Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

597
Kontakion - Kontant
von der Diphtheritis bekannt. Die Aufnahme des
K. seitens der Gesunden kann anf verschiedene Weise
geschehen, je nachdem das K. fix oder flüchtig ist. Eo
geschieht die Ansteckung mit der Syphilis durch kleine
Verletzung der Haut oder der Schleimhaut der natür-
lichen Höhlen iu der Nähe ihrer Öffnung. Dagegen
erfolgt die Ansteckung mit Blattern, Masern, Schar-
lach, Keuchhusten vermutlich durch die Lungen, wo-
bei indes das K. auch durch feste oder flüssige Stoffe
auf die Haut und die Schleimhaut übertragen wer-
den kann, z. V. beim Impfen der Kuhpocken. In
welchem Stadium der kontagiösen Krankheit das K.
erzeugt wird, d. h. wann die Ansteckungsfähigkeit
am größten ist, ist nur wenig bekannt; bei Masern,
Scharlach und Pocken vor dem Ausbruch des Exan-
thems und während desselben, bei Typhus und
Cholera wahrscheinlich während der Zeit der reich-
lichen Stuhlentlcerungen.
Früher hielt man alle ansteckenden oder Infektions-
krankheiten für die Wirkung rein chem. gasiger Pro-
dukte,welche einen eigentümlichen Gärungsprozeß im
Blute und damit eine fchnelle Zersetzung der Vlut-
. und Körperbestandteile zur Folge haben sollten (chem.
Theorie) und sprach somit von Gärungs- oder zymo-
tischen Krankheiten. Die neuern Forschungen haben
das Haltlose dieser Anschauung ergeben und die schon
im Mittelalter ausgesprochene Ansicht eines leben-
den K. (couwFium vivum) bestätigt, nach welcher
alle Infektionskrankheiten durch die Ausnahme klein-
ster Mikroorganismen (Spaltpilze, Batterien) in die
Blutbahn entstehen, durch deren Einwirkung in den
organischen Substanzen des Körpers ähnliche Zer-
setzungsprozesse eingeleitet werden, wie sie z. B.
bei der Alkoholgärung durch die Sporen der Hefe-
pilze entstehen (parasitäre Theorie). Besonderes
Aufsehen erregte in dieser Beziehung die wichtige
Entdeckung Davaines, daß im Blute solcher Tiere,
die am Milzbrand (s. d.) gestorben waren, konstant
gewisse ganz charakteristische Pilzformen, die sog.
Milzbrandbacillen, vorhanden sind und daß man
mit dem solche Pilzformen enthaltenden Blut den
Milzbrand auf vorher gcfunde Tiere übertragen
kann. Spater hat sodann Hallier in Jena behauptet,
daß überhaupt jede kontagiöse Krankheit durch die
Einwanderung eines ganz bestimmten charakteristi-
schen Pilzes bedingt sei, und so z. B. einen specifi-
schen Cholera-, Blattern- und Typhuspilz beschrieben
und abgebildet; ebenso hat Salisbury 1866 die Ent-
stehung der Wechselfiebcr auf die Einatmung kleinster,
in der Sumpfluft enthaltener pflanzlicher Organis-
men, der sog. Palmellen, zurückgeführt. Späterhin
fanden Odermeier (1873) beim Rückfalltyphus (f.d.)
im Blute der Kranken eigentümliche spiralige Bak-
terien (sog. Spirillen), Klebs in den Membranen
der Diphtheritiskranken kleinste stäbchensörmige
Spaltpilze (Nicro8p01-011 äiplitkeriticuiii), R. Koch
in dem Auswurf der Tuberkulösen (1882) die eigen-
artigen Tubertelbacillen und in der Darmschleim-
haut der Cholcraleichen (1883) die sog. Komma-
bacillcn (s. Cholera, Bd.4,S. 256 a) und wiesen diese
mikroskopisch kleinsten Spaltpilze als die Träger der
K. der genannten Krankheiten nach. Dasselbe ist für
die Pyämie und die übrigen fog. Wundinfektions-
krankheiten erwiesen. Seitdem ist durch die von Koch
eingeführten Nntersuchungsmethoden die Thatsache
der Beziehung specifischer Bakterien zu specifischen
Krankheiten unumstößlich geworden.
Damit fällt der Begriff von K. im Gegensatz zu
Miasma weg, und es empfiehlt sich nach dem Vor-
Artilel, die man unter K verm
gang von Pettenkofers in Zukunft die sog. K. als
Krankheitskeime mit endogener Vermehrung, die
also im Körper des Kranken wieder erzeugt werden,
zu bezeichnen, und Miasmen jene, welche sich außer
dem Körper (ektogen) vermehren, zu benennen. -
Über die Vernichtung der K. s. Desinfektion.
Vgl. Uhle und Wagner, Handbuch der allgemeinen
Pathologie (7. Aufl., Lpz. 1876); Griesinger, In-
fektionskrankheiten (2. Aufl., Erlangen 1864); Lieber-
meister, Infektionskrankheiten (in Ziemssens "Hand-
buch der Pathologie und Therapie", 2. Aufl., Lpz.
1876); ders., Vorlesungen über specielle Pathologie
und Therapie. Bd. 1: Infektionskrankheiten (ebd.
1885); Nägeli, Die niedern Pilze in ihren Beziehun-
gen zu den Infektionskrankheiten (Münch. 1877); N.
Koch, Untersuchungen über dieAtiologie der Wund-
infektionskrankheiten (Lpz. 1878) und in den Mit-
teilungen aus dem kaiferl. Gesundheitsamt; Vaum-
garten, Jahresbericht über die Fortschritte in der
Lehre von den pathogenen Mikroorganismen
(Braunschw. 1885 fg.).
Kontakion (grch., "Stäbchen"), ein kurzes Tro-
parion (s. d.), das den Hauptgedanken des Feier-
tags angiebt. Als größter Dichter dieser bevor-
zugten Art von Troparien gilt Nomanos von
Emesa (um 500).
Kontakt (lat.), Berührung.
Kontaktelektricität, s. Galvanismus.
Kontaktgänge,s.Erzlagerstätten(Bd.6,S.339ii).
Kontaktgesteine, durch Kontaktmetamorphose
entstandene Gesteine, s. Metamorphische Gesteine.
Kontaktgoniometer, s. Goniometer.
Kontaktmetamorphosen, alle Veränderungen,
die ein älteres Gestein durch die Berührung mit
einem jüngern glutflüfsig empordringenden Eruptiv-
gestein erlitten hat. Hierher gehört u. a. die Ver-
glasung und Frittung, die vulkanische Gesteine
(z. V. Basalte) sowohl an den von ihnen umschlos-
senen Bruchstücken des Nebengesteins als auch an
letztern selbst hervorgerufen haben, ferner die Ver-
kokung der Braunkohle und Steinkohle zu Anthra-
cit und graphitischer Substanz durch Basalt, Tra-
chyt, Melaphyr und Porphyr, endlich die Umwand-
lung gemeiner, dichter Kalksteine in schneeweißen
Marmor. Verwickelter Natur sind diejenigen K.,
die nicht, wie die obigen, durch trockne Hitze, son-
dern durch die in der glutflüssigen Gesteinsmasse
emporgeführten überhitzten Wasser hervorgebracht
worden sind. <^ie sind zum Teil verbunden mit der
Imprägnation des Nebengesteins durch sog. Kon-
taktmineralien (Granat, Vesuvian, Skapolith,
Spinell u. a.). Letzteres ist namentlich dort der
Fall, wo Eruptivgesteine Kalksteine durchsetzen;
Grauwacken, Thonschiefer und Phyllite pflegen
hingegen, und zwar vorzüglich im Kontakt mit
Graniten, durch letztere in Hornfels, Andalusit-
glimmerfels, Frucht- und Fleckschiefer umgewandelt
zu werden (Vogesen, Erzgebirge, Harz u. a. O.).
Kontaktminen, s. Stoßmmen. j^Kraft.
Kontaktwirkung, in der Chemie, s. Katalytifche
Kontaminieren (lat.), verunreinigen, beflecken;
davon Kontamination, Verunreinigung.
Kontant (ital.; frz. comptant), per kontant
(frz. an coinpwnt), soviel wie per ca.88a,, bar, gegen
bare Zahlung. Der Barkauf heißt daher auch Kon-
tant ka u f. Netto kontant ist gleichbedeutend mit
H6tt0 ^H88H (s. (^a.883.). - Kontanten (frz. 68P6068;
engl. 8ii6ci6; ital. contauti) sind im allgemeinen Bar-
geld jeglicher Art; man wendet aber diese Bezeich-
ißt, sind unter E aufzusuchen.