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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Liderungsring C/73 - Liebau (Stadt)
schluß, oder aber an dcr Munition angebracht. In
den ersten beiden Fällen besteht die L. meist aus
Metallringcn oder Metalltcllcrn mit ringförmigen
Rändern- die Ringe oder Ränder bestehen aus wei-
chem Kupfer oder elastischem Stahl und passen genau
m die Fuge hinein. Die Querschnittsform ist der-
artig, daß der Gasdruck die Ringe immer sestcr in
die Fuge hineindrückt und so ein Entweichen der
Gase verhindert. Nach dieser Art sind die meisten
neuern Geschütze gelidcrt (s. Broadwcll-Ring und
Lidcrungsring (^73). In Frankreich. Spanien,
Italien, England, Schweden u. s. w. bat sich eine
andere vom Oberst de Bange (s. d.) ersundene ^.
mit Asbestpackung große und zum Teil berechtigte
Anerkennung erworben ls. Geschütz, Bd. 7, S. 917 d,
Fig. 29 u. 30d). Die L. an dcr ^tunition ist die
teuerste, aber die zweckdienlichste, weil sie von Schuß
zu Scbuß erneuert wird. Früher wurden mebrfack
Teller aus Preßspan angewendet; in neuerer Zeit ver-
drängt jedoch die den Infanteriegewchren entlehnte
messingene Patroncnhülsc'mit liderndem Rande alle
bisherigen Liderungsartcn.
Liderungsring (3/78, besonders sür die deut-
schen Feldgeschütze ^./73 konstruiert, berubt auf den-
selben Grundsätzen wie der Broadwcll-Ring ls. d.),
nur daß er infolge der tiefen, auf leiner äußern
Fig. i.
Seite liegenden Nute erheblich elastischer ist. In
neuerer Zeit wird er obne diese Nute aus Kupfer her-
gestellt ls. Liderung und Geschütz, Fig. 22, 25, 30 ä).
Vorstehende Fig. 1 zeigt den L. aus Stahl, Fig. 2
den L. aus Kupfer. ^rungen).
Lidi (ital.), Ätehrzahl von ^ido ls. d. und Ncb-
Lidköping (spr. lidschö-), Stadt in Schweden,
im Skaraborgs Län, an der Mündung der Lidan
m den Wcncrsce, an den Linien L.-Stenstorp und
L.-Häkantorp, ist Dampferstation, hat (1892) 5274
E.; Zündhölzchenfabrik und Handel mit Getreide.
Lidkrampf oder Vlepharospasmus, der
unwillkürliche Schluß der Augeulidspalte durch
krampfhafte Kontraktion des Schließmuskels- kann
hervorgerufen werden durch Lichtscheu (s. d.) oder
durch Reizung der im Auge verzweigten sensibeln
Nervenfasern bei Entzündungen, Verletzungen des
Auges, namentlich mit eiugedrungenen fremden
Körpern, oder endlich durch Reizzuständc in den
scnsibcln Gesichtsnerven, insbesondere auch den
Zahnnervcn, die sich den zum Schließmuskel gehen-
den motorischen Nervenfafcrn des Xei-vns i^ci^Ii,-;
mitteilen. Im letztcrn Falle nimmt nickt selten aucb
die Gesichtsmustulatur an dem Krampfe teil, der oft
sehr hartnäckig und mitunter nur durch Ausscbneiden
eines Stücks des gereizten sensibcln Nerven oder
durch Dehnung des ^oi vn3 t'HciHliz zu heilen ist.
Lidner, Vengt, schwed. Dichter, geb. 16. März
1757 zu Göteborg, studierte in ^und und Rostock,
ging als Matrose nach Ostindien, erhielt 1779 in
Stockholm eine Anstellung in der Armeeverwaltung,
war kurze Zeit Sekretär des schwed. Gesandten, des,
Grafen Creutz, in Paris und siedelte dann nack
Finland über. Er starb in Armut 4. Jan. 1793 zu
Stockholm. Von seinen feurigen Poejien sind beson-
ders "(^i'et'viimlm 8M3tHrii3 i)<xl", "^r6t 1783" und
die Oper ">i(xlc>H" berühmt geworden. Noch heute
liest man seine Schriften gern ("8amlaä6 ski-ilter",
6. Aufl., Stockh. 1878).
Lido (ital.), Küste, Gestade; besonders der Lano-
streifen zwischen Lagunen und Meer in Venedig.
Lidfpalte, s. Auge (Bd. 2, S. 106 a).
Lie, Ionas Laurits Edemil, norweg. Novellist,
geb. 6. Nov. 1833 in Ekcr bei Drammen, verlebte
leine Jugend in Tromsö, studierte seit 1851 in
Kristiania die Rechte, wurde Obergerichtsadvokat in
Kongsvingcr, siedelte aber bald nach Kristiania über
und ist nur noch als Schriftsteller thätig. Neuerdings
lebte er mcbrere Jahre in Deutschland, dann in
Paris. L. gebort zwar zu dcr realistischen Schule,
l>at sich aber stets von ihren Ausschreitungen fern
gebaltcn. Von seinen Romanen und Novellen sind
hervorzuheben: "Den Fremsynte" ("Der Hellseher",
deutsch Lpz. 1882),"TrcmastercnFrcmtiden" (deutsch
ebd. 1890), "Lodsen og Hans Hustru" (deutsch Stuttg.
1888), "Billedcr fra Nordland" (1870), "Fortoellinger
og Skildringer fra Norge" (4. Aufl., 1892), "Tho-
mas Roß", "Rutland" (deutsch Gütersloh 1885),
"Adam Schrader" (1879), "Gaa paa" (1882), "Livs-
slaven" (1883), "Familjen paa Giljc" (1883), "En
Malströni" (1884; deutsch Lpz. 1888), "Komman-
dorcns Töttre" (1886; deutsch Stuttg. 1888), "Et
Samliv" (1888), "Maisa Ions" (1888), "Onde
^tagter" (1890), "Trold" (1891), "Niobe" (1894;
deutsck Stuttg. 1895), "Großvater" (1895). Auch
im Drama hat sich L. versucht ("Faustina Strozzi",
1875, "Grabows Kar", Lustspiel, 1880 und "Lystige
Kmer", Lustspiel, 1894). - Vgl. A. Garborg,
I. L. (Krist. 1893).
Lie, Sophus, Mathematiker, geb. 17. Dez. 1842
auf Nordfjordrid im Stift Bergen als Sohn
eines norweg. Landpfarrcrs, studierte in Kristiania
Matbcmatik, war dann eine Zeit lang als Lehrer
rhätig und setzte 1869 und 1870 seine Studien
! in Berlin und Paris fort. Nach seiner Rückkehr
! habilitierte er sich an dcr Universität Kristiania
, und wurde dort Professor; Anfang 1886 wurde er
als Professor dcr Geometrie nach Leipzig berufen.
Seine zahlreichen Arbeiten beziehen sich teils auf
die Geometrie (z. B. auf die sog. Minimalflächen),
teils auf die Theorie der Differentialgleichungen.
L. ist dcr Schöpfcr dcr Theorie der kontinuierlichen
Transformationsgruppen, die er in 3 Bänden
luntcr Mitwirkung von Engel) ausführlich dar-
gestellt bat (Lpz. 1888-93). Vorlesungen von ihm
übcr^Tifferentialgleichungen und Gruppentheorie
hat ^cheffers herausgegeben (Lpz. 1891 u. 1893).
Lieb, Michael, Maler, s. Munkacsy.
Liebau, ^tadt im Kreis Landeshut des prcuß.
Reg.-Bez. Liegnitz, an dem zum Vobcr gehenden
Schwarzbach, den Linien Ruhbank-L. (16,i km) der
Prcuß. Staatsbahucn und L.-Königgrätz (82 km)
dcr Ostcrr. Nordwcstbahn, Sitz eines Ämtsgerichts
"LandgerichtHirschbcrg) und eines preuß. und österr.
Hauptzollamtes, hat (1895) 4977 (1890: 5036) E.,
darunter 1315 Evangelische, Postamt zweiter Klasse,
zwei kath. und eine evang. Kirche, Privatschulen
für Knaben und Mädcden mit Pensionat; Spinne-