kleinen Flasche mit zuge-
spitztem Ende, der durch Glühen und Hämmern zu
feinem Stahl (Vrescianer Stahl) verarbeitet wird.
Kölbing, Eugen, Philolog, geb. 21. Sept. 1846
in Herrnhut in Sachsen, besuchte die Universität
Leipzig, 1870-72 war er Gymnasiallehrer in Dres-
den und Chemnitz, 1872 - 73 Assistent an der
Universitätsbibliothek in Straßburg. 1873 habili-
tierte er sich in Vreslau, wo er 1880 außerord. und
1886 ord. Professor für engl. Sprache und Litte-
ratur wurde. Er veranstaltete viele Ausgaben alt-
nord., altfranz. und altengl. Werke. Selbständige
Werke K.s sind: "Untersuchungen über den Ausfall
des Relativpronomens in den german. Sprachen"
(Strahb. 1872), "über die nord. Gestaltungen
der Partenopeussage" (ebd. 1873), "Beiträge zur
vergleichenden Geschichte der romantischen Poesie
und Prosa des Mittelalters" (Bresl. 1876). Aus
dem Isländischen übertrug er "Die Geschichte von
Gunnlaug Schlangenzunge" (Heilbr. 1878). Seit
1877 giebt K. die "Engl. Studien" heraus (18 Vd^'.
erschienen),und begründete die "Altengl. Bibliothek",
eine Sammlung älterer engl. Texte (1. bis 4. Bd.,
Heilbronn 1883-90; 5. Bd., Lpz. 1890).
Kolbuszöwa (spr. -busch-). 1) Bezirkshaupt-
mannschaft in Galizien, hat 868,52 ykm und (1890)
70774 (34580 männl., 36194 weibl.) meist poln. E.,
62 Gemeinden mit 139 Ortschaften und 58 Guts-
gebieten und umfaßt die Gerichtsbezirke K. und So-
kolöw. - 2) Markt und Sitz der Bezirkshauptmann-
schaft sowie eines Bezirksgerichts (615,83 li^iu,
45117 meist poln. E.), nordwestlich von Nzeszöw,
hat (1890) 3072 poln. E., in Garnison 1 Eskadron
des 16.Husarenregiments "Graf üxküll Gyllenband",
Post, Tischlereien und bedeutenden Schweinehandel.
Kolchis, Landschaft Asiens, an der Ostküste des
Schwarzen Meers, etwa das bcutige Gouvernement
Kutais im russ. Transkaukasien und die nächst an-
grenzende türk. Landschaft Trapezunt umfassend,
war im frühesten Altertum berühmt als das sagen-
haste Vaterland der Medea und das Ziel der Argo-
nauten, wurde aber den Griechen erst durch die von
den Milesiern dort gegründeten Kolonien bekannter.
Früher hatten die Kolchier ihre eigenen Könige, die
von dem Perserkönige Darius zur Tributzahlung
gezwungen wurden, aber schon im 5. Jahrh, sich
wieder frei machten: später kamen sie unter die
Herrschaft despontischenKönigsMithridates. Nach-
her erhielten sie wieder eigene Fürsten, die in der
Kaiserzeit von den Römern abhängig waren. Die
bedeutendste Stadt war Dioskurias, später Se-
bastopolis genannt, der Hauptstrom der Phasis
(der heutige Nion).
Kolde) Thcod. Herm. Friedr., prot. Theolog,
geb. 6. Mai 1850 zu Fricdland in Oberschlesien,
studierte in Vrcslau und Leipzig, habilitierte sich
1876 in Marburg, wurde daselbst 1879 außerord.
Professor, 1881 ord. Professor der Kirchengeschichte
in Erlangen. Er veröffentlichte: "Die deutsche
Augustinerkongregation und Joh. von Staupitz"
(Gotha 1879), "Friedrich der Weise und die An-
fänge der Reformation" (Erlangen 1881), "^nalecta.
I^ntiei-Hna. Briefe und Aktenstücke zur Geschichte
Luthers" (Gotha 1883), "Martin Luther. Eine
Biographie" (2 Bde., ebd. 1884-93), "Die Heils-
armee nach eigener Anschauung und nach ihren
Schriften" (Erlangen 1885), "Melanchthons Iwci
Commune in ihrer Urgestalt nach G. L. Plitt in
2. Auflage herausgegeben und erläutert" (ebd. und
Lpz. 1890), "Luthers Selbstmord. Eine Geschichts-
lüge P. Majunkes beleuchtet" (1. bis 3. Aufl.,
Lpz. 1890), "Beiträge zur Neformationsgeschichte"
(ebd. 1890), "Ubcr Grenzen des histor. Erkennens"
(ebd. 1890 u. 1891).
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.