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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Leser – Leskovac

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Lesen'

wie be in Traube), und von J. F. N. Krug, Schuldirektor in Zittau (gest. 1843), der die physiol. Seite allzusehr in den Vordergrund stellte. Erst der bayr. Schulrat Stephani (gest. 1850) hat das Wesen der reinen Lautiermethode so klar erfaßt und dargestellt in seiner «Fibel oder Elementarbuch zum Lesenlernen» (Erlangen 1802; 102. Aufl. u.d.T. «Handfibel», 1868) und dem «Kurzen Unterricht in der gründlichsten und leichtesten Methode, Kindern das Lesen zu lehren" (4. Aufl., Erlangen 1811), daß er als der eigentliche Begründer derselben zu bezeichnen ist. Für ihre Verbreitung, besonders in Sachsen, wenn auch in modifizierter Form, hat vor allem der sächs. Kirchenrat Gottlob Leberecht Schulze (1779–1856) gewirkt. Eine entscheidende Weiterbildung zur Schreiblesemethode erfuhr sie durch Harnisch, Schulz und vorzüglich durch den bayr. Schulrat Joh. Baptist Graser (gest. 1841), nach welcher der erste Leseunterricht mit dem Schreibunterricht verbunden wird, und zwar entweder so, daß erst nur die Schreibschrift (die deutsche oder die lat. Schrift) angewandt wird, was später Lüben, Kehr und Schlimbach empfahlen, oder so, daß Schreib-und Druckschrift zu gleicher Zeit nebeneinander zur Anwendung kommen (reine und gemischte Schreiblesemethode). Einen neuen Fortschritt des Leseunterrichts bahnte der Franzose Joseph Jacotot (1770–1840) an, dessen Methode sich kurz als die analytisch-synthetische bezeichnen läßt. Er ging von ganzen, dem «Télémaque» Fénelons entnommenen Sätzen aus, zerlegte dieselben in Wörter, diese in Silben und Buchstaben und baute daraus das Ganze wieder auf. In Deutschland haben besonders der Lehrer Karl Seltzsam in Breslau (seit 1841), der Seminarlehrer Scholz, gleichfalls in Breslau, und der Schulrat Graffunder in Erfurt zur Anerkennung und Fortbildung dieser Methode beigetragen. Nur eine Modifikation derselben, insofern anstatt von Sätzen von einzelnen Wörtern ausgegangen wird, ist die sog. Normalwörtermethode, die zuerst an der von Karl Vogel geleiteten Bürgerschule in Leipzig zur Anwendung kam, wo von 1843 ab die von Vogel herausgegebene Bilderfibel, «Des Kindes erstes Schulbuch» (11. Aufl., Lpz. 1874), dem Unterricht als Grundlage diente. Unter den vielen Pädagogen der Neuzeit, welche die Normalwörtermethode in verschiedenartiger, vielfach voneinander abweichender Weise ausgebildet haben, sind A. Böhme in Berlin, Louis Thomas und Klauwell in Leipzig, Kehr in Erfurt, Frühwirth und Fellner, sowie Fechner in Wien hervorzuheben. – Vgl. Fechner, Die Methoden des ersten Leseunterrichts (2. Aufl., Berl. 1882); Kehr, Geschichte des Leseunterrichts (in dessen «Geschichte der Methodik des deutschen Volksschulunterrichts», Bd. 1, 2. Aufl., Gotha 1887); für das ästhetische Lesen: Palleske, Die Kunst des Vortrags (2.Aufl., Stuttg. 1884); Benedir, Der mündliche Vortrag (Bd. 1, 7. Aufl., Lpz. 1893; Bd. 2 u. 3, 4. Aufl. 1888).

Leser, s. Läsare.

Lesesteine, s. Bruchsteine.

Les extrêmes se touchent (frz., spr. Läsexträhm sē tusch), «die Extreme berühren sich», sprichwörtliche Redensart, die auf Labruyères «Caractères» und Pascals «Pensées» beruht und zuerst in Louis Sébastien Merciers «Tableau de Paris» (Amsterd. 1782–88) als Kapitelüberschrift vorkommt.

Lesghĭer, bei den Russen Lesginen, bei den Georgiern, Armeniern und Osseten Leki, Volk im östl. Kaukasus, das in viele Stämme zerfällt und ↔ vorwiegend Dagestan, den Bezirk Sakataly und Teile der Gouvernements Baku und Jelisawetpol bewohnt. Dem Äußern nach erinnern die L. an die Tscherkessen; sie sind groß, schlank, mit funkelnden dunklen Augen, hoher Stirn, feinen Lippen. Sie sind sehr kriegerisch und tapfer und leisteten den Russen unter Schamyl hartnäckigen Widerstand bis 1859. (S. Kaukasische Kriege.) Man schätzt ihre Zahl auf 520000; sie sind Mohammedaner. (S. auch Kaukasische Sprachen und Kaukasusvölker.)

Lesgistan, Landschaft, s. Dagestan.

Lesĭna, slaw. Hvar (bei Ptolemäus Pharia, bei Strabo Pharos), österr. Insel, zu Dalmatien gehörig, 68 km lang, aber an der breitesten Stelle nur 5–6 km breit. Sie wird durch eine Kette kärglich bewaldeter Kalkberge gebildet, deren höchster, Monte-San Nicolo, sich 633 m über das Meer erhebt. Die Insel umfaßt mit Lissa die Bezirkshauptmannschaft L. (s. unten). Die Bewohner treiben Fischfang, Wein- und Ölbau und Handel mit diesen Produkten. Das Klima ist milder als das von Spalato, und Feigen, Datteln, Johannisbrot und Weine (Prosecco, Muskat und Vino di Spiagga) gedeihen vorzüglich. Berühmt ist die Rosmarinessenz (Aqua regina) aus den Blüten des wilden Rosmarinstrauchs. Auf L. befinden sich bedeutende Steinbrüche, die für das deutsche Reichstagsgebäude Material geliefert haben.

Lesĭna. 1) Bezirkshauptmannschaft in Dalmatien, hat 413,23 qkm und (1890) 25690 (12353 männl., 13337 weibl.) kroat. E., 8 Gemeinden mit 21 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke Cittavecchia, L. und Lissa. –

2) L., kroat. Hvar, Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft sowie eines Bezirksgerichts (68,89 qkm, 3596 E.) und Bischofs, auf der Insel L., hat (1890) 2013, als Gemeinde 3596 E., einen Hafen, ein Arsenal, altes venetianisches Magazin, Observatorium und wird als klimatischer Kurort besucht. Die 1540 von San Michele erbaute Loggia Publica dient als Gemeindehaus und Kursalon. Im nahen Refektorium des Franziskanerklostcrs ein Abendmahl von Matteo Rosselli (1578–1650).

Lesinen, in der Architektur, s. Lisenen.

Leskien, Aug., Sprachforscher, insbesondere Slawist, geb. 8. Juli 1840 zu Kiel, besuchte das dortige Gymnasium, studierte daselbst und zu Leipzig klassische Philologie und Sprachwissenschaft, war 1864–66 Lehrer an der Thomasschule in Leipzig, ging dann nach Jena, um unter Schleicher vergleichende Sprachwissenschaft, namentlich aber slaw. Sprachen zu studieren, und habilitierte sich Ostern 1867 in Göttingen als Docent für das erstere Fach. 1869 wurde L. als außerord. Professor der vergleichenden Sprachwissenschaft nach Jena, 1870 auf den neu errichteten Lehrstuhl für slaw. Sprachen nach Leipzig berufen und daselbst 1876 zum ord. Professor ernannt. Seine hauptsächlichsten Schriften sind: «Handbuch der altbulgar. Sprache» (Weim. 1871; 2. Aufl. 1886), «Die Deklination im Slawisch-Litauischen und Germanischen» (Lpz. 1876), «Der Ablaut der Wurzelsilben im Litauischen» (ebd. 1884), «Untersuchungen über die Quantität und Betonung in den slaw. Sprachen» (2 Tle., ebd. 1885 u. 1893), «Die Bildung der Nomina im Litauischen» (ebd. 1891). Im Verein mit Brugmann gab er «Litauische Volkslieder und Märchen» (Straßb. 1882) heraus.

Leskovac (spr.-watz), türk. Leskovtscha, Stadt im serb. Kreise Vranja, links von der bulg. Morava, liegt in weiter Thalmulde an der Bahnlinie Niš-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 112.