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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kostüm
in dieser Zeit lum 1530 allgemein) waren Wams,
Hosen, Schaube und Barett. Am Wams fanden
sich die Schlitze auf der Brust, auf dem Rücken,
besonders aber an den Ärmeln, entweder überall
ls. Taf. III, Fig. 3) oder teilweis nur am Ellbogen
und am Oberarm (s. Taf. III, Fig. 1); während
aber beim Wams das .Hemd durch die Schlitze
hervorschaute, wurde die ebenfalls geschlitzte Hose,
besonders die in dieser Zeit aufgekommene weite
Oberschenkelhose (s. Taf. III, Fig. 3), um die Bloße
zu decken, mit einem bunten, meist seidenen Stoff
gefüttert. Auch die Schaube, die ihre Ärmel bei den
Vornehmen ganz oder teilweis verlor und nur von
Bürgern und insbefondere von Gelehrten mit langen
weiten Ärmeln getragen wurde und mit einem bis
auf den Nucken fallenden Kragen aus anderm Stoff
(meist Pelz) geziert war, ferner die jetzt breit abge-
rundeten Schuhe (Bärenklauen, Entenschnäbel, Kuh-
maulschuhe) sowie das Barett waren mit Schlitzen
versehen ls. Taf. III, Fig. 3). Mit Hilfe der Schlitz-
mode wurde das K. ein äußerst buntes; dazu kam,
daß man die jetzt von der Hofe getrennten Strümpfe
häufig an einem Bein (s. Taf. III, Fig. 3) oder an
beiden Beinen mit breiten Längsstreifen in bunter
Farbenzusammenstellung (Gelb, Blau, Rot, Weiß
u. a.) trug. Das anfangs mit tiefem, fpitzem Latz
versehene Wams (s. Taf. III, Fig. 1) wurde alsbald
viereckig ausgeschnitten, sodaß auch das in ersterm
Falle den Hals freilassende Hemd hinaufrückte und
den Hals nnt einer Krause (s. Halskrause) umschloß
ls. Taf. III, Fig. 3). Das Mäntelchen hielt sich nur
bei der Jugend ls. Taf. III, Fig. 1) noch bis in das
2. Jahrzehnt des 16. Jahrh., dann räumte es der
Schaube ls. Taf. III, Fig. 3) das Feld völlig. Ebenso
veränderte sich in der Reformationszeit das K. der
Frauen ls. Taf. III, Fig. 2 u. 4). Der Rock war an
der Brust rund oder viereckig ausgeschnitten und
ließ das Hemd oder einen gestickten Einsatz sehen;
seit 1530 aber war er wie bei der Männertracht am
Halse mehr geschlossen. Die Schleppe wurde kürzer,
die Ärmel wurden jedoch länger, sodaß sie die halbe
Hand bedeckten, und eng; außerdem waren letztere
entweder nicht geschlitzt, mit einem Auffchlag ver-
sehen (s. Taf. III, Fig. 2) oder mit Schlitzen am
Unterarm oder Ellbogen versehen, wohl noch dazu
an der Achsel, am Ellbogen oder an beiden Stellen
quer durchschnitten und wieder angenestelt, sodaß
das Hemd bauschig hervorquoll ls. Taf. III, Fig. 4).
Als Kopfbedeckung trugen die Männer ls. Taf. III,
Fig. 3) das Barett ls. d.), das die Landsknechte in
flacher Form gern schief auf ein Ohr fetzten und
dann mit einem Sturmband unterm Kinn oder an
der Calotte befestigten; die Frauen (s. Taf. III, Fig. 2
u. 4) trugen die Haube, seit 1520 die Calotte und
beim Ausgehendas Barett in landsknechtischerForm.
d. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrh, fand das
spanische K. in Deutschland Eingang. Das Wams
der Männer ls. Taf. III, Fig. 6), nach seiner Form
"Gansbauch" (s. d.) genannt, lief von den Hüften
schräg abwärts in eine Spitze zusammen und wurde
in der Mitte der Brust mit einer Knopfreihe ge-
schlossen. Es war wattiert, ebenso wie die Ärmel;
an den Schultern waren hohe Wülste. Um den Hals
und die Handgelenke lag eine schmale Krause, die
nur bei Stutzern am Hals sehr breit war Wühl-
steinkragen). Die Beine umhüllten weit hinauf
reichende, enge Strumpfhosen und eine nur bis
auf den halben Oberfchenkel reichende gepolsterte
Hose, deren Ausstopfung in Spanien selbst durch
zwei am Wams festgehakte Kissen ersetzt wurde.
Dazu kam ein ebenfalls nur bis zur Hälfte des Ober-
schenkels reichendes Mäntelchen mit flachem Kragen,
das leicht nm die Schultern gelegt wurde. Anstatt
der vorn breiten Schuhe trug man jetzt spitze, bis
zum Knöchel reichende Schuhe, die geschlossen oder
am Spann mit Quer- und an der Spitze mit Längs-
schlitzen verschen waren. Auch die Frauen ls. Taf. III,
Fig. 5) hatten am Ende des 16. Jahrh, das spanische
K. angenommen; sie trugen ein enges, flachgefchnür-
tes, vorn in eine Spitze auslaufendes Leibchen und
ein mit engen und gepufften Ärmeln verfehenes
Kleid, das an den Hüften breit abstand und dann,
durch ein Korb- oder Drahtgestell glatt gehalten,
senkrecht bis auf die Erde fiel (Vertugade). Die Hals-
krause (Mühlsteinkragen) war ebenfalls sehr breit.
Dazu kam ein mit langen, weiten, aufgeschlitzten Är-
meln versehenes Oderkleid. Neben der span. Tracht
war das mehr deutsche, landsknechtmäßige K.
üblich. Wams und Schuhe der Männer ls. Taf. III,
Fig. 7) waren ähnlich wie beim spanischen K., ebenso
das Mäntelchen, das öfters einen kleinen Stehkragen
hatte. Jedoch war die Hose nicht gepolstert und ge-
pufft, sondern die Oberhose vom Gürtel bis zum
Knie in schmale Streifen aufgeschnitten, und durch
diese Schlitze wurde die untere, die Futterhose, in
großen Bauschen gezogen, sodaß sie häufig übers
Knie, selbst bis auf die Füße hinunter schlotterte.
Zu dieser Pluderhose wurden meist enge Kniehosen
und Strümpfe getragen und die beiden letztern
Stücke oberhalb des Knies mit einem Strumpfband
zusammengehalten, das an der Seite zu einer Schleife
gebunden wurde. Die Kleidung der deutschen Bürge-
rinnen ls< Taf. III, Fig. 8) diefer Zeit war verhält-
nismäßig einfach. Das Unterkleid bestand aus ein-
farbigem Stoff mit buntem Seiden- oder Sammet-
besatz, engen Ärmeln und Krausen an Hals und
Handgelenken; das der Schaube ähnliche Oberkleid,
das beim Ausgana, angelegt wurde, hatte einen
Stehkragen, war offen und ging faltenlos zur Erde,
Beide Geschlechter trugen auf dem Kopfe ein schmal-
randiges, steifes Barett, das in kleine Falten gelegt
und mit einer Schnur fowie über der Stirn mit einer
Feder verziert war.
4) Das 17. und 18. Jahrhundert. Mit dem
anbrechenden 17. Jahrh, machte sich wiederum ein
Rückfchlag geqen das steife fpan. Wefen und ein
streben nach Freiheit und Natürlichkeit felbst im K.
geltend. Die Tracht erhielt ihren Charakter durch
den Dreißigjährigen Krieg, während dessen sich ganz
Europa kriegerisch trug. Hohe, bis über die Knie
reichende Stiefel aus Leder, dem gewöhnlich die
natürliche Farbe belassen war, mit Zacken oder
Spitzen am Nande versehen und großen Sporen an
breiten, oft den ganzen Fuß bedeckenden Sporen-
ledern, ein weicher Filzhut mit breiter, vorn, feitlich,
hinten oder an zwei Stellen aufgeschlagener Krempe
und mit einer oder mehrern Federn geschmückt, ein
jetzt wieder weiter herabreichender Rock, darüber ein
in der Form letzterm gleicher Koller aus Leder, ein
breiter, die Schultern bedeckender Spitzenkragen,
dazu ein an einem breiten Vandelier getragener
Degen - das war in Deutschland während des
Krieges nicht bloß Soldatentracht, sondern auch bei
der gebildeten Männerwelt (s. Taf. IV, Fig. 1) all-
gemein. Bei Stutzern entartete dies K. etwas; be-
sonders wurden von ihnen die hohen Stiefel am
Stülp über oder unter dem Knie umgefchlagen, sodah
die Hose zu sehen war, oder die Stiefel wurden so
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