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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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La Rochelle - Larra
sailles, berühmt als royalistische Heldin, heiratete
im Alter von 17 I. ihren Vetter, den Marquis von
Lescure. Als dieser 1793 gefallen war, flüchtete
sie nach Spanien, kehrte aber 1795 nach Frankreich
zurück. 1801 heiratete sie den Marquis Louis von
L. Sie lebte später zu Orleans, wo sie 15. Febr.
1857 erblindet starb. Ihre "NemoireL" (Bordeaux
1815 u. ö.) liefern einen wichtigen Beitrag zur Ge-
schichte der Revolution. - Vgl. Nettement, I^a vis
ä6 NaäHme ä6 I.. (Par. 1858; 3. Aufl. 1876).
Der älteste Sohn von Louis L., Henri Auguste
Georges Duverger, Marquis de L., geb.
28. Sept. 1805, wurde bereits 1815 zum Pair von
Frankreich erhoben, beteiligte sich 1823 an dem
span. Feldzug und 1828 als Freiwilliger in russ.
Diensten an dem Feldzuge gegen die Türken. Nach
der Revolution von 1830 verzichtete er auf seinen
Pairstitel und beteiligte sich an der Bewegung zu
Gunsten der legitimen Dynastie in der Vend^e,
weshalb er in contumaciam zum Tode verurteilt,
dann aber sreigesprochen wurde. 1842 wurde er in
die Deputiertenkammer gewählt. Nach der Februar-
revolution von 1848 war L. unter den Legitimisten
einer der ersten, die die Republik anerkannten; er
wurde im Depart. Morbihan in die Constituante,
nachherindieLegislative gewählt. Nach dem Staats-
streiche vom 2. Dez. 1851 schloß sich L. Napoleon an
und wurde 31. Dez. 1852 zum Senator ernannt. Er
starb 7. Jan. 1867.
La Rochelle (spr. roschill). 1) Arrondiffement
des franz. Depart. Charente-Inf^rieure, hat 807,86
<ikm, (1891) 83010 E., 55 Gemeinden und zerfällt
in die 7 Kantone Ars (41,72 hkm, 5877 E.), Courcon
(252,8i q>m, 12331 E.), La Iarrie (143,oi c^m,
9198 E.), Marans (186,2i <ikm, 8335 E.), LaRochelle-
Est und La Rochelle-Ouest (140,36 qM, 17658 und
20112 E.), St. Martin (43,75 ^m, 9499 E.). -
2) Hauptstadt des Depart. Charente-Inftrieure,
Seehafen, an einem kleinen Meerbusen des Atlanti-
schen Oceans, dem Pertuis d'Antioche, gegenüber den
Inseln M und Ol^ron, Station der Linien Nantes-
Bordeaux und L. R.-Poitiers (145 km) der Staats-
bahnen, hat zum Teil die Physiognomie früherer
Jahrhunderte, breite Straßen, viele mit Arkaden, und
eine Placed'Armes, einender schönsten Plätze Frank-
reichs (2700 Hm), eine prot. Kirche von 1706, eine
Kathedrale, einen 1742 begonnenen plumpen Bau
im griech. Stil, mehrere Klöster, ein 1486-1607
erbautes got. Rathaus, Iustizpalast von 1683, eine
Börse, ein berühmtes Arsenal, eine schöne Prome-
nade Du Mail und elegant eingerichtete Seebäder.
Die Stadt war schon seit 1557 befestigt; die jetzigen
Festungswerke sind unter Ludwig XIV. durch Vau-
ban angelegt und bilden einen fortlaufenden Gürtel
von 5^2 Km Länge. Die Stadt ist Sitz eines Bi-
schofs (seit 1652) und der 69. Infanteriebrigade,
hat (1891) 20583, als Gemeinde 26808 E., in
Garnison das 123. Infanterieregiment, einen Ge-
richtshof erster Instanz, ein Handelsgericht und eine
Handelskammer, eine Akademie der Künste und
Wissenschaft, ein Lyceum, ein geistliches Seminar,
eine hydrogr. Schule, öffentliche Bibliothek (25000
Bände), Gemäldegalerie, Naturalienkabinett, botan.
Garten, Gesellschaften für Landwirtschaft, Medizin,
Litteratur und Philharmonie, verschiedene Kranken-
und Wohlthätigkeitsanstalten und eine Filiale der
Bank von Frankreich. Haupterwerbszweige sind: Fi-
scherei und Sardinenbereitung (jährlich 200000k^),
Glas- und Fayencefabrikation, Eisen- und Kupfer-
gießerei, Brauerei, Weberei, Zuckerrafsinerie, Schiss-
bau und Handel mit Branntwein, Fischen, Austern,
Getreide, Bauholz und Kolonialwaren. Der Hafen ist
einer der sichersten der Westküste, durch den 1454 m
langen Richelieu-Damm und mehrere Türme ge-
schützt und neuerdings durch neue Bassins erweitert.
Die Stadt L. R., vielleicht der ^ortus Zantonuiu
der Römer, wird zuerst am Ende des 10. Jahrh, als
Rupsiia erwähnt. Am 30. Nov. 1215 wurde sie von
den Engländern, 3. Aug. 1224 von Ludwig VIII.
erobert, 1360 an erstere abgetreten, 15. Aug. 1372
aber wieder an Frankreich zurückgegeben. Seit der
Einführung der Reformation 1557 stark befestigt,
erlangte die Stadt als Hauptbollwerk der Hugenotten
große Wichtigkeit. Am 24. Juni 1573 wurde sie,
nach 6'/2 monatiger Belagerung, den Katholiken
übergeben, worauf der den Protestanten günstige
Friede von L. R. abgeschlossen ward. (S. Huge-
notten, Bd.9, S.400d.) Sie blieb auch ferner Mittel-
punkt der prot. Opposition, bis sie nach hartnäckiger
Belagerung durch Richelieu (10. Aug. 1627 bis
28. Okt. 1628) den Katholiken in die Hände siel, wo-
mit der Untergang der reform. Partei entschieden
war. L. R. ist Geburtsort von Rsaumur, von Aims
Bonpland und des Admirals Duperr^. - Vgl.
Varbot, Hiätoirs äs I..K. (3 Bde., Par. 1886-90).
La - Röche-fur-Uon (spr. rösch ßür löng).
1) Arrondissement des franz. Depart. Venöse, hat
2490,55 ykm, (1891) 168409 E., 104 Gemeinden
und zerfällt in die 10 Kantone Chantonnay (243,16
hkN, 16337 E.),Les Essarts (269,43 ^m, 15 084 E.),
Les tzerbiers (249,56 ^m, 16579 E.), Mareuil
(184,97 qkm, 10004 E.), Montaigu (235,74 ^m,
17 816 E.), Mortagne (228,62 ykm, 19523 E.), Le
Poirö-sur-Vie (321,23 ^m, 17357 E.), Roche-
serviöre (132,71 ^m, 7987 E.), L. (400,6? hkni,
33435 E.), St. Fulgent (224,41 ^m, 14287 E.). -
2) Hauptstadt des Depart. Venöse, am rechten User
des I)on, an den Linien Tours-Les Sables d'Olonne,
Nantes-L. und Nantes-Coutras der Staatsbahnen,
Sitz der 42. Infanteriebrigade, eines Gerichtshofs
erster Instanz, hat (1891) 9115, als Gemeinde
12 215 E., in Garnison das 93. Infanterieregiment.
- Am 26. Aug. 1793 erlitten hier die Royalisten
eine Niederlage durch Mieszkowski, erstürmten aber
den Ort und siegten hier 1. März und im Sept.
1794. Noch 1807 hatte L. kaum 800 E. Durch ein
Dekret vom 8. Aug. 1808, welches Jahr als Grün-
dungsjahr gilt, bewilligte der Kaiser 3 Mill. Irs.,
um den Ort unter dem Namen Napol^onville
zur Hauptstadt des Departements auszubauen und
zu verschönern. 1814-48 hieß L.Bourbon-Ven-
dse, 1848-70 NapoUon-Vendse.
Larose (spr. "rohs'), ein Bordeauxwein (s. d.).
LaRothiere(spr.-tiähr),Dorfimfranz.Depart.
Aube, zwischen Var-sur-Aube und Brienne, be-
kannt durch die Schlacht 1. Febr. 1814. Napoleon I.
hatte nach seinem Siege bei Brienne (s. d.) mtt
45000 Mann eine gedeckte Stellung besetzt, welche
Blücher, durch einige Korps der Hauptarmee ver-
stärkt (zusammen 100000 Mann), 1. Febr. angriff.
Der Kampf war besonders blutig um L. R., das
erst abends 11 Uhr erstürmt wurde. Um Mitter-
nacht trat Napoleon in Verwirrung den Rückzug
nach Brienne an. Der Verlust betrug auf beiden
Seiten je 4000 Mann. Die Franzosen büßten einen
großen Teil ihrer Geschütze ein.
Larra, Don Mariano Ioss de, span. Dichter,
geb. 24. März 1809 zu Madrid, trat 1827 zuerst