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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Langobardisches Recht - Langres
um seine Hilfe. Stephan erreichte, was er wollte.
Pippin zwang den König Aistuls durch zwei Feld-
züge (754 und 756), die Eroberungen herauszugeben.
Indem er sie dann an den Papst schenkte (die Pip-
pinische Schenkung 754), gab er dem von den Päpsten
erstrebten selbständigen Kirchenstaate eine (freilich
noch nicht rechtliche) Grundlage. Aistulfs Nachfolger
Desiderius (s. d.) erneuerte zwar den Versuch Rom
zu unterwerfen; aber Karl d. Gr., von Papst Hadrian
gerufen, schlug ihn und machte 774 dem selbstän-
digen Reiche der L. ein Ende. Karl nannte sich fortan
König der Franken und L., schlug 776 einen Auf-
stand nieder und vollendete den Plan der Lango-
bardenkönige, indem er ihr Reich über ganz Italien,
im besondern über Rom erweiterte.
Im Lause des 9. Jahrh, wurde diese Verbindung
gelost, es traten eigene Könige von Italien auf, aber
durch Otto d. Gr. wurde die lombard. (ital.) Krone
dauernd mit der deutschen Krone verbunden. Im
Süden erhob sich das langobard. Herzogtum Vene-
vent, das auch Karl d. Gr. nur vorübergehend unter-
worfen hatte, zeitweise wieder zur Selbständigkeit,
bis es den Normannen unterlag. Die L. waren
damals schon längst vollständig romanisiert worden.
Vgl. K. Hegel, Geschichte der Städteverfassung
von Italien, Bd. 1 (Lvz. 1847); Flegler, Das
Königreich der L. in Italien (ebd. 1851); S. Abel,
Der Untergang des Langobardenreichs in Italien
(Gott. 1859); H. Pabst, Geschichte des Langobarden-
herzogtums (in den "Forschungen zur deutschen Ge-
schichte", Vd. 2, ebd. 1862); Vluhme, Die (-6N3
I^nFodaräoi-um und ihre Herkunft (2 Hefte, Bonn
1868-74); F. Hirfch, Das Herzogtum Benevent bis
zum Untergang des Langobardenreichs (Lpz. 1871);
Wiese, Die älteste Geschichte der L. (Jena 1877);
Martens, Polit. Geschichte des Langobardenreichs
unter König Liutprand (Heidelb. 1880); Kauf-
mann, Deutsche Geschichte bis auf Karl d. Gr.
(2 Bde., Lpz. 1880-81); L. Schmidt, Zur Geschichte
der L. (ebd. 1885); Weise, Italien und die Lango-
bardenherrscher von 568 bis 628 (Halle a. S. 1887).
- Über die Sprache vgl. C. Meyer, Sprache und
Sprachdenkmäler der L. (Paderb. 1876); Lupi, im
"^rckivio äeiia. societü. KomauH" (Bd. 3).
Langobardisches Recht (Näicwm I^n^odar-
äoruin), das Recht, wie es unter den Langobarden
nach ihrer Eroberung Italiens geübt und durch sür
sie, nicht für die unter ihrer Herrschaft lebenden
Römer, erlassene Gesetze begründet wurde. Es ist
namentlich enthalten: 1) in den das Strafrecht und
das Privatrecht umfassenden Gesetzen langobard.
Könige, erlassen mit Genehmigung der Großen ihres
Reichs und des Volks, dem ^äictum Notdari von
643, der vollkommensten Schöpfung deutscher Ge-
setzgebung in der ersten Periode, ausgezeichnet durch
bestimmte Fassung, wennschon in barbarischem La-
tein, Genauigkeit und humanen Geist (der Zwei-
kampf wird für absurd und ungerecht erklärt), den
Gesetzen Liutprands (erlassen 713-735), des Königs
Ratchis (744 - 749) und zweier anderer Könige;
endlich den von den frank. Königen nach Unterwer-
fung der Langobarden für diese erlassenen Kapitu-
larien. Die Gefctze sind handschriftlich erhalten.
Ausgaben von Vaudi di Vesme (in den "Nonu-
IN6M9, diätoi'iHS pÄti-i^L", Bd. 8, Tur. 1855) und
Bluhme(inden"N0nuin6ntll(^6i'iilmiia6"^6^68lV,
Hannov. 1869). Die Gefetze und Edikte sind dann
von einem unbekannten Verfasser zu einem im Mittel-
alter viel gebrauchten Werke, der "I^ouikkräH", syste-
matisch verarbeitet. 2) Als langobard. Lehnrecht in
den "I^idri lsnäoruiu" (s. Lehnswesen). Das L. R.
überdauerte die Unabhängigkeit und Selbständigkeit
des langobard. Staates, erlangte namentlich auf
der Universität Pavia eine wissenschaftliche Pflege
und wurde auch durch die Rezeption des röm. Rechts
nicht völlig beseitigt.
Langrand-Dumonceau (spr. langgräng dü-
mongßoh), Andreas, Graf, geb. 5. Dez. 1826 zu
Vossem bei Lüttich aus niederm Stande, ward
Vcmkschreiber und fand bald mit seiner Idee der
"Christianisierung des Kapitals" bei der hohen
Geistlichkeit Anklang, gründete in Brüssel ein Bank-
geschäft und stand dem Papste vielfach finanziell
bei, wofür diefer ihn zum Grafen erhob. Von allen
Seiten strömten seinen Gründungen Kapitalien zu,
bis 1870 der Bankrott über ihn hereinbrach. Der
Rückhalt, den L. bei hohen Persönlichkeiten fand,
verzögerte den Prozeß und ließ ihm Zeit, zu ent-
fliehen; nachdem die Untersuchung acht Jahre lang
geschwebt, wurde L. endlich wegen betrügerischen
Bankrotts und Fälschung in conwiuacikiii zu 15
Jahren Gefängnis verurteilt.
Langreo, emporblühende Stadt der span. Pro-
vinz Oviedo (Asturien), an der Bahnlinie Gijon-
Labiana, hat (1887) 14014 E., Eisengießerei und
Bergbau in den nahen Steintohlengruben.
Langres (spr. langr). 1) Arrondissement im
franz. Depart. Haute-Marne, hat 2203,95 ykm,
(1891) 88 605 E., 210 Gemeinden und zerfällt in
die 10 Kantone Auberive (363,59 ykiu, 5100 E.),
Bourbonne-les-Bains (217,80 ^m, 12883 E.),
Fays-Villot (265,85 hkm, 10 706 E.), Laferte'-sur-
Amance (101,46 ykm, 5173 E.), L. (225,32 ykm,
17 804 E.), Longeau (282,70 ykm, 8826 E.), Mon-
tigny-le-Roi (150,is ykm, 5670 E.), Neuilly-l'Evöque
(l81,83 ykm, 7877 E.), Prauthoy (263,01 hkm,
7263 E.), Varennes - sur - Amance (152,15 hkm,
7303 E.). - 2) Hauptstadt des Arrondissements L.,
an der Marne, liegt 475 m ü. d. M., auf einer die
fruchtbare Ebene beherrschenden Höhe desPlateau
von L., welches die Wasserscheide zwischen Mittel-
meer, Nordsee und Kanal bildet und im Mont-
Tasselot bis zu 608 m aufsteigt, an den Linien
Paris-Belfort-Petit-Croir, Blesme-Gray, Poinson-
L. und L.-Andilly der Ostbahn, ist Bischofssitz und
hat (1891) 7014, als Gemeinde 10 719 E., in Garni-
son das 21. Infanterieregiment und das 7. Festungs-
artilleriebataillon. Die Stadt hat alte Mauern mit
Resten röm. Triumphbogen, eine schöne, gegen Ende
des 12. Jahrh, erbaute Kathedrale St. Mammes,
Gerichtshof erster Instanz, Handelsgericht, ein Kom-
munal-College,theol. Seminar, öffentliche Bibliothek
(10000 Bände), Gemälde- und Antiquitätensamm-
lung in der ehemaligen Kirche St. Didier und schöne
Promenaden, ein Denkmal Diderots, der in L. ge-
boren ist. Fabrikation von Messerschmiedewaren
(namentlich Scheren), Leder, Essigsiederei und Bier-
brauerei sind die Haupterwerbszweige. L. hatte
1870 zwei detachierte Forts, Bonnelle im SW. und
Peigney. Während des Krieges wurde die Stadt
verstärkt und nach 1874 durch Neuanlage vorgescho-
bener Werke zu einer Lagerfeftung ersten Ranges
erhoben. Der Gürtel hat eine Ausdehnung von
52 km. Auf der Südfront liegen die Forts Mont
und Cognelot, letzteres mit der Annexbatterie bei
Pailly. Im O. liegt das Fort Montlandon, im NO.
Plesnoy, im N. Dampierre und im NW. nach Chau-
mont zu St. Menge.