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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Lautenburg; Lautenklavier; Lautenthal; Lauter; Lauterbach; Lauterberg

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Lautenburg - Lauterberg

ähnlich war. Die L. hat einen gewölbten Körper, der, einem halben Kürbis ähnlich, aus dünnen Spänen zusammengesetzt ist, und einen ziemlich langen Hals, dessen oberes Ende (Kragen) mit den Wirbeln in einem stumpfen Winkel zurückgebogen ist. Ursprünglich hatte die L. nur 4 - 5 Darmsaiten, deren Anzahl sich jedoch immer mehr vergrößerte. Im 17. Jahrh. hatte sie 6 Chöre Saiten, in der Stimmung wie die Guitarre, nur eine Terz oder Quarte höher. Die Saiten außer der höchsten waren doppelt. Später traten noch mehrere Baßsaiten unten an, die aber nicht, wie jene, auf dem Griffbrett lagen, sondern neben ihm frei liegend vom Kragen zum Corpus gingen, also auch nicht verkürzt werden konnten. Diese lagen je einen Ton voneinander und mußten je nach der Tonart des Stückes von vornherein gestimmt werden. Die Vermehrung dieser Baßsaiten führte zur Erfindung der Theorbe (s. d.). Die L. hat eine von der gewöhnlichen Notenschrift ganz abweichende Notation, Tabulatur genannt, verschieden in den einzelnen Ländern: in Italien wurden die Zahlen, in Frankreich die Buchstaben auf einem Systeme von gewöhnlich sechs Linien angewendet, während die deutsche Lautentabulatur Buchstaben und Ziffern ohne Linien verwendet. Letztere ist wahrscheinlich sehr alt, spätestens im 15. Jahrh. entstanden, wurde aber Ende des 17. Jahrh. von der französischen verdrängt. Die L. war früher ein allgemein verbreitetes Hausinstrument, auch im Orchester von hoher Bedeutung als ein bequemes Mittel zur Ausführung einer Generalbaßstimme, zur Begleitung der Recitative u. s. w. Aus dem 16. und 17. Jahrh. ist eine reiche und für die Musikgeschichte, namentlich für die Entwicklung der Gesellschaftsmusik wichtige Lautenlitteratur erhalten. Die ältesten gedruckten Lautenbücher stammen aus dem Anfange des 16. Jahrh. (italienisch, 1501). In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunders ^[korrekt: Jahrhunderts] steigerte sich die Drucklegung von Lautenbüchern ungemein und erhielt sich ein Jahrhundert lang in Blüte. Seit Mitte des 18. Jahrh. wurde die L. allmählich vom modernen Klavier verdrängt, doch schrieb noch z. B. Haydn für die L.

Lautenburg, Stadt im Kreis Strasburg in Westpreußen des preuß. Reg.-Bez. Marienwerder, an der Welle und dem Lautenburger (Wlewsker) See, an der Nebenlinie Graudenz-Soldau-Illowo der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Thorn) und einer Oberförsterei, hat (1890) 3746 E., darunter 1281 Evangelische und 359 Israeliten, Post zweiter Klasse, Telegraph; Mahl- und Schneidemühlen, Eisenhammer, Eisengießerei, Maschinenfabrik, Gerbereien, Molkerei, Brennereien und Brauereien. Die Stadt wurde 1307 gegründet.

Lautenklavier, ein Klavierinstrument, das die Verhältnisse der Laute möglichst genau nachahmt (gleichlange Darmsaiten u. s. w.), um die Erlernung des sehr schwierigen Lautenspiels überflüssig zu machen. Das L. erfanden und bauten J. N. Bach in Jena und der Instrumentenmacher Fleischer in Hamburg, der auch einen Theorbenflügel ganz ähnlicher Konstruktion wie sein L., nur tiefer in der Stimmung stehend, erfand.

Lautenthal, Stadt im Kreis Zellerfeld des preuß. Reg.-Bez. Hildesheim, im Thale der Innerste, an der Linie Langelsheim-L. (10,7 km) der Preuß. Staatsbahnen, Sitz einer königl. Berginspektion, Oberförsterei und eines Hüttenamtes, hat (1890) 2702 evang. E., Post, Telegraph; Bergbau auf Bleiglanz, Zinkblende u. s. w. bis in 441 m Tiefe, Pochwerke, Silberhütte und Steinbrüche.

Lauter. 1) L., frz. Lutter, linker Nebenfluß des Rheins im bayr. Reg.-Bez. Pfalz, entsteht auf dem Westabhange der Hardt, nordöstlich von Pirmasens, tritt flößbar in das Elsaß ein, bildet von Weißenburg an die Grenze zwischen der bayr. Pfalz und Elsaß-Lothringen (s. Weißenburger Linien) und mündet 5 km unterhalb Lauterburg in zwei Armen, Alte und Neue L., 82 km lang. - 2) Rechter Nebenfluß der Glan in der bayr. Pfalz, entspringt im Stiftswald im SO. von Kaiserslautern und mündet nach kurzem nordwestl. Laufe bei Lauterecken. - 3) Linker Nebenfluß der Donau in Württemberg, entspringt auf der Alb südlich von Urach und mündet, 47 km lang, zwischen Ober- und Untermarchthal.

Lauter, Dorf in der Amtshauptmannschaft Schwarzenberg der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, am Schwarzwasser und an der Linie Annaberg-Werdau der Sächs. Staatsbahnen, hat (1890) 3351 E., darunter 80 Katholiken, Post, Telegraph; Emaillier- und Stanzwerke, Holzschleifereien, Fabrikation von Papier, Maschinen, Wäsche, Blech-, Strumpf- und Korbwaren und Ziegeleien.

Läuterapparate, Abläuterungsapparate, dienen in der Bierbrauerei zur Trennung der Würze von den Trebern. (S. Bier und Bierbrauerei, Bd. 2, S. 996 b, und Tafel: Bierbrauerei 1, Fig. 6.)

Lauterbach. 1) Kreis in der Hess. Provinz Oberhessen, hat 538,43 qkm, (1890) 28403 (13595 männl., 14808 weibl.) E., 3 Städte und 64 Landgemeinden. - 2) Kreisstadt im Kreis L., an der Lauter, am Fuße des Vogelsberges und an den Linien Gießen-Fulda und L.-Gedern der Oberhess. Eisenbahn, Sitz des Kreisamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Gießen) und Forstamtes, hat (1890) 3345 meist evang. E., Post zweiter Klasse, Telegraph, einen Wartturm (15. Jahrh.), zwei Schlösser (16. und 18. Jahrh.) des Freiherrn von Riedesel, neues Rathaus, Wasserleitung, Sparkasse, Vorschußverein; Leinen- und Baumwollweberei, Holzschneiderei, Molkerei, Zeugappretur, Färberei, Gerberei, Seifensiederei, Preßspan-, Pappen-, Apfelwein- und Liqueurfabrikation, Vieh- und Schweinemärkte. In der Nähe die Schlösser Eisenbach (1217) und Sickendorf, Solbad Salzschlirf und ein Basaltsäulenbruch. L., schon 812 als Besitztum des Klosters Fulda erwähnt, wurde 1265 Stadt.

Lauterbach, Joh. Christoph, Geiger, geb. 24. Juli 1832 in Kulmbach, besuchte die Musikschule in Würzburg und studierte dann in Brüssel unter der Leitung von Bériot und Fétis. 1853 wurde er Lehrer am Konservatorium in München, 1860 Konzertmeister (an Lipinskis Stelle) in Dresden, von wo aus er zahlreiche Kunstreisen unternahm. 1887 trat L. in den Ruhestand. Er gab mehrere Violinstücke eigener Komposition und außerdem die bedeutendsten klassischen Konzerte neu heraus.

Lauterberg, früherer Name des Petersberges (s. d.) bei Halle.

Lauterberg am Harz, Flecken im Kreis Osterode des preuß. Reg.-Bez. Hildesheim, am Austritt der Oder aus dem Harz und an der Nebenlinie Scharzfeld-St. Andreasberg der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 4377 E., darunter 50 Katholiken, Post zweiter Klasse, Telegraph, Kaltwasserheilanstalt (1839); Eisengießereien, Maschinen- und Möbelfabriken und wird als klimatischer Kurort besucht