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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Lessing (Julius) - Lessing (Karl Friedr.)
sehene Ausgabe besorgte K. Lachmann (13 Bde., Berl. 1838-40; neue Aufl. von Maltzahn, 12 Bde., Lpz. 1853-57-, eine dritte, auf Lachmann zurückgehende, verbesserte und vermehrte von Fr. Muncker erscheint in 15 Bdn., Stuttg. 1886 fg.). Ferner haben sich Karl Redlich, Alfr. Schone und Rob. Borberger um die Textkritik und Bibliographie der L.schen Werke Verdienste erworben als Mitherausgeber der Hempelschen Ausgabe in 20 Bänden (Berl. 1868-78), Borberger auch als Mitherausgeber der illustrierten Groteschen Ausgabe in 8 Bänden (ebd. 1875-76).
Unter den Biographien L.s ragen hervor das treffliche Buch Danzels, Gotthold Ephraim L., sein Leben und seine Werke (Bd. 1, Lpz. 1850; vollendet von Guhrauer, Bd. 2, Abteil. 1 u. 2, ebd. 1853 u. 1854; heue Aufl. von W. von Maltzahn und R. Borberger, Berl. 1880-81) und vor allen das ausgezeichnete Werk Erich Schmidts, L., Geschichte seines Lebens und seinerSchriften (2 Bde., Berl. 1884-92); minder wertvoll sind die populären Biographien von Stahr, Gotthold Ephraim L., sein Leben und seine Werke (2 Bde., ebd. 1859; 9. Aufl. 1887) und von Julian Schmidt, Gotthold Ephraim L. (im "Neuen Plutarch", Bd. 11, Lpz. 1885); in engl. Sprache von Sime, Lessing (2 Bde., ebd. 1878). Außerdem vgl. die Bücher von C. Schwarz, Gotthold Ephraim L. als Theolog dargestellt (Halle 1854); Hebler, Lessing-Studien (Bern 1862); Lehmann, Forschungen über L.s Sprache (Braunschw. 1875); Mayr, Beiträge zur Beurteilung L.s (Wien 1880); V. A. Wagner, Lessing-Forschungen nebst Nachträgen zu L.s Werken (Berl. 1881); Kuno Fischer, G. E. L. als Reformator der deutschen Litteratur (2 Bde., Stuttg. 1881); Düntzer, Erläuterungen zu L.s Werken' (neue Aufl., Lpz. 1883 fg.); G. Spicker, L.s Weltanschauung (ebd. 1883); Braun, L. im Urteile seiner Zeitgenossen (2 Bde., Berl. 1884-93); Albrecht, L.s Plagiate (Hamb. 1890fg.); Arnsperger, L.s Seelenwanderungsgedanke (Heidelb. 1893); Koet, L. et l’antiquité (Par. 1894).
L.s Bruder, Karl Gotthelf L., geb. 10. Juli 1740, gest. 17. Febr. 1812 als Münzdirektor in Breslau, hat sich durch eine Biographie (3 Bde., Berl. 1793-95) und durch die Herausgabe des Nachlasses seines Bruders sowie durch einige Lustspiele bekannt gemacht. - Vgl. E. Wolff, K. G. L. (Berl. 1886).
Lessing, Julius, Kunstschriftsteller, geb. 20. Sept. 1843 in Stettin, studierte in Berlin und Bonn klassische Philologie und Kunstgeschichte, hielt, nach längern Reisen, seit 1870 Vorlesungen über Geschichte des Kunstgewerbes an der königl. Bauakademie und Gewerbeakademie in Berlin und wurde 1872 zum Direktor der Sammlung des königl. Kunstgewerbemuseums daselbst ernannt. Er ist auch Professor an der Technischen Hochschule. L. schrieb: "Das Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung" (Berl. 1874), "Berichte von der Pariser Weltausstellung" (ebd. 1878), "Altorient. Teppichmuster" (ebd. 1877), "Muster altdeutscher Leinenstickerei" (1. Sammlung, 9. Aufl., ebd. 1890; 2. Sammlung, 7. Aufl., ebd. 1889), "Die Silberarbeiten des Anton Eisenhoit" (ebd. 1877; 2. Aufl. 1880), "Holzschnitzereien des 15. und 16. Jahrh. im Kunstgewerbemuseum zu Berlin" (ebd. 1882), "Vorbilderhefte aus dem königl. Kunstgewerbemuseum zu Berlin" (1.-16. Heft, ebd. 1888-93), "Wand- und Deckenschmuck eines röm. Hauses aus der Zeit des Augustus" (mit Aug. Mau, ebd. 1891), "Gold und Silber" (in den "Handbüchern der königl. Museen zu Berlin", ebd. 1892).
Lessing, Karl Friedr., Maler, geb. 15. Febr. 1808 zu Breslau. Sein Vater, ein Neffe von Gotthold Ephraim L., war Kanzler der Standesherrschaft Wartenberg. L. besuchte das kath. Gymnasium zu Breslau und später die Bauakademie in Berlin. Bereits 1825 erregte er durch sein erstes Bild: Kirchhof mit Leichensteinen und Ruinen, Aufsehen, welchem 1828 Der Klosterhof im Schnee (Städtisches Museum in Köln) und die Ritterburg (Berliner Nationalgalerie) folgten. L. folgte dann W. Schadow nach Düsseldorf und führte 1829 im Gartensaale des Grafen Spee zu Haltorf die Schlacht bei Iconium aus, womit ein Bildercyklus aus dem Leben Friedrichs I., der bei der Übersiedelung von Cornelius nach München unvollendet gelassen worden war, seinen Abschluß erhielt. Der seitdem beginnenden romantisch-sentimentalen Richtung der Düsseldorfer Schule neigte sich auch L. zu, jedoch nicht ohne Kraft und Selbständigkeit. Hierher gehören sein Trauerndes Königspaar (1830; im Besitz des Kaisers von Rußland, gestochen von Lüderitz) und seine Leonore (1831; lithographiert von Jentzen), malerische Behandlungen der betreffenden Gedichte von Uhland und Bürger; ferner Der Räuber und sein Kind (1832). Das Resultat histor. Studien waren 1834 die Entwürfe zur Hussitenpredigt und zum Huß auf dem Konzil. In der nächsten Zeit malte L. eine Anzahl Landschaften, in denen poetische und besonders elegische Stimmung vorwaltet, unter andern Klosterfriedhof im Schnee (1833; Berliner Nationalgalerie), Eifellandschaft mit dem mittelalterlichen Städtchen (1834; Berliner Nationalgalerie), Berglandschaft mit der Brandstätte (1835), die Tausendjährige Eiche (1837), die Eichenlandschaft mit dem ein Pferd tränkenden Kreuzritter (1839; sämtlich im Städelschen Institut zu Frankfurt) und die Mosellandschaft mit der Klosterkirche (Abendbild, 1837; Museum zu Darmstadt).
Im J. 1836 wurde das eineHistorienbild, Die Hussitenpredigt (Nationalgalerie; lithographiert von H. Eichens, gestochen von Hoffmann), vollendet. Das Bild brachte L., der schon 1832 Mitglied der Berliner Akademie geworden war, die große goldene Medaille ein. Dem epochemachenden Bilde folgten das schwächere, Ezzelino da Romano im Gefängnis (1838; Städelsches Institut zu Frankfurt), Die Gefangennehmung des Papstes Paschalis II. durch Kaiser Heinrich V. (1840; Besitz des Deutschen Kaisers, gestochen von Ölschig) und 1842 Huß vor dem Konzil zu Konstanz, eins seiner durch Charakteristik und Gediegenheit des Vortrags ausgezeichnetsten Geschichtsgemälde, ebenfalls Eigentum des Städelschen Instituts in Frankfurt. Nach dem nächsten Historienbild: Heinrich V. vor dem Kloster Prüfening (1844; Galerie zu Hannover), suchte er im Landschaftsbild einige Erfrischung (Deutsche Gebirgsgegend, 1847; Gegend im Eifelgebirge; Mitteldeutsche Gebirgslandschaft, 1849; sämtlich im städtischen Museum zu Leipzig) und vollendete dann 1850 das letzte Bild des Cyklus zur Geschichte des Huß, welches den Märtyrer der Böhmen vor dem Scheiterhaufen darstellt (Nationalgalerie zu Berlin). 1853 malte er die Verbrennung der päpstl. Bannbulle durch Luther (Antwerpen, Galerie Notebohm), dann die Thesen Luthers (gestochen von Raab) und eine Wiederholung der Gefangennahme des Paschalis (1857). Neben diesen geschichtlichen Kompositionen gingen andere her, welche keinen bestimmten Vorgang schildern, sondern stimmungsvolle Orts- und