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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kostüm
einen purpurnen Mantel, auf dem Kopfe eine Mitra
aus weißem Filz in Form eines eingedrückten Kegels
(s. Tafel: Vabylonifch-Asfyrifche Kunst, Fig.
1u.4). -Während die Tracht der Meder dieKan-
dys, ein langer, weitärmcligerNock aus weichem Stoff
war, trugen die Perfer enganliegende Kleider aus
Leder, bestehend aus kurzem Rock, Zofen, Schnür-
schuhen und Kappe. Als die Perser das Medische
Reich eroberten, nahmen sie die Tracht der Besiegten
als Zoftracht an; das enge perf. Lederbeinkleid ver-
blieb jedoch den untern Ständen.
Die griechische Tracht bestand aus fertig ge-
webten viereckigen Zeugstücken, die trotz ihrer Ein-
fachheit sich mannigfach in frei und natürlich fallen-
den Falten anlegen ließen. Die zwei gewöhnlichsten
Kleidungsstücke beider Geschlechter waren der Chi-
ton (s. d.) als Unterkleid und das Himation (s. d.)
als mantelartiges Obergewand, wozu dann noch
das über der Schulter getragene Diploidion kam
(s. Taf. I, Fig. 4 u. 5). Der Umstand, daß der Chi-
ton am obern und untern Saum, das teils weiße,
teils farbige Himation ringsherum mit eingewebten
oder aufgenähten bunten Streifen verziert war, er-
höhte den malcrifchen Eindruck dieser Tracht. Als
Kriegs- und Rcisemantel war außer dem Himation
noch bei den Männern die Chlamys (s. Taf. 1,
Fig. 3) in Gebrauch, ein bis zu den Knien reichen-
des rechteckiges Stück Tuch, das über die linke Schul-
ter gelegt und auf der rechten mit einer Spange be-
festigt wurde; die Frauen bedienten sich statt der-
selben eines kleinern, Peplos genannten Umwurfs.
- Auch die Römer trugen für gewöhnlich nur zwei
Kleidungsstücke und zwar zu Hause als Rock die
meist aus Wolle gefertigte Tunika (s. d.), über die
beim Ausgehen die Männer die Toga ff. d. und
(^diiniZ cincw8), die Frauen die Palla (s. d.) warfen
(f. Taf. I, Fig. 6 u. 8). Als leichtere Oberkleider,
lediglich als Überwurf, trugen besonders die Männer
die Lacerna, die über die linke Schulter genommen,
auf der rechten festgesteckt wurde; eine ähnliche Form
hatte der von Soldaten und auch von den Liktoren
getragene Mantel, das Sagum (s. Taf. I, Fig. 7).
Das übliche Gewand der Landleute war die mit einer
Kapuze versehene Pänula (s. Taf. I, Fig. 3) aus
grobem Stoff, die aber auch fönst als Reisckleid für
beide Geschlechter diente.
Die Byzantiner behielten dies K. bei, doch
brachte der Orient vor allem die fchweren Seiden-
stoffe und gemusterten Goldbrokate mit ihrem Besatz
von Gold, Perlen und Edelsteinen, wodurch diese
Tracht im Gegensatz zu dem reichen Faltenwurf der
Antike Steifheit und Faltenlosigkeit zeigte. In die-
fem byzant. Gefchmack war auch der Krönungsornat
der röm.-deutfchen Kaifer gehalten (f. Tafel: In-
signien). <
2) Mittelaltcr. Seit der Völkerwanderung bis
zum 11. Jahrh, war in Deutfchland die Tracht,
insbesondere der Vornehmen, die kurze Tunika, der
auf der rechten Schulter befestigte Mantel, Zofen
und Zalbftiefel. Seit dem 11. Jahrh, kam die
lange Tunika auf, die am untern Saum, an der
Zalsöffnung und an den Handgelenken oft gestickt
oder mit Goldborte besetzt war (s. Taf. II, Fig. 1).
Sie wurde mit einem Gürtel über den Züften ge-
gürtet und in einen mäßigen Bausch hervorgezogen.
Dieses fast weibische Kleidungsstück war mit dem in
langen Locken getragenen Zaar das Hauptstück der
höfischen Tracht des Mittelalters und bildete einen
merkwürdigen Gegensatz zu der damaligen Eisen-
rüstung des Ritters, über der Tunika trug man
einen, ebenfalls öfters mit Goldborten besetzten Man-
tel, der im 11. Jahrh, noch auf der rechten Schulter
(f. Taf. II, Fig. 1), vom 12. Jahrh, an aber vorn
auf der Brust mit einer Spange (Fürspan) oder,
wenn er weiter auseinander stand, mit einem Bande
oder einer Kette befestigt wurde. Die Hosen waren
aus Tuch oder Seide und bedeckten den Fuß mit
(Füßlinge); sie waren nie gemustert, wohl aber an
jedem Bein anders gefärbt; lederne Schuhe trugen,
außer den Frauen, meist nur Männer niedern Stan-
des. Die Bekleidung der Frauen (s. Taf. II, Fig. 2j
bestand aus einem langen wollenen Oberklcid (Robe;
Zurcot) und der Tunika (Rock), die mit einem mehr
oder weniger kostbaren Gürtel gegürtet wurde; außer
dem Hause trugen sie ähnlich den Männern einen
Mantel. Als Kopffchmuck diente den Frauen, wie
auch den Männern, das Schapel, das aus einem
fchmalen Reifen aus Zeug oder Metall mit kleinen
Rofetten oder Zinken bestand. Seit dem 14. Jahrh,
beginnt das K. bei den Deutschen immer mannig-
faltiger zu werden und bis zum Anbruch der neuen
Zeit ins Extravagante und Narrenhafte auszuarten.
Im Anfang des 14. Jahrh, war noch der lange Rock
in Gebrauch, der sich alsbald bei den Vornehmen
zur Schecke verkürzte (f. Taf. II, Fig. 3); da diefe
eng anlag und deshalb uicht gegürtet zu werden
brauchte, lief der Gürtel oder Schwertgurt nunmehr
unterhalb der Taille um die Hüften, wo er aufge-
näht war oder eingehakt wurde (Dupsing, s. d.). Im
14. Jahrh, trugen vornehme Männer, auch Frauen,
sehr viel die Gugel (s. d.), eine Kapuze mit ange-
setztem Hals- und Schulterkragen, die mit einem
langen Schwanz verfehen war (f. Taf. II, Fig. 3).
Die Frauen behielten fo ziemlich die frühere Trackt
bei: den langen Rock und den langen Mantel, welch
letzterer auf der Brust mit einer Spange oder Ro-
sette geschlossen wurde, auf dem Kopf allerdings
statt des Schapels den Krüseler, eine Kopf und Nacken
bedeckende, mit Kraufen verfehene weiße Haube
(f. Taf. II, Fig. 4). Allgemein beliebt wurde feit Mitte
des 14. Jahrh, die Zaddeltracht. Die Kleidungs-
stücke, der lange Rock lTappert) oder die kurze Schecke
des Mannes (f. Taf. Il, Fig. 5 u. 7), das lange, meist
mit Hängeärmeln versehene Gewand der Frau
(f. Taf. 11^ Fig. 6), waren am Rande ausgezackt, oft
noch mit derartig ausgezackten Zeugftreifcn befetzt;
auf dem Kopfe trugen die Männer die Wulstbaube,
die Frauen die Zaddelmütze. Zu gleicher Zeit kam
auch die den Deutfchen befonders eigentümliche
^chellentracht auf, deren Blütezeit im Anfang des
15. Jahrb. war. Die meist silbernen Schellen, oft
auch wirkliche Glöckchen, hingen an Kettchen, sodaß
sie bei der geringsten Bewegung erklangen. Die
Männer ls. Taf. II, Fig. 7) trugen diefe Schellen
am Gürtel (Dusing, s. d.) und an den Ärmeln, häusig
auch noch an einem breiten Vandelier, das quer von
der Schulter zur Huste lief; die Frauen (f. Taf. II,
Fig. 8) befonders am Halsausschnitt des Kleides.
3) Das 16. Jahrhundert, a. Reformationstracht.
Die Zeit des geistigen Umschwungs, das Zeitalter
der Renaissance und der Reformation, brachte auch
eine Umgestaltung in der Tracht. Das K. sollte den
Körper nicht mehr eng umhüllen, sondern eine be-
queme Bewegung gestatten und im Gegensatz zur
frühern Zeit frei und würdevoll zugleich erscheinen.
Das Vorbild bot die Tracht der Landsknechte mit
ihrem Merkmal der Schlitzung und Fütterung.
Hauptkleidungsstücke der Männer ls. Taf. III, Fig. 3)
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.