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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Krieg der weißen und der roten Rose - Kriegervereine
sckasten (s. d.). Mit den verfügbaren Kriegsmit-
teln den erstrebten Kriegszweck zu erreichen, ist das
Wesen und die Aufgabe der Kriegskunst.
Nach den Anschauungen des Altertums war der K.
das natürliche Verhältnis aller Völker zueinander,
zwischen denennicht ausdrücklich Frieden und Freund-
schaft vereinbart war. Das heutige Europäische
Völkerrecht dagegen hat zur Grundlage einen all-
gemeinen Friedenszustand der zu seiner Gemein-
schaft gehörenden Staaten, innerhalb dessen der K.
einzelner von ihnen untereinander nur ein von der
Neutralität (s. d.) aller übrigen umschlossener Aus-
nahmezustand ist, und das Völkerrecht bewahrt seine
über die Unterbrechung der Friedensordnung hinaus-
ragende Kraft dadurch, dah es für den K. eine be-
sondere Rechtsordnung, das Kriegsrecht (s. d.),
bereit hält. Die Kriegseröffnung erfolgt durch
Kriegserklärung (s. d.).
über die Verluste an Menschen im K. s. Men-
scbcnverluste im Kriege. - Vgl. von Boguslawski,
Der K. in seiner wahren Bedeutung für Staat und
Volk (Berl. 1892). ^s. Rosenkrieg.
Krieg der weißen und der roten Rose,
Krieger, ind. Kaste, s. Kshatrija.
Krieger, Andreas Frederik, dän. Jurist und
Staatsmann, geb. 4. Okt. 1817 in Colbjernsvig bei
Arendal, wurde 1847 Professor an der Universität
Kopenhagen. Nachdem er 1848 als Mitglied der
verfassunggebenden Reichsversammlung eine große
Rolle gespielt und dann im Folkething sich an wich-
tigen Gesetzgebungsarbeiten (Preßgesetz, Reichs-
gericht) beteiligt hatte, wurde er 1855 Departe-
mentschef im schleswig. Ministerium, 1856 Minister
des Innern (bis 1859), 1858 zugleich Finanzminister,
1863 Mitglied des Landsthing, 1864 dän. Bevoll-
mächtigter auf der Londoner Konferenz, 1866 Mit-
glied des Reichstagslandsthing; 1870-72 war er
Iustizminister, 1872-74 Finanzminister. Er zog
sich vom polit. Leben 1890 zurück und starb 27. Sept.
1893. K. gab den Anstoß zur Anbahnung der Rechts-
einheit Dänemarks, Schwedens und Norwegens auf
dem Gebiete des Handels-, See- und Wechselrechts,
wie er auch eine diesen Zwecken dienende ^Nordist
Retsencyklopoedi" der drei Reiche mit Aschehoug
(Norwegen) und Berg (Schweden) gründete (Kopenh.
1878 fg.). Er schrieb "Den slesvigske Formue-,
Familie-, og Arveret" (Kopenh. 1853-55). - Vgl.
die ihm gewidmeten "Smaaskriftcr af Nordiske For-
fattere" (Kopenh. 1887).
Krieger, Joh. Philipp, Musiker, geb. 26. Febr.
1649 zu Nürnberg, war Organist in Kopenhagen,
dann Kapellmeister in Bayreuth, Cassel und Halle
a. S. 1685 wurde er Hofkapellmeister in Weißen-
fels, wo er 6. Febr. 1725 starb. Vom Kaiser Leopold
wurde er geadelt. K. hat als Opernkomponist zwi-
schen tz. Schütz und R. Keiser die größte Bedeu-
tung. Seine deutschen Werke beherrschten die klei-
nern sächs. Residenzen, drangen aber auch in die
arößern Städte ein, wie Braunschwcig, Hamburg,
öeipzig und Dresden.
Kriegerbund, Deutscher, s. Kriegervereine.
Kriegerverdienstmedaille, ein von Kaiser
Wilhelm II. 1892 gestiftetes Ehrenzeichen für far-
bige Angehörige der Deutschen Schutztruppe in
Afrika als Auszeichnung für besondere kriegerische
Leistungen. Die K. wird in zwei Klassen als sil-
berne Medaille von verschiedener Größe verliehen
und am schwarzweißen Bande getragen. Die zweite
Klasse für Unteroffiziere und Mannschaften hat die
Ausstattung des Militärehrenzeichcns (s. d.) zweiter
Klasse; die erste Klasse, für farbige Offiziere, trägt
auf der Rückseite das Bild des Kaisers mit Stahl-
helm. - K. wird auch viclsach das Militärchren-
zcichen zweiter Klasse genannt.
Kriegervereine, Vereinigungen ehemaliger
Soldaten jeden Standes, die aus kleinen Anfängen
zur Zeit nach den Befreiungskriegen, besonders in
Preußen, Sachsen und andern norddeutschen Län-
dern, allmählich zu großer Ausdehnung im Deutschen
Reiche gelangt sind. In verschiedenen Ländern und
Landesteilen führen die K. folgende Namen: K.,
Kriegerkameradschaften, Veteranenvereine, Kampf-
genossenvereine, Landwehrvereine, Militärvcrcine,
Grenadiervcreine, Vereine ehemaliger Jäger und
Schützen, u. dgl. Ihre Entstehung verdanken die
K. dem Wunsche, ehemaligen Kriegskameraden beim
Begräbnis ein ehrenvolles militär. Geleit zu sichern.
Jetzt bildet die Pflege patriotischer und kamerad-
schaftlicher Gesinnungen das Hauptziel ihrer Be-
strebungen; daneben werden auch praktische Zwecke
nicht aus den Augen gelassen, wie die Unterstützung
von hilfsbedürftigen Kameraden und deren Hinter-
bliebenen, die Gründung von Sterbekassen, Sani-
tätskolonnen und von Waisenhäusern. So hat der
Deutsche Kriegerbund bereits zwei Kriegerwaisen-
häuscr errichtet ("Glücksburg" bei Römhild in Thü-
ringen und in Kanth in Schlesien), über das haupt-
sächlich aus Beiträgen der deutschen K. erricbtete
Kaiscr-Wilhelm-Denkmal s. Kyfshäusergebirge. Reli-
giöse und polit. Erörterungen sind in den Vcreins-
versammlungen grundsätzlich ausgeschlossen. Für die
Fahnenführung bestehen besondere Bestimmungen.
In Preußen wurde den K. seit 1842 eine besondere
Unisormierung und das Recht, bei feierlichen Ge-
legenheiten, vornehmlich aber bei den Begräbnissen
der Vereinsmitglieder, Waffen zu tragen und zur
Abgabe von Ehrensalven Gewebre zu führen, be-
willigt. Auch wurde ihnen die Wahl von Anfüh-
rern (Hauptleuten) gestattet. Nachdem infolge der
Kriege 1864, 1866 und 1870/71 sich die Vereine
sowohl als besonders deren Mitgliederzahl erheb-
lich vermehrt hatten, wendeten auch die Behörden
dem Kriegervereinswesen erhöhtes Interesse zu. Die
wiederholten Versuche seit 1871, die inzwWen in
zahlreiche Verbände gesonderten Vereine zu einer
großen allgemeinen deutschen Kriegervereinigung
zu verschmelzen, scheiterten an dem Widerstand der
bayr. und andern süddeutschen Landsmannschaften,
die eine Verringerung ihrer Selbständigkeit fürch-
teten. So entstand zunächst eine größere Vereini-
gung, der Deutsche Kriegerbund, dem die
Mehrzahl der preuß., sächs., mccklenb., oldenb. und
hanseatischen Kriegerverbände beitraten, dem aber
die bayr., württemb., Hess. und bad. Vereine mit
wenigen Ausnahmen fern blieben; auch die 1884 c.r-
folgte Zusammenschließung des Deutschen Krieger-
bundes mit verschiedenen der bis dahin alleinstehen-
den Verbände und Einzelvereine zum Deutschen
Reichskriegerverband hat die widerstrebenden
süddeutschen Elemente nicht herbeizuziehen vermocht.
Seit 1892 hat der Deutsche Kriegerbund eine Neu-
ordnung nach der Richtung vorgenommen, daß die
Organisation der preuß. Bundesvereine grundi'ätz-
lich auf der Errichtung von Kreisverbänden im An-
schluß an die staatlichen Kreise beruhen soll; die
Zusammenziehung der Kreis- und anderer Verbünde
zu Regierungsbezirks- und Provinzialverbänden ist
erwünscht, bleibt jedoch den Verbänden überlassen.
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