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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Laienäbte - Laisser faire

das Wort L. oft auch soviel wie Ungelehrter, weil ehedem die Geistlichen die einzigen Gelehrten waren.

Laienäbte oder Abtgrafen (lat. abbacomites, abbates milites), im frühen Mittelalter, namentlich im Fränkischen Reiche, vornehme Laien, denen für geleistete Dienste die Einkünfte von Abteien überwiesen waren, während die wirkliche Aufsicht in den betreffenden Klöstern von Regulierten (s. d.), Unteräbten oder Prioren geführt wurde.

Laienbrüder, s. Laien.

Laienkommunion, s. Kommunion.

Laienpriester, Laienschwestern, s. Laien.

Laienspiegel, ein Rechtsbuch, welches von Ulrich Tengler mit Beihilfe von Sebastian Brant verfaßt und 1509 zuerst in Augsburg gedruckt wurde (die Ausgabe von 1511 ist die wichtigste). Es sollte den bei der Rechtspflege beteiligten Laien als Leitfaden dienen und behandelt Privat-, Straf- und Prozeßrecht. Indem es röm. Recht und mittelalterliche ital. Jurisprudenz in deutscher Sprache zugänglich machte, hat es die Aufnahme des röm. Rechts in Deutschland befördert und ist dadurch wichtig geworden. Es beherrschte über ein halbes Jahrhundert die Praxis.

Laigle (spr. lähgl), Aigle, Stadt im Arrondissement Mortagne des franz. Depart. Orne, von der Rille durchflossen, die sich in das Seine-Ästuar ergießt, an der Linie Paris-Granville und Conches-L.-Mortagne der Westbahn, hat (1891) 4367, als Gemeinde 5078 E., got. St. Martinskirche mit schönem Turm (12. Jahrh.), ein Schloß, Handelskammer; Gießerei, Glasindustrie, bedeutende Nadel-, Nägel- und Quincailleriefabrikation.

Lainez, Jak., Jesuitengeneral, s. Laynez.

Lainz, Dorf, seit 1891 mit Wien (XIII. Bezirk) vereinigt, an den Linien Wien-Penzing-Kaiser-Ebersdorf, Wien-Hütteldorf-Hacking der Österr. Staatsbahnen, durch Dampfstraßenbahn mit Wien und Mödling verbunden, hat (1890) 1021 E., Post, Telegraph und in der Nähe die neue kaiserl. Villa, eins der schönsten Lustschlösser der Neuzeit, mit offenen Galerien, Balkonen und Türmen. Der k. k. Tiergarten, einer der größten Wildparke Europas, ist von einer 18 km langen, 2 m hohen Mauer mit 10 Thoren und 25 Pforten umgeben, mehr als 1/2 Quadratmeile groß und birgt unter anderm acclimatisierte, ganz wild lebende Moufflons (Wildschafe) sowie das eingeführte Virginiawild. Der höchste Punkt ist der Hornauskogl (514 m).

Laĭos, Sohn des Labdakos, König von Theben, Vater des Oidipus (s. d.).

Laird (schott., spr. lärd), Herr, Gutsherr, Edelmann.

Lairesse (spr. läréß), Gérard de, Maler, Radierer und Kunstschriftsteller, geb. 1641 zu Lüttich, Schüler seines Vaters Regnier de L. und des Bertholet Flémal, begab sich früh nach Holland und wurde zu Amsterdam ansässig, wo er außer Gemälden und Zeichnungen auch Radierungen anfertigte, welche letztern der Amsterdamer Kunstverleger Nik. Visscher herausgab u. d. T.: "Gerardi de L. leodiensis pictoris opus elegantissimum". L. lebte längere Zeit auch im Haag, in Utrecht und Herzogenbusch und starb 28. Juli 1711 in Amsterdam. Mit ihm kam nach der Epoche der großen nationalen Kunst eine kalte, akademische Manier auf. Seine Bilder, die besonders mytholog. und histor. Gegenstände behandeln, finden sich unter andern in den Galerien zu Amsterdam, Paris, Cassel, Dresden. L. schrieb auch über Malerei; sein "Groot Schilderboek" (2 Bde.,

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Amsterd. 1707; 2. Aufl. 1712) war ein sehr geschätztes und einflußreiches Werk, das ins Deutsche (3 Bde., Nürnb. 1728; 3. Aufl. 1800), ins Französische (2 Bde., Par. 1786) und Englische übersetzt wurde.

Lais (spr. lä; vom kelt. laidh; irisch loid, Lied), bretonische Lieder, die in ihrem metrischen Bau dem Wechsel des musikalischen Rhythmus folgen und, ähnlich den kirchlichen Sequenzen, aus ungleichen, meist zweiteiligen Absätzen bestehen, mit der Einschränkung, daß der erste und der letzte Absatz von gleichem Strophenbau und von gleicher Melodie ist. Durch bretonische Spielleute in Nord- und Südfrankreich verbreitet, fanden die L. solchen Beifall, daß auch franz. Trouvères seit dem 12. Jahrh. in der Form und nach der Melodie der bretonischen Muster dichteten. Diese lyrischen L. hielten sich hier noch längere Zeit; Guill. de Machau, Eustache Deschamps, Alain Chartier haben im 14. und 15. Jahrh. L. gedichtet, doch löste damals diese Kunstform ihre enge Verbindung mit der Musik, und da der Inhalt meist belehrend-erbaulich wurde, wurden sie nur fürs Recitieren verfaßt. Im 16. Jahrh. ließ man das L. als altmodisch fallen. Außerdem gab es seit dem 12. Jahrh. in Frankreich epische L. (s. Marie de France), Versnovellen in gepaarten Achtsilbern, zum Hersagen gedichtet, die ursprünglich nichts anderes waren als die franz. Erklärung des bretonischen Textes der lyrischen L., die zur Harfe, Rotte, Vielle oder Flöte von bretonischen Spielleuten vorgetragen wurden. Da hier der Inhalt der Lieder unter Aufgabe der lyrischen Form reproduziert wurde, glaubte man sich berechtigt, den Namen L. beizubehalten. Mit dem 13. Jahrh. schwindet dieser Name als Bezeichnung eines erzählenden Gedichts aus der franz. Litteratur. In England blieb das Wort in der Bedeutung von Lied (song, lyric poem) erhalten (z. B. Macaulay, Lays of ancient Rome, 1848). - Vgl. Birch-Hirschfeld, Artikel Lais in Ersch und Grubers "Encyklopädie" (2. Sekt., Bd. 41); F. Wolf, über die L., Sequenzen und Leiche u. s. w. (Heidelb. 1841).

Laïs, älterer Name der Stadt Dan (s. d.) in Palästina.

Laïs, Name zweier berühmter griech. Hetären (s. d.) zu Korinth. Die ältere zählte zu ihren Verehrern den Philosophen Aristippus; die jüngere, eine Tochter der Timandra, der spätern treuen Gefährtin des Alcibiades, war zu Hykkara in Sicilien geboren und soll als siebenjähriges Mädchen (etwa 414 v. Chr.) nach Korinth gekommen sein. Zuletzt ging sie mit einem Thessalier in dessen Heimat und wurde dort angeblich von einigen Weibern aus Eifersucht ermordet.

Laíschew (spr. -scheff). 1) Kreis in der südl. Hälfte des russ. Gouvernements Kasan, an der Kama und Wolga, hat 5750,3 wkm, 191815 E. (70660 Tataren), Ackerbau, Viehzucht und Fischerei. - 2) Kreisstadt im Kreis L., rechts an der Kama, hat (1893) 5399 E., Post, Telegraph, Kirche und Flußhafen.

Laïsierung, s. Laien.

Laisser faire (frz., spr. lässeh fähr), auch laisser passer (spr. passeh), das "Gehenlassen", "Gewährenlassen", das Princip der Nichteinmischung besonders in der Volkswirtschaft. Der Ausdruck stammt von der Formel: "Laissez faire et laissez passer", d. d. "laßt es gehen" (wie es gehen will), die in der Volkswirtschaft die Ansicht der sog. Physiokraten (s. Physiokratismus) bezeichnet, welche im Verkehrsleben volle Freiheit und freie Konkurrenz ohne staatliche Einmischung walten lassen wollten. Die Über-