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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Leipzig (Stadt)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Leipzig (Stadt)'

Anmerkung: Fortsetzung von [Industrie und Gewerbe.]

genstern & Kotrade, 130). Bedeutend ist auch die Rauchwarenzurichterei und -Färberei und die Boafabrikation (19 Betriebe, 707 Arbeiter). Ziegeleien (5 mit 114 Arbeitern) sowie 800 Kunst- und Handelsgärtnereien (J. E. Hanisch in Leipzig-Reudnitz, Otto Mann in Leipzig-Eutritzsch, Alb. Wagner, Leipzig-Gohlis) befinden sich in den Vororten.

Der Umfang der einzelnen Industriezweige, soweit solche durch die Fabrikenzählung getroffen werden (Großbetriebe), war 1. Mai 1890:

Industrie- zweigeBetriebeDampf kesselMotorenPferde- stärkenBeschäftigte Arbeiter
Männ- licheWeib- licheZu- sammen
Steine und Erden3410113271140191 159
Metallverarbeitung14242848063 2036493 852
Maschinen,Instrumente, Apparate2041252203 77211 13491012 044
Chemische Industrie446062749669198867
Forstwirtschaftliche Nebenprodukte42456559265755712
Textilindustrie45607810 4733 3725 1538 525
Papier10627459853 1053 0506 155
Leder3715245751 1785661 744
Holz- und Schnitzstoffe11332639592 4452742 719
Nahrungs- und Genußmittel120901442 5581 7896622 451
Bekleidung u. Reinigung12845455471 4172 8474 264
Baugewerbe17211264389 60379 610
Polygraphische Gewerbe235911772 9237 4842 97810 462
Künstlerische Gewerbe2926124983501

In L. haben ihren Sitz die Sächsisch-Thüringische Eisen- und Stahl- und die Sächsische Textil-Berufsgenossenschaft, die Deutsche Buchdrucker-Berufsgenossenschaft und ihre 7. Sektion, die Berufsgenossenschaft der Musikinstrumentenindustrie und ihre 1. Sektion, die 2. Sektionen der Tabak- und der Sächsischen Baugewerks-Berufsgenossenschaft, die 3. Sektion der Norddeutschen Edel- und Unedelmetall-, die 8. Sektion der Brauerei- und Wälzerei-, die 9. Sektion der Speditions-, Speicherei- und Kellerei-, die 30. Sektion der Fuhrwerks-Berufsgenossenschaft, die 5. Sektionen der Berufsgenossenschaft der Schornsteinfegermeister des Deutschen Reichs und der chem. Industrie.

Messen, Handel und Bankwesen. Seinen Messen hat L. in erster Linie seine Bedeutung als Handelsplatz zu verdanken; obwohl dieselben in den letzten Jahrzehnten infolge der veränderten Verkehrsverhältnisse ihre frühere Gestalt verloren haben, ist L. noch immer nächst Hamburg eine der bedeutendsten Handelsstädte des Deutschen Reichs, indem 13,07 Proz. der erwerbsthätigen Bevölkerung im Handelsgewerbe thätig sind. Schon in der zweiten Hälfte des 12. Jahrh. (1183) hatte L. privilegierte Märkte, die zu Jubilate und Michaelis abgehalten wurden und im 15. Jahrh. bereits den Charakter von Handelsmessen angenommen hatten. Friedrich der Sanftmütige schützte die 1458 begründete Neujahrsmesse durch Privilegium vom 29. Jan. 1466. Kaiser Maximilian I. bestätigte durch Privilegium vom 20. Juli 1497 die drei Leipziger "Jahrmärkte" und erweiterte durch Privilegium vom 23. Juni 1507 das frühere dahin, daß er der Stadt das Niederlags- und Stapelrecht verlieh und bestimmte, es solle «nun hinfüro kein Jahrmarkt, Messe oder Niederlage inner 15 Meilen gerings um die Stadt L. aufgerichtet und gehalten werden». Die Städte, welche noch fernerhin mit L. zu wetteifern versuchten, ↔ wie Frankfurt a. M., Magdeburg, Erfurt, Merseburg, Naumburg a. S. u. s. w., vermochten gegen L. nicht mehr aufzukommen. Zwar verlor die Stadt kurz nach dem Siebenjährigen Kriege ihr Stapelrecht, dagegen überflügelte sie in dem letzten Viertel des 18. Jahrh, die Konkurrenz von Frankfurt a. O. Infolge des Beitritts Sachsens zum Deutschen Zollverein 1834 entwickelte sich der Handelsund Meßverkehr außerordentlich. Wesentlich trugen hierzu die Eisenbahnen, namentlich die Eröffnung der Leipzig-Dresdener Eisenbahn (s. d.) bei. Neuerdings werden erhebliche Anstrengungen zur Neubelebung des Meßverkehrs und zur Abwehr einer versuchten Konkurrenz Berlins, vor allem durch den Meßausschuß der Handelskammer gemacht. Die beiden Hauptmessen sind auf einen frühern Termin verlegt und verkürzt worden, so daß die Michaelismesse von 1894 an jedesmal vom letzten Sonntag im August an in einer Dauer von 22 Tagen bei gleichzeitigem Beginn von Groß- und Kleinhandel stattfindet, die Ostermesse für Groß- und Kleinhandel mit Waren aller Art von 1895 an vom Sonntag Ouasimodogeniti bis mit Einschluß des Sonntags Kantate sich erstreckt. Die Neujahrsmesse dauert vom 3. bis 16. Jan. Außerdem findet im Frühjahr für die sog. Musterlager-Branchen (Glas-, Porzellan-, Bronze-, Eisen-und Zinkguß-, Metallwaren, Leder-, Draht-, Luxus-, Holz-, Kurz-, Galanterieund Spielwaren) vom 1. Montag im März an eine besondere Vormesse in der Dauer von 14 Tagen statt, für die jedoch Meßprivilegien nicht in Anspruch genommen werden. Von hervorragender Bedeutung sind die Messen auch jetzt noch für den Handel mit Rauchwaren, Tuch, Leder, die keramische Industrie und den Buchhandel (s. S. 64a). Für Rauchwaren ist L. Weltmarkt; große Mengen von amerik. und russ. Pelzwerk gelangen in L. zur Einführung und werden gegen zugerichtete und gefärbte Waren umgetauscht. 1894 gelangten beim Hauptzollamt 3041 t Häute und Felle zur Abfertigung. Die Zahl der Engros-Einkäufer und -Verkäufer an den Hauptmessen beträgt nach den neuesten Erhebungen etwa 18 000.

Am 1. Jan. 1896 waren 4435 kaufmännische Firmen beim Amtsgericht in L. im Handels- und Genossenschaftsregister eingetragen.

Beim königl. Hauptzollamt gelangten 1895 zur Abfertigung 122 927 t Waren, darunter Getreide, Sämereien 40 585, Petroleum und andere Mineralöle 29 177, Eisen, Stahl, Eisen- und Stahlwaren 518, Maschinen 911, Eier von Geflügel und Eigelb 7172, roher Kaffee 6100, Öle und Fette 3296, Rauchwaren und Häute 4281, Südfrüchte 2282, Reis 2411, Droguerie-, Apotheker- und Farbwaren 2172, Holz- und andere Schnitzstoffe sowie Waren daraus 1052 t und 1159 Festmeter, Wolle und Wollwaren 2207 t, Tabakblätter, -Stengel und -Fabrikate 1816, getrocknetes und gebackenes Obst 1106, Wein, Most und Eider 1069 t u. s. w., sowie 68 839 Taschenuhren und Gehäuse. Auf dem städtischen Lagerhofe gingen 1894 ein 7199 t Waren und aus 7239 t: der Lagerbestand war Ende 1894: 2057 t. Unter den gelagerten Waren befanden sich unter andern: Getreide und Saat 1324 t, Kaffee 977, Tierhaare 166, Rosinen und Korinthen 194, Rauchwaren 69, Felle und Häute 279, Wein 238, Tabak 239, Schafwolle (einschließlich Kammzug) 1745, Öl und Thran 189, Kakao 189 t u. a. Unter den Ausfuhrländer nebmen die Vereinigten Staaten einen hervorragen-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 64.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 64.