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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kriminell - Krippen
ist bemerkenswert, daß im Osten Deutschlands, in der
Pfalz und in einigen thüring. Staaten durchschnitt-
lich am meisten gegen das Strafgesetz gefehlt wird.
Was die Zahl der 1891 im Reich Verurteilten nach
Delikten betrifft, so entfallen auf: Gewalt u. s. w.
gegen Beamte 13268, Hausfriedensbruch 17 031,
Verletzung der Wehrpflicht 17 824, Meineid 798,
Unzucht-Notzucht 3332, Beleidigung 44809, Mord
und Totschlag 248, einfache Körperverletzung 21987,
gefährliche Körperverletzung 61890, Nötigung und
Bedrohung 8011, Diebstahl 97 933, Unterschlagung
17184, Raub u. s. w. 459, Hehlerei 7766, Betrug
18 949, Fälschung von Urkunden 3856, Sach-
beschädigung 13 839, Brandstiftung 465.
In Österreich sind 1889 verurteilt: 1) wegen
Verbrechen 28516, darunter: Diebstahl 14511,
schwere körperliche Beschädigung 4547, Betrug 2494,
Widersetzlichkeit 1735, gefährliche Drohung 852,
Notzucht-Schändung u. s. w. 917, Veruntreuung 620;
2) wegen Vergehen 4936, darunter: Vergehen
geqen die Tierseuchengesetze 2490, verschuldete (^i-iäa
838, fahrlässige Tötung eines Menschen 554, Auf-
lauf 238, Beleidigung einer gesetzlich anerkannten
Kirche 143; 3) wegen Übertretungen 542714,
darunter: Diebstahl 116365, Vagabondage 96411,
Ehrenbeleidigung 83197, Beschädigung bei Rauf-
händeln 63 287, Beleidigung von Beamten der
Wachen 13 944, boshafte Befchädigung fremden
Eigentums 12045. Ein. Vergleich mit fremden
Staaten wird durch die Ungleichartigkeit der statist.
Nachweise sowie der Strafgesetzgebung und Straf-
verfolgung sehr erschwert, und wenn sich zwischen
einzelnen Staaten auch einige wichtige Vergleichs-
punkte finden lassen, so muß es im allgemeinen doch
als unthunlich erscheinen, die Kriminalität der Be-
völkerung zweier Staaten nach der Höhe der bezüg-
lichen Verurteilungen messen zu wollen. - Vgl.
Handwörterbuch der Staatswissenschaften, Bd. 4
(Jena 1892), S. 887 fg., woselbst auch ausführ-
licher Litteraturnachweis.
Kriminell (frz.), soviel wie kriminal.
Krimkrieg, s. Orieutkrieg.
Krimmer oder Astrachanfelle, die als Pelz-
werk beliebten Felle der Lämmer des tatar. oder
Fettschwanzschafes.
Krimml, Dorf im Gerichtsbezirk Mittersill der
ö'sterr. Bezirkshauptmannschaft Zell am See in Salz-
burg im Ober-Pinzgau, in 1040 m Höhe, im Thale
der Krimmler Ache, hat (1890) 286 E., Post und ist
berühmt wegender Wasserfälle (s. Krimmler Fälle).
Krimmler Fälle, die schönsten Wasserfälle
der Ostalpen und in ihrer Gesamtheit der höchste
(430 m) Wassersturz der gesamten Alpen, liegen süd-
lich vom Dorfe Krimml (s. d.) im Thale der Krimmler
Ache, die zur Salzach geht, zwischen der Venediger
Gruppe und den Zillerthaler Alpen, und sind jetzt
beauem zugänglich gemacht.
Krimpen, 's. Dekatieren.
Krimpen des Windes, s. Dovesches Gesetz.
Krimpmatz, die Maßverminderung von Ge-
treide und Sämereien infolge längern Lagerns.
Krimsche Krankheit, f. Aussatz.
Krimstecher, s. Feldstecher.
Krinochrom (lat.-arch.), s. Haarfärbemittel.
Krinotden, s. Seelüien.
Krinolme (vom lat. crinig, Haar, daher ein
Gewebe aus Roßhaar), meist ein leinwandartig,
etwas lose gewebter Stoff, dessen Kette aus drei-
fädigem, festgedrehtem feinen Baumwollzwirn be-
steht, während der Einschlag ganz aus ein-, zwei-
oder dreifachem Pferdehaar hergestellt ist. Dieser
Stoff, meist in weißer Farbe, wird zu Damenunter-
tleidern verwendet. (S. Reifröcke.) seichen.
Krinomenon (grch.), Unterfcheidungs-, Kenn-
Krippe oder Säuglingsbewahranstalt
(frz. ci-6ck6, so genannt zum Andenken an die
K., in welcher das Christuskind schlief), Anstal-
ten, welche für die Säuglinge und kleinern Kin-
der (bis zum zweiten Lebensjahre) der arbeiten-
den Klasse bestimmt sind, um diesen für die Zeit,
wo die Mütter das tägliche Brot erwerben müssen,
ein gesundes Unterkommen und mütterliche Pflege
zu verschaffen. Die erste Anstalt dieser Art rief Mar-
beau, Mitglied eines Komitees für Kinderbewahr-
anstalten, m Paris 1844 ins Leben. Schon 1851
befanden sich im Depart. Seine 24 K., von denen
allein auf Paris 18 kamen. Bald folgten andere
Städte dem Beispiel von Paris, zumal da die franz.
Regierung und einzelne Gemeinden Einrichtungen
dieser Art unterstützten. In Deutschland war es
Wien, welches 1849 zuerst die berühmt gewordene K.
zu Breitenfeld ins Leben rief, der bald andere nach-
folgten. In Dresden wurde 1851 eine K. in Ver-
bindung mit einer Vewahranstalt eröffnet. Gegen-
wärtig haben fast die meisten großen Städte Säug-
ling sbewahranstalten aufzuweisen. Als deutsche
Musteranstalt gilt die K. der mechan. Weberei zu
Liuden bei Hannover. Gewöhnlich sind wohlthätige
Vereine die Stifter und hochgestellte Personen die
Beschützer dieser Institute, deren Einrichtung säst
überall dieselbe ist. Die Anstalt bleibt nur des
Sonntags geschlossen. Am Morgen jedes Wochen-
tags übergiebt die Mutter ihr Kind der Anstalt und
holt es abends wieder ab. Dafür hat sie entweder
gar keine Entschädigung zu leisten oder höchstens
einen kleinen Beitrag, in Paris täglich 6-12 ^ous,
in London 3 Pence, in Dresden 10 Pf., in Wien
3 Kr. Das Kind wird in der Anstalt gepflegt, be-
schäftigt, beköstigt, gebadet, oft auch sogar besonders
gekleidet. Kranke Kinder bleiben natürlich ausge-
schlossen. Durch die K. wird nicht nur der arbeit-
samen und wirklich unterstützungswürdigen Volks-
klasse eine sehr große Erleichterung, Zeit- und Geld-
ersparnis bereitet, sondern es werden auch die Kinder
selbst vor Verwahrlosung, Unreinlichteit und Ver-
krüppelung, Unglücksfällen aller Art, die ihnen in
den Händen unverständiger Pfleger zustoßen können,
am sichersten bewahrt. (S. auch Kinderbewahr-
anstalten.) - Vgl. außer den franz. Schriften von
Marbeau und d'Escodea: Helm, Einige Worte über
K. (Wien 1851); ders., Die K. im Breitenfeld zu
Wien (Lpz. 1851); John de Liefde, 8ix montliZ
amonZ tk6 ckaritisZ ok Nurop6 (2 Bde., Lond.
1865). Eine periodisch erfchcinende Publikation,
worin der neueste Stand des Krippenwesens betrach-
tet wird, ist das Pariser "^om-nai ä63 (^i-öokeL".
Krippe, Sternhaufen, s. Krebs.
Krippen, Dorf in der Amtshauptmannschaft
Pirna der fächs. Kreishauptmannschaft Dresden, am
linken Ufer der Elbe, gegenüber von Schandau, an
der Linie Dresden-Vodenbach der Sächs. Staats-
bahnen, hat (1890) 1029 E., darunter 33 Katho-
liken, Postagentur, Telegraph, schöne got. Kirche
(1880-82), mehrere Villen, Wasserleitung; Parkett-
fuhbodenfabrik, Brauereien, Sandsteinbrüche und
-Schneidewerk, Schiffbau, Schiffahrt, und wird als
Sommerfrische besucht. K. gegenüber am rechten Ufer
die Schrammsteine und das Schrammthor.
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