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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Konkursgläubiger - Konkursverfahren
auch alle Entscheidungen zu treffen, welche nicht im
Gesetz ausdrücklich dem K. vorbehalten worden sind.
Konkursgläubiger, diejenigen Gläubiger,
welche zur Teilnahme am Konkursverfahren (s. d.)
befugt sind und verlangen können, daß sie gemein-
schaftlich aus der Konkursmasse befriedigt werden.
Nach der Deutschen Konkursordnung (ß. 2) sind als
K. alle persönlichen Gläubiger des Gemeinschuld-
ners anzusehen, welche einen zur Zeit der Konkurs-
eröffnung begründeten Vermögensanspruch an den
Gemeinschuldner haben. Im Konkursverfahren kön-
nen nach §. 56 der Konkursordnung nicht geltend
gemacht werden: 1) die seit der Konkurseröffnung
laufenden Zinsen; 2) die aus der Teilnahme am
Verfahren erwachsenden Kosten; 3) Geldstrafen;
4) Forderungen aus einer freigebigen Verfügung
des Gcmeinschuldners. Personen, welchen ledig-
lich eine zur Konkursmasse gehörige Sache für ihre
Forderung (an einen Dritten) haftet, sind nicht K.
Gläubiger, welchen wegen ihrer Forderung an den
Gemeinschuldner zugleich ein Recht auf Abgeson-
derte Befriedigung (s. d.) zusteht, können nur in-
soweit als K. auftreten, als sie auf die abgeson-
derte Befriedigung verzichtet oder bei dieser einen
Ausfall erlitten haben. Die K. können auch ihre
Forderungen auf Sicherstellung oder Befriedigung
aus der Konkursmasse nur nach Maßgabe der Vor-
schriften für das Konkursverfahren verfolgen, d. h.
diese Forderungen im Konkursverfahren anmelden,
damit sie hier Dividende erhalten. Arreste und
Zwangsvollstreckungen zu Gunsten einzelner K. fin-
den während des Konkursverfahrens weder in das
Zur Konkursmasse gehörige, noch in das sonstige
Vermögen des Gemeinschuldners statt. Erst nach der
Aufhebung des Konkursverfahrens (s.d.) können die
nichtbefriedigten K. ihre Forderungen gegen den Ge-
meinfchuldner wieder unbeschränkt geltend machen.
Nach der Österr. Konkursordnung (ߧ. 1 und 30)
wird gleichfalls zwischen den persönlichen Gläubi-
gern des Gemeinschuldners (Konkursgläubigern)
und den dort "Nealgläubiger" genannten Abson-
derungsberechtigten unterschieden. Die Gesamtheit
der Gläubiger, deren Ansprüche zur Zeit der Kon-
kurseröffnung bestanden haben, erlangt das Necht,
die Konkursmasse in Verwaltung zu nehmen und zu
ihrer Befriedigung zu verwenden. (S. Gläubiger-
verfammlung.) Dagegen können die einzelnen K. be-
züglich des zur Kontursmasse gehörigen Vermögens
(nach §. 11) wegen ihrer Forderungen keinerlei
Zwangsvollstreckung beginnen oder durchführen.
Ausländische Konkursgläubiger stehen
nach §. 4 der Deutschen Konkursordnung den inlän-
dischen Gläubigern grundsätzlich gleich. Der Reichs-
kanzler kann jedoch mit Zustimmung des Bundes-
rats bestimmen, daß gegen die Angehörigen eines
ausländischen,von andern Grundsätzen ausgehenden
Staates und gegen deren Rechtsnachfolger ein Ver-
geltungsrecht zur Anwendung gebracht werde. Mit
Rücksicht auf den Umstand, daß den Vorschriften
der Konkursordnung über die abgesonderte Befrie-
digung und Aufrechnung dadurch ihre Wirksamkeit
entzogen werden kann, daß die Forderung einer im
Auslande wohnendenPerson übertragen wird, wur-
den in den §§. 42 und 49 besondere Bestimmungen
getroffen, nach welchen der abtretende Gläubiger
der Konkursmasse den ihr durch die Abtretung ent-
gangenen Betrag ersetzen muß.
Nach der Österr. Konkursordnung (§. 51) sollen
die Ausländer im Konkurse gleiche Rechte mit den
Artikel, die man unter K verm
Inländern genießen, wenn der Staat, dem sie an-
gehören, ebenso verfährt. Andernfalls soll ihnen
gegenüber ebenso verfahren werden, wie die österr.
Staatsbürger in diesem Staate behandelt werden.
Konkurskommissar (Konkurskommissär),
in Osterreich der Kommissar des Konkursgenchts,
dem die selbständige Leitung der Konkursverhand-
lungen und die Überwachung der mit der Ver-
mögensverwaltung betrauten Personen obliegt.
<S. Konkursgericht.) Seine Stellung entspricht der
des franz. Fallimentskommisfärs (s. d.).
Konkursmasse, derjenige Teil des Vermögens
des Gemeinschuldners, der zur gemeinschaftlichen
Befriedigung der Konkursgläubiger (s. d.) bestimmt
ist und deshalb vom Konkursverfahren (s. d.) erfaßt
wird. Nach der Deutschen Konkursordnung gehört
zur K. das gesamte, einer Zwangsvollstreckung
unterliegende Vermögen des Gemeinschuldners,
welches diesem zur Zeit der Konkurseröffnung ge-
hört. Der spätere Erwerb wird nicht vom Konkurs-
verfahren ergriffen, kann aber zur Eröffnung eines
zweiten Konkursverfahrens Veranlassung geben.
Zur K. gehört auch der Nießbrauch, der dem Ge-
meinschuldner am Vermögen seiner Ehefrau oder
feiner Kinder zusteht. ,(S. Gemeinschuldner.)
Nach der Österr. Kontursordnung (§. 1) gehört zur
K. das gesamte der Zwangsvollstreckung unterlie-
gende Vermögen, welches ein zahlungsunfähig ge-
wordener Schuldner besitzt, oder welches ihm wäh-
rend der Dauer des Konkursverfahrens zufällt. Was
der Gemeinfchuldner durch eigenen Fleiß erwirbt,
ist ihm aber (nach §. 5) insoweit zu überlassen, als es
zum Unterhalte für ibn und für folche Perfonen er-
forderlich ist, denen ihm gegenüber ein gesetzlicher
Anspruch auf Unterhalt zusteht.
Konkursordnung, f. Konkursverfahren.
Konkurstabelle, s. Tabelle (im Konkursver-
fahren).
Konkursverfahren, nach der Deutschen Kon-
kursordnung wie nach der österr. Gesetzgebung
das unter Leitung und Mitwirkung des Konkurs-
gerichts (s. d.) stattfindende Verfahren, welches den
Zweck hat, das zur Konkursmasse (s. d.) gehörige
Vermögen des Gemeinschuldners (s. d.) zur gemein-
schaftlichenBefriedigung derKonkursgläubiger (s. d.)
zu verwenden. Nach der Deutschen wie nach der
Österr.Konkursordnung findet das K. nicht bloß (wie
nach dem Oä6 äs cominei-cs und den diesem folgen-
den Gesetzgebungen) auf Kaufleute, sondern auch
auf Nichtkaufleute Anwendung. Die Osterr. Kon-
kursordnung enthält jedoch (in den §§. 191 fg.) be-
sondere Vorschriften für den kaufmännischen Kon-
kurs. Das K., das früher auch Konkursprozeß,
Falliments-, Gant- oder Debitverfahren
genannt wurde, ist durch die Deutsche Konkurs-
ordnung vom 10. Febr. 1877, die nebst dem dazu-
gehörigen Einführungsgesetz von demfelben Tage
am 1. Okt. 1879 in Kraft getreten ist, für das ganze
Reich einheitlich geregelt worden. Durch §. 4 des
Einführungsgesetzes wurden die Vorschriften der
Landesgesetze über das K. sowie über das materielle
Konkursrecht insoweit aufgehoben, als nicht in der
Konkursordnung auf diefe Gesetze verwiesen oder
bestimmt ist, daß sie nicht berührt werden. Das-
selbe gilt von den landesgesetzlichen Vorschriften
über gerichtliche, zur Abwendung oder Einleitung
eines derartigen Verfahrens dienende Stundungs-
und Nachlaßverhandlungen, über Vermögensunter-
fuchungen, über die Rechtswohlthat der Güter-
ißt, sind unter C aufzusuchen.