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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Kuß; Küssen; Kußima; Kussīn; Kußmaul; Kußmünze; Küßnacht; Kussobaum; Kussoblumen; Kußtafel; Küste

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Kuß - Küste

Schnee bedeckten Spitzen im S. heißen die Abakanischen Berge. In geognost. Beziehung ist der K. A. mit dem Ural auffallend verwandt. Am östl. Abhang befinden sich Goldgruben.

Kuß, Handelsgewicht, s. Cantaro.

Küssen gilt als Zeichen der Liebe, Ehrerbietung und Freundschaft. Bei den Morgenländern war der Kuß von jeher unter diesen Formen sehr gebräuchlich und wird daher auch oft in der Bibel erwähnt. - Die alte christl. Kirche kannte den Friedenskuß (s. d.); in der griech. Kirche ist noch heute der Osterkuß (s. d.) üblich. Als Verehrungszeichen gegen den Papst gilt der Pantoffel- oder Fußkuß (s. d.). Der Handkuß ist ceremoniell bei hochgestellten Personen und als Beweis besonderer Verehrung namentlich Damen gegenüber gebräuchlich. Im Mittelalter galt das K. auch symbolisch als Bekräftigung eines Vertrags oder Versprechens. Der Judaskuß (nach Matth. 26, 49 und Luk. 22, 48) ist sprichwörtlich geworden.

Kußima, Stadt in Birma, s. Bassein.

Kussīn, s. Kosin.

Kußmaul, Adolf, Mediziner, geb. 22. Febr. 1822 in Graben bei Karlsruhe, studierte in Heidelberg, wurde 1848 bad. Militärarzt, wohnte dem Feldzug in Holstein bei, praktizierte 1850 - 53 als Arzt in Kandern und setzte dann seine Studien zu Würzburg fort. Er habilitierte sich 1855 in Heidelberg, wo er 1857 außerord. Professor wurde, ging dann 1859 als Professor der innern Medizin und Direktor der mediz. Klinik und Poliklinik nach Erlangen, 1863 als innerer Kliniker nach Freiburg und 1876 in gleicher Stellung nach Straßburg. Seit 1. April 1889 lebt er im Ruhestande zu Heidelberg. K. schrieb mit Tenner gemeinsam "Untersuchungen über Ursprung und Wesen der fallsuchtartigen Zuckungen bei der Verblutung sowie der Fallsucht überhaupt" (Frankf. 1857), welche die Lehre von der Epilepsie bedeutend förderten. Ein großes Verdienst hat sich K. durch die Einführung verschiedener mechan. Behandlungsmethoden in die innere Medizin (Anwendung der Magenpumpe gegen Magenerweiterung und andere chronische Magenkrankheiten, der Thorakocentese bei eiteriger Rippenfellentzündung u. dgl.) erworben. Außer zahlreichen Aufsätzen in Fachzeitschriften veröffentlichte er: "Die Farbenerscheinungen im Grunde des menschlichen Auges" (Heidelb. 1845), "Von dem Mangel, der Verkümmerung und Verdoppelung der Gebärmutter, von der Nachempfängnis und der Überwanderung des Eies" (Würzb. 1859), "Untersuchungen über das Seelenleben des neugeborenen Menschen" (Lpz. 1859; 2. Aufl., Tüb. 1884), "Untersuchungen über den konstitutionellen Merkurialismus und sein Verhältnis zur konstitutionellen Syphilis" (Würzb. 1861), "Über die Behandlung der Magenerweiterung durch eine neue Methode" (Freib. i. Br. 1869), "Zwanzig Briefe über Menschenpocken- und Kuhpockenimpfung" (ebd. 1870), "Über die fortschreitende Bulbärparalyse und ihr Verhältnis zur progressiven Muskelatrophie" (Lpz. 1873), "Die Störungen der Sprache. Versuch einer Pathologie der Sprache" (in Ziemssens "Handbuch der speciellen Pathologie und Therapie", ebd. 1877; 3. Aufl. 1885).

Kußmünze, s. Bajoire.

Küßnacht. 1) Bezirk im schweiz. Kanton Schwyz, hat 27,1 qkm und (1888) 2940 E., darunter 87 Evangelische. - 2) K. oder Küßnach, Flecken und Hauptort des Bezirks K., am Fuße des Rigi und am obern Ende des Küßnachtersees (s. Vierwaldstättersee), an der Gotthardbahn (2 Bahnhöfe K. und Immensee-K., letzterer 2 km entfernt), mit Luzern durch Dampfer verbunden und von Wiesen und Obstgärten umgeben, hat (1888) 2940 E., darunter 87 Evangelische; Post, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, schöne Pfarrkirche, altes Rathaus, große Glashütte und lebhaften Fremdenverkehr. Die Straße nach der Bahnstation durchschneidet bei der Hohlen Gasse den Hügelrücken zwischen dem Vierwaldstätter- und dem Zugersee. Der frühere Hohlweg, in dem nach der Sage der Landvogt Geßler durch Tell erschossen worden sein soll, ist durch die Straßenanlage größtenteils verschwunden; doch ist die Tellskapelle an der Hohlen Gasse noch erhalten. - 3) Pfarrdorf im Bezirk Meilen des schweiz. Kantons Zürich, 6 km südöstlich von Zürich, auf dem rechten Ufer des Zürichersees, ist Dampferstation des Zürichersees, hat (1888) 2756 E., darunter 134 Katholiken; Post, Telegraph, got. Kirche, Seminar für Lehrer und Lehrerinnen; Seidenweberei, chem. Waschanstalt, Metallfabrik, Weinbau und Landwirtschaft.

Kussobaum, die Baumgattung Brayera (s. d. und Kussoblumen).

Kussoblumen, Koso- oder Kossoblüten (auch Kussu [engl. Kooso], Koso oder Flores Brayerae anthelminthicae, Flores Koso nach dem Arzneibuch für das Deutsche Reich), die im Droguenhandel vorkommenden Blüten des in Abessinien einheimischen Kussobaums (Brayera, s. d.). In Abessinien sind seine Blüten schon seit mehr als 200Jahren allgemein als untrügliches Mittel gegen den Bandwurm in Gebrauch, und auch bei uns haben sie sich gegen dieses Leiden bewährt. Die Blüten haben einen eigentümlichen, an Flieder erinnernden Geruch, einen erst unmerklichen, dann etwas scharfen und widerlichen Geschmack und enthalten neben andern Stoffen ein bitteres, kratzendes Harz, einen krystallisierbaren sauren Körper, das von Pavesi gefundene und von Bedall in München untersuchte Kosin (s. d.) oder Kussin, von adstringierendem Geschmack. Man giebt die K. am besten in zwei Dosen zu je 10 g in einem Zwischenraum von ½ Stunde als Schüttelmixtur mit Wasser, schwarzem Kaffee oder Rum; erfolgt 2 - 3 Stunden nach der letzten Gabe kein Abführen, so reicht man einen Löffel Ricinusöl. Sehr zweckmäßig sind auch die von Rosenthal empfohlenen komprimierten Tabletten.

Kußtafel, in der kath. Kirche ein kleines meist mit dem Gotteslamm oder einem sonstigen religiösen Bildwerk geschmücktes Täfelchen aus Elfenbein, Marmor oder edlem Metall, die dem Kommunizierenden vom Geistlichen zum Kuß hingereicht wird.

Küste oder Gestade, derjenige Teil des Landes, der vom Meere berührt und begrenzt wird, während man Strand denjenigen Strich des Landes nennt, den das Meer je nach Flut und Ebbe abwechselnd bespült und trocken läßt. Die K. werden durch die Erosion des bewegten Meers (s. Korrasion) in Verbindung mit Niveauschwankungen und durch die Ablagerungen der Flüsse stetig verändert. Die Form der Küstenlinie oder des Litorals hängt also von Lagerung und Härte der die K. bildenden Gesteine und von der Kraft der Meereswellen ab. Ist die K. nur aus einer Gesteinsart zusammengesetzt, und ist Brandung, Flut oder Strömung schwach, so wird auch die Küstenlinie wenig angegriffen und gegliedert und die Längenentwicklung derselben eine geringe sein. Der Betrag der letztern, die Küstenlänge, ist

^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.]