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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Laber - Labiche
anlagung im Gegensatz zu dem an den alten Über-
lieferungen hängenden Capito der Rechtswissen-
schaft auf vielen Gebieten einen neuen Anstoß gab.
Er veranlaßte viele Streitfragen, begründete eine
eigene Iuristenschule (Proculianer im Gegensatz
zu den Sabinianern, der Schule des Capito),
drang mit seinen Ansichten aber bei den spätern
Juristen vielfach durch und wird in den Digesten
(s. Om-M^uris) oft als Autorität citiert.-Vgl. Per-
nice, M. Antistius L. (Bd. 1-3, i, halle 1873-92).
Laber, Hadamar von, deutscher Dichter aus ober-
pfälz. Adelsgeschlecht, bezeugt 1317 -54, zumeist
in der Umgebung der bayr. Herzöge, namentlich
Ludwigs, des Markgrafen von Brandenburg, dessen
Rat er 1354 wurde. L. schrieb in der Titurelstrophe
eine Minneallegorie "Die Jagd" (hg. vonSchmeller
in der "Bibliothek des Litterarischen Vereins in
Stuttgart", Bd. 20, Stuttg. 1850, und von Stejskal,
Wien 1880), die das ritterliche Liebeswerben unter
dem Bilde eines kunstmähigen Weidmannswerkes
darstellt. - Vgl. Bethke, über den Stil Hadamars
von L. in seiner "Jagd" (Berl. 1892).
Laberdan, s. Kabeljau.
Laberlus, Decimus, ein röm. Ritter, geb. gegen
105, gest. 43 v. Chr., bekannt als Dichter von
Mimen (s. d.). Cäsar nötigte ihn noch als 60säh-
rigen Mann, bei den scenischen Spielen, die jener
45 v. Chr. zu Rom anstellte, zum erstenmal per-
sönlich aufzutreten. Bruchstücke der Mimen des L.
bei Nibbeck in den "lüomicorum Ig.tinori.iiii reli-
ciuiaL" l2. Aufl., Lpz. 1873). Den von Macrobius
mitgeteilten "?i'oi0AU8" zu dem Mimus, in dem
L. persönlich auftrat, überfetzte Wieland (in der
Übersetzung von Horaz' "Satiren", Bd. 1, Lpz. 1819)
trefflich ins Deutsche.
Labes, Stadt im Kreis Regenwalde des preuh.
Reg.-Bez. Stettin, an der Rcga und der Linie
Stettin-Stargard-Danzig der Preuß. Staats bah-
nen, Sitz des Landratsamtes des Kreises Negen-
walde und eines Amtsgerichts (Landgericht Star-
gard), Kataster- und Steueramtes,' hat (1890)
5232 E., darunter 49 Katholiken und 124 Israe-
liten, Post zweiter Klasse, Telegraph, Kreisspar-
kasse, Vorschußverein, Rettungshaus, Landgestüt;
Dampfschneidemühle mit Parkettfuhbodenfabrik,
Grützefabrik, Molkerei, Spiritusbrennerei, Braue-
reien, Gerbereien, Mühlen, Acker- und Spargelbau
und Handel mit Vieh, Mehl und Holz. L. wird
1295 als Oivit3.8 1^0^686 erwähnt.
Labesfenzen, s. Lab.
Labet, im Kartenspiel, s. Bete.
Labet, Vogel, s. Indische Vogelnester.
Labextrakte, s. Lab.
Labial, zu den Lippen (lat. ladia.) gehörig; La-
biale, Lippenlaute, s. Laut.
Labialhernle, Bruch (Leistenbruch oder Peri-
nealbruch) der großen Schamlippen des Weibes.
Labialpfeifen, s. Pfeife und Orgel.
I"2.di2. ing^ora. und ininvra., große und kleine
Schamlippen <s. Geschlechtsorgane, Bd. 7, S. 897d).
Labiana, Laviana oder Pola de L., Bezirks-
hauptstadt in der span. Provinz Oviedo (Asturien),
am Nalon und an der Linie Gijon-L. (52 km), mit
(1887) 7913 E.
Labiaten, Lippenblütler, Pflanzenfamilie
aus der Ordnung der Labiatifloren (s. d.) mit gegen
2600 Arten, die über die ganze Erde verbreitet sind;
einen besonders charakteristischen Bestandteil der
Vegetation bilden sie in den Mittelmeergegenden.
Brockhaus' Konversations-Lcxikon. 14. Aufl. X.
Es sind teils krautartige Pflanzen, teils Halbsträu-
cher oder Sträucher, sehr selten besitzen sie baum-
artigen Wuchs oder kletternde Stengel. Die Blät-
ter sind stets gegen- .oder wirtelständig und unzer-
teilt. Die Blüten haben einen röhrenförmigen, oft
Meilippigen Kelch, eine stets zweilippige Blumen-
trone und in der Regel vier Staubgefäße, vou
denen zwei länger sind als die beiden andern. Der
oberständige Fruchtknoten ist vierteilig und der
fadenförmige, an seiner Spitze mit zwei Narben ver-
sehene Griffel sitzt in der Mitte der vier Teilchen.
Die Frucht ist eine in vier einsamige Nüßchen zer-
fallende Spaltfrucht. Die Blüten sind in eigentüm-
lichen für die L. charakteristischen, in den Vlatt-
winkeln stehenden Blütenständen angeordnet; es
sind knäuelförmige dicktblühende vympodien mit
meist gabcliger Verzweigung; man nennt sie Ver-
ticillastren, weil sämtliche Blüten wirtelförmig
angeordnet zu sein scheinen. Viele L. enthalten reich-
z lich ätherische Ole und werden deshalb zu den ver-
schiedensten Zwecken verwendet, besonders als Ge-
würz- und ofsizinelle Pflanzen. ,
Labiatifloren, Ordnung aus der Gruppe der
Dikotyledonen, Abteilung der Sympetalen, charak-
terisiert durch unregelmäßige, zwittrige, lippen- oder
rachenförmige Blüten, die fünfzähligen Kelch, fünf"
zählige Blumenkrone, aber gewöhnlich nur vier
didynamische Staubgefäße besitzen; der oberständige
Fruchtknoten besteht aus zwei miteinander ver-
wachsenen Fruchtblättern. Die Ordnung umfaßt
die Familien der Ecrophulariaceen (s. d.), Labiaten
ls. d.), Utriculariaceen (s. d.), Gesneraceen (s. o.),
Bignoniaceen (s. o.), Acanthaceen (s. d.), Vcrbena-
ceen (s. o.), Plantaginaceen (s. o.), Orobancheen
(s. d.). Hierzu Tafel: Labiatifloren; zur Erklä-
rung f. die Artikel ssLHmum, V6iI)H3cuiQ, I^g.-
t1ii'a63,, ^cHntIiu8, Nentka,, Rosmarin.
Labiau. 1) Kreis im prcuß. Reg.-Bez. Königs-
berg, hat 1062,68 <ikiu und (1890) 53 220 (25407
männl., 27 813 weibl.) E., 1 Stadt, 146 Land-
gemeinden und 82 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt
im Kreis L., an der Deime, aus der hier der Fried-
richsgraben (s. d.) abgeht, Sitz des Landratsamtes,
eines Amtsgerichts (Landgericht Königsberg) und
einer Reichsbanknebenstelle, hat (1890) 4861 E.,
darunter 29 Katholiken und 92 Israeliten, Post zwei-
ter Klasse, Telegraph; Dampfsägemühlen, Brauerei,
Schiffahrt und Fischbandcl. L. ist seit 1642 Stadt;
der hier 20. Nov. 1656 zwischen dem Großen Kur-
fürsten und Karl X. Gustav von Schweden abge-
schlossene Vertrag sicherte die Unabhängigkeit Preu-
ßens von Sckweden.
Labiche (spr. -bisch), Eugene, franz. Lustspiel-
dichter, geb. 5. Mai 1815 zu Paris, besuchte das 0o1-
ikFs Voui'doii und bereiste dann Italien. Sein erstes
Lustspiel "I^a cnv6tt6 cl'eau." brachte er 1837 auf
die Bühne. Seitdem lieferte er für die Pariser
Theater eine Menge Lustspiele, Possen, Vaudevilles
u. s. w., von denen einige geradezu klassisch sind, die
meisten durch schlagfertigen Dialog, echten Humor,
gute Cbarakteristit und sichere Sccnenführung sich
auszeichnen, wie! "1^6 ckapean äs pÄiU? ä'ItaliE"
(1851), "1^6 Ini8llNtIi1'0p6 6t i'^VliVLI'^IIHt" (1853),
"I.H pouäl 6 !NIX )'6UX" (mit Martin, 1862), "(^U-
MHI-6 16 diOn-aini6" (1863), "I.H ^NFN0tt6)) (1864),
"Hn P16(1 clg.113 Is crinik" (mit Choler, 1866) u. s. w.
Auch schrieb er viele Stücke in Gemeinschaft mit
Martin ("1^6 V073.36 äs N. I^rriciion", 1860),
Gondinet ("1^6 M18 K6ur6ux ä68 troi3", 1870),