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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Küstenbefestigungen
zu können, 10 - 12 m stark sein. Der Wall ist,
um die kostbaren Geschütze (auch gegen Schräg-
feuer) zu sichern, durchweg mit Traversen zu ver-
sehen, sodaß immer nur ein Geschütz zwischen zwei
Traversen steht. Nachstehende Fig. 1 zeigt ein deut-
sches Küstenfort von oben gesehen (Einrichtung
scheidet man: Befestigte Küstenpunkte, die feindlichen
Schiffen die Benutzung von Häfen und Reeden ver-
wehren sowie die Mündungen wichtiger Flüsse, Meer-
engen oder Kanäle abschließen sollen, und befestigte
Kriegshäfen (s. Kriegshäfen, befestigte), die in Ver-
bindung mit Landbeftstigungen für die eigene Flotte
^
Fig. 1.
einer Linie zur Geschützaufstellung), Fig. 2 das
Profil durch die Mitte eines Geschützstandes ^L
der Fig.1. Die Traversen sind teils zur Munitions-
förderung (Munitionsfördertraverfen, s.Fig. 1 a und
dd), teils als Munitionsmagazin (Munitionslager-
traversen), teils als Unterstände für Mannschaften
(Mannschaftstraversen, Fig. 1c) eingerichtet. Die
Magazine stehen durch Hebeschächte und Winde-
werke mit den unter ihnen gelegenen Geschoßmaga-
zinen und durch Laufbahnen mit den Geschützstän-
den in Verbindung, während von den Mannschafts-
traverfen Treppen nach tiefer gelegenen, zur Auf-
nahme von Reserven dienenden Piketträumen füh-
ren. Die Erdanschüttung der Traversen überragt die
Feuerlinie der Brustwehr um etwa 2m, die Ge-
schütze feuern mehr durch breite und tiefe Einschnitte
Fig. 2.
mit bedeutendem Gesichtswinkel (90°). Will man den
Geschützen einen bessern Schutz und eine größere
Dauer verleihen, als es mittels bloßer Erdbrustwehr
möglich ist, so werden die einzelnen Geschütze durch
Panzerschilde gedeckt, die in den Traversen einen
festen Halt finden. Hat die Batterie eine tiefe Lage,
so wird das Feuern über Bank aufgegeben und die
Schilde, die eine größere Höhe bekommen, werden
mit oben offenen Schartenschlitzen oder mit ringsum
geschlossenen Scharten versehen. Auch hat man kase-
mattierte Geschützstände mit Stirnpanzern oder dreh-
baren Panzerkuppeln auf kasemattiertem Unterbau
in den aussprengenden Winkeln der Erdwerke zu Hilfe
genommen. Eine andere Art der Sicherung der Ge-
schütze in Erdbatterien bietet die in England vor-
kommende Moncriefflafette (s. d.).
Küstenbefestigungen, permanente Vefesti-
gungswerke gegen die See und den Angriff von
Kriegsfchiffcn. Der besondern Aufgabe nach unter-
sichere Häfen bilden follen. Für die Anlage der-
artiger Bauten gelten dieselben Grundsätze wie bei
der Permanenten Befestigung (s. d.) überhaupt; in-
des werden im einzelnen in der Anordnung ver-
schiedene Änderungen notwendig. 1) Der Gegner
verwendet zum Angriff Schiffe, die mit den weit-
tragendsten und fchwersten, dabei durch Panzer ge-
sicherten Geschützen besetzt sind; daher muß man
die K. zur Aufstellung solcher Geschütze einrichten,
die die Panzerung der feindlichen Schiffe felbst noch
auf große Entfernungen zu durchschlagen vermögen.
2) Der Feind kann beim Ausbruch und im Verlauf
des Krieges mit einer Menge von Schiffen, Ge-
fchützen und Munition überraschend auftreten und
die Küstenwerke mit großen Eisenmassen plötzlich
überschütten; dies erfordert eine hohe Kriegsbereit-
schaft der Küstenwerke schon im Frieden sowie die
Herstellung starker Deckungen. 3) Die Schiffe durch-
laufen das Feuer der Werke mit bedeutender Ge-
schwindigkeit; die Aufstellung der Gefchütze und
die Vorkehrungen für die Munitionsversorgung
müssen daher bei möglichster Deckung der Bedie-
nung und Geschütze und trotz der zu bewältigenden
Gewichte ein direktes, auf große Gesichtswinkel aus-
gedehntes und schnelles Feuer ausführbar machen.
Die Formen, in denen, obigen Eigentümlichkeiten
entsprechend, K. vorkommen, sind Erd werke und
Panzer werke. Erstere genügen in den meisten
Fällen zur Erfüllung der den K. zufallenden Auf-
gaben ; sie sind entweder in der Kehle offen: Küsten -
vatterien (s. d.), oder geschlossen: Küstenforts
(s. d.). Panzerwerke sind der großen Kosten
wegen nur bei beengtem Bauplätze oder an ganz
besonders wichtigen Stellen angezeigt; sie sichern die
Geschütze durch auf Mauerbauten ruhende Pan-
zerungen, die man als Panzerbatterien oder
als Drehtürme anordnen kann. Wo der Zweck
der K. darin besteht, die Einfahrt feindlicher Schiffe
in eine Flußmündung oder ein bestimmtes Fahr-
wasser zu hindern, wird die Geschützwirkung allein
hierzu nicht ausreichen. Die Küstenwerke müssen in
solchen Fällen mit einer Sperre (s. d.) im Fahr-
wasser in Verbindung stehen, um die feindlichen
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.