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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Leipzig (Stadt)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Leipzig (Stadt)'

Anmerkung: Fortsetzung von [Bildende Künste.]

Kunstverein seine Räumlichkeiten.(Vgl. Vogel, Das städtische Museum zu L., Lpz. 1892.) Das Kunstgewerbemuseum mit Vorbildersammlung für Kunstgewerbe und das Museum für Völkerkunde, 1871 aus den ethnogr.-kulturhistor. Sammlungen des verstorbenen Oberbibliothekars Friedr. Gust. Klemm in Dresden hervorgegangen, sind seit 1896 im Grassimuseum untergebracht. Für die bildenden Künste wirkt die mit einer Kunstgewerbeschule verbundene königl. Akademie der bildenden Künste (1764 gegründet) unter Leitung des Geh. Hofrats Nieper.

Die Musik wird gepflegt im königl. Konservatorium der Musik (Winter 1893/94: 620 Schüler uud Schülerinnen), in den Gewandhauskonzerten (s. d.) unter Arthur Nikisch' Leitung, in den Kammermusikkonzerten im Neuen Konzerthaus und den Akademischen Orchesterkonzerten (1891 gegründet) unter Leitung von Hermann Kretzschmar, ferner im Lisztverein, Dilettanten-Orchesterverein sowie durch die zahlreichen Vereine für Männergesang (teilweise im Zöllnerbund vereinigt) und Gemischten Chor, unter denen sich der Universitätssängerverein Paulus und der Akademische Gesangverein Arion, die Singakademie, der Bachverein und vor allem der 1863 von Karl Riedel gegründete Riedelverein auszeichnen.

Die beiden Theater, das Neue (2100 Plätze) und das Alte (1200 Plätze), sind für 30000 M. (die Stadt giebt einen Zuschuß für Gas und die Mitwirkung des Gewandhausorchesters) verpachtet (Direktionen: Witte, Laube, Haase, Förster und Neumaun, Stägemann); das private Carolatheater ist von der Direktion der vereinigten Stadttheater gepachtet und wird zur Aufführung von Lust- und Schauspielen an den Wintersonntagen und zu Gastspielen benutzt. Ein großes Sommertheater besteht seit 1894 im Hotel Stadt Nürnberg.

Von den in L. erscheinenden polit. Zeitungen seien erwähnt das «Leipziger Tageblatt», die «Leipziger Neuesten Nachrichten» (beide nationalliberal), die konservative «Leipziger Zeitung», die parteilosen «Generalanzeiger», «Stadt- und Dorfanzeiger» und die socialdemokratische «Volkszeitung», ferner u. a. die «Illustrierte Zeitung», die «Gartenlaube», das «Daheim», im ganzen 450 Zeitungen, Zeitschriften und Fachblätter.

Gesellschaften und Vereine. Die Königlich Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften (s. Akademien, Bd. 1, S. 276b), die Fürstlich Jablonow^[i]stische Gesellschaft der Wissenschaften, die Deutsche Morgenländische Gesellschaft, der Deutsche Astronomenverein, die Deutsche Gesellschaft zur Erforschung vaterländischer Altertümer (1824), die Griechische Gesellschaft (1793 von G. Hermann gestiftet), die Historisch-Theologische Gesellschaft (1814 von Illgen begründet), die Naturforschende, die Medizinische Gesellschaft (1829), die Fraternität der Notarien und Litteraten (1624), die Deutsche Genossenschaft dramat. Autoren und Komponisten, der Verein für Erdkunde (1861), der Numismatische und der Entomologische Verein Fauna, der Verein für die Geschichte Leipzigs (1867), mit reichhaltigen Sammlungen, der Verein für Handelsgeographie und Kolonialpolitik, der Litterarische Centralverein, der Schillerverein, der Allgemeine Deutsche Schriftstellerverein, die Pädagogische Gesellschaft; ferner Architekten-, Ingenieur-, Missions- und ähnliche Vereine, der Leipziger Lehrerverein, Landwirtschaftliche Kreisverein, Centralverein für das gesamte Buchgewerbe (s. d.), Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig (s.d.) und ↔ andere buchhändlerische Vereine, Deutscher Buchdruckerverein (s. d.), Polytechnische Gesellschaft (Gewerbeverein, 1825 gegründet), 2 Gartenbaugesellschaften, Gärtnerverein, Gemeinnützige Gesellschaft, Verein für Volkswohl und der Kaufmännische Verein mit eigenen Vereinsbäusern, Verband Deutscher Handlungsgehilfen, Albert-Zweigverein, Verein zur Feier des 18. Oktober, Frauenhilfsverein, mehrere Turnvereine (mit großen Turnhallen) sowie zahlreiche andere Vereine, im ganzen 350 Vereine und (1894) 36 Innungen mit 3110 Mitgliedern; die Kramerinnung (s. d.) ist 1887 nach mehr als 400jährigem Bestehen aufgelöst und ihr Vermögen der Handelskammer zugefallen. Endlich bestehen 6 Freimaurerlogen.

Kassen. Der Verkehr der Sparkassen war 1895:
KassenGuthaben der Sparer Ende 1894EinzahlungenRückzahlungenGuthaben der Sparer Ende 1895
M.M.M.M.
Leipzig46 835 79213 104 28010 228 15451 137 774
L.-Reudnitz8 324 9861 603 3791 423 6888 745 435
L.-Connewitz1 382 764348 697257 711 519 395
L.-Eutritzsch849 346145 667120 475902 395
L.-Gohlis711 409243 215173 147805 626
L.-Lindenau567 696130 296110 032606 488
L.-Plagwitz362 559204 525119 380460 810
Zusammen59 034 55215 780 05912 434 58664 177 923

Im städtischen Leihhause wurden (1895) 173 455 Pfänder mit 2 412 457 M. beliehen. Die Ortskrankenkasse für L. und Umgegend zählte 30. Juni 1896: 105 228 (30. Juni 1895: 94 764) Mitglieder; seit Bestehen der Ortskrankenkasse, also seit 1. Dez. 1884, sind insgesamt etwa 13 970 000 M. für Unterstützungen ausgegeben worden, davon entfallen nahezu 7 876 000 M. auf bare Unterstützungen an die Mitglieder und deren Angehörige, etwa 3 064 000 M. auf ärztliche Behandlung, 1 900 000 M. auf Arznei und sonstige Heilmittel und 1 130 000 M. auf Verpflegungskosten in Krankenanstalten. An Mitgliederbeiträgen sind seit 1. Dez. 1884 insgesamt etwa 16 669 000 M. eingegangen, davon entfielen auf freiwillige Mitglieder 716 000 M., auf versicherungspflichtige Mitglieder dagegen 15 953 000 M., so daß das von den Arbeitgebern aus eigenen Mitteln zu zahlende Drittel der Beiträge der Pflichtigen Mitglieder nahezu 5 317 000 M. betrug. Das Vermögen der Kasse betrug Ende 1895:1 668 913,78 M. Außerdem bestehen (1895) zwei Innungskrankenkassen (967 Mitglieder, 16 685,35 M. Einahmen, 16 433,58 M. Ausgaben, 2574,75 M. Vermögen), 17 Betriebskrankenkassen (9930 Mitglieder, 245 231,88 M. Einnahmen, 241793,60 M. Ausgaben, 242 830,71 M. Vermögen), 17 eingeschriebene Hilfskassen (27 455 Mitglieder, 725 228,17 M. Einnahmen, 702 064,82 M. Ausgaben, 565 698,92 M. Vermögen) und 82 Verwaltungsstellen von auswärtigen Hilfskassen.

Wohlthätigkeitsanstalten. Die königl. Universitätskliniken, die städtischen Krankenhäuser St. Jakob (s. Krankenhaus und Tafel:Krankenhäuser I) und zu Leipzig-Plagwitz, das homöopathische Krankenhaus (aus Schenkungen erbaut), das Kinderkrankenhaus, das Neue Johannishospital, das städtische Neue Siechenhaus, die städtische Irrenheil-und Pflegeanstalt Thonberg, drei Blindenstiftungen, die Taubstummenanstalt, das Waisenhaus, Kinderbewahranstalten, die Diakonissenanstalt, Pestalozzi-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 62.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 62.