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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Leighton-Buzzard - Leim
1886). 1869 wurde L. zum Akademiker, 1878 zum l
Präsidenten der Akademie gewählt und von der!
Konigin zum Ritter geschlagen'. 1886 wurde er zum ,
Varonet erhoben; 1. Jan. 1896 erhielt er die Peers- !
würde. Er starb 25. Jan. 1896 zu London. - Vgl. ^
Mrs. Laug, 3ir ^. I.., liis M6 anä ^voik (Lond. !
1885); Rhys, 3ir 1'. I.. (edd. 1895).
Leighton-Buzzard (spr. leht'n böss'rd), Stadt
der engl. Grafschaft Bedford, am Grand-Iunction-
Kanal, hat (1891) 6704 E., eine Kirche im frühengl.
Stil; Ackerbau und Strohflechterei.
x Leihbibliotheken (engl. cii-cnlütinx Udi-ai-isZ),
Vücherfannnlungcn, die dem gröftcrn Publikum leib-
weise zuul Gebrauch gegen eine bestimmte Zablung
für das einzelne Buch oder gegen fortlaufendes
Abonnement offen stehen. Der Betrieb von L. er- !
folgt sowohl selbständig als auch in Verbindung
mit Sortimentsbuchhandel; häufig sind auch Jour-
nal- und Büchcrlesezirkel damit vereinigt. Von den
am buchhändlcrischen Centralplatz Leipzig 1894
durcb Kommissionäre vertretenen Firmen betrieben
L. 1230, Journal- und Vücherlesezirtel 993. Auch
die 474 Musikalienleihanstalten kann man nocb hin-
zurechnen. Die umfangreichsten L. sind F. Vorstells
Lesezirkel (s. Nicolaische Buchhandlung) in Berlin,
L. ck A. Last in Wien, Nnäw's 8el6ct Lidiarv (s. d.)
in London. In den roman. Ländern sind die L. nur
zu geringer Bedeutung gelangt. Den Bestrebungen
einiger Schriftsteller, namentlich von ^skar Welten
im 1.1884, das gewerbsmäßige Verleihen ibrer
Werke zu verbieten oder nur gegen Erlegung eines
erhöhten Kaufpreises zu gestatten, traten die L.
unter Fübrung von A. Last in Wien mit Erfolg ent-
gegen. Mit dem Verleihen von Büchern befassen
sich auch Volksbibliotheken (s. d.) sowie Scbul- und
Vcreinsbibliotbeken.- Vgl.iNtzing und Wahl, Hand-
buch des Leihbibliothekwcsens'(Taucha1886); Der
Leihbibliothekar (seit 1885 in Leipzig erscheinend).
Leihe, s. Velehnung und Leihkontrakt.
Leihhaus, s. Lombard.
Leihkauf (eigentlich Lcitkauf, aucb Leukauf,
vom altdeutschen Ut, Obstwein, Würzwein), das
Geld, welches beim Abschluß eines Kaufs zum
Vertrinken gespendet wird; dann auch ein Aufgeld
ls. Arrha), welches der Käufer dem Verkäufer zum
Zeichen, daß der Kauf abgeschlossen ist, zablt; end-
lich cine Abgabe, welche dem Gutsbcrrn von einem
erkauften lehnbaren Gute gezahlt wird.
Leihkontrakt, nach ro'm. Recht unv den neuern
Gefetzen soviel wie (^inmoä^tuin (s. d.), oder wie
Prckarium (s. d.). Nach deutschem Recht der Ver-
trag, durch welchen der Eigentümer seine Sache
einem andern, insonderheit der Gutsherr ein länd-
liches Grundstück einem Bauern zu Besitz und
Gebrauch, gewöhnlich unter Auferlegung von Ab-
gaben und Diensten überließ. Es giebt eine erb-
liche Leihe (Erbpacht, Erbzinsgut, Meierrecht) und
eine nichtcrbliche Leihe.
Leik, Tauwerk, s. Liek.
Leim (frz. colw; cngl. 3W6). In dem Organis-
unls dauptsächlich der höhcrn Tiere finden sich gc-
wi^e Gebilde, die in kaltem und in heißem Wasser
unlöslich sind, durch fortgesetztes Kochen mit Wasser
aber sich lösen und beim Verdampfen der Löfung
eine beim Erkalten gelatinierende Masse (Gallerte,
s. d.) bilden, die beim Austrocknen den L. giebt.
Man unterscheidet im Handel gewöhnlicb vier Leim-
sorten: Gelatine, Hant- oder Lederleim, Knochenleim
und Mischleim. Diese Leimsorten besteben im we-
sentlicben aus Glutin ls. d.). Die leimgebenden Ge-
bilde kommen organisiert im Tierkörper vor; man
rechnet zu ihnen das Zellgewebe, die Bänder, die
Sehnen, die Knorpel, das Corium, das Korn, die
Knochensubstanz (Ossem), die Schwimmblase der
Fiscbe u. s. w. Das Material sür die Leimbereitung
(Leimgut) besteht beim Haut- oder Lederleim aus
den Abfällen der Gerberei, Fellen, Ochsensühen,
Flechsen, Gedärmen, Lederabfällen u. dgl., die man
mit dünner Kalkmilch behandelt, um Fäulnisprodukte,
Fett und andere lösliche Teile zu entfernen, dann in
Weidenkorben gepackt in fließendes Wasser hängt,
um den Überschuß von Kalk zu entfernen, und schließ-
lich entweder mit heißem Wasser in Kesseln mit
doppelten Böden, von denen der obere, auf dem das
Leimgut ruht, durchlöchert ist, behandelt (alte Me-
thode), oder durch Einleiten gespannter Dämpfe in
das Leimgut (neue Methode) die Lösung bewerk-
stelligt. Nach dem Eindampfen und Klären der Lö-
sung wird sie in Formen gegossen, wo sie zu Leim-
gallerte erstarrt, dann in Tafeln geschnitten und auf
Rahmen, die mit Drahtgeflecht oder Bindfaden
kreuzweise überspannt sind, am besten in Trocken-
böden getrocknet. Mitunter bringt man die Leim-
gallerte (Faßleim) als solche in den Handel. Kno-
chenleim (Patent leim) wird aus entfetteten
Knochen, die man durch Salzsäure von den minera-
liscben Stoffen befreit und dann in Kalkwasser wäscht,
durch Dampfeinwirkung dargestellt. Durch rückstän-
dige Mineralsubstanz (phosphorsaurer Kalk) ist er
gewöhnlicb milchweiß; häufig erzeugt man diese Fär-
bung absichtlich, auch bei Lederleim, durch Zusatz
von Barvtweiß, Vleiwciß, Zinkweiß oder Kreide.
Die reinsten, mit schwesliger Säure gebleichten Sor-
ten Knochenleim heißen Gelatine. Als Misch-
leim bezeichnet man ein Gemenge von Leder- und
Knockenleim. Den fertigen L. bringt man in Körben
oder Säcken zu 50 -100 IlF in den Handel. Die
Leimfabrikation wird in vielen Orten Deutfchlands
(Köln, Müblhaufen in Thüringen, Nördlingen,
Kahla, Wilsdrnff u. s. w.) betrieben und man ge-
braucht hier und da diese Beiworte, weniger um
eine bestimmte Sorte damit zu bezeichnen, als um
überbaupt die Güte der Ware zu betonen. Deutsch-
lands Einfuhr betrug (1803) 19 576 Doppelcentner
im Werte von 1077000 M., die Ausfuhr 4041.'!
Doppelcentner im Werte von 3 233 000 M. L.
dient zum Zusammenfügen von Holzarbeiten, in
der Buchbinderei, Kartonnagenfabrikation, in der
Appretur, Zünd Holzfabrikation, als Klärmittel, Kitt,
zur Imitation von Schildpatt, Elfenbein und Perl-
mutter. Die Güte des L. beurteilt man am meisten
nacb seiner Gelatinierbarkeit und Klebkraft und
giebt dem Lederleim den Vorzug vor dem Knochen-
leim. Für den Gebrauch wird der L. erst mehrere
Stunden in kaltem Wasser gequellt und dann erst
mit wenig heißem Wasser bis znr Lösung erhitzt;
durch anhaltendes Kochen verliert er au Klebkraft.
Essigsäure und Salzsäure verhindern das Gelati-
nieren des L., worauf die Bereitung von Flüssi-
gem Leim (s. d.) beruht. Mit Kaliumdichromat
versetzter L. (Ebromleim) wird durch Einwirkung
des Lichts in Wasser unlöslich. Als russischen L.
bezeichnet man den durch Beimischung von Gips
oder andern pulvcrsörmigen Substanzen undurch-
sichtig gemachten L. Aus Hausenblase bereitet man
den Fischleim. Auch Kleber-und Case'inleim,
die anstatt des L. vereinzelt Anwendung finden,
stellt man außer dem gewöhnlichen L. mitunter dar.
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