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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kompositenkapitäl - Kompressibilität

gem oder fünfspaltigem Saume (Röhrenblüten, Taf. I, Fig. 3a, 4b), oder sie ist zweilippig, indem der Rand derselben nicht regelmäßig eingeschnitten, sondern in zwei größere Lappen gespalten ist (Fig. 1b), oder sie ist zungenförmig (Zungenblüten, Taf. II, Fig. 1b, 3b).

Nach dieser verschiedenen Form der Blumenkrone hat man die Familie der K. in drei große Unterfamilien eingeteilt: 1) röhrenblütige (Tubuliflorae), 2) zungenblütige (Linguliflorae), 3) lippenblütige (Labiatiflorae). Früher teilte man die K. nach Iussieu in die drei Unterfamilien der Corymbiferen, Cynarocephalen oder Cynareen und Cichoriaceen, je nachdem die Köpfchen aus Röhren- und Zungenblüten gemischt oder nur aus Röhren- oder nur aus Zungenblüten bestehen; doch ist diese Einteilung jetzt von den meisten Systematikern aufgegeben worden.

Alle zwitterigen und männlichen Blüten haben fünf in der Blumenkronenröhre eingefügte Staubgefäße, deren Beutel in einen Cylinder verwachsen sind. Auf dem Fruchtknoten der zwitterigen und weiblichen Blüten erhebt sich ein langer, fadenförmiger Griffel, der bei erstern durch den Staubbeutelcylinder hindurchgeht und sich an der Spitze meist in zwei Narben spaltet. Die Nutzpflanzen sind zahlreich, sowohl Nährpflanzen, technische Pflanzen als Arznei- und Gewürzpflanzen. Groß ist die Zahl der Unkräuter und Zierpflanzen. Unter letztern stehen obenan die Astern und Georginen.

Kompositenkapitäl, zusammengesetztes Kapitäl, in der röm. Baukunst ein Kapitäl (s. d.), welches die Voluten des ion. Kapitäls auf die obere Reihe der Akanthusblätter des korinthischen setzt, wie z. B. an den Triumphbögen des Titus und Septimius Severus in Rom.

Komposition (lat., d. h. Zusammensetzung), die Vereinigung einzelner Bestandteile zu einem in sich einheitlichen Ganzen. In der Ästhetik bezeichnet K. die Umbildung und Ausgestaltung des innern Phantasiebildes, der sog. Konzeption, nach den Forderungen der künstlerischen Darstellung.

In der Musik bezeichnet K. das gesamte Schaffen, das auf die künstlerische Bildung neuer Tonstücke gerichtet ist, dann auch das Tonstück selbst. Außer der natürlichen Begabung, dem Vermögen, neue eigentümliche Gedanken, Motive und Melodien zu erzeugen, muß der Komponist alle Kenntnis der Harmonik und Rhythmik, des Formenbaues, der Deklamation, der Instrumentation, der menschlichen Stimme, vor allem aber einen natürlichen, durch Studium guter Werke geregelten und verfeinerten Schönheitssinn besitzen. Die Kompositionslehre umfaßt demnach die Gesamtheit dieser Haupt- und Hilfskenntnisse. Zu ihrem Studium gehören Harmonielehre, musikalische Formenlehre und Kontrapunkt. Umfassende Lehrbücher der musikalischen K. schrieben A. B. Marx (4 Bde.; Bd. 1, 9. Aufl., Lpz. 1887; Bd. 2, 7. Aufl. 1890; Bd. 3, 5. Aufl. 1868; Bd. 4, 5. Aufl. 1888); I. Ch. Lobe (Bd. 1, 5. Aufl., bearb. von Kretzschmar, Lpz. 1884; Bd. 2, 3. Aufl. 1878; Bd. 3, 2. Aufl. 1875; Bd. 4, 2. Aufl., bearb. von Kretzschmar, 1887) u. a.

In der Technik war K. früher eine allgemein übliche Bezeichnung für verschiedene Metalllegierungen. So wurden das Tombak und überhaupt die goldähnlichen Legierungen aus Kupfer und Zink, im Gegensatze zu echtem Gold, als K. bezeichnet, ebenso verschiedene silberähnliche Legierungen, wie Alfenide, Neusilber, Britanniametall, Christofle-Metall. In der Färberei versteht man unter K. die Lösung des Zinns in Königswasser.

Grammatische K. s. Zusammensetzung.

Kompositionsbetriebe oder zusammengesetzte Betriebe, in der Forstwirtschaft die Betriebsarten, bei denen auf derselben Fläche gleichzeitig verschiedene Betriebe stattfinden. Dahin gehören namentlich der Hochwaldkonservationsbetrieb (s. d.) und der Mittelwaldbetrieb (s. d.). Es lassen sich aber noch verschiedene andere Zusammensetzungen denken, z. B. Verbindung von Kopfholz- mit Niederwaldbetrieb u. s. w.

Kompositionsfeile, s. Metallfeile.

Kompositionslehre, s. Komposition.

Kompositum (lat.), das Zusammengesetzte (im Gegensatz zum Einfachen, s. d.).

Kompost (vom lat. compositum) oder Mengedünger, der aus verschiedenen Stoffen zusammengesetzte Dünger, im besondern eine Vermischung von Erde mit organischen Substanzen. Der gewöhnliche K. besteht aus Stalldünger, der schichtenweise mit Erde abwechselt. Abfälle aus Haus, Hof und Scheune, Unkraut, tierische Überbleibsel, Kalk, Torferde, Teichschlamm, Asche u. dgl. zusammengesetzt bilden gleichfalls einen kräftigen, wirksamen K. Der Mengedünger ist besonders wertvoll bei Mangel an Stalldünger, wirkt aber nicht so nachhaltig wie dieser. Erde ist zu den meisten K. unerläßlich. Leicht und vorteilhaft ist die Kompostbereitung in Gärten. Hier liefern die beim Umgraben, beim Jäten, bei der Reinigung der Wege u. s. w. gewonnenen Abfälle brauchbares Material, das mit Pferdedünger, Asche, Ruß, Sand, Straßenstaub, Kehricht u. s. w. vermengt, mit Mistjauche oder Urin begossen und jährlich etwa dreimal durchgearbeitet, mit der Zeit einen trefflichen K. abgiebt. Der K. ist nicht eher als Gartenerde zu verwenden, bis die Zersetzung der organischen Substanzen beendet ist, was gewöhnlich nach drei Jahren geschehen ist. Deshalb verlohnt es sich, mehrere, mindestens von jedem Jahrgang einen Komposthaufen zu haben.

Kompott (frz. compote), eingemachte Früchte als Zukost zu Braten oder Mehlspeisen (s. Einmachen).

Komprehendieren (lat.), zusammenfassen, begreifen; komprehensibel, begreiflich; Komprehension, Fassungsvermögen.

Kompréß (lat.), enge, dichtgedrängt, besonders in der Buchdruckerkunst vom Satz.

Kompresse (frz.) oder Bausche, ein mehrfach zusammengelegtes Stück weicher Leinwand, welches man als Verbandmittel benutzt. Werden mehrere von stufenweise zunehmender Größe aufeinander gelegt und befestigt, so entsteht die graduierte K.; lange und schmale K. nennt man Longuetten. Der Zweck der K. ist die Ausübung eines Druckes auf einen bestimmten Körperteil, die Ausfüllung ungleicher Oberflächen, die Sicherung vor äußerm Druck und vor dem Zutritt der Luft, die Auspolsterung der Schienen bei Beinbrüchen u. dgl. Auch braucht man sie zum Auffangen von Wundsekreten sowie zur Übertragung von Flüssigkeiten, in welche sie getaucht werden, auf die kranken Teile. S. auch Bähung. - über die K. genannte Lamellenbremse s. d.

Kompressibilität (neulat.), Zusammendrückbarkeit, diejenige allgemeine Eigenschaft der Körper, vermöge deren sich ihr Volumen durch Zusammendrückung verkleinern läßt. Der Gegensatz der K. heißt Extensibilität oder Ausdehn-^[folgende Seite]

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