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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Lichtkupferdruck - Lichtpausverfahren
Llchtkupferdruck, cm von Obernetter in Mün-
chen erfundener und ausgeübter Photogravure-
prozeß, der jedoch in seiner Ausführung sehr von
der eigentlichen Photogravure (s. d.) abweicht. Von
einem Original wird ein Negativ aufgenommen und
dieses Negativ in ein Ehlorsilbcrpositiv umgewan-
delt und danach mit der vollständig planen Kupfer-
platte m Kontakt gebracht. Ganz entsprechend der
Intensität des Originals befindet sich Chlorsilber
auf der Metallschicht, in den kräftigen onnkeln Par-
tien mehr, in den Hellern weniger. Tnrch einen ein-
fachen galvanischen Prozeß (Einschaltung in eine
galvanische Zelle) zersetzt sich das Ehlorsilber und
bildet lösliches Chlormctall und Silber und erzeugt
so die Tiefe der Platte und zwar da, wo viel Ohlor-
silber war, in desto stärkerm Grade, da, wo die Schicht
gering war, im Verhältnis weniger tief. Dieser
Prozeß ist wesentlich kürzer als der der Photogravure
durch Ätzung mit Eisenchlorid, doch in seinen Detail-
Manipulationen noch Geheimnis Oberncttcrs.
Lichtleimdruck, soviel wie Lichtdruck (s. d.).
Lichtmaschinen, die für deu Lichtbetrieb kon-
struierten Dynamomaschinen.
Lichtmesse (lat. t'03wni c^nä^wi-nm) oder Ma-
ria Reiniguug (lat. te^tum Mriüc^tionis Na-
i-iae), und in ungenauer Zusammenziehung beider
Bezeichnungen Maria Lichtmeß, auch Dar-
stellung Christi, ein inderröm. Kirche im 5. oder
6. Jahrh, im Anschluß an heidn. Gebräuche einge-
führtes Fest zum Gedächtnis des Luk. 2,22 fg. er-
zählten Besuches der Maria mit dem Jesuskinde im
Tempel zu Jerusalem. Da nach 3 Mose 12, 2-0
dieser Tempelbesuch 40 Tage nach der Geburt des
Kindes zu geschehen hatte, wurde das Fest auf den
vierzigsten Tag nach Weihnachten (2. Febr.) gelegt.
Mit Anspielung auf die von Symeon über das Kind
gesprochenen Worte "Ein Licht, zu erleuchten die
Heiden" (Luk. 2, .22) werden in der kath. Kirche an
diesem Tage die zum kirchlichen Gebrauch bestimm-
ten Lichte geweiht und brennend in feierlicher Pro-
zession umhergetragen. In der griech. Kirche wurde
das Fest 542 von Iustinianus unter dem griech.
Namen Hypantc (Fest der Begegnung, näm-
lich Symeons mit dem Jesuskinde, lat. t'08win
3^m60niL) angeordnet. Während die reform. Kirche
das Fest abschaffte, behielt die lutherische es zunächst
noch als Fest der Darstellung Christi bei. In der
evang. Kirche Württembergs wird es als solches noch
Lichtmesser, s. Photometer. ^jetzt gefeiert.
Lichtmessung, s. Photometrie.
Lichtmotten, soviel wie Zünsler (s. d.).
Lichtmühle, s. Radiometer.
Lichtnelke, Pflanzengattung, s. I^clmis.
Lichtnußbaum, s. Bankulnüsse.
Lichtpausverfahren, ein Zweig der photogr.
Positivverfahrcn (s. Pbotographie), der in photogr.
Ateliers selten, desto mehr aber von Technikern für
Vervielfältigung ihrer Zeichnungen und Pläne an-
gewendet wird. Er ist einer der ältesten photogr.
Prozesse und ist zurückzuführen auf Fox Talbot,
der bereits 1839 Pflanzenblätter auf lichtempfind-
liches Silberpapier legte und das Ganze dem Licht
aussetzte. Das Papier wurde an allen Stellen, wo
es nicht von Pflanzenblättern gedeckt war, gebräunt.
Waren die Pflanzcnblättcr durch eine Spiegelscheibe
angepreßt, so zeichnete sich ihr Umriß scharf auf
dem Papier ab, abcr auch durch die durchscheinen-
den Stellen der Blätter schien das Licht ab-
geschwächt hindurch und so zeichneten sich die Adern
des Blattes und andere Stellen deutlich ad und
zwar weiß oder grau auf Dunkel (s. nachstehende
Fig. 1 u. 2). Das überschüssige Silbersalz im Pa-
Fig. 1.
F:g. 2.
Pier entfernte Talbot dnrch unterschwefligsanres
Natrinm und Auswaschen. Das vorhandene nega-
tive Bild konnte nock einmal in gleicher Weise
durch das Licht gepaust werden und lieferte dann
ein Positiv dem Originale gleich. Ein Mangel dieses
Silb erp aus pr 0 z esses ist der hohe Preis der
angewendeten Papiere. Zum Kopieren von tcck-
nischen Zeichnungen eignet sich daher die billigere
Cyanotypie (s. d.), die als Negativprozeß sehr ver-
breitet ist. Leichtere Prozesse, die direkte Positive nack
Positiven liefern, sind der sog. Zintoprozeß und
der Anilindruck; letzterer verdient den Vorzug.
Beim Zinkoprozeß braucht man zwei Lösungen:
1) 10 g schwefelsaures Eisenoxyd, 10 F Weinsäure,
20 F Eiscnchlorid, 200 ccm destilliertes Wasser:
2) 10 F Gelatine in 100 ccm destilliertem Wasser
warm gelöst. Lösung 1 und 2 werden gemischt und
noch warm durch angefeuchteten Flanell filtriert.
Lösung 1 hält sich im Dunkeln längere Zeit. Das
Präparieren des Papiers wird bei Lampen- oder
schwachem Tageslicht vorgenommen. Getrocknet
wird im Dunkeln. Das präparierte Papier, das
auch Handelsartikel ist, wird am besten bald verar-
beitet. Atanbelichtet unter einer Zeichnung (am besten
im direkten Sonnenlicht) so lange, bis die schwarzen
Linien der Zeichnung schwach gelb auf völlig weißem
Grunde sichtbar sind. Das kopierte Bild kommt dann
in das "Entwicklungsbad" (s. Photographie): 7 3
Gallussäure, 1 F Oxalsäure, 100 ccm Wasser. Zier
färben sich die gelben Linien schwarz unter Tinten-
bildung. Man entfernt dann die überschüssigen
Eiscnsalze durch tüchtiges Waschen. Der Anilin-
druck von Willis liefert mit leichtester Mühe abso-
lut haltbare Kopien, fordert aber unbedingt Selbst-
präparation des Papiers, da dieses nicht lange
haltbar und daher im Handel nicht zu haben ist. Man
überstreicht (bei Lampen- oder gedämpftem Tages-
licht) photogr. Nohpapicr mit folgender Lösung:
10 F saures chromsaurcs Kalium, 100^Pbospbor-
säurelösung von 1,121 spee. Gewicht, 100 ccin Wasser
(Manipulation wie oben) und trocknet im Dunkeln.
Die Lösung ist unbegrenzt haltbar, das damit prä-
parierte Papier aber nur 1 bis höchstens 2 Tage.
Man kopiert unter einer Zeichnung, bis die
schwarzen Linien der Zeichnung schwaäi gelb auf
grünlichweißem Grunde sichtbar sind. Besser ver-
wendet man noch Vogels Photometer (s. Photo-
meter, photographisches), welches mit einem Stück
Papier von gleicher Transparenz wie das Ori-
ginalpapier der Zeichnung bedeckt sein muh, und
topiert bis das Photometer 15° zeigt. Dann bringt