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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kongostaat

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Kongostaat'

Pferde, Esel und Ochsen gehen in der Trockenzeit zu Grunde.

Die Bevölkerung ist ein buntes Gemisch von Stämmen der Banturasse. Besonders zu nennen sind von W. nach O. geordnet: am untern K. die Kabinda (s. d.); zwischen Boma und Manjanga die stolzen, den Weißen oft feindlich gesinnten Basundi, die neben Fischfang, Weberei und Töpferei auch Handelsgeschäfte nach dem obern K. betreiben; die Bateke (s. Französisch-Kongo, Bd. 7, S. 209a) am Stanley Pool; die Ubangi zwischen Alima und Mobangi und die kriegerischen, über 130000 Köpfe zählenden Bangala zwischen dem Äquator und dem 2.° nördl. Br.; die Basoko am Aruwimi, vortreffliche Waffenschmiede, welche sich Kanus für 50 Ruderer bauen und in Jambumba mit 8000 E. ein Centrum besitzen; innerhalb des Kongobogens, etwa zwischen 2° nördl. Br. und 1° südl. Br., der weitverbreitete Stamm der Balolo; an der Mündung des Kassai die fleißigen und intelligenten Wabuma, welche als Händler und Schiffer nach dem Stanley Pool ziehen; südöstlich stromaufwärts die wilden, menschenfressenden Bakutu, Bassongo Mino und Bakuba, unter denen zerstreut die Batua (s. d.), eine Zwergrasse, wohnen; am mittlern Lulua und Sankuru begegnet man den höher civilisierten Stämmen der Baschilange (s. d.) und Baluba (s. d.); vom mittlern Lomami bis zum Tanganikasee leben die kriegsgeübten Völker der Wakusu und Manjema; friedlich im allgemeinen verhalten sich die ackerbautreibenden Warua in Kassongo.

Die Ansiedelungen der (1892) 950 Europäer (darunter 445 Belgier) bestehen aus Handelsniederlassungen und Stationen. Die bedeutendsten Handelsplätze befinden sich am untern Kongo in Banana, Boma, Matadi (s. d.) und Ponta da Lenha. Vivi, früher als Hauptstation von Stanley gegründet, ist jetzt verlassen. Größere Stationen, teils zu Verwaltungs- oder Handelszwecken, sind errichtet: im Thal der Livingstonefälle Manjanga; Leopoldville (s. d.) am südl. Ufer des Stanley Pool; am mittlern und obern Kongo: Kwamouth, Äquatorstation, Bolobo, Basoko, Stanleyfälle, Njangwe; Jambuja am Aruwimi; am Lulua Luluaburg; am Sankuru Lusambo; in Katanga Lufui, am Tanganikasee Myala und Albertville (Lutuka).

Verwaltung. Der K. wird unter der Souveränität des Königs der Belgier von einer Centralregierung in Brüssel und dem Generalgouverneur in Boma regiert und ist in 13 Verwaltungsdistrikte eingeteilt. Dem Gouverneur zur Verfügung steht eine Truppe (8 Compagnien) von 3520 Haussa- und Bangalanegern unter 80 europ. Offizieren und eine Flottille von 7 Dampfern auf dem untern und 12 auf dem obern Kongo. Im Budget für 1893 stehen als Einnahmen 2000000 Frs. aus Steuern und Zöllen und fast 3 Mill. Frs. als Zuschuß von Belgien; der Hauptposten unter den Ausgaben beträgt etwas über 2 Mill. Frs. für die Kolonialtruppe.


Textfigur:

Das Wappen zeigt einen silbernen Querbalken in Blau, oben rechts ein goldener Stern, in der Mitte ein Herzschild mit einem goldenen Löwen in Schwarz. Die Flagge ist blau mit fünfzackigem goldenen Stern in der Mitte (s. Tafel: Flaggen der Seestaaten beim Artikel Flaggen, Bd. 6, S. 862).

Handel. Die Ausfuhr betrug (1892) 5,4 Mill. Frs. Die wichtigsten Waren sind: Elfenbein (3,7 Mill. Frs.), Kautschuk (0,6), Palmöl (0,4), Palmkerne (0,8); 5 Dampferlinien vermitteln den ↔ Verkehr nach Lissabon, Liverpool, Hull, Rotterdam und Hamburg. 1892 liefen in Boma und Banana 244 Schiffe ein. Der Landtransport vom untern K. nach dem Stanley Pool wird durch die Trägerlöhne sehr verteuert: deshalb regte Stanley schon 1884 den Bau einer Kongobahn (s. d.) an. Nach Vollendung der Bahn wird man die Strecke Matadi-Leopoldville in zwei Tagen zurücklegen, wozu man jetzt 18 Tagemärsche braucht.

Geschichte. Der K. ist von der «Internationalen Afrikanischen Gesellschaft» gegründet worden, welche unter dem Protektorat Leopolds II. von Belgien von Stanley geleitet wurde. Dieselbe erwarb 1881–84 teilweise durch Abschluß von Verträgen mit den Häuptlingen ein ungeheures Gebiet und stellte sich zur Aufgabe, das Kongogebiet dem freien Handelsverkehr aller Nationen zu erschließen; in der Lösung dieser Aufgabe wurde sie durch die Beschlüsse der Afrikanischen oder Kongokonferenz (s. d.) unterstützt. Schwierigkeiten machte die Regelung der Besitzverhältnisse an der Kongomündung. 14. Febr. 1885 wurde die dortige Grenze gegen das portug. Gebiet festgestellt. König Leopold II. von Belgien nahm 1885 mit Zustimmung der belg. Kammern den Titel Souverän des K. an. 1890 wurde ein Übereinkommen getroffen, demzufolge Belgien dem K. ein unverzinsliches Darlehen von 25 Mill. Frs. bis 1900 bewilligte und dafür sich das Recht vorbehielt, nach Ablauf jener Periode den K. zu annektieren, falls nicht dieser es vorzöge, das Darlehen in weitern 10 Jahren zurückzuzahlen. Gemäß einem Vertrag von 1891 mit Portugal wurden die Grenzen des K. nach S. durch Einverleibung von Muata Jamvos Reich (Lunda) am Kuango und Kassai beträchtlich erweitert. Die Expeditionen von Stairs, Delcommune und Bia 1891/92 unterwarfen Katanga der Herrschaft des K. Mit demselben Gedanken der Gebietsvergrößerung unternahm van Kerkhove 1890 einen mit starker Truppenmacht ausgerüsteten Zug vom Stanley Pool nach NO. und drang durch die Niamniam- und Monbuttuländer bis nach Wadelai am Nil vor (1892). Er selbst wurde auf dem Rückmarsch getötet. Kerkhove hatte im Norden des Aruwimi die Bandenführer und Sendlinge der am mittlern Kongo ansässigen Araber bekämpft und diese im Elfenbeinhandel und Sklavenraub schwer geschädigt. Die Kunde davon rief eine Empörung gegen alle Weißen am Kongo und Tanganikasee hervor, welcher im Mai 1892 Hodister mit seinen Gefährten zum Opfer fiel. Der K. entsandte eine durch die Negerstämme vom Sankuru und Lomami verstärkte Truppenmacht unter Kapitän Dhanis gegen die Araber. Dhanis schlug sie im Nov. 1892 südöstlich von Ngongo Luita, eroberte Febr. 1893

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 549.

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