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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Langwaren - Lanjuinais
äugen und 3gliedrigen Füßen. Der Körperumriß ist
meist ziemlich schmal. Eine der bekanntesten ein-
heimischen Formen ist die Feuerwanze (s. d.).
Langwaren, soviel wie Ellenwaren (s. Elle),
der Gegensatz zu Kurzwaren (s. d.).
Langwerden, Zäh-, Weich-, Ölig- oder
Fadigwerden, eine Weinkrankheit, die durch einen
rundlichen Mikrokotkus in leichtern, namentlich jun-
gen Weinen dadurch entsteht, daß der noch unver-
gorene Zucker in Pflanzenschleim übergeht. Solcher
Wein ist zähflüssig und sadenziehend. Die Krank-
heit verliert sich nach längerm Lagern von selbst
und sott durch Peitschen des Weins schnell und
ohne erheblichen Nachteil beseitigt werden können.
Langwerth von Simmern, Heinr., Freiherr
von, Politiker und Schriftstoller, geb. 15. Nov. 1833
in Hannover, war von 1858 bis 1861 in hannov.
Staatsdienst angestellt, beteiligte sich 1862 an der
Gründung des Großdeutschen Reformvereins und
war seit 1866 publizistisch, von 1880 bis 1890 auch
parlamentarisch im Reichstage im Sinne der deutsch-
hannov. (welsischen) Partei thätig, indem er sich be-
mühte, ihren deutschen Patriotismus schärfer zur
Geltung zu bringen. Seine Abneigung gegen Vis-
marcks Wirtschafts- und Socialpolitik brachte ihn
in Gegensatz zu vielen seiner Parteigenossen, wes-
halb er sich auch dem Centrum nicht als Hospitant
anschloß. L. trat entschieden für die Kolonialpolitik
ein. Er lebte von 1861 bis 1868 auf seinem Gute
zu Eltville, seitdem auf seinem Gute Wichtring-
dausen in Hannover. Er veröffentlichte u. a.: "Für
Österreich" (Frankf. 1866), "Von 1806 bis 1866.
Zur Vorgeschichte des neuen Deutschen Reichs" (Lpz.
1872), "Osterreich und das Reich im Kampfe mit
der Französischen Revolution. Von 1790'bis 1797"
(2 Bde., Verl. 1880), "Die deutsch-hannov. Partei
und die braunschw. Frage" (Celle 1885), "Aus der
Mappe eines verstorbenen Freundes ^Friedrichs von
KlinggrW" (2 Tle., Verl. 1891-93).
Langzeile, Versform der altgerman. epischen
Dichtung, erwuchs wahrscheinlich aus einer indo-
germanischen L. von acht Takten, die durch eine Cäsur
in zwei Kurzzeilen geteilt wurde, deren zweite im kata-
lektischen Verse kürzer war als die erste. Unter dem
Einfluß der german. Betonungs- und Auslautungs-
gesetze erhoben sich unter den vier (oder drei)
Hebungen jeder Kurzzeile zwei über die andern; diese
Haupthebungen wurden beide oder eine von ihnen
(in der zweiten, meist etwas kürzern Hälfte der L.
stets nur die erste) durch Allitteration ausgezeichnet;
niemals dursten beide Nebenhebungcn der ersten
Haupthebung vorhergehen. Der Vortrag der L. blieb
natürlich trotzdem achttaktig, nur daß die Haupt-
Hebungen stärker betont waren als die Neben-
hebungen und daß der letzte Takt der L. gelegentlich
in die Pause zwischen den beiden Versen fallen, also
fehlen konnte. Da die Senkungen zwifchen den acht
Hebungen fowohl fehlen als stehen, selbst mehrsilbig
sein dürfen, fo kann die L. sehr verschiedene Gestalt
gewinnen; die altnordische ("Edda") und angelsäch-
sische ("Veowulf") L. pflegt silbenarm, die altsächsische
("Heliand") silbenreich zu sein, die althochdeutsche
("Hildebrandslied") steht in der Mitte. Beispiele:
angelsächsisch leoäüni Iiäost ^ ondiot^äoriio^; alt-
sächsisch tiiHiitun önäi tiiaFoäüii ^ ^iküräun tQ680i0
tiiioäo äi-olitlu; althochdeutsch Iliitidi-Hnt ßimZlitä
^ 6r>va,8ii6i'0i'0inü.ii. Sievers nimmt in seinen metri-
schen Arbeiten (namentlich "Altgorman. Metrik",
Halle 1893) für die altgermanische L. nur vier Takte
an. - Vgl. die unter "Allitteration" und "Versbau"
angegebenen Schriften.
Lanier (spr. lännihr), Sidney, nordamerik. Dich-
ter und Schriftsteller, geb. 3. Febr. 1842 zu Macon
(Georgia), lebte seit 1873 in Baltimore, wo er 1879
I^cwrer on ^nFligii I^it6i'Hwi-6 wurde. Von sei-
nen Gedichten ist besonders bekannt "Coi-n" (1874)
und die Kantate für die (^ntsnnial Nxkiditioii
1876. Er starb 7. Sept. 1881 in Lynn (Nordcaro-
lina). Hervorragend ist seine kritische Schrift "^ii6
80161106 ok^nFliLii V6l86" (Neuyork 1880), welche
das rhythmisch-musikalische Element des Verses
vortrefflich behandelt. Von seinen übrigen Werken
sind zu nennen: "^iZ6r I^i1i68" (Novelle, 1867), "?1o
riäa, it3 8c6N6rv. c1im3.t6 anä 1ii8t0r)" (Philad.
1877; neue Aufl. 1881), "?06in8" (1877), "^1i6 NnZ-
Ü8ii N0V61 anä tli6 1)I'ilicii)l6 ol it8 66V0I0PIH6M "
(1883). Seine gesammelten Gedichte gab seine Witwe
heraus: "?06M8 d^ 8iän6v 1^. ^vitii a pi-6t'ac6 d)
^Viliiam H^68 V^arä" (1884).
Lannden (LaliiiäH6), Vögel, s. Würger.
Lanist (lat. laniLw), bei den Römern der Fecht-
meister der Gladiatoren (s. d.).
I.2.NIN8, Vogel, s. Würger.
Lanjarön (spr. -cha-), Stadt in der span. Pro-
vinz Granada, am Südfuße der Sierra Nevada,
Hauptort der Alpujarras, hat (1887) 4286 E., maur.
Aussehen, besuchte warme Bäder ohne allen Kom-
sort. L. wird wegen seiner herrlichen Huerta, welche
in Terrassen unter- und oberhalb weit der Bergwand
hinanzieht und eine Fülle von Südfrüchten erzeugt,
das Paradies der Alpujarras genannt.
Lanjuinais (spr. langschüinäh), Jean Denis,
Graf, franz. Politiker, geb. 12. März 1753 Zu
Rennes, wurde 1775 Professor des Kirchenrechts an
der dortigen Universität und 1789 zu den General-
ständen abgeordnet, in denen er Gründer des Vre-
tonischen Klubs und Miturheber des SchwurZ vom
Vallhause wurde. Nach thätiger Mitwirkung an
den Arbeiten der Nationalversammlung erhielt er
zu Rennes eine neuerrichtete Professur des Ver-
fasfungsrechts. Später in den Konvent gewühlt,
stimmte er mit den Girondisten, entfloh bei Beginn
der Schreckensherrschaft nach Rennes und kehrte
dann in den Konvent zurück. Er wurde 1795 von
73 Departements zugleich in den Rat der Alten ge-
wählt, trat nach dem 18. Vrumaire (9. Nov. 1799)
in den Gesetzgebenden Körper und 1800 in den
Senat, wo er das Haupt der schwachen Opposition
bildete, welche die monarchischen Bestrebungen
Bonapartes bekämpfte. Dennoch erhob ihn dieser
nach Errichtung des Kaiserthrons zum Grafen.
Während der ersten Restauration erhielt er von
Ludwig XVIII. die Pairswürde, blieb aber ein
Verfechter der Konstitution gegen die ultraroyali-
stische Reaktion. Er starb 13. Jan. 1827 in Paris.
Seit 1808 war er Mitglied des Instituts. Unter
seinen publizistischen Schriften sind von Bedeutung:
"^.ppi-^cilUioii äu pro^t ä6 loi r6iatif aux troiä
concoi-äatZ" (Par. 1817), "OonZtitutionZ ä6 1k
Nation li-aii<M86" (2 Bde., ebd. 1819), "v6 I'oi--
ssaniLiUioii inunicipal6 6Q ^lanc6" (mit Ke^ratry,
ebd. 1821). Sein Sohn (f. unten) veröffentlichte die
"(Nnvr68 coinMt68 äu eomt6 1^." (4 Bde., Par.
1832) und eine Biographie seines Vaters: "^otice
1ii3tori(iu6 8ur <l6Hii O6ni3 1^." (ebd. 1832).
Sein zweiter Sohn Victor, Vicomte L., geb.
5. Nov. 1802 zu Paris, war 1837-48 Mitglied
der Deputiertenkammer, wo er sich zur Linken hielt.