Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Kolossä; Kolossāl; Kolosserbrief; Kolossēum

513

Kolossä - Kolosseum

machos auf der Akropolis zu Athen, deren Helmbusch und Lanzenspitze schon den von Sunion Heranschiffenden sichtbar war, und die beiden Goldelfenbeinbilder der Athena Parthenos im Parthenon zu Athen (s. Textfig. 1 beim Artikel Athena) und des Zeus in Olympia.

Besonders bekannt ist der zu den sieben Weltwundern gerechnete K. zu Rhodus, welcher den Helios (Sonnengott), die Nationalgottheit der Rhodier, darstellte, von Chares aus Lindos, einem Schüler des Lysippos, stückweise aus Metall gegossen und nach 12 Jahren, um 290 oder 280 v. Chr., vollendet wurde. Seine Höhe belief sich auf 34 m; er stand am Hafen (nicht aber, wie man früher irrig annahm, mit ausgespreizten Beinen über der Mündung des Hafens), wurde bereits nach 56 oder 66 Jahren nebst einem Teile der Stadt durch ein Erdbeben umgestürzt und infolge eines Orakelspruchs nicht wieder aufgestellt. Der arab. Feldherr Muawiah verkaufte nach der Eroberung der Insel 653 n. Chr. die Trümmer an einen Juden aus Edessa, welcher zur Wegschaffung des Erzes 900 Kamele gebraucht haben soll. (Vgl. C. F. Lüders, Der K. von Rhodus, Hamb. 1865.) Außerdem fanden sich in Rhodus noch hundert andere K.

Die moderne Kunst hat erst verhältnismäßig spät K. aufgerichtet. Unter diese gehören die Statue des heil. Karl Borromäus bei Arona, der Hercules zu Wilhelmshöhe bei Cassel, die Bavaria zu München, das Hermannsdenkmal, die Germania auf dem Niederwald und die Statue der Freiheitsgöttin auf Bedloes Island am Hafeneingang von Neuyork.

Kolossä (später auch Kolassä), eine vormals volkreiche Stadt in Großphrygien am Flusse Lykos, wurde 65 n. Chr. unter Nero samt den Nachbarstädten Laodicea und Hierapolis durch ein furchtbares Erdbeben fast gänzlich zerstört, jedoch später wieder aufgebaut, und blühte bis in das 12. Jahrh. Die unbedeutenden Ruinen von K. liegen etwas nördlich von der heutigen Stadt Chonas.

Kolossāl (frz.), überlebensgroß, riesig.

Kolosserbrief, einer der im Neuen Testament enthaltenen Briefe, als dessen Verfasser der Apostel Paulus genannt wird. Der Verfasser will im Gegensatz zu der in der Gemeinde von Kolossä in Kleinasien verbreiteten Engelverehrung zeigen, daß Christus als das universelle Haupt der gesamten Schöpfung auch das alleinige Haupt der Kirche sei, durch seinen Kreuzestod über alle Mächte der übersinnlichen Welt triumphiert und dadurch die aus Juden und Heiden gesammelte Kirche versöhnt und zu seinem "Leib" sich verbunden habe. Die Echtheit oder doch Integrität des Briefs ist streitig. - Vgl. Holtzmann, Kritik der Epheser- und Kolosserbriefe (Lpz. 1872); Klöpper, Der Brief an die Kolosser (Berl. 1882). Kommentare zum K. lieferten besonders De Wette (2. Aufl., Lpz. 1847), Bleek (Berl. 1865), Lightfoot (7. Aufl., Lond. 1884), H. A. W. Meyer (5. Aufl., von Franke, Gött. 1886), Oltramare (Bd. 1, Par. 1890), von Soden, im "Handkommentar zum Neuen Testament", Bd. 3, Abteil. 1: "Die Briefe an die Kolosser, Epheser, Philemon" (Freib. i. Br. 1891).

Kolossēum (ital. coliseo, colosseo), das größte und prachtvollste und zur Zeit seiner Erbauung einzige steinerne Amphitheater in Rom, an der Südostseite des Forum Romanum in der Thalsenkung zwischen dem Palatin, dem Cälius und dem Esquilin gelegen, wurde von Vespasian an der Stelle eines zum Goldenen Hause des Nero gehörigen künstlichen Sees (Stagnum Neronis) begonnen, von Titus (80 n. Chr.) geweiht, aber erst von Domitian ganz vollendet, daher, weil diese Kaiser dem Flavischen Geschlecht angehörten, Amphitheatrum Flavium genannt. Der Name K. findet sich erst bei Beda (8. Jahrh.) und wird von der nördlich von dem Amphitheater aufgestellten Kolossalstatue des Apollo Nero abgeleitet. Das K. diente zur Abhaltung der großartigsten Tier- und Fechterspiele. Unter Macrinus (217 n. Chr.) zerstörte ein durch Blitzschlag verursachter Brand den obern Teil, der dann unter Heliogabalus und Alexander Severus wiederhergestellt wurde. Der letzte bezeugte Restaurationsbau fällt in die Zeit des Theodorich. Bei den innern Kämpfen zwischen den röm. Baronen wurde das K. lange Zeit als Festung benutzt; während des Aufenthalts der Päpste in Avignon und bis ins 16. Jahrh. hinein diente es als Steinbruch: fast zwei Drittel des Baues sind der Verwendung für private und öffentliche Gebäude des neuen Rom zum Opfer gefallen. Doch blieb die Masse des Erhaltenen immer noch groß. Seit der Mitte des 18. Jahrh., zuerst durch Benedikt XIV., ward der Erhaltung und Wiederherstellung größere Sorgfalt zugewandt. 1811 begann die Bloßlegung des antiken Bodens um das K.; 1813 fand man die unterirdische Anlage der Arena, 1874 ging man daran, die Arena wiederum von Schutt und Erde zu räumen und die unterirdischen Gänge zu säubern. Gegenwärtig ist die Hälfte sämtlicher innern Substruktionen bloßgelegt.

Der Umfang beträgt 524, die Länge der großen Achse 188, der kleinen 155, die entsprechenden Achsen der Arena 86 und 54 m, die Gesamthöhe 48 m. Das Gebäude selbst, von elliptischer Form, ist aus Travertinquadern ausgeführt. Die Außenseite stellt sich in vier Stockwerken dar, von denen die drei untersten aus je 80 Bogen und Pfeilern mit vorgelegten dor., ion. und korinth. Halbsäulen bestanden (nur 33 sind vom Untergeschoß erhalten). Das Ganze hat vier Haupteingänge, die durch reichen Schmuck ausgezeichnet waren. Innerhalb der Umfassungsmauer befinden sich fünf elliptische Mauerringe, welche, an Höhe nach innen zu abnehmend, die Sitze der Zuschauer trugen. Bewundernswert ist besonders die Anlage der innern Gänge und Treppen, die zu den verschiedenen Sitzreihen führten. Die marmornen Sitzstufen, bis auf ganz geringe Reste zerstört, stiegen terrassenförmig von der Arena bis zur Höhe des dritten äußern Stockwerks. Zu unterst befand sich das Podium mit der Kaiserloge und gegenüber liegendem entsprechendem Balkon an den beiden Enden der kleinen Achse der Arena; auf den Sitzen des Podiums nahmen Senatoren, Vestalinnen, fremde Gesandte und andere Ehrengäste Platz. Zwei weitere Stufenordnungen (maeniana), die erste mit etwa 16, die zweite mit etwa 20 Stufen, waren für die röm. Ritter und Bürger bestimmt. Oberhalb folgt eine mit Zugangsthüren (vomitoria) und Fenstern durchbrochene Gürtelwand (balteus), die, wie es scheint, eine aus 80 Säulen bestehende, dem vierten äußern Stockwerk entsprechende Halle trug. Innerhalb der Halle, auf Holzgerüsten, fanden die Zuschauer aus den untern Klassen Platz. Unter der Arena zogen sich gemauerte Gänge hin, teils für die wilden Tiere, teils für Maschinerien aller Art. Die Zahl der Zuschauer, welche das K. fassen konnte, wird auf 87000 angegeben. - Vgl. Platner, Bunsen u. a., Beschreibung