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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kölner Dom
Austrasien und 923 an das Deutsche Reich. Das Christentum hatte schon früh Eingang in K. gefunden, doch gedieh die Kölner Kirche zu höherm Ansehen erst, als Karl d. Gr. sie zu Ausgang des 8. Jahrh. zum Erzbistum erhob. Wichtig für das Erzstift wurde die Regierung des Erzbischofs Bruno I. (s. d., 953-965). Ihm folgte eine Reihe von hervorragenden Kirchen- und Reichsfürsten, wie der gewaltthätige Anno II. (s. d.), der Heilige (1056-75), der strenge Zuchtmeister und Vormund Heinrichs IV.; ferner Rainald von Dassel (s. d., 1159-67) und Philipp I. (s. d.) von Heinsberg (1167-91).
Mit dem Aufschwung des Stifts hielt der der Stadt gleichen Schritt. Die günstige Lage am Rhein, der wichtigsten Verkehrsader des Reichs, gestattete ihr, den gewinnreichen Handel mit England zum weitaus größten Teil an sich zu bringen. Die Anmaßung und Härte des Erzbischofs Anno veranlaßten zugleich die erste Erhebung der Stadt gegen ihren Herrn. Der bald folgende Anfang der Selbstregierung der Bürger führte zu langwierigen Streitigkeiten. Sie erreichten ihren Höhepunkt im 13. Jahrh. unter Konrad I. von Hostaden (1238-61), der den Grund zum Dome legte, und endeten unter Erzbischof Siegfried (1275-97) mit einem Siege der Stadt (Schlacht bei Worringen, 1288). K. wurde thatsächlich eine Freie Reichsstadt und bethätigte diese Stellung in ihrer innern wie äußern Politik. Auch in den zahlreichen Kämpfen des Erzstifts im 15. Jahrh. bewahrte die Stadt soweit als möglich eine neutrale Stellung, hatte aber doch viel davon zu leiden. Besonders die Soest er Fehde (s. Soest) des verschwenderischen Erzbischofs Dietrich II. von Mors (1414-63) und der Burgundische Krieg, den fein Nachfolger Pfalzgraf Ruprecht (1463-80) heraufbeschwor, stürzten Stadt und Erzstift in arge Finanznöte. In der Stadt kam es darüber zu schweren Zerwürfnissen, welche 1513 blutig endeten. Im Erzstift dagegen vereinbarte das Domkapitel mit den Ständen 1463 eine Erblandesvereinigung, welche als dauerndes Staatsgrundgesetz dem Lande wie den Ständen ihre Freiheiten und Gerechtsame gewährleistete und die landesherrliche Gewalt des Erzbischofs einschränkte.
Neue Stürme veranlaßte die Reformation. Als Hermann V. von Wied (1515-46) 1543 von Bucer und Melanchthon eine "Reformation" für das Erzstift ausarbeiten ließ, wurde er abgesetzt. Dasselbe Geschick ereilte den Erzbischof Gebhard (s. d.), Truchseß von Waldburg (1577-84). Von 1583 bis 1761 folgten einander ausschließlich bayr."Herzöge, und zwar Ernst 1583, Ferdinand 1612, Maximilian Heinrich 1650, dem 1688 durch franz. Einfluß der reichsfeindlich gesinnte Wilhelm von Fürstenberg als Koadjutor beigegeben wurde, der auch nach dem Tode des Kurfürsten von dem bestochenen Domkapitel zum Erzbischof erwählt wurde, aber schließlich doch dem bayr. Prinzen Joseph Clemens (s. d.) weichen muhte. Diesem folgte 1723 der Bayer Clemens August (s. d.), und diesem 1761-84 Maximilian Friedrich, Graf von Königsegg-Rotenfels, der die Universität zu Bonn stiftete. Max Franz Xaver, ein Sohn des Kaisers Franz I., wurde 1794 von den Franzosen vertrieben und starb 1801 in Hetzendorf bei Wien. Sein Nachfolger Anton Victor, ein Bruder des Kaisers, gelangte überhaupt nicht in den Besitz der Würde, weil der Friede von Lunéville 1801 das Erzstift säkularisierte und zerstückelte. Der Wiener Kongreß brachte dann Stadt und Land an Preußen, worauf 1824 das Erzbistum wieder auflebte. Der erste Erzbischof wurde Graf Spiegel, dem 1835 Clemens August Droste zu Vischering (s. d.) folgte, dessen Verhalten in dem Kölner Kirchenstreit über die gemischten Ehen 1837 zu seiner Suspension führte; doch wurde er von Friedrich Wilhelm IV. begnadigt und erhielt 1842 den Bischof von Speyer, Geissel, zum Koadjutor. Nach Drostes Tode bestieg Geissel den erzbischöfl. Stuhl, 1850-64. Ihn: folgte 1866 Paul Melchers (s. d.), der 1876 infolge der Maigesetze seines Amtes entsetzt wurde. Nach mehrjähriger Sedisvakanz wurde 1885 Bischof Krementz von Ermland Erzbischof von K. und als solcher 1892 zum Kardinal erhoben.
Die Stadt war seit dem 16. Jahrh. stetig zurückgegangen. Die 1388 gegründete Universität verknöcherte und erstarrte, sodaß ihre Aufhebung 1801 keine merkliche Lücke zurückließ. Auch in der Städteverwaltung traten im 17. und 18. Jahrh. wiederholt die ärgsten Mißstände zu Tage, bis endlich die Französische Revolution diesem ganzen Wesen und seiner Reichsfreiheit den Untergang bereitete.
Litteratur. Kreuter, Wanderungen durch das mittelalterliche K. (Bd. 1-2, Köln); Mehring-Reischert, Zur Geschichte der Stadt K. (Bd. 1-4, ebd. 1838-40); Mathieux, Geschichte der Stadt K. (ebd. 1845); Ennen, Frankreich und der Niederrhein oder Geschichte von Stadt und Kurstaat K. seit dem Dreißigjährigen Kriege (2 Bde., ebd. 1855-56); ders., Zeitbilder aus der neuern Geschichte der Stadt K. (ebd. 1857); ders., Geschichte der Stadt K. (Bd. 1-5, Köln und Neuß 1863-80); ders., Geschichte der Stadt K. (Volksausgabe, Düsseld. 1880); Quellen zur Geschichte der Stadt K., hg. von Ennen und Eckertz (Bd. 1-6, Köln 1860-79); Antiquarius der Stadt K., in "Denkwürdiger und nützlicher rhein. Antiquarius", Abteil. 4, Bd. 1 (Kobl. 1863); Walter, Das alte Erzstift und die Reichsstadt K. (Bonn 1866); Die Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis 16. Jahrh., Bd. 12-14: K. (Bd. 1-3, Lpz. 1875-77); Maurenbrecher, Die preuß. Kirchenpolitik und der Kölner Kirchenstreit (Stuttg. 1881); Lossen, Der Kölnische Krieg (Gotha 1882); Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von K. (Heft 1-23, Köln 1882-93); Helmken, K. und seine Denkwürdigkeiten (3. Aufl., ebd. 1883); Höhlbaum, Das Buch Weinsberg (2 Bde., Lpz. 1886-87); Rückwardt, Kölner Neubauten (3 Serien, Berl. 1887-91); K., Festschrift der 61. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte, hg. von Lent (ebd. 1888); Algermissen, Neuester Kölner Führer (2. Aufl., ebd. 1889); K. und seine Bauten. Festschrift der 8. Wanderversammlung des Verbandes deutscher Architekten- und Ingenieurvereine in K. vom 12. bis 16. Aug. 1888 (ebd. 1888); Korth, K. im Mittelalter (ebd. 1890); Vinterim und Mooren, Die Erzdiöcese K. bis zur franz. Staatsumwälzung, neu bearb. von Alb. Mooren (2 Bde., Düsseld. 1892-93); W. Stein, Akten zur Geschichte der Verfassung und Verwaltung von K., im 14. und 15. Jahrh., Bd. 1 (Bonn 1893).
Kölner Dom, ein vollendetes Muster der Baukunst der Hochgotik, hat seinen Ursprung in einem Dom, den unter der Regierung Karls d. Gr. der Erzbischof Hildebold 814 an derselben Stelle zu bauen begann, die der gegenwärtige Bau einnimmt. Als Friedrich I. Barbarossa 1162 die von Mailand erworbenen Gebeine der Heiligen drei Könige dem Dom von Köln zum Geschenk machte, wurde die-^[folgende Seite]
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