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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Lichtenberg (Georg Christoph) - Lichtensteig
Hanau-Lichtenberg (Straßb. 1859); Lehmann, Urkundliche Geschichte der Grafschaft Hanau-Lichtenberg (2 Bde., Mannh. 1862-64); E. Spach, Wie Schloß L. zur Ruine wurde (ebd. 1887; 2. Aufl. 1888). - 4) Schloß bei Ostheim (s. d.).
Lichtenberg, Georg Christoph, Physiker und satir. Schriftsteller, geb. 1. Juli 1742 zu Oberramstädt bei Darmstadt, bezog 1763 die Universität zu Göttingen, wo er sich viel mit Astronomie beschäftigte und 1775 eine ordentliche Professur erhielt. Wiederholte Besuche in England verschafften ihm eine genaue Kenntnis der dortigen Verhältnisse. Er brachte einen ausgezeichneten Physik. Apparat zusammen, welcher später in den Besitz der Universität überging, und machte mehrere wichtige Entdeckungen auf dem Gebiete der Elektricität (Lichtenbergsche Figuren [s. d.] u. s. w.). Seine scharfen satir. Angriffe gegen die verschiedensten Zeitrichtungen zogen ihm vielfache litterar. Kämpfe zu; so mit Lavater wegen dessen Bekehrungsversuch an Mendelssohn und wegen der "Physiognomik"; doch versöhnten sich beide später völlig. Einen andern Streit mit Voß über die Aussprache des Griechischen rief L.s Schrift "Über die Pronunciation der Schöpfe des alten Griechenland" (1782) hervor. Treffliche Aufsätze lieferte 3. seit 1778 zum "Göttingischen Taschenkalender", worin auch zuerst Teile seiner "Ausführlichen Erklärung der Hogarthschen Kupferstiche mit Kopien derselben von Riepenhausen" erschienen. Mit G. Forster gab er das "Göttingische Magazin der Litteratur und Wissenschaft" heraus. Er starb 24. Febr. 1799. Seine satir. und scherzhaften Aufsätze sind gesammelt in L.s "Vermischten Schriften" (9 Bde., Gott. 1800-5; neue Originalausgabe, 8 Bde., 1867); eine Auswahl gab Wilbrandt (Stuttg. 1893) heraus. - Vgl. R. N. Meyer, Jonathan Swift und L., zwei Satiriker des 18. Jahrh. (Berl. 1886); Lauchert, L.s schriftstellerische Thätigkeit (Gött. 1893).
Lichtenberger, Friedrich August, französischer prot. Theolog, geb. 21. März 1832 zu Straßburg, wo er studierte, 1857 Hilfsprediger und 1864 Professor an der theol. Fakultät wurde; 1873 ging L. als Pfarrer an die Taitboutkirche nach Paris und wurde 1877 erster Professor und Dekan an der prot. Fakultät daselbst. Er trat 1895 in den Ruhestand. L. ist der Herausgeber der das Herzogsche Unternehmen nachahmenden "Encyclopédie des sciences religeieuses" (13 Bde., Par. 1877-82); von seinen Schriften seien genannt: "La théologie de Lessing" (Straßb. 1854), "De apostolorum praeceptis redemptoriam Christi mortem spectantibus" (ebd. 1857), "Étude sur le principe du protestantisme d’après la théologie allemande contemporaine" (ebd. 1857), "Des éléments constitutifs de la science dogmatique" (ebd. 1860), "Sermons" (Par. 1867), "Le protestantisme et la guerre de 1870" (2. Aufl., Straßb. 1871), "L’Alsace pendant et après la guerre" (Par. 1873), "L’Alsace en deuil" (10. Aufl., ebd. 1873), "Histoire des idées religeieuses en Allemagne depuis le milieu du 18<sup>e</sup> siècle" (3 Bde., ebd. 1873; 2. Aufl. 1887), "Méditations pour chaque jour de l’année" (2. Aufl., ebd. 1884). Lichtenbergsche Figuren sind Elektrische Bilder (s. d.), die durch Überschlagen eines elektrischen Funkens auf eine Harzmasse entstehen. Lichtenberg bemerkte (1777) an Stellen eines Elektrophors, aus denen er Funken gezogen hatte, eine Ansammlung von Kolophoniumstaub in Form strahliger Figuren. Der Versuch lehrte, daß jede Stelle einer Harzplatte, auf die ein Funke von einem Leiter übergesprungen war, beim Bestäuben eine strahlige oder rundliche Figur zeigte, je nachdem der geladene, angenäherte Körper positiv oder negativ war, so daß man an der Figur das Zeichen der Entladung erkennen konnte. Man verwendet heute das von Villarsy (1788) angegebene Gemisch von Schwefel und Mennige zum Bestäuben, wobei sich der beim Sieben negativ gewordene Schwefel an den positiven, das positive Mennigepulver an den negativen Stellen ansammelt. Wie Reitlinger gezeigt hat, sind die L. F. nur die sichtbar gemachten Entladungswege, die demnach, wie die Büschelformen zeigen, für positive und negative Entladungen verschieden sind. (S. Tafel: Elektricität, Fig. 1 u. 2.)
Lichtenburg, Strafanstalt bei Prettin (s. d.).
Lichtenfels. 1) Bezirksamt im bayr. Reg.-Bez. Oberfranken, hat (1890) 31789, 1895: 32185 (15 393 männl., 16 792 weibl.) E., 60 Gemeinden mit 162 Ortschaften, darunter 3 Städte. - 2) Bezirksstadt im Bezirksamt L. am Main und den Linien Eisenach-L. (151,1 km) der Werrabahn, Probstzella-L. (63,7 km) und Hof-Bamberg der Bayr. Staatsbahnen, Sitz des Bezirksamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Bamberg) und Bahnamtes, hat (1895) 3663 (1890: 2959) E., darunter 797 Evangelische und 105 Israeliten, Post, Telegraph, Pfarrkirche (11. Jahrh.), Spitalkirche mit einer Lourdesgrotte, Synagoge, Spital, Gasbeleuchtung, Kreditverein, Sparkasse, einen Handels- und Fabrikrat; bedeutende Korbwarenindustrie, Leimfabriken, Dampfsägewerke, Holzhandel, Obst- und Gartenbau. In der Nähe Schloß Banz (s. d.), Dorf Schney mit Schloß und Porzellanfabrik und der Wallfahrtsort Vierzehnheiligen (s. d.).
Lichtenfels, Eduard von, Landschaftsmaler, geb. 18. Nov. 1833 zu Wien, war an der Akademie Schüler Thomas Enders und Steinfelds, ging aber 1857 zu Lessing nach Düsseldorf. Den Krieg in Italien (1859) machte er als Offizier mit. 1868 wurde er Mitglied der Wiener Akademie, lehrte seit 1871 an der Specialschule für Laudschaftsmalerei und wurde 1872 Professor. Für den geolog. Hörsaal der Wiener Universität malte er den Ätna von der Casa inglese aus, den Vesuv und den Schlern, auch für das Naturwissenschaftliche Museum in Wien eine Reihe von landschaftlichen Bildern. Später widmete er sich ganz der Tempera- und Aquarellmalerei. L. weiß die Einzelheiten sehr charakteristisch zu behandeln, hat eine kräftige, realistische Auffassung und ein schönes Kolorit.
Lichtenhain (L. bei Jena), Dorf im Kreis Saalfeld des Herzogtums Sachsen-Meiningen, 2 km südwestlich von Jena, in einer Weimar. Enklave, Vergnügungsort der Jenaer Studenten, hat (1895) 623 (1890: 577) evang. E. und 3 Brauereien, die ein verbreitetes Weißbier, Lichtenhainer Bier, brauen.
Lichtensteig, Stadt und Hauptort des Bezirks Neutoggenburg im schweiz. Kanton St. Gallen, 25 km südwestlich von St. Gallen, in 658 m Höhe auf einem Felshügel am rechten Ufer der Thur, über welche eine Brücke führt, und an der Linie Wyl-Ebnat-Kappel der Toggenburgbahn, hat (1888) 1537 E., darunter 697 Katholiken, Post, Telegraph, neue got. Kirche, Rathaus, Armen- und Waisenhaus, Toggenburger Bank; Baumwollweberei und Zwirnerei, lebhaften Handel und Jahrmärkte, schon im 11. Jahrh. als Feste der Grafen