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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Kuppel

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Kuppel

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Kupolofen'

betrieben, etwa 4 m hoch (ohne die zur Abführung der Gase dienende, gewöhnlich unmittelbar auf dem Ofen stehende Esse). Als Brennstoffe benutzt man Koks; weniger geeignet sind Holzkohlen, welche nur bei reicherm Verbrauche die gleiche Menge Roheisen zu schmelzen befähigt sind. In die Öffnung a (s. nachstehende Abbildung), die Gicht des Ofens, werden Brennstoffe und Roheisen abwechselnd eingeschüttet, um allmählich abwärts zu rücken, während im untern Teile die Verbrennung und Schmelzung stattfindet. Der Gebläsewind strömt durch das Rohr c zu, verteilt sich in dem Kanal d rings um den Ofen herum und strömt aus diesem Kanal durch mehrere, gewöhnlich in zwei Reihen übereinander angeordnete Öffnungen (Düsen) in das Innere. Das geschmolzene Metall sammelt sich unterhalb jener Windeinströmungen und wird von Zeit zu Zeit durch Öffnen des an der tiefsten Stelle befindlichen, durch einen Thonpfropfen verschlossenen Stichlochs entnommen. Die vor dem Stichloche angebrachte Rinne b dient zum Ausfließen des Eisens, das durch eine Gießpfanne (s. d.) aufgefangen und den Gußformen zugeführt wird.


Textfigur:

Ein K. mittlerer Größe liefert stündlich ungefähr 4000 kg geschmolzenen Metalls und gebraucht zum Schmelzen desselben 300–400 kg Koks. Um die Asche der Koks (Anmerkung des Editors: des Kokses) in eine leichtflüssige Schlacke zu verwandeln, setzt man bei jedem Aufschütten eine kleine Menge Kalkstein zu. Der Ofen wird aus feuerfesten Ziegeln gebaut und der bessern Haltbarkeit halber von einem Eisenblechmantel umgeben, wie auch die Abbildung erkennen läßt. – Vgl. Kirchner, Die K. für Gießereien (Berl. 1891).

Kuppel, Kuppelgewölbe, jede in Gestalt einer Halbkugel oder eines Rotationskörpers ausgeführte Überwölbung (s. Gewölbe) eines quadratischen, rechteckigen, polygonalen oder kreisrunden Raumes. In frühester Zeit wurde die K. durch Überkragen von Steinschichten in Spitzbogenform gebildet, wie diese Konstruktionsweise uns in den altgriech. Schatzhäusern (Thesauren), z. B. dem Schatzhaus des Atreus zu Mykenä, überliefert worden ist. Später errichtete man die K. mittels keilförmiger Steine über kreisrunden Räumen, deren Mauern ringsherum ihr Widerlager bildeten. Die K. haben meist die Form einer Halbkugel, aber auch jeder beliebige Rotationskörper, z. B. das Ellipsoid, Paraboloid und die Spitzbogenform kann ihr zu ↔ Grunde gelegt werden. In den meisten Fällen werden die K. nicht geschlossen, sondern erhalten anstatt eines Schlußringes eine Lichtöffnung, das sog. Auge, welches durch einen Hausteinkranz, den sog. Nabel, umschlossen ist. Beim Pantheon in Rom, ursprünglich ein Teil einer großartigen Thermenanlage, von Agrippa 25 v. Chr. erbaut, jetzt dem Kultus der kath. Kirche dienend, ist der Durchmesser dieses Auges 9 m groß, während die Spannweite 43,5 m, die Stichhöhe 21,7 m und die Gesamthöhe 43,7 m beträgt. Die K. können über jedem beliebigen Grundriß errichtet werden; beim rechteckigen und polygonalen Raum sind aber zum Übergang in die Rundung der K. in den Ecken sog. Gewölbezwickel oder Pendentifs anzuordnen, welche meist durch Auskragen der Ziegelsteinschichten und einzelne Bögen übereinander gebildet werden. Die K. setzen sich aber häufig nicht direkt auf diese Zwickel auf, sondern erst auf einen cylindrischen Zwischenkörper, den Tambour, welcher eine Reihe Fenster enthält und von außen oft mit einer Kolonnade versehen ist, während sie auf ihrem obern Abschlußring die sog. Laterne tragen, welche ihrerseits wieder durch eine kleine K. oder einen Kegel bekrönt wird. Zum Schutz gegen die Witterungseinflüsse wurden die K. früher meist mit Blei abgedeckt, während von der Renaissancezeit an dieselben durch eine äußere Schutzkuppel aus hölzernen Bohlenbögen nach der Konstruktion des Philibert de l’Orme oder aus Stein gedeckt wurden (St. Peter in Rom). In neuester Zeit kamen vielfach eiserne Schutzkuppeln zur Anwendung, welche nach dem Moniersystem leicht feuersicher konstruiert werden können. Die Schutzkuppeln bilden das eigentliche Dach und tragen meist die Laterne. Die eigentlichen K. wurden von den Römern zuerst erfunden und zu hoher Ausbildung gebracht. Besonders im Oströmischen Reiche pflegte man den Kuppelbau und setzte an die Hauptkuppel mehrere Halbkuppeln an, wodurch sehr weite Räume überspannt werden konnten. Das berühmteste Denkmal dieser Art ist die unter Justinian 537 n. Chr. von Anthemios von Tralles unter Beihilfe von Isidorus von Milet errichtete Agia Sophia (Sophienkirche) in Konstantinopel, deren K. 34,5 m Spannweite, 14,5 m Stichhöhe und 53 m Gesamthöhe hat. Vom Oströmischen Reiche verpflanzte sich der Kuppelbau nach Italien, wo besonders in Ravenna und Venedig bemerkenswerte Beispiele erhalten sind, z. B. San Marco mit seinen fünf K., die 976 begonnen und erst 1007 n. Chr. vollendet wurde. Von Italien kam auch der Kuppelbau nach Deutschland, wo Karl d. Gr. seine Palastkapelle zu Aachen, 796–804 n. Chr., mit einer K. überdeckte.

Die höchste Ausbildung erhielt die K. in der modernen ital. Baukunst. Filippo Brunelleschis K. auf dem Dom zu Florenz, 1420 begonnen und 1432 vollendet (die Laterne aber erst 1462 vollendet), gab die Anregung. Sie hat 41,5 m Spannweite, 20 m Stichhöhe, 91 m Höhe bis zur Laterne, 107 m Gesamthöhe. Ihr folgte die von Michelangelo 1546–-64 geplante K. der St. Peterstirche zu Rom, mit einer Spannweite von 50 m, 192 m unterer Umfang, 29 m Stichhöhe, 94 m Höhe vom Dach aus gerechnet, 132 in Gesamthöhe, welche das Vorbild für eine lange Reihe kirchlicher Prachtbauten der ganzen kath. Welt geworden ist. Die wichtigsten neuern Kuppelbauten sind: St. Paulskirche zu London, von Christopher Wren 1675–1710 erbaut, mit 31 m Spannweite und nach innen geneigten innern

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 825.

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