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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kunstantiquariat - Kunstbutter
übte. Die Schule, welche Leonardo da Vinci um
1494 zu Mailand eröffnete, wird geradezu als Aka-
demie bezeichnet und stimmt insofern schon wesent-
lich mit dem modernen Begriff der K. überein, als
das persönliche Element des Atelierstudiums durch
allgemein wissenschaftlichen Unterricht erweitert
wurde, zu welchem Zweck Leonardo felbst schrift-
stellerisch thätig war. Die ^ecNäkniia äi 8an I^uca
zu Nom stammt aus derZeit des Papstes GregorXIII.
Die eigentliche Bedeutung der K. tritt jedoch erst mit
Lodovico Carracci, dem Begründer der Schule von
Bologna, hervor. Seitdem trat die Kunstschule durch-
aus an die Stelle des lebendigen Atelierverkehrs.
In Deutschland war die erste K. die zu Nürnberg
1662 von Sandrart begründete. Als die Kunst unter
Ludwig XIV. eine höfische wurde, verwandelten sich
auch die K. in höfische Anstalten. Bald gehörte es
zum Wesen jeder großen Hofhaltung, nach dem
Muster der 1648 in Paris gestifteten K. ebenfalls
eine solche Anstalt zu haben. So entstanden in
Deutschland K. zu Wien 1692, zu Berlin 1699, zu
Dnsden 1705. Von den später begründeten K. sind
hervorzuheben die zu Leipzig (1764), Düsfeldorf
(1767), Casfel (1777), Prag (1796), München (1770
und 1808), Königsberg (1843), Weimar (1858),
Stuttgart (1867). Verwandte Anstalten von gerin-
gern Ausdehnungen sind die Kunstschulen, deren
es in Berlin, Breslau, Danzig, Frankfurt a. M.,
Karlsruhe, Krakau, Bern giebt. In den K. der
Gegenwart hat sich der Kunstunterricht nicht bloß
was die technifche Ausbildung, sondern auch was
den wissenschaftlichen Unterricht in Perspektive,
Anatomie und Kunstgeschichte betrifft, zu einem
außerordentlichen Umfang erweitert. Cornelius,
Schadow, Kaulbach, Bendemann haben durch ihre
umsichtige Leitung und Umgestaltung der Mün-
chener und Düsseldorfer K. sich in dieser Beziehung
große Verdienste erworben. Die heutigen K. sind
auch dem Atelierwesen wieder näher getreten. Nach-
dem der Schüler in den untern Klassen sich die
nötigen technischen und wissenschaftlichen Grund-
lagen erworben hat, tritt er in die Werkstätte eines
von ihm frei erwählten Meisters feiner Kunst über
(sog. Meister-Ateliers). Hierin macht sich das Be-
streben geltend, den unleugbaren Gefahren, welche
in der akademischen Erziehung der Künstler für ein
kraftvolles, vielseitiges und originales künstlerisches
Leben liegen, zu begegnen.
Kunstantiquariat, s. Kunsthandel.
Kunstarchäologie, f. Archäologie.
Kunstausdruck, s. I6rmwn8 t6cdnicn8.
Kunstausstellung, öffentliche Ausstellung von
Werken der Bildnerei, Malerei, der zeichnenden
und vervielfältigenden Künste. Die K. haben
den Zweck, die Schöpfungen der Künstler zu allge-
meiner Kenntnis zu bringen und nebenbei den kunst-
hündlerischen Vertrieb derfelben zu vermitteln. Ur-
sprünglich mehr die Unternehmung Einzelner, welche
ihre Leistungen und diejenigen ihrer Schule bekannt
zu machen wünschten, wurden sie später von den
Kunstakademien (s. d.) angeordnet; so hatte Paris
schon 1673 eine erste von der,Kunstschule veranstal-
tete öffentliche Ausstellung (Ncols ä68 bLaux-ai-ts).
Während des 19. Jahrh, entwickelten sich die K. unter
der Leitung der Kunstakademien, sodah zur Zeit die
meisten dieser in Europa und Amerika ihre regel-
mäßig wiederkehrenden großen Ausstellungen haben.
Um aber dem überwiegenden Einfluh der Akade-
mien zu begegnen, haben in neuerer Zeit die freien
Broclhaus' Konversations-Lexilon. 14. Aufl. X.-
Künstlervereinigungen in Deutfchland, die Kunst-
genossenschaften (s. d.), das Ausstellungswesen mehr
und mehr an sich gezogen. In Paris und München
sind es diese allein, in Berlin sind sie es in Gemein-
schaft mit der Akademie, welche die Ausstellungen
veranstalten. Zugleich begann der Kunsthandel ein-
zugreifen, indem er anfangs einzelne Bilder von
Stadt zu Stadt zur Ausstellung brachte, später
Sonderausstellungen der Werke einzelner Künstler
veranstaltete und somit die von den Akademien
zurückgewiesenen neuern Kunstbestrebungen förderte.
Die realistische Kunst brachte es zu starken Streitig-
keiten, indem sich fast in allen Kunstcentren die
"Jungen" von den "Alten" auch hinsichtlich der
Ausstellungen trennten. An Paris entstand neben
dem "Iaioii" (veranstaltet in den "^kampZ NI78668"
von der "8oci6t6 ä68^.rti8t68 ki'3.nh3.i8") die "äociötö
intkruationais äs ?6intr68 6t 8ou1pt6ur8", welche
1882 zuerst eine Ausstellung veranstaltete und jetzt
als "8oci<^6 uationais ä68 d6I.ux-3.1-t8" auf dem
Marsfeld regelmäßig eine solche veranstaltet; in
London erschienen neben der "RoM ^caä6m^"
1877-87 unter dem Einfluß der präraffaelitischen
Bewegung die "6r08V6N0r 6ll.1i6i'^", seit 1888 die
"^6>v 6aii6i^"; in Neuyork neben der "^6^ ^ork
^(nä6in^ Nxliiditiou" 1877 von der "^M6ricg.ii
^rt ^88ociHtioii" eine besondere Ausstellung; in
München 1893 neben der "Münchener Jahresaus-
stellung" im Glaspalast die Internationale Kunst-
ausstellung des Vereins bildender Künstler <A. V.)
"Secession". Ahnliche Bestrebungen zeigten sich in
Berlin, Düsseldorf, Dresden. Internationale K.
fanden statt in Verbindung mit den Weltausstel-
lungen und in Deutschland zu Berlin (1886,1891),
zu München (1869, 1879,1883, 1888,1892,1893),
zu Wien (1869, 1871,1882, 1888,1894).
Kunstbau, s. Bewässerung (Bd. 2, S. 932 d).
Kunstbleiche, s. Bleichen.
Kunstblumen, s. Blumen, künstliche.
Kunstbutter, Ersatzmittel für natürliche Butter.
Letztere zeichnet sich vor allen andern Speisefetten
durch ihre Streichbarkeit (Konsistenz) und ihren an-
genehm frischen Geschmack aus, der schon dem
ausgelassenen (geschmolzenen) Vutterfett (Butter-
schmalz) nicht mehr in gleichem Maße zukommt, auch
wenn dieses ganz rein ist. Der gesteigerte Verbrauch
der Butter und die häufigen Verfälschungen derfel-
ben machten es nötig, den weniger bemittelten
Volksklassen ein appetitliches und billiges Ersatz-
mittel, eine künstliche Butter oder K. zu bieten,
was in der Weise erreichbar schien, daß andern
tierischen (Rinds-, Hammel-, Schweine-, Gänsefett)
oder pflanzlichen Fetten (Sheabutter, Kokosfett) der
ihnen mehr oder weniger anhaftende specifische Bei-
aeschmack und ihre entweder zu harte oder zu weiche
Konsistenz genommen wurde. Diesen Anforderungen
entsprach am besten die von Mege-Mouriös An-
fang der siebziger Jahre aus bestem Ochsennieren-
fett dargestellte Margarine (s. d.), in deren Dar-
stellung später verschiedene Abänderungen getroffen
wurden; so entstand in Nordamerika dieButt er ine,
in Wien die Sparvutter u. s. w. Schon in dem
Worte K. lag aber die stete Gefahr für betrügerische
Unterschiebungen. Gemenge von Naturbutter und
K.wurden als'Mischbutter, Gutsmischbutter,
Gras mischbutter, holsteinische Grasmisch-
butter, und Margarine unter Bezeichnungen wie
Süßrahmmargarine u. s. w. feilgeboten. So
entstand eine sehr unlautere Konkurrenz für die
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