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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kometen

Enckesche Komet (s. d.) wegen der bei ihm beobachteten Verkürzung der Umlaufszeit, die Encke durch die Annahme eines widerstehenden Mittels erklärte, und der Bielasche Komet (s. d.) wegen der bei ihm beobachteten Teilung und seiner Auflösung in einen Meteorschwarm. Interessant ist auch der Lexellsche Komet, der 1767 bei seiner Annäherung an Jupiter infolge der Anziehung dieses Planeten eine elliptische Bahn von 5½ Jahren Umlaufszeit erhielt, die indessen bei einer zweiten Annäherung durch die Anziehung dieses mächtigen Körpers abermals umgestaltet wurde und zwar so, daß er nicht mehr von der Erde aus gesehen werden kann. 1779 bewegte er sich zwischen den Monden des Jupiter hindurch, ohne indessen auf deren Bahnen den geringsten Einfluß auszuüben, ein Beweis für die verschwindend kleine Masse dieses K.

In neuerer Zeit hat man festgestellt, daß zwei nachweislich verschiedene K. in derselben Bahn einherziehen. Einen solchen Fall bietet der große Komet von 1881, dessen Bahnelemente denen des K. von 1807 ähneln, den Bessel berechnet hat. Ähnlich ist es mit den großen K. von 1668, 1843, 1880, 1882, die sämtlich der Sonne sehr nahe kamen und deren Bahnelemente ebenfalls sehr nahe übereinstimmen. Die drei erstgenannten betrachtete Klinkerfues als identisch, indem er nachwies, daß ein nur geringer Widerstand in der Nähe der Sonne angenommen werden müsse, um die Umlaufszeit von 175 Jahren aus 37 herabzubringen. Ist diese Hypothese richtig, so wäre der Komet im Sommer 1897 zu erwarten. Um die einzelnen K. voneinander zu unterscheiden, ist es gebräuchlich, dieselben außer mit dem Namen des Entdeckers und dem Jahre der Entdeckung auch noch mit einer röm. Zahl zu bezeichnen, deren Reihenfolge die zeitliche Aufeinanderfolge der Periheldurchgänge der einzelnen im nämlichen Jahre entdeckten K. angiebt. So hat z. B. der helle Komet von 1874 die Bezeichnung Komet Coggia 1874 III. Nur einige wenige periodische K. sind nach ihren Berechnern benannt worden.

Die Natur der K. ist trotz eifrigen Studiums noch in sehr vieler Beziehung rätselhaft und wenig bekannt. Man weiß, daß es im Weltraum befindliche Körper von äußerst geringer Masse sind, die ihre Bahnen infolge ihrer Anziehung durch die Sonne und die Planeten beschreiben. Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, daß sie einen großen Teil ihres Lichtes von der Sonne erhalten. Das Licht heller K. hat sich bei mehrfachen Untersuchungen als polarisiert erwiesen, woraus folgt, daß jedenfalls ein Teil des von ihnen zu uns gesandten Lichtes reflektiertes ist. Andererseits ist es aber auch erwiesen, daß viele K. mit ihrer Annäherung an die Sonne auch sehr beträchtliches Eigenlicht entwickeln. Das Spektrum der K. zeigt drei helle verwaschene Linien, Banden, ähnlich wie sie von den uns bekannten irdischen Stoffen glühende Kohlenwasserstoffgase zeigen. Im Kerne einiger heller K. hat man ein kontinuierliches Spektrum gesehen, was darauf hindeutet, das der Kern dieser K. aus glühendflüssigen oder glühendfesten Stoffen bestehen muß, keinesfalls aber aus gasförmigen. Wesentlich klärend aber ist eine an dem K. Wells 1881 I zuerst wahrgenommene Erscheinung gewesen, der zufolge bei Annäherung des K. an die Sonne das Kohlenwasserstoffspektrum unsichtbar wurde und statt dessen die gelben Natriumlinien auftraten. Mit der Entfernung von der Sonne verschwanden die Natriumlinien und zeigte sich wieder das Kohlenwasserstoffspektrum. Es ist dies nach besonders dazu angestellten Versuchen eine Erscheinung, die deutlich darthut, daß die Erregung des Eigenlichtes der K. auf elektrischen Vorgängen beruht. Obgleich etwas Definitives in dieser Hinsicht nicht behauptet werden kann, hat es doch die meiste Wahrscheinlichkeit für sich, anzunehmen, daß der eigentliche Kern der K. aus einer festen oder doch sehr verdichteten Masse besteht. Bei Annäherung der K. an die Sonne erhitzt sich diese durch die Wärmewirkung der Sonne und es geht eine lebhafte Dampfbildung vor sich. Gleichzeitig treten elektrische Kräfte zwischen Kern und Sonne auf, infolge deren einzelne Teilchen vom Kern aus abgestoßen werden, welche die Bildung der Coma und des Schweifes hervorrufen. Theorien, die nach Bessels Vorgang in neuerer Zeit von Bredichin und Zöllner ausgearbeitet worden sind, erklären fast alle bezüglich der Gestalt der K. beobachteten Einzelheiten. Nachdem durch die bei Komet Wells 1881 I beobachteten Erscheinungen das Auftreten elektrischer Vorgänge bei der Annäherung der K. an die Sonne fast zweifellos dargethan worden ist, haben diese Theorien bedeutend an Wahrscheinlichkeit gewonnen. Daß der Schweif der K. nicht als ein ihnen beständig anhaftender Teil anzusehen ist, sondern seine Entstehung thatsächlich nur einem Verdampfen und Abstoßen von Kometenmaterie verdankt, durch die fortwährend ursprünglich dem K. angehörige Substanz in den Weltraum hinausgeschleudert wird, findet auch darin eine Bestätigung, daß die periodischen K. bei ihren wiederholten Erscheinungen immer schwächer und schwächer werden. Diese am natürlichsten durch einen Verlust an Substanz zu erklärende Thatsache ist am auffallendsten beim Halleyschen K. beobachtet worden.

Es ist häufig die Frage aufgeworfen worden, welche Folgen der Zusammenstoß der Erde mit einem K. haben wird. Trifft sie nur auf den Schweif des K., so ist als zweifellos anzunehmen, daß sie sich durch die äußerst dünne Materie desselben ohne jede Beeinflussung hindurchbewegen wird. Derartige Ereignisse haben wahrscheinlich bereits mehrfach stattgefunden (z. B. 26. Juni 1819), ohne daß sie überhaupt wahrgenommen wurden. Das Zusammentreffen mit einem teleskopischen K. ohne eigentlichen größern Kern dürfte kaum anders wahrnehmbar sein als durch das massenhafte Erscheinen von Sternschnuppen, als die sich einzelne dichtere Teilchen desselben beim Durchgange durch die Atmosphäre bemerkbar machen werden. Ernstere Folgen dürfte allerdings der Zusammenstoß mit dem Kern eines großen K. für die Erde nach sich ziehen, da dieser immerhin als eine dichtere Masse von größern Dimensionen anzusehen ist. Das Eintreten eines solchen Zusammenstoßes ist aber so gut wie ausgeschlossen, da für dieses vorausgesetzt wird, daß die Erde die Bahn eines solchen K. wirklich schneidet und daß beide Körper gleichzeitig im Durchschnittspunkt anwesend sind, ein gleichzeitiges Eintreffen zweier Bedingungen, für das die Wahrscheinlichkeit so gut wie Null ist.

Neuere Untersuchungen haben gezeigt, daß genau in der Bahn mehrerer periodischer K. sich Meteorschwärme bewegen, die bei ihrem Zusammentreffen mit der Erde Veranlassung zu mehr oder weniger großartigen Sternschnuppenfällen geben, und daß diese Meteorschwärme wahrscheinlich aus den K. durch eine allmähliche Auflösung derselben hervor-^[folgende Seite]

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