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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kulturhäuser - Kulturtechnik
Jakob Vurckhardts (s. d.) und Gustav Freytags
(s. d.); ihnen reihen sich an die Arbeiten David
Strauß', Sainte-Beuves und Riehls, während der
kulturgeschichtlichen Ausfassung für die Litteratur-
und für die Ncligionsgeschichte Herder, für die
Kunstgeschichte Winckelmann, für die Geographie
A. von Humboldt, für die Wirtschastslehre Friedrich
List, für die Rechtswissenschaft Savigny, für die Ger-
manistik Jakob Grimm zum Durchbruch verhalfen.
Nachdem Voltaire in seinem "^33^13ur I'lii^oire
ßöN6lai6 6t 8U1' 168 MWUlZ 6t 1'68prit (163 NÄti0N8"
(Genf 1750 u. ö.) das erste Muster einer kultur-
geschichtlichen Behandlung der Gesamtgeschichte
der Menschheit gegeben hatte, erfuhr die allge-
meine K. die wesentlichste Förderung durch eine
Neihe von Werken, welche zunächst auf das Ge-
biet der Philosophie der Geschichte fallen: Her-
ders "Ideen zur Philosophie der Geschichte", die
Arbeiten Görres' und Friedrich von Schlegels
und Hegels Vorlesungen über Philosophie der Ge-
schichte, Ästhetik, Religionsphilosophie und seine
Phänomenologie, endlich das achte Buch von
Lotzes "Mikrokosmus" und Konrad Hermanns
"Philosophie der Geschichte". Die Reihe der noch
für die Gegenwart wichtigen Werke, bei welchen
nicht das spekulative Interesse das vorherrschende
ist, sondern die mehr auf positive Zusammenfassung
des vorhandenen Materials unter dem leitenden
Gesichtspunkte der Kultur gerichtet sind, setzt ein mit
Wachsmuths "Europ. Sittengeschichte" (1831-39),
der gegenüber Klemms "Kulturgeschickte" (1843-52)
einen Rückschritt bedeutet, insofern sie sich auf die
Schilderung der rein äußern Lebcnsgewohnheiten
der Menschen früherer Zeiten beschränkt. Der Be-
ginn einer entwickeltern Kulturgeschichtschreibung in
Deutschland bezeichnen G. F. Kolbs "Geschichte der
Menschheit und der Kultur" (1843), Drumanns
"Grundriß der K." (1847) und Wachsmuths "All-
gemeine K." (1850-52), während in Frankreich und
Belgien Guizot, Rour-Ferrand und F. Laurent neue
Gesichtspunkte eröffneten und hervorragende Ar-
beiten herausgaben, und in England Buckle (s. d.),
angeregt durch den großen Aufschwung der Natur-
wissenschasten, eine Zusammenfassung, Verallgemei-
nerung und Vergleichung des unermeßlichen und
stets wachsenden Materials über die Geschichte der
Menschheit forderte, damit aus ihr induktiv die be-
bcrrschenden Gesetze erschlossen und so erst die Ge-
schichte zum Rang einer Wissenschaft erhoben werden
könne. An Vuckles naturwissenschaftliche Richtung
schließt sich die K. Hellwalds (3. Aufl., Augsb. 1883;
4. ^Volks-1 Ausg., Stuttg. 1890 - 91) an; Hell-
wald, welcher den Satz vom Kampf ums Dasein
zu Grunde legt, bekundet in der Methode einen
wesentlichen Fortschritt, ohne freilich die von Herbert
Spencer angeregte Übertragung der Sätze der
Biologie überhaupt auf die Entwicklung der Mensch-
heit, wie sie gleichzeitig PaulLilienseldt und Schaffte
versuchten, durchzuführen. Die rein beschreibende,
allgemeine K. von Otto Henne am Rhyn (s. d.) trägt
einen überaus reichen, alle Lebensverhältnisse um-
spannenden Stoff zusammen, ermangelt aber der
Verallgemeinerung, energischen Zusammenfassung
und geistigen Durchbildung. Iodl, "Die Kultur-
geschichtschreibung, ihre Entwicklung und ihr Pro-
blem" (Halle 1878), ebenso wie Gothein, "Die Aus-
gaben der K." (Lpz. 1889), verlangt zunächst eine
verarbeitende Zusammenfassung des vorhandenen,
weitschichtigen, zum Teil schwer zugänglichen und
ungenügend vorbereiteten Materials und entwirft
Plan und Skizze einer allgemeinen K. - Vgl.
außer der hier und bei Geschichte genannten Littera-
tur: Honegger, Grundsteine einer allgemeinen K.
der neuesten Zeit (5 Bde., Lpz. 1808-74); Geiger,
Zur Entwicklungsgeschichte der Menschheit (Stuttg.
1871); Lenormant, Die Anfänge der Kultur. Ge-
schichtliche und archäol. Studien (aus dem Franzö-
sischen, 2 Bde., Jena 1875); Drapcr, Hi8t0rx ol tli6
iMklIectuai äevclopment of Nni-opo (neue Aufl.,
2 Bde., Neuyork 1876; deutsch, 3. Aufl., Lpz. 1886);
Faulmann, Illustrierte K. (Wien 1880); Prutz, K.
der Kreuzzüge (Berl. 1883); Kolb, K. der Menschheii
(3. Aufl., Lpz. 1884-85); Lippert, K. der Mensch-
heit (2 Bde., Stuttg. 1886 - 87); K. W. Iurisch,
Grundlage der Philosophie der Kultur (Berl. 1890);
Schäfer, Geschichte und K. (Jena 1891); F. von
Löhcr, K. der Deutschen im Mittelalter (Bd. 1 u. 2,
Münch. 1891-92); G. Grupp, System und Ge-
schichte der Kultur (2 Bde., Paderb. 1892); Richter,
Bilder aus der Deutschen K. (2. Aufl., 2 Bde., Lpz.
1893). Die neueste Litteratur verzeichnet Stein-
Hausen in Iastrows "Jahresberichten der Geschichts-
wissenschaft", 1892, Jahrg. 15 (Berl. 1894). Kultur-
geschichtliche Bildwerke bieten: von Eye, Atlas der K.
(Lpz. 1875); Hirth, Kulturgeschichtliches Bilderbuch
(Münch. 1881 fg.); Esfenwein und Schreiber, Kultur-
histor. Bilderatlas (2 Abteil., Lpz. 1883-84). Eine
"Zeitschrift für K.", hg. von Steinhaufen, erscheint
(als neue ^ Folge der "Zeitschrift für deutsche K.")
seit 1893 ln Berlin. IZ. 966 a).
Kulturhäuser, s. Gewächshäuser (Bd. 7,
Kulturkampf, Bezeichnung des Kampfes zwi-
schen Staat und Ultramontanismus, die zuerst von
Virchow in einem von ihm 1873 verfaßten Wahl-
programm der Fortschrittspartei angewendet wurde.
Danach wird spöttisch als Kulturkämpf er von
der ultramontanen Partei derjenige bezeichnet, der
! besonders eifrig für die Wahrung der staatlichen
l Rechte gegenüber der Römischen Kurie eintritt. (S.
Deutschland und Deutsches Reich, Geschichte, Bd. 5,
S. 205, und Preußen, Geschichte.) - Vgl. Schulte,
Geschichte des K. in Preußen (Essen 1882); Wier-
mann, Geschichte des K. (2. Aufl., Lpz. 1886);
Maiunke, Geschichte des K. in Preußen-Deutschland
(Paderb. 1886-87), sowie die Schriften von Verus,
Schramm und Troxler (1890).
Kulturpflanzen, alle Pflanzen, die zu irgend
einem Zweck im großen angebaut werden. Es ge-
hören hierher demnach: dieNahrungs- und Genuß-
mittelpflanzen, Farbepstanzen, Gewürzpflanzen, die
Industriepflanzen, viele offizinelle Pflanzen, die
gärtnerisch wichtigen Pflanzen u. s. w.
Kulturtechnik, die Lehre von allen mit der
Bodenkultur in Verbindung stehenden Arbeiten.
! Besonders versteht man darunter die praktische Ver-
messung skun st, den Wasserbau, d. h. die Regulie-
rung der kleinen Gewässer und ihre Nutzbarmachung
für Bewässerungen der Wiesen (s. Bewässerung
und Drainicrung), Anlage von Wasserleitungen,
Straßen- und Brückenbauten, Erbauung von
Schleusen und Wehren, soweit sie enge Beziehungen
zur Landwirtschaft haben; auch Kenntnis des land-
wirtschaftlichen Maschinenwesens wird vom Kultur-
techniker gefordert. Seit 1876 ist ein Lehrkursus
für Kulturtechniker in Verbindung mit der
Landwirtschaftlichen Akademie zu Poppclsdorf bei
Bonn eingerichtet, der besonders für die Ausbildung
der Vermessungsbeamten der Landesökonomiekom-
Artikrl. die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.