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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Kray; Kreatianer; Kreatin; Kreation; Kreatur; Krebo; Krebs

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Kray - Krebs (Krankheit der Menschen)

Kray von Krajowa, Paul, Freiherr, österr. Feldzeugmeister, geb. 5. Febr. 1735 zu Kesmark, trat 1754 in das österr. Heer ein, stieg früh zum Major auf und unterdrückte 1784 in Siebenbürgen den Aufruhr der Walachen. Im Türkenkriege zeichnete sich K. bei Porcseny und am Vulkanpasse aus, ward 1790 Generalmajor und befehligte 1793 die Vorhut des Heers in den Niederlanden. 1796 schlug K. bei Wetzlar die Franzosen unter Kleber und trug viel zu den Siegen bei Amberg und Würzburg bei, kämpfte 1797 unglücklich bei Gießen und vor Frankfurt a. M. und übernahm 1799 den Oberbefehl in Italien, wo er das franz. Heer unter Scherer bei Verona, Legnago und Magnano schlug und später Mantua eroberte. K. wurde zum Feldzeugmeister befördert und trug noch wesentlich zu den bei Novi und Fossano erkämpften Erfolgen bei; in Deutschland, wo er 1800 nach dem Erzherzog Karl den Oberbefehl übernahm, focht er jedoch unglücklich (s. Französische Revolutionskriege, Bd. 7, S. 195 b). Der Abschluß des Waffenstillstandes zu Parsdorf, 15. Juli, beendigte seine militär. Thätigkeit. K. starb 19. Jan. 1804 zu Pest. Seinen Namen führt seit 1888 das österr. Infanterieregiment Nr. 67.

Kreatianer, die Verteidiger der Ansicht, daß die Menschenseelen im Augenblicke der physischen Erzeugung des Körpers von Gott unmittelbar erschaffen und mit dem Körper verbunden worden seien. Die entgegengesetzte Meinung ist die der Traducianer.

Kreatin, eine sehr stickstoffreiche organische Verbindung von der Zusammensetzung C4H9N3O2 ^[C<sub>4</sub>H<sub>9</sub>N<sub>3</sub>O<sub>2</sub>], die in ziemlich großer Menge im Muskelsaft der Wirbeltiere vorkommt und auch im Gehirn, im Blut und im Harn gefunden wird. Es kann aus dem Fleischextrakt gewonnen werden. K. ist ein Spaltungsprodukt der Eiweißkörper im Organismus; es bildet glänzende Krystalle, reagiert neutral, ist in heißem Wasser ziemlich reichlich, in Alkohol schwer löslich. Durch Erwärmen mit Säuren verliert es Wasser unter Bildung von Kreatinin, C4H7N3O ^[C<sub>4</sub>H<sub>7</sub>N<sub>3</sub>O]. Letzteres ist eine starke Base, viel leichter löslich in Wasser und Alkohol als K., ein ständiger Bestandteil des Harns. Beide Substanzen sind auch synthetisch dargestellt worden und besitzen die Konstitutionsformeln

^[Abb.: Kreatin.]

^[Abb.: Kreatinin.]

Kreation (lat.), Schöpfung. K. hat man auch die Ausstellung eines den Aussteller verpflichtenden Kreditpapiers (Inhaberpapiers, Wechsels u. a.) genannt, insofern der Aussteller dadurch von einer dritten Person, welche redlich in den Besitz des Papiers gelangt und beim Orderpapier (s. d.) durch dem Gesetz entsprechendes Indossament legitimiert wird, auf Zahlung belangt werden kann, ohne daß zwischen dem Inhaber und dem Aussteller ein den letztern verpflichtendes Vertragsverhältnis besteht.

Kreatur (lat.), Geschöpf.

Krebo, afrik. Volksstamm, s. Glebo.

Krebs, im Buchhandel, s. Remittenden.

Krebs, Krustentier, s. Krebse.

Krebs (Carcinoma), in der Medizin ein eigentümliches, durch Wucherung normaler Gewebselemente entstehendes Gewächs, das stetig weiter um sich greift und dabei in seinen ältern Partien gewöhnlich geschwürig zerfällt oder schrumpft, das sich ferner auf die Lymphdrüsen weiter verbreitet und endlich auf andere, namentlich innere Organe übertragen werden kann (Krebsmetastasen). Nach Konsistenz der Krebsformen unterscheidet man Scirrhus, Faserkrebs und Markschwamm (Fungus medullaris, Encephaloid, Galactomyctis). Der K. geht stets von den Zellüberzügen (Epithelien) der Organe aus, indem diese wuchern und sich in die unter ihnen liegenden Schichten einsenken. Er kommt deshalb ursprünglich (primär) nur an und in solchen Organen vor, welche Epithelien tragen. Diese sind die äußere Haut und alle auf der äußern Haut sich öffnenden Drüsen, ferner alle Schleimhäute und die mit diesen zusammenhängenden oder von ihnen abstammenden Drüsen. Beim Manne kommt der K. am häufigsten in der Unterlippe, beim Weibe in der Brustdrüse (s. Brustkrebs) zur Beobachtung, aber auch an andern Teilen des Körpers ist er bei beiden Geschlechtern nicht selten, so in der Gesichtshaut, an den Geschlechtsteilen (beim Weibe namentlich an der Gebärmutter), im Magen, im Mastdarm, an der Zunge, im Kehlkopf u. s. w. Anfangs stellt sich der K. meist als eine knotige, nicht ganz scharf begrenzte Verhärtung dar. Diesen Charakter kann er auch bei weiterm Wachstum bewahren, gewöhnlich geht er aber in ein um sich fressendes Geschwür über, seltener in eine pilzartig hervorwuchernde Geschwulst. Nach einigen Monaten erkranken die Lymphdrüsen und bilden neue (sekundäre) Krebsgeschwülste, welche immer weiter um sich greifen, auch immer weitere Drüsen befallen. Von den Lymphdrüsen wird der K. schließlich oft noch auf andere Organe übertragen, namentlich auf die Knochen, die Leber, die Lungen.

Die Beschwerden, welche durch den K. hervorgerufen werden, sind hauptsächlich von seinem Sitz abhängig. Er zerstört die von ihm befallenen Organe und macht dieselben funktionsuntüchtig. In Hohlorganen, wie dem Magen, dem Mastdarm, der Speiseröhre, führt er zur Verengerung. In den meisten Fällen ist das Übel, wenigstens in den spätern Stadien, auch mit heftigen Schmerzen verbunden. Da die Krankheit immer weiter fortschreitet, führt sie, wenn nicht andere Leiden früher dem Leben ein Ende machen, nach einigen Jahren zum Tode. Die weichern Krebsformen verlaufen im allgemeinen schneller als die härtern, schrumpfenden. K. lebenswichtiger Organe, z. B. des Magens, machen selbstverständlich frühzeitiger bedeutende Störungen wie die der äußern Haut. Die Ursache des K. ist unbekannt; ansteckend ist das Übel nicht, wahrscheinlich auch nicht erblich. Bei jüngern Personen kommt der K. fast nie vor; erst nach dem 40. Lebensjahre pflegt er zu entstehen. Begünstigt wird das Entstehen des K. besonders durch chronische Entzündungen und Traumen (Stoß, Schlag u. s. w. mit entsprechender Gewebsquetschung).

Die einzige wirksame Behandlung des K. besteht in der radikalen Ausrottung des Gewächses. Diese kann in der Regel nicht mit einem Ätzmittel, sondern nur durch sorgfältige Auslösung mit dem Messer (Exstirpation) geschehen. Wird der K. sehr frühzeitig ausgerottet, so kann man fast sicher auf vollständige Heilung rechnen. Wird die Operation jedoch erst vorgenommen, nachdem das Gewächs größer geworden, so ist sie oft nur von vorübergehendem Nutzen; die Geschwulst tritt nach einiger Zeit wieder auf. Die Heilung hängt beim K. also

^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.]