Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Laute

1019

Laute

die Mundhöhle nach außen hin abgesperrt ist (z. B. durch Aufeinanderpressen der Lippen), die reinen Nasenlaute (nasales), m, n u. s. w. Entweicht hingegen die Luft durch Mund und Nase zugleich, so haben wir Mund-Nasenlaute, zu denen namentlich die nasalierten Vokale gehören, wie in frz. enfant. - 4) Nach den Artikulationsstellen des Mundraums: a. Die Lippenlaute (Labiale): Verschluß oder Enge werden gebildet durch die beiden Lippen oder durch Unterlippe und Oberzähne (b, p, f u. a.). b. Die Zwischenzahnlaute (Interdentale): der vordere Zungensaum verstopft den Spalt zwischen den beiden Zahnreihen (z. B. engl. th). c. Zahnlaute (Dentale): Verschluß oder Enge gebildet durch die Zungenspitze und die Zähne oder die Alveolen der Oberzähne (hierher gehören die mannigfachen Arten der t- und d- wie s-Laute), d. Die Cerebrallaute (auch Kakuminale oder Linguale genannt): die Zungenspitze wird auf- und zurückgebogen und artikuliert gegen die höchste Stelle der Gaumenwölbung; diese L. giebt es z. B. im Sanskrit, man bezeichnet sie in lat. Schrift durch die zur Bezeichnung der Dentale angewandten Buchstaben mit darunter gesetztem Punkt, t, th, d, dh, n. e. Die Gaumenlaute (Palatale): Verschluß oder Enge gebildet durch den mittlern Zungenrücken und den harten Gaumen (hierher z. B. im Deutschen das k, g vor e, i, das ch von ich), f. Die Kehllaute (Gutturale, auch Velare genannt): Verschluß oder Enge gebildet durch den hintern Zungenrücken und den weichen Gaumen (k, g vor a und andern sog. harten Vokalen, ch in ach u. a.). - 5) Dauer- und Momentanlaute. Jene sind solche L., deren Erzeugung beliebig lange fortgesetzt werden kann (Vokale, Liquidä, Nasale und Spiranten). Bei diesen erfolgt die Lauterzeugung momentan, es sind die sog. Verschluß- oder Explosivlaute (s. oben): es wird an irgend einer Artikulationsstelle durch Aufeinanderpressen der betreffenden Mundteile ein fester Verschluß gebildet, der nach einem Augenblick völliger Lautlosigkeit gesprengt wird; von den beiden Namen Verschluß- und Explosivlaut bezeichnet also jeder nur eins von den verschiedenen Momenten, die bei der Bildung dieser L. in Betracht kommen. - 6) Einfache und zusammengesetzte L. Da die L. in der lebendigen Sprache gewöhnlich nicht vereinzelt auftreten, sondern in Verbindung mit andern, in Lautverbindungen, so hat die Lautphysiologie vor allem auch diese Lautverbindungen zu untersuchen. In der Zeit, in der die Sprachorgane aus der festen Stellung für einen L. in die feste Stellung für einen andern L. übergeführt werden, dauert der Luftstrom fort, und bei diesem Übergang sind immer Übergangslaute vorhanden, z. B. werden zwischen a und i in der Verbindung ai (Kaiser) e-Laute als Übergangslaute gesprochen. Die Schrift, die ja die lebendige Rede im allgemeinen nur in mehr oder minder roher Umrißzeichnung wiedergiebt und kein durchaus getreues Abbild von ihr ist, läßt die Übergangslaute in der Regel unbezeichnet. Der Begriff des zusammengesetzten L. ist hiernach, d. h. wenn man die wirkliche Sprache, nicht ihre schriftliche Darstellung in Betracht zieht, schwer zu begrenzen. In der minder exakten Grammatik nennt man zusammengesetzte L. solche, die einen stärkern Gegensatz zueinander bilden und oft vereinigt auftreten, auch in der Schrift gewöhnlich als ein Mehrfaches erscheinen. Namentlich gehören dahin die Diphthonge (Verbindung zweier Vokale innerhalb derselben Silbe, wie ai, au, ei) und die Aspiraten (Verbindung eines Verschlußlautes mit h, wie kh, gh). - 7) Sonanten (Selbstlauter) und Konsonanten (Mitlauter). Jede Silbe hat einen L., der der Träger der Silbenbetonung ist, z. B. in hóff-núng die Vokale o und u. Solche L. nennt man Sonanten. Die andern Elemente der Silbe sind gewissermaßen nur Beigaben zu dem den Kern der Silbe ausmachenden Sonanten und heißen darum Konsonanten. Jede Silbe muß einen Sonanten haben und kann nur einen haben. Dagegen kann sie mehrere Konsonanten (z. B. Genitiv strúmpfs) oder auch gar keinen (z. B. das ausrufende o!) enthalten. Ein großer Teil nun der Sprachlaute kann ebensowohl sonantisch als auch konsonantisch fungieren. Am bekanntesten ist diese Doppelgeltung der Vokale i und u, z. B. ist in "Asien" das i bei dreisilbiger Aussprache des Wortes sonantisch, bei zweisilbiger (Asjen) konsonantisch; ebenso ist u in lateinisch aqua konsonantisch; immer konsonantisch sind i und u in den Diphthongen ai, au, ei, eu u. dgl. Ferner sind sonantische Nasale (n, m) und Liquidä (r, l) häufig. Auch im Deutschen, wo die Schrift allerdings diese Geltung der L. nicht erkennen läßt: man spricht z. B. die Formen geritten, rechnet, handelt fast immer als gerittn, rechnt, handlt mit silbebildendem n und l (während in berittne und handle n und l konsonantisch stehen). Entsprechend sind in czechischem vlk (Wolf) und krt (Maulwurf) l und r Sonanten; s ist Sonant z. B. in unserer Interjektion "bst!".

In der Lautphysiologie leisteten bereits die alten Inder sehr Bedeutendes. Unter den europ. Völkern sind nennenswerte Beiträge zu dieser Wissenschaft erst seit dem 17. Jahrh. zu verzeichnen. Im Ausgang des 18. Jahrh. erschien das erste grundlegende Werk von W. von Kempelen, Mechanismus der menschlichen Sprache nach der Beschreibung seiner sprechenden Maschine (Wien 1791). In unserm Jahrhundert nahm die Phonetik einen bedeutenden Aufschwung, als die Wichtigkeit der lautphysiol. Forschung für die Sprachwissenschaft klarer erkannt wurde und sich neben den Physiologen auch die Sprachforscher an diesen Studien beteiligten. Gute Handbücher lieferten Brücke, Grundzüge der Physiologie und Systematik der Sprachlaute (2. Aufl., Wien 1876); Sievers, Grundzüge der Phonetik zur Einführung in das Studium der Lautlehre der indogerman. Sprachen (4. Aufl., Lpz. 1893); ders., Phonetik (in Pauls "Grundriß der german. Philologie", Bd. 1, S. 266 fg.); G. H. von Meyer, Unsere Sprachwerkzeuge und ihre Verwendung zur Bildung der Sprachlaute (Lpz. 1880); Vietor, Elemente der Phonetik und Orthoepie des Deutschen, Englischen und Französischen (2. Aufl., Heilbronn 1887); Bremer, Deutsche Phonetik (Lpz. 1893). Vieles Einzelne in Techmers "Internationaler Zeitschrift für allgemeine Sprachwissenschaft" (Lpz. 1884 fg.) und in Vietors "Phonetischen Studien" (Marb. 1888 fg.). Neben den Deutschen haben sich die Engländer und die Schweden um die Lautphysiologie verdient gemacht. Hervorzuheben sind: A. M. Bell, Visible speech (Lond. 1865); A. I. Ellis, On early English pronounciation (4 Tle., ebd. 1869 - 75); H. Sweet, Handbook of phonetics (Oxf. 1877) und History of English sounds (ebd. 1888); I. L. Lundell, Det svenska landsmålsalfabetet ("Svenska Landsmålen", I); I. Storm, Engl. Philologie, Bd. 1. (2. Aufl., Lpz. 1892).

Laute (ital. liuto; frz. le luth), ein jetzt veraltetes Saiteninstrument, dessen Spielart der der Guitarre