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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Latwerge - Laube
Latwerge (Nisewai-ium), eine drei- oder sirup-
förmige Arzneimischung aus festen und flüssigen
oder halbflüssigen Stoffen, die zum innerlichen Ge-
brauch bestimmt sind. Die Grundlage der L. bilden
in der Regel Pflanzenmuse (Tamarindenmus) oder
Sirupe (Weiher Sirup oder Honig), in die man die
pulversörmigen festen Bestandteile einrührt. Die
zur Aufbewahrung bestimmten L. müssen nach der
Mischung im Dampfbade erwärmt werden. Das
Arzneibuch für das Deutsche Reich enthält nur noch
die Sennalatwerge (s. d.). Auch der in srühern Zei-
ten berühmte Theriak (s. d.) ist eine L.
Latzenzieher, s. Weberei.
Lauag, Stadt auf der Insel Luzon der span.
Philippinen in Südostasien, an der Nordwestküste
im DistriktIlocos Norte gelegen, hat (1887) 30 642 E.
Laub, die Gesamtheit der Blätter einer Pflanze,
bat also einen ähnlichen Sinn wie das Wort Be-
laubung und wird so in der Zusammensetzung Laub-
fall angewendet; auch ist L. gleichbedeutend mit
Thallus (s. d.). Ferner bildet es in dem Worte Laub-
holz (s. Laubhölzer) einen Gegensatz zu den schma-
len Blättern der Nadelhölzer. (l^>. auch I^ronä.)
Laubach, Stadt im Kreis Schotten der Hess.
Provinz Oberhessen, an der Wetter und der Neben-
linie Hungen-L. (31,8 km) der Oberhess. Eisenbahn,
Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Gießen), bat
(1890) 1960 E., Reste (Türme) der alten Befesti-
gung, ein Schloß der Grafen von Solms-Solms-
Laudach mit Bibliothek (38 000 Bände, 100 Bände
Inkunabeln), ein Gymnasium Fridericianum, Mäd-
chenpensionat, Spar- und Leihkasse, Vorschußkasse,
Armenhaus und wird als Luftkurort besucht.
Lauban. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Liegnitz,
hat 5l8,84 hllin und (1890) 08 235 (32082 männl.,
36153 weibl.) C'., 4 Städte, 77 Landgemeinden und
58 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im Kreis L., am
Oueis und an den Linien Gör-
litz - Hirschberg, Kohlfurt-L.
(21,8 km) und der Nebenlinie
L.-Marklissa (im Bau) der
Preuh. Staatsbahnen, Sitz des
Landratsamtes, eines Amts-
gerichts (Landgericht Görlitz)
und einer Handelskammer, hat
(1890) 11958 E., darunter
1982 Katholiken und 59 Israc-
liten, Postamt erster Klasse mit Zweigstelle, Tele-
graph, zwei evang., eine kath. Kirche, ein 1320 ge-
stiftetes Kloster der Magdalenerinnen, die sich der
Krankenpflege widmen, ein Gymnasium, seit 1688
Lyceum, höhere Mädchenschule, Stadtbibliothek;
Eisenbahnhauptwerkstätte, Leinen- und Baumwoll-
weberei, Thonwarenfabrik, Garnbleiche, Kattun-
druckerei und Färberei und Bafaltsteinbrüche. Nahe
der Stadt der Steinberg mit Aussicht. - L. wird
schon im 10. Jahrh, erwähnt, gehörte später zu dem
Bunde der Sechsstädte (s. d.) der Oberlausitz und
kam 1815 an Preußen.
Laubbäder, s. Bad (Bd. 2, S. 254d).
Laubblätter, s. Blatt (Bd. 3, S. 85 a).
Laube (architektonisch), s. Arkade.
Laube, Fisch, s. Ukeley.
Laube, Elbumschlagplatz bei Tetschen (s. d.).
Laube, Gust. Karl, Geolog, geb. 9. Jan. 1839
M Teplitz in Böhmen, studierte in Prag und Mün-
chen und habilitierte sich 1866 an der Technischen
Hochschule, 1867 an der Universität in Wien als
Privatdocent für Paläontologie. In den 1.1869
- 70 begleitete er als Geolog die zweite deutsche
Nordpolexpedition auf der Hansa, wurde 1871
Professor an der deutschen Technischen Hochschule
in Prag und 1876 Professor der Geologie und Pa-
läontologie an der deutschen Universität in Prag.
Seinen Verdiensten um die Wiedererlangung der
im Febr. 1879 versiegten Teplitzer Thermalquellen
dankte die Vadestadt durch Erteilung des Ehren-
bürgerbriefs. L. schrieb: "Die Fauna der Schichten
von Et. Cassian" (5 Bde., Wien 1865-70), "Die
Gastropoden, Bivalven und Echinodermen des
braunen Jura von Balin" (3 Tle., ebd. 1867), "Bei-
trag zur Kenntnis der Echinodermen des vicentini-
schen Tertiärgebiets" (ebd. 1868), "Die Echinoiden
der österr.-ungar. obern Tertiärablagerungen" (ebd.
1872), "Geolog. Beobachtungen, gesammelt während
der Reise auf der Hansa und gelegentlich des Ausent-
halts in Südgrönland" (ebd. 1874), "Geologie des
böhm. Erzgebirges" (Bd. 1, Prag 1876; Bd. 2,1887),
"Geolog. Exkursionen im Thermalgebiet des nord-
westl. Böhmens" (Lpz. 1884).
Laube, Heinrich, Schriftsteller, geb. 18. Sept.
1806 zu Sprottau in Schlesien, studierte seit 1826
in Halle und Breslau Theologie, war dann einige
Zeit Hauslehrer, siedelte 1832 nach Leipzig über
und widmete sich nun ganz der schriftstellerischen
Thätigkeit. In die demagogischen Untersuchungen
gegen die jungdeutsche Bewegung verwickelt, wurde
er 1834, bald nach der Rückkehr von einer mit Gutz-
kow gemeinschaftlich unternommenen Reise nach
Italien, insolge seiner Teilnahme an den burschen-
schaftlichen Bestrebungen verhastet, aus Sachsen
verwiesen und neun Monate lang in der Berliner
Hausvogtei in Hast gehalten. 1835 wurden seine
Schriften wie die der übrigen Iungdeutschen vom
Frankfurter Bundestag in Bann erklärt und Laube
felbst, der sich 1836 mit der Witwe des Professors
Hänel in Leipzig vermählt hatte, zu einer weitern
einjährigen Hast verurteilt, weil er in einer Ge-
schichte Polens den Kaiser von Ruhland angeklagt
hatte. Nach verbüßter Hast und längern Reisen in
Frankreich und Algier nahm er 1839 seinen Wohn-
sitz in Leipzig und wurde hier 1848 vom böhm.
WahlkreisElbogen in dieDeutsche Nationalversamm-
lung gewählt, wo er sich dem linken Centrum an-
schloß. Doch legte er bereits im März 1849 insolge
von Meinungsverschiedenheiten mit seinen Wählern
über die Kaiserfrage sein Mandat nieder und begab
sich 1849 durch Vermittelung des Reichsministers
von Schmerling nach Wien als artist. Direktor
des Hofburgtheaters, um dessen Leitung er sich nam-
hafte Verdienste erworben hat. 1867 gab L. diese
Stellung auf und übernahm von 1869 bis 1870
das Neue Leipziger Stadttheater; dann wandte er
sich wieder nach Wien und veranlaßte 1872 die
Gründung des Wiener Stadttheaters, das von ihm
mit einjähriger Unterbrechung (1874) bis 1879 ge-
leitet wurde. Er starb 1. Aug. 1884.
L., in seiner Jugend einer der eifrigsten Vertreter
des Liberalismus, einer der entschiedensten Partei-
gänger Heines, wurde später der jungdeutschen Partei
völlig entfremdet. Seine schriftstellerische Lausbahn
begann er mit der durch Paganinis Auftreten veran-
laßten Farce "Zaganini" und dem Drama "Gustav
Adols". Diesen solgten die histor.-polit.Skizzen "Das
neue Jahrhundert" (Vd.1, Fürth 1832; Bd. 2, Lpz.
1833) und der programmatische, stürmende Roman
"Das junge Europa" (4 Bde., Mannh. 1833-37),
der in "Die Poeten", "Die Krieger" und "Die Bür-