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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kupferschmiedearbeit - Kupferstechkunst
Kupferschmiedearbeit, die mit der Herstellung
kupferner Gefäße verbundene Arbeit. Die erforder-
lichen Werkzeuge sind Hämmer und Ambosse. Letztere
sind teils gewöhnliche Schmiedeambosse, teils Liege-
ambosse, ferner der Stockamboh, auf dem die run-
den Böden der Kessel und anderer Gefäße ausgehäm-
mert werden, und das Sperrhorn. (S. Amboß.)
Die Hämmer sind aus Holz oder verstähltem Eisen
und von verschiedener Form. Massive Gegenstände
können aus glühendem Kupfer auf dieselbe Weise
wie aus Eisen geschmiedet werden. Da jedoch das
Kupfer sich nicht schweißen läßt, muß die Vereini-
gung mehrerer Stücke durch Löten, Nieten oder
Falzen hergestellt werden. Für die meisten, beson-
ders größere Hohlgefäße, wird dem Kupferschmied
die Vorarbeit von den Kupferhämmern geliefert,
d. h. er erhält das Kupfer zu roh geformten, kessel-
artigen, flachen Gefäßen (sog. Schalen) oder minde-
stens zu kreisförmigen, in der Mitte etwas dickern
Platten (Scheiben oder Böden) ausgeschmiedet, die
er 'durch Schlagen mit Hämmern (Treiben) zu der
verlangten Gestalt weiter ausbildet. Das Treiben
geschieht größtenteils auf kaltem Wege; wenn das-
selbe (z.V. bei beträchtlicher Tiefe oder komplizierter
Form der Gefäße) so lange fortgesetzt werden muß,
daß das Metall spröde werden und Nisse erhalten
könnte, ist ein öfteres Ausglühen notwendig. Manche
Gegenstände, z. B. Kessel für Zuckerfabriken, Vrau-
pfannen u. s. w., die sich ihrer Form und Größe
wegen nicht aus dem Ganzen schlagen lassen, werden
aus Blech gebogen oder aus mehrern Teilen durch
Falzen, Löten oder kupferne Nieten verbunden.
Viele kupferne Gefäße werden, um beim Gebrauch
die Oxydation des Kupfers zu vermeiden, inwendig
verzinnt; manche bleiben äußerlich ganz roh, d. h.
mit dem aus Kupferoxydul bestehenden braunroten
Überzug versehen, der durch das Glühen entstanden
ist und den man öfters durch Einreiben mit gepulver-
tem Nötel zu verschönern sucht, während andernfalls
diese Glühspandecke durch Ablöschen der glühenden
Gegenstände in Wasser abgesprengt wird. Solche
Stücke, die Glanz haben müssen, werden mit ver-
dünnter Schwefelsäure abgebeizt, mit polierten
Hämmern auf gleichfalls polierten Ambossen blank
gehämmert, zuweilen auch noch mit Bimsstein und
Wasser, dann mit Holzkohle und Wasser geschliffen,
endlich mit dem Polierstahl oder Tripel poliert.
Andere Kupserwaren werden bronziert oder braun
gemacht und erhalten den gewünschten Glanz durch
Blankhämmern und Abreiben mit auf Leder auf-
getragenem Kolkothar und Graphit.-Vgl."Kupfer-
schmied-Kalender", hg. von Pataky.
Kupferschmiedeschulen, Anstalten, die junge
Leute in der Kupferschmiederei theoretisch ausbilden.
BisjetztbestehtnureinesolcheSchuleinHannoverseit
Michaelis 1893 als Abteilung der städtischen Hand-
werker- und Kunstgewerbeschule mit zweijährigem
Lehrgang; sie ist auf Betreiben des Vereins der
Kupferschmiedereien Deutschlands entstanden und
wird von demselben sowie aus Staats- und Ge-
meindemitteln unterstützt. Aufnahmebedingungen
sind: ein Alter von mindestens 17 Jahren, eine
wenigstens dreijährige praktische Thätigkeit in der
Kupferschmiederei. Das Schulgeld beträgt pro Halb-
jahr 30 M. Der Unterricht erstreckt sich auf Arith-
metik, Geometrie, Physik, Chemie, Mechanik, mechan.
und chem. Technologie, Maschinen- und Apparaten-
zeichnen, Maschinen- und Apparatenbau, Maschinen-
und Apparatenlehre, Buchführung und Deutsch.
A::ikel, dir man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.
Kupferschwärze, ein amorphes erdiges Erz
von bräunlichschwarzer und bläulichschwarzer mat-
ter Farbe, sehr weich bis zerreiblich, das traubige,
nierenförmige Massen und Überzüge bildet, die sich
in Salzsäure leicht lösen. K. ist wahrscheinlich bloß
ein Gemenge der wasserhaltigen Oxyde von Man-
gan, Kupfer und Eisen und ist bekannt aus der
Gegend von Freiberg und Siegen, von Lauterberg
am Harz, von Oravicza im Banat.
Kupfersilberglanz, Silberkupferglanz
oder Stromeyerit, ein rhombisches Erz, völlig
isomorph mit Kupferglanz, gewöhnlich indessen nur
in derben Massen als Platten ausgebildet; die Ana-
lysen ergeben 53,i Proz. Silber, 31,2 Kupfer, 15,7
Schwefel, welche Zusammensetzung auf die Formel
^328^(^28 führt. Es ist stark glänzend, schwärz-
lichbleigrau und sehr milde. Es findet sich bei Rudel-
stadt in Schlesien, in Chile, Peru und Argentinien.
Kupferfmaragd, Mineral, s. Dioptas.
Kupferspecht ((^olapteZ M6xieaiiu8 ^Htb.), der
westliche, Nordamerika entlang der am Stillen Ocean
gelegenen Länder vom Felsengebirge bis zum südl.
Mexiko bewohnende Vertreter der Goldspechte (s. d.),
dem gemeinen Goldspecht nahe verwandt.
Kupferspeise, s. Kupfer (S. 812 d).
Kupferstahldraht (engl. compounä t6i6Fi-gM
^irch, ein mit einem Überzuge von Kupfer beklei-
deter Stahldraht, dessen Kern große Dauerhaftig-
keit und dessen Umhüllung große elektrische Leitungs-
sähigkeit bewirkt. Derselbe wird vielfach für Tele-
graphenleitungen verwandt.
Kupferstecher, s. Kupferstechkunst. - K. (Vo-
8ti-idiu8 ckalcoFi-gMliä ^.) heißt auch ein höchst
schädlicher, die Gipfel und Astspitzen der Fichten
anfallender Borkenkäfer (s. d.).
Zeichnungen in eine geglättete und polierte Kupfer-
platte so einzugravieren, daß sie, mit Druckerschwärze
eingerieben, durch die Presse vervielfältigt werden
können. Je nach dem Verfahren, mit denen die ver-
tiefte Zeichnung in das Metall hergestellt wird,
unterscheidet man verschiedene Arten der K., die je-
doch im Princip des Druckverfahrens sowohl unter
sich als auch mit dem Stahlstich (s. d.) darin überein-
stimmen, daß, im Gegensatz zum Letternsatz und zum
Holzschnitt, beim Druck nicht die erhabenen Stellen
auf das Papier abgedruckt, sondern dieses in die mit
Farbe ausgefüllten vertieften Stellen eingedrückt
wird. Geschieht das Eingravieren der Zeichnung
mit dem Grabstichel, einem Stahlstift mit dreieckig
schräg abgeschliffener Spitze, so heißt dies Verfahren
Grabstichelmanier oder Linienmanier; der
Abdruck ist der reine Kupferstich oder Linienstich (frz.
Aravurs au burin). Zur Nachhilfe und auch als
sclbständigeManier(Kalte Nadelarbeit) wird die
rund und scharf zugespitzte Nadel angewendet. Die
durch die Arbeit mit dem Grabstichel und der Nadel
entstehenden Nändcr (Barbe, Grate) müssen mit dem
Schaber, einem dreikantigen Instrumente, weg-
genommen werden. Während der Limenstich die
Wiedergabe der farbigen Wirkung seiner Vorlage,
insbefondere des Gemäldes, anstrebt, beschränkt
sich der Kartonstich auf Angabe der Umrisse mit
leichter Schattierung. Bei der Punktiermanier
wird die Schattierung vorwiegend mit Grabstichel-
punkten erzielt, bei dem P unz enstich mit der Punze
gezeichnet. - Die Geschabte Manier oder
Schwarzkunst (Mezzotinto) besteht darin, daß
die Kupferplatte rauh gemacht und dann die Lichter
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