Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

664
Kotte - Kotzebue (August von)
gen nach einem Ziel, einem ehernen Becken oder
einer Schale, so Zu schlendern, daß nichts vergossen
wurde. Die Stärke des hervorgerufenen Schalles
wurde auch vielfach als Liebesorakel benutzt.
Kotte, s. Kate.
Kotten, sibir. Volk, s. Ienisseier.
Kottmar, Berg bei Eibau (s. d.) in Sachsen.
Kotto, Negerstamm, s. Koto.
Kottos, einer der Hekatoncheiren (s. d.).
Kotvogel, soviel wie Wiedehopf.
Kotwanze (Neäuviuä ^orson^wZ _^., s. Tafel:
Insekten IV, Fig. 1), eine bis 18 mm lange,
braunschwarze Wanze, die samt ihrer borstigen,
mit Staub und Schmutz bedeckten Larve in stau-
bigen Winkeln der Häuser vorkommt und sich von
Bettwanzen, Spinnen und Fliegen nährt.
Kothle (grch.), weites, einhenkliges Schöpf- und
Trinkgefäß der alten Griechen; auch ein Hohlmaß,
^92 des Medimnus -^ 0,274 1.
Kotyledonen, Samenlappen, Samen-
blätter, auch Keimblätter, die zuerst am Keim-
ling auftretenden Blattorgane, die in ihrer Form
gegenüber den später sich entwickelnden Laubblättern
gewisse Verschiedenheiten Zeigen. Die K. sind schon
im l^amen fast vollständig ausgebildet, sie um-
schließen die sog. ?wninw, d. h. die Stammspitze
des Embryo, aus der sich nach der Keimung die
Stengelorgane mit den Laubblättern entwickeln.
Bei vielen Pflanzen, z. B. bei den Leguminosen,
bilden die K. die Reservestoffbehälter des Samens:
sie sind massig entwickelt und ihre Zellen sind reich-
lich mit Stärke u. dgl. angefüllt. Bei andern Samen
bleiben sie verhältnismäßig klein, es sind dann die
Neservestoffe in dem sog. Eiweiß oder Sameneiweiß,
einem parenchymatischen Gewebe, das die Haupt-
masse des Samens bildet, enthalten; so ist es z. B.
bei den Gramineen, Palmen, Polygonaceen, Cheno-
podiaceen u. a. Die Anzahl der K. und ihr Ver-
halten bei der Keimung ist eins der wichtigsten Un-
terscheidungsmerkmale Zwischen den beiden großen
Gruppen der Angiospermen, den Dikotyledonen und
Monokotyledonen. Bei den erstern sind in der Negel
zwei einander gegenüber stehende K. vorhanden, bei
den letztern findet sich nur ein Kotyledon, welcher
meist scheibenförmig die Spitze des Kcimlings um-
giebt. (Vgl. die Artikel Monokotyledonen und Di-
kotyledonen.) Bei den Gymnospermen sind häufig
mehrere in einem Quirl stehende K. vorhanden, in
vielen Fällen aber auch nur zwei, seltener einer.
Die wesentliche Verschiedenheit der Gymnospermen
und der Angiospermen beruht nicht auf der Anzahl
der K., sondern in dem Bau der Geschlechtsorgane.
(S. Gymnospermen.) Früher stellte man die Gym-
nospermen den Monokotyledonen und Dikotyledonen
als Polykotyledonen gegenüber, und die Krypto-
gamen bezeichnete man als Akotyledonen, d. h. als
Pflanzen, welche überhaupt keine K. besitzen. Das
letztere ist nach den jetzigen Anschauungen nicht ge-
rechtfertigt, denn auch bei den Gefäßkryptogamen
bezeichnet man jetzt die Zuerst auftretenden Blatt-
organe am Embryo als K.; so besitzen die meisten
Farnkräuter einen Kotylcdon, die Equiseten Zwei K.
Diese ersten Blattorgane an den sporenbildenden
Generationen der Gefäßkryptogamen sind in der
That Gebilde, die als den K. der Phanerogamen
homolog betrachtet werden müssen.
In der Entwicklungsgeschichte der Säuge-
tiere werden K. auch diejenigen fleischigen Aus-
wüchse genannt, welche bei den Tieren mit gespal-
Artikel, die man unter K verm
tenen Klauen auf der Innenseite der befruchteten
Gebärmutter entstehen und in welche die Gefäh-
bündel auf der Außenseite des Ohorions der
Frucht hineinwurzeln.
Kotzebue (spr. -buh), Alexander von, Schlachten-
maler, Sohn des folgenden, geb. 28. Mai 1815 Zu
Königsberg, ward im Kadettenkorps Zu Petersburg
erZogen, verließ jedoch 1838 die militär. Laufbahn
und trat in die Akademie der Künste in Petersburg
ein, wo er bis 1844 blieb und Akademiker und
Professor wurde. Sein Gemälde: Die Schlacht bei
Narwa, erregte so großes Aufsehen, daß der Kaiser
ihn beauftragte, die hervorragendsten Kämpfe Peters
d. .Gr. gegen Karl XII. zu malen. Bevor er aber
Zur Ausführung schritt, begab er sich 1846 nach
Paris zu Horace Vernet, bis ihn die Februarrevo-
lution 1848 bewog, Paris zu verlassen. Er bereiste
darauf Belgien, Holland, Italien und Deutschland,
bis er sich 1860 in München niederlieh, wo er ^eine
für das Winterpalais Zu Petersburg bestimmten
Schlachtengemälde auszuführen begann, worunter
Die Schlacht bei Pultawa hervorzuheben ist. Hierauf
erhielt K. den Auftrag, die Schlachten des Sieben-
jährigen Krieges zu malen, soweit sich die Russen
dabei ausgezeichnet haben; sodann folgten die
Kartons: die FeldZüge Suworows in Italien und
in der Schweiz, die Feldzüge der Russen unter
Burhoevden und Barclay de Tolly in Finland
1808 und 1809, und die Schlachten der Russen
unter Kutusow und Barclay de Tolly gegen Napo-
leon von 1812 und 1813. Alle diese Gemälde füllen
einen großen Teil der kaiserl. Gemächer im Winter-
palais Zu Petersburg. Andern Aufträgen konnte
der Künstler nur selten, wie in dem Bilde Die Grün-
dung von Petersburg (Maximilianeum in München),
genügen. Der Künstler starb, seit mehrern Jahren
geistig umnachtet, 24. Febr. 1889 in München.
Kotzebue (spr.-bnh), August von, Lustspieldichter,
geb. 3. Mai 1761 Zu Weimar, bezog schon 1777 die
Universität Jena und 1778 die Zu Duisburg, um die
Rechte zu studieren, beschäftigte sich aber mehr mit
dramat. Arbeiten und errichtete in Duisburg ein
Liebhabertheater. Nach Vollendung seiner jurist.
Studien in Jena ließ er sich 1780 als Advokat
in Weimar nieder. Doch schon 1781 ging er auf
Veranlassung des Grafen Görtz nach Petersburg
und wurde Sekretär bei dem Generalgouverneur,
1783 Assessor des Oberappellationstribunals in
Reval und 1785, nachdem er sich mit der Tochter
des Generallieutenants von Essen vermählt hatte,
Präsident des Gouvernementsmagistrats der Pro-
vinz Esthland und Zugleich geadelt. Nach dem Tode
seiner Gattin reiste er nach Paris, nahm dann seine
Entlassung aus dem russ. Staatsdienste und lebte
seit 1795 auf seinem Landsitz Friedenthal bei Reval.
In dieser Zeit schrieb er "Die jüngsten Kinder
meiner Laune" (5 Bde., Lpz. 1793-97) und mehr
als 20 Schauspiele. 1798 folgte er an Alringers
Stelle dem Rufe als Hoftheaterdichter nach Wien,
nahm aber infolge mehrfacher Unannehmlichkeiten
nach Zwei Jahren mit einer Pension von 1000 Fl.
seine Entlassung und wollte nach Rußland Zurück-
kehren, wo seine Söhne im Kadettenhanse zu Peters-
burg erzogen wurden. Allein an der russ. GrenZe
wurde er als verdächtiger polit. Schriftsteller im
April 1800 verhaftet und nach Sibirien gebracht.
Ein günstiger Zufall rettete ihn. Ein junger Russe,
Krasnopolski, hatte K.s kleines Drama "Der alte
Leibtutscher Peters d. Gr.", eine indirekte Lobrede auf
ißt, sind unter C aufzusuchen.