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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: La Marīna; La Marmŏra; Lamarckismus; Lamartine

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Lamarckismus - Lamartine

mus.) – Vgl. Claus, L. als Begründer der Descendenzlehre (Wien 1888).

Lamarckismus, s. Darwinismus (Bd. 4, S. 821 a).

La Marīna, Hafenort, s. Tara-bulus. ^[richtig: Tarabulus]

La Marmŏra, Alfonso Ferrero, Marchese della M., ital. General und Minister, geb. 17. Nov. 1804 zu Turin, ward, 1816‒23 auf der Militärakademie zu Turin ausgebildet, Artillerieoffizier und bereiste Frankreich, England, Deutschland, Österreich, Spanien und Algier. 1843 zum Major befördert, focht er mit Auszeichnung 1848 bei Monzambano, Borghetto, Valeggio, vor Peschiera und bei Pastrengo. Seiner Kaltblütigkeit verdankte Karl Albert wesentlich sein Entkommen aus Mailand. Der König ernannte ihn deshalb 27. Okt. zum Brigadegeneral. Da er mit seiner gegen Toscana entsendeten Reservearmee bei Novara (23. März 1849) nicht mehr rechtzeitig eintraf, wurde er von Victor Emanuel Ⅱ. abgeschickt, um das empörte Genua niederzuwerfen, was ihm 10. April 1849 gelang. Nachdem er schon zweimal vorübergehend Kriegsminister gewesen, ward er dies 3. Nov. 1849 für längere Zeit zum Nutzen des zerrütteten Heers, das er nach preuß. Muster umgestaltete. Nach Abschluß des Bundes mit den Westmächten (19. Jan. 1855) trat er an die Spitze des Heers von 17000 Mann, das zwar erst mit dem Ausgang des Krieges in der Krim eintraf, hier aber nach Besetzung der Höhen von Kadikoi sich in der Schlacht von Traktir an der Tschernaia unter ihm rühmlich schlug. 1856 zum kommandierenden General ernannt, übernahm er auch das Marineministerium, um dann als Generalstabschef im Italienischen Kriege von 1859 wieder in die leitende Stelle einzurücken. Nach dem Frieden von Villafranca war er Juli 1859 bis Jan. 1860 an Cavours Stelle Leiter des Kabinetts unter gleichzeitiger Übernahme des Kriegsministeriums. 1861‒64 trat er in Neapel dem Brigantentum und der Camorra mit Erfolg entgegen. Aufs neue, Sept. 1864, mit Bildung eines Kabinetts betraut, übernahm er neben der Präsidentschaft das Ministerium des Äußern und interimistisch für kürzere Zeit das Marineministerium und hielt sich durch Änderungen im Kabinett bis 1866, schloß den ital.-preuß. Bund gegen Österreich und folgte als Minister ohne Portefeuille Juni 1866 dem König zum Heere. Schon bei den Vorverhandlungen mit Preußen in Zwistigkeiten mit Bismarck gekommen, bewies er im Entwurf des Feldzugsplans wie nach der Schlacht bei Custozza so wenig Entschiedenheit, daß sich allgemeiner Unwille gegen ihn erhob, was ihn veranlaßte, seine Entlassung (Aug. 1866) zu nehmen, worauf er in Florenz, erst als Korpscommandeur, dann zur Verfügung gestellt, lebte. In amtlicher Stellung trat er zum letztenmal 9. Okt. 1870 bis 25. Jan. 1871 in die Öffentlichkeit als Statthalter des Königs in Rom. Der Kammer gehörte L. M. seit 1848 an. Empfindlich in seiner Eitelkeit verletzt durch eine mißverstandene Stelle des preuß. Generalstabswerkes über den Krieg von 1866, veröffentlichte er 1868, um die preuß. Kriegsführung zu brandmarken, die berühmte «Stoß-ins-Herz-»Depesche des Grafen Usedom vom 17. Juni 1866, stellte 1871 in der Kammer die deutschen Siege in Frankreich als Geschenke blinden Glücks hin, gab 1873 die Schrift «Un po' piu di luce» (deutsch, 2. Aufl., Mainz 1874) heraus (s. Govone), in welcher er Bismarck als Verräter an Deutschland wie an Italien zu zeichnen suchte. Eine nochmalige Verteidigung seines Verhaltens versuchte L. M. in der Schrift «I segreti di stato nel governo costituzionale» (Flor. 1877), ohne die öffentliche Meinung umzustimmen. Er starb 5. Jan. 1878 in Florenz. In Turin wurde ihm 1891 ein Standbild errichtet. – Vgl. P. Martini, Della vita e degli scritti del conte A. F. della M. (Cagliari 1863); G. Spano, Cenni biografici del conte A. F. della M. (ebd. 1864); Massari, Il generale Alfonso L. M. (Flor. 1880); D. Chiaves, La battaglia della Cernaia ed Alfonso L. M. (Tur. 1890).

Lamartine (spr. -tihn), Alphonse Marie Louis Prat de, franz. Dichter und Staatsmann, geb. 21. Okt. 1790 zu Mâcon. Nachdem er 1809 in Rom und Neapel geweilt hatte, schlug er in seiner ersten Gedichtsammlung «Méditations poétiques» (1820) den in sehnenden Stimmungen und warmen Gefühlen für Gott und Natur erklingenden Ton an, der die durch den ästhetischen Katholicismus Châteaubriands vorbereiteten Gemüter ins Herz traf, für die franz. Lyrik epochemachend wurde und den Dichter mit einem Schlage zum berühmten Manne machte. Der Hof glaubte ihn an sich ziehen zu sollen und verwendete ihn im diplomat. Dienst, zuletzt in Florenz. Am 6. Juni 1820 vermählte L. sich in Chambéry mit einer reichen jungen Engländerin, die zur kath. Kirche übergetreten war, und befestigte seinen Dichterruhm durch die «Nouvelles méditations poétiques» (1823) und die «Harmonies poétiques et religieuses» (1830). Er wurde 1829 Mitglied der Akademie. Mit der Julirevolution fand seine diplomat. Laufbahn ihr Ende; er fühlte sich nun zur Politik hingezogen, da aber seine erste Bewerbung um einen Kammersitz ohne Erfolg blieb, schiffte er sich im Mai 1832 zu Marseille mit Frau und Tochter auf einem von ihm selbst mit fürstl. Pracht ausgerüsteten Schiffe nach dem Orient ein. Die Frucht dieser 16monatigen Reise war das Werk «Souvenirs, impressions, pensées et paysages pendant un voyage en Orient» (4 Bde., Par. 1835), ein buntes Allerlei, glänzend in der Form, aber oft flüchtig und unzuverlässig. Während seiner Abwesenheit wurde er zum Deputierten gewählt und neigte in der Kammer immer mehr zur Opposition hin. Seine dichterische Höhe erreichte L. in dem idyllischen Epos «Jocelyn» (1836; deutsch von J. Bernhard, Hamb. 1880), das in schlichtem Vortrag, den lebensvolle Naturschilderungen auszeichnen, den Sieg glaubenstreuer Pflichterfüllung über Leidenschaft in den Lebensgeschicken eines jungen Priesters darstellt, der sein Dasein als entsagender Landpfarrer von Valneige beschließt. «La chute d'un ange» (1838) dagegen, die Leidensgeschichte des Engels «Cedar», ist eine Dichtung von ungesunder Gefühlsüberreiztheit und überschwenglicher Romantik. Seitdem verschwindet der Dichter hinter dem Politiker. Als polit. Redner und Abgeordneter von Mâcon (bis 1848) erlangte L. zunehmendes Ansehen. Er war allmählich Republikaner geworden und machte durch seine «Histoire des Girondins» (8 Bde., 1847) für den demokratischen Gedanken Propaganda, sodaß er einer der Schöpfer der Republik von 1848 geworden ist. Er wurde nach der Februarrevolution Mitglied der Provisorischen Regierung und Minister der auswärtigen Angelegenheiten, wurde von zehn Departements zum Volksrepräsentanten in die Konstituierende Nationalversammlung und von dieser zum Mitgliede der Exekutivkommission gewählt und genoß einige Monate eine unermeßliche Popularität. Der