Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

884
Lafayette (Stadt) - Lafayette (Marquis de)
bruch der Revolution nach Sicilien zurück und wurde
1848 als Führer der Demokratie in das Parlament
gewählt. Er war für die Absetzung der Bourbonen,
stimmte aber für die Königswahl Ferdinand Marias
(s. d.), Herzogs von Genua. 1848 hatte er die Lei-
tung mehrerer Ministerien, mußte jedoch 8. Febr.
1849 zurücktreten; er ging, als Sicilien sich wieder
dem Könige Ferdinand II. (s. d.) unterwarf, nach
Frankreich und kehrte erst 1855 wieder nach Italien
zurück, um von nun an im Einverständnis mit
Cavour für die nationale Einheit und Unabhängig-
keit thätig zu fein. 1857 wurde er Schriftführer des
Italienischen Nationalvereins und feine Wochen-
schrift "?icc0i0 Oorriers ä'ItHlia." desfen Organ.
Als Vorstand des Nationalvereins trat er für die
unmittelbare bedingungslose Vereinigung Siciliens
mit Piemont ein. Aus diesem Grunde verlangten
die Mazzinisten, daß er 7. Juli 1860 von Gari-
baldi aus Sicilien fortgewiesen wurde. Cavour war
über diefes Vorgehen entrüstet, ernannte ihn Okt.
1860 zum Staatsrat und übertrug ihn: die Leitung
der öffentlichen Sicherheit und des Innern auf
Sicilien, wo er aber nur kurze Zeit blieb. Er starb
5. Sept. 1863 in Florenz. Von seinen Geschichts-
werken sind zu nennen: "lätoi-ia äocumontata. äeii".
i'iv0lu2ioii6 Zicililma s 66116 8U6 relaxioni coi F0-
vei'ni iwliani 6 Ltranikri 1848-49" (2 Bde., Capo-
lago 1851), "storia ä'ItiUia äal 1815 ai 1850"
(2. Aufl., 2 Bde., Mail. 1864). L. F.s Briefwechsel
und polit. Schriften gab Ausonio Franchi (Mail.
1870) heraus. - Vgl. Viondi, vi (Fw86pp6 I.. K
o äei ri30i'8iin6nto iwliano äai 1815 ai 1893 (2Bde.,
Palermo 1893).
Lafayette (spr.lä'ffehM), Hauptstadt des County
Tippecanoe im nordamerik. Staate Indiana, nord-
westlich von Indianapolis, auf dem Ostufer des
Wabafh, Eifenbahnknotenpunkt, hat ein College
für Landwirtschaft und technifche Fächer, beträcht-
lichen Handel, Marmorbrüche und (1890) 16 243 E.
Lafayette (spr. -faNt), Marie Jean Paul Roch
Ives Gilbert Motier, Marquis de, franz. General,
geb. 6. Sept. 1757 im Schlosse Chavagnac (Depart.
Haute-Loire), begab sich, als der nordamerik. Be-
freiungskampf begann, 1777 mit Kalb nach Nord-
amerika, wo ihn der Kongreß fofort zum General-
major ernannte. Anfang 1778 wurde er als Gene-
ral der Nordarmee nach Canada geschickt; doch miß-
lang die Expedition aus Mangel an Mitteln. Es
folgten der berühmte Rückzug von Barren-Hill und
das Gefecht von Monmouth, wo L. die Avantgarde
befehligte; der kombinierte Angriff gegen Rhode-
Island, den L. leitete, scheiterte durch den Rückzug
des franz. Gefchwaders. Auf die Nachricht von dem
Ausbruch des Krieges zwischen Frankreich und Eng-
land eilte L. Febr. 1779 in sein Vaterland zurück,
um für die Abfendung franz. Hilfstruppen nach
Amerika zu wirken. Anfang 1780 erfchien er wieder
zu Boston und wurde nun mit der Verteidigung des
bedrohten Virginien betraut. Mit einem geringen
Korps gelang es ihm, dem Lord Cornwallis den Weg
abzuschneiden, sodaß Washington ihn in Uorktown
19. Okt. 1781 zur Kapitulation zwingen konnte. L.
ging wieder nach Frankreich zurück, wo man ihn
enthusiastifch feierte; 1784 unternahm er eine dritte
Reife nach Amerika, die einem Triumphzug glich,
und von der er 1785 zurückkehrte, um Deutfchland
und die Höfe von Wien und Berlin zu befuchen.
Eine neue Epoche in L.s Leben begann mit der
Einberufung der Generalstände im Mai 1789. Als
Mitglied der Adelskammer gewählt, hielt er sich
doch von Anfang an zu der Bewegungspartei, trat
25. Juni mit der Adelsminorität zum dritten Stande
über, war einige Tage Vicepräsident der Verfamm-
lung, in welcher Stellung er 11. Juli seinen Ent-
wurf der Menfchenrechte einreichte, und ward nach
dem Bastillesturm zum Generalkommandanten der
Parifer Nationalgarde bestellt. Als folcher führte
er halb gezwungen am Abend des 5. Okt. die
bewaffnete Bourgeoisie nach Versailles und ver-
mochte insolge seiner vertrauensseligen Nachgiebig-
keit die Ausschreitungen des Pöbels nicht zu ver-
hindern. Als Befehlshaber der bewaffneten Macht
im Centrum des Reichs nahm L. feit der Übersiede-
lung des Hofs und der Nationalversammlung nach
Paris die einflußreichste Stellung im Staate ein.
Die mißglückte Flucht des Königs (Juni 1791) traf,
obgleich L. nicht darum wußte, doch auch ihn und
die zu ihm haltende Bourgeoispartei, während die
Radikalen mächtig erstarkten. Diese siegten Nov.
1791 durch die Wahl Pe'tions zum Maire von
Paris gegen L., den der Hof bei seiner Bewerbung
im Stich ließ. Dafür rächte sich L., indem er gleich
darauf die kriegseifrige Gironde gegen die Friedens-
wünfche des Königs unterstützte. Als der Krieg gegen
Osterreich und Preußen (f. Französische Revolutions-
kriege) begann, erhielt L. den Befehl über die Nord-
armec an der belg. Grenze. Die anfänglichen Nieder-
lagen brachten die Radikalen in Paris völlig ans
Ruder. L. wurde als Rebell abgesetzt und sah sich,
von seinen Truppen meist verlassen, zur Flucht
genötigt. Am 19. Aug. 1792 wurde er von den
österr. Vorposten gefangen und nach Olmütz gebracht.
Erst infolge der Verhandlungen zu Leoben wirkte
Vonaparte 1797 seine Befreiung aus. L. ließ sich
in Hamburg nieder, kehrte aber nach dem 18. Bru-
maire (9. Nov. 1799) nach Frankreich zurück, wo er
fortan zurückgezogen auf feinen Gütern lebte. In
den Hundert Tagen ließ ihm Napoleon I. die Pairs-
würde antragen, die er ausfchlug, während er die
Wahl in die Deputiertenkammer annahm.
Nach der Schlacht bei Waterloo fetzte er die Per-
manenz der Kammer durch, drang auf Napoleons
Abdankung und war Mitglied der Kommission, die
den Verbündeten den Waffenstillstand antrug. 1818
wählte ihn das Depart. Sarthe in die Kammer, wo
er feinen Sitz auf der äußersten Linken nahm, bis
er durch die Wahlen von 1824 wieder ausgeschlossen
wurde. Auf eine von den Vereinigten Staaten er-
baltene Einladung unternahm er im Juli 1824 in
Begleitung feines Sohnes nochmals die Reise nach
Nordamerika. Im Sept. 1825 wurde er wieder in
die Kammer gewählt und übernahm nach Ausbruch
der Iulirevolution 29. Juli 1830 den Oberbefehl
über die Pariser Nationalgarden. L. wurde 26. Aug.
zum Oberbefehlshaber der Nationalgarden des
Reichs ernannt und nahm, als die Kammer das
Generalkommando über die Nationalgarden aufzu-
heben beschloß, 27. Sept. seine Entlassung. Er trat
dann in die Opposition ein, da die Umarbeitung der
Charte seinen Wünschen keineswegs entsprach, und
gründete 1833 den republikanisch gesinnten "Ver-
ein für Menfchenrechte". L. starb 20. Mai 1834 in
Paris. Sein Denkmal zu Puy wurde 0. Sept. 1883
eingeweiht. - Vgl. Regnault-Warin, NemoireL
poiir 86i'vir ü. la. vio än 86n6i-g11^. (2 Bde., Par.
1824); Vo^llFL äu. sssnoral I.. aux Htats > Unis
6Q 1824 6t 1825 (2 Bde., ebd. 1826; hg. von Le-
vasseur); Levasseur, 1^. en ^iu6i'ihuo ou 1824-25