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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kopervik - Kopffüßer

dem Warschauer Denkmal wird die vermeintliche Zugehörigkeit zur poln. Nation von K. hervorgehoben. Die Frage nach der Nationalität ist Gegenstand erbitterten Streites geworden; die poln. Ansprüche hat Prowe in der Schrift «De Copernici patria» (Thorn 1860) und in einer Abhandlung der «Historischen Zeitschrift» (1872) zurückgewiesen.

Kopervik, Stadt auf Karmö (s. d.).

Kopf oder Haupt (lat. caput), der oberste, rundliche, auf dem Halse (s. d.) aufsitzende Teil des menschlichen Körpers, welcher das Gehirn und die Sinnesorgane des Gesichts, Gehörs, Geruchs und Geschmacks enthält und demnach für das Leben und die Lebensthätigkeit von der größten Wichtigkeit ist. Die Anatomie teilt den K., dessen knöchernes Gerüst von 28 Knochen zusammengesetzt wird, in zwei Teile: den Schädel (s. d.) und das Gesicht (s. d. und Kiefer), und betrachtet ihn nur im Verhältnis zu den Hauptteilen des Körpers, dem Rumpfe und den Extremitäten, als Ganzes. Der obere Teil des K. ist von der gefäß- und nervenreichen Kopfhaut oder Kopfschwarte bedeckt; die größern Gefäße und Nervenstämme desselben verlaufen an der Stirn-, Schläfen- und Hinterhauptsgegend und werden nach diesen Gegenden benannt. Beim Menschen wird der K. in aufrechter Stellung auf der Wirbelsäule balanciert; in geneigter Stellung wird er durch die Muskeln, vorzüglich aber durch das starke Nackenband (Ligamentum nuchae) in seiner Stellung erhalten; bei den vierfüßigen Tieren ist dieses Band besonders stark entwickelt. Die Verbindung des K. mit der Halswirbelsäule ermöglicht ziemlich ausgiebige Bewegungen, indem er sich nicht nur auf dem ersten Halswirbel (Atlas) hinreichend nach vorn und hinten bewegen (beugen und strecken), sondern auch zugleich mit dem Atlas um den zweiten Halswirbel (Epistropheus) nahezu in einem Halbkreis drehen kann. (S. Hals.) Der K. ist es hauptsächlich, welcher den Menschen vom Tiere unterscheidet, weil er das hochentwickelte Gehirn und die Apparate für die artikulierte Sprache enthält; beim Menschen ist die Rundung des K. am vollkommensten, während bei den Tieren der vordere Teil des K., das Gesicht, mehr aus dieser Rundung heraustritt. Der K. der wirbellosen Tiere wird, je tiefer sie stehen, um so unvollkommener; gewissen tiefstehenden Klassen, wie den Muscheln, manchen Ordnungen der Würmer, den Stachelhäutern und Hohltieren, fehlt er gänzlich.

Kopf, schwimmender, s. Mondfisch.

Kopf, Jos. von, Bildhauer, geb. 10. März 1827 zu Unlingen in Württemberg, kam 1851 nach München und reiste 1852 nach Rom, wo er die Gruppe der Verstoßung der Hagar für den König von Württemberg, dessen Stipendiat er geworden war, ausführte. Unter Martin Wagners Einfluß modellierte er dann eine Agnes, eine Nemesis, eine Fortuna und ein Urteil Salomos, dann 1856 für die Prinzessin Olga die Statuen der Jahreszeiten für die Villa bei Berg, 1865 für dieselbe zwei Marmorkamine mit den Figuren der Elemente, für Kaiser Alexander Ⅱ. von Rußland einen großen Marmorbrunnen im Schlosse Oranienbaum. Eine Gruppe badender Knaben war für Moskau bestimmt, eine Nymphe vor einer Eidechse erschreckend und eine griech. Tänzerin für das königl. Schloß Rosenstein bei Stuttgart, eine Pietà für die dortige kath. Kirche; sodann schuf er Joseph und die Frau des Potiphar, die eine Satyrherme umarmende Nymphe, des Mädchens Klage (Marmorfigur, 1893). Außerdem lieferte K. mehr als 200 Büsten, darunter Kaiser Wilhelm Ⅰ. (eine, von 1886, in der Berliner Nationalgalerie), Kaiserin Augusta, die (verstorbene) Königin der Niederlande, Großherzogin Alice von Hessen, Großfürstin Marie von Rußland, neuestens den Reichsrat von Döllinger (im Besitz von von Cramer-Klett in München) und Direktor von Bauernfeind (Polytechnikum in München), und insbesondere eine Reihe von Medaillonbildnissen. 1892 schuf er das Kaiserin-Augusta-Denkmal für Baden-Baden. K. lebt im Winter in Rom, im Sommer in Baden-Baden.

Kopfbein (Os capitatum), einer der acht Handwurzelknochen, s. Hand (Bd. 8, S. 728 a).

Kopfbetrieb, s. Bahnhöfe (Bd. 2, S. 291 b).

Kopfblume, s. Cephalantus.

Kopfblutgeschwulst, Kephalhämatom, eine taubenei- bis apfelgroße flachrundliche elastische Geschwulst, die sich bisweilen bei Neugeborenen auf dem Scheitel- oder Stirnbein vorfindet und während der Geburt durch den anhaltenden Druck auf den Schädel und eine dadurch veranlaßte Blutergießung entstanden ist, verschwindet gewöhnlich nach einigen Tagen wieder von selbst.

Kopfbruch, s. Bruch (mediz., Bd. 3, S. 595 a).

Kopfbuchstaben, s. Kapitalbuchstaben.

Köpfchen (botan.), s. Blütenstand (Bd. 3, S.166 a) und Tafel: Blütenstand, Fig. 6 u. 7.

Kopfdrainage, s. Drainierung.

Kopfdrehe, s. Drehkrankheit.

Köpfel, Reformator, s. Capito.

Kopffüßer, Kraken, Tintenfische, Tintenschnecken (Cephalopoda), die am höchsten stehende Klasse der Weichtiere (s. d.). Sie haben einen vom Rumpf deutlich abgesetzten Kopf mit zwei sehr großen Augen. Um den Mund herum, der außer der Reibplatte oder Radula mit einem starken, einem Papageischnabel ganz ähnlichen, aus Ober- und Unterkiefer gebildeten Hornschnabel bewaffnet ist, steht eine Anzahl von fleischigen Armen, die zum Kriechen, Schwimmen, Tasten und zum Ergreifen der Beute dienen. An der Bauchseite des Rumpfes bildet die Körperwand durch eine Duplikatur eine vorn offen stehende Höhle, die Mantelhöhle, in der sich, paarig angeordnet, die gefiederten Kiemen befinden. Mitten in dieser schlitzförmigen Öffnung ist am Körper eine beiderseits offene kegelförmige fleischige Röhre, der Trichter, derart angeheftet, daß sein weiteres Ende in die Kiemenhöhle sieht. Durch den Mantelschlitz dringt Wasser zum Atmen ein; wird dasselbe durch plötzliche und energische Zusammenziehungen der Hautduplikatur, des sog. Mantels, aus der Mantelhöhle herausgepreßt, so nimmt es seinen Weg durch die Trichterröhre und das Tier schießt infolge des Rückstoßes mit dem hintern Körperende voran pfeilschnell durch das Wasser. Durch Zusammenschlagen der Arme wird eine ähnliche Ortsbewegung erzielt. In der Unterhaut der K. finden sich merkwürdige kontraktile, mit verschiedenfarbigem Pigment gefüllte Zellen (Chromatophoren), die durch ihre abwechselnde Ausdehnung und Zusammenziehung ein lebhaftes Farbenspiel zu Wege bringen, das die psychischen Erregungen in wirksamster Weise zum Ausdruck bringt, andererseits die Körperfärbung der Umgebung anzupassen vermag. Der sog. Tintenbeutel, ein neben dem After in der Mantelhöhle mündender Sack, sondert, wenn die Tiere verfolgt werden, eine dunkle Flüssigkeit (s. Sepia) ab, die sie dem Auge nach- ^[folgende Seite]

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