Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

164
Lied der Lieder - Liegenschaftsabgabe
Kantate das große Problem einer organischen Ver-
bindung von Vokal- und Instrumentalmusik gelöst
war, wurde alsbald auch das L. auf den Voden
dieser neuen Kunst verpflanzt. Es entstand das ein-
stimmige L. mit Begleitung. Von Heinrich
Albert und I. A. Krieger ab haben die Deutschen
bis zur Gegenwart die Führung ans diesem Gebiete
behauptet und einen Liederschatz ausgebildet, der in
manchen Perioden, wie z. V. wieder in der Gegen-
wart, das höchste musikalische Vermögen des Volks
darstellt. Die ganze Entwicklung der Gattung hat
sich seitdem um den Gegensatz zwischen Kunstlied
und Volkslied bewegt, um Verlassen und Wieder-
aufsuchen der einfachen Formen auf höherer ^)tufe.
In derOdenkompofition des 18. Jahrh., in dem
durchkomponierten L. unserer Zeit hat sich das
L. der Kantate und andern reichern Formen genähert,
gegen die die ursprüngliche, einfache Natur des L.
verteidigt werden mußte. Den Ncefe, Nust treten
die Schultz und Reichard (die Schöpfer des neuen
Gesellschaftsliedes), ihnen wieder Zelter, Mozart,
Beethoven entgegen. Im 19. Jahrh, ist dieser Kampf
zur Ruhe gekommen. Schon die Klassiker und mit
ihnen K. M. von Weber behandeln Kunstlied und
Volkslied als gleichberechtigt, ebenso Franz Schubert,
der größte Meister des L. Dem Volkslied neigen
Curschmann, Mendelssohn und R. Franz zu, dem
Kunstlied R. Schumann und I. Vrahms. Den mo-
dernen deklamatorischen Stil verwandte im L. am
erfolgreichsten Franz Liszt. - Vgl. C. E. Schneider,
Das musikalische L. in geschichtlicher Entwickluuq
(Lpz. 1863-65); Lindner, Geschichte des deutschen
L. im 18. Jahrh. (ebd. 1871); Reihmann, Geschichte
des deutschen L. (Berl. 1874); Vöhm, Altdeutsches
Liederbuch (Lpz. 1877); Kretzschmar, Das L. seit
Schumann (in den "Grenzboten", 1881).
Lied der Lieder, s. Hohes Lied.
Lied erspiel, eine Gattung des Schauspiels mit
Gesang, unterscheidet sich von der Operette dadurch,
daß alle darin vorkommenden Gesangstücke entweder
aus allgemein bekannten Liedern oder Melodien
mit ueuen Texten bestehen, oder daß sich der Kom-
ponist doch wenigstens darauf beschränkt, nur leicht-
faßliche Melodien in Form des Liedes anzubringen,
weshalb hier auch nur eine durchaus einfache In-
strumentalbegleitung stattfinden darf. Der erste
Versuch dieser Art in Deutschland nach dem Muster
des franz. Vaudeville (s. d.) war Ncichardts "Liebe
und Treue" (1800); berühmter wurde Hummels
"Fanchon, das Leiermädchen" (1805). Seitdem
wurden ähnliche Arbeiten, fast ausschließlich heitern
Inhalts, meist nach franz. Mustern in großer An-
zahl geliefert; zu den besten gehören die Original-
arbeiten von L. Schneider.
Liedertafel, Name von Männergesangvcreinen.
Die ersten deutschen L. wurden gegründet in Berlin
(1809), Leipzig (1815) und Frankfurt a. O. (1815).
Liederung, soviel wie Liderung (s. d.).
Liedstäbe, s. Allitteration.
Liedtcke, Theod., Schauspieler, geb. 23. Okt.
1823 zu Königsberg i. Pr., war erst Chorist am
dortigen Stadttheater, kam bald darauf als Bari-
tonist an das Deutsche Theater nach Wilna, dann
als Vertreter zweiter Vaßpartien und Schauspieler
nach Stettin. Die Thätigkeit als Sänger gab er
im nächsten Engagement, das ihn nach Weimar
führte, gänzlich auf und widmete sich ausschließlich
dem Schauspiel. Nach einem Engagement in Dres-
den gehörte er seit 1850 dem königl. Schauspielhause
m Berlin an, von dem er 1889 Abschied nahm.
L. war ein Meister auf dem Gebiete des Konversa-
tionsstücks. Vorzügliche Rollen von ihm waren:
Major von Tellheim, Perm ("Donna Diana"),
Tempelherr, Petrucchio, Konrad Bolz u. s. w.
Lieferant, Lieferer von Waren, besonders von
Ausrüstungs- und Verpflegungsgegenständen im
Lieferfrist, s. Lieferungszeit. Kriege.
Lieferfristversicherung, f. Transportversiche-
rung.
Lieferschein (engl. äelivLi-^ nots), Begleitschein
bei Warenversendungen im Platzverkehr oder bei
Lieferung der Ware an den Spediteur. An dem
L. befindet sich häufig ein Duplikat, welches vom
Empfänger unterzeichnet und als Quittung des Em-
pfangs an den Absender zurückgegeben wird.
Lieferungsgefchäft, Lieferungskauf oder
Lieferungsvertrag, nach dem im Verkehr herr-
schenden Sprachgebrauch ein Vertrag, nach wel-
chem die verkaufte Sache nicht sofort nach dem Ab-
schluß des Kaufvertrags zu übergeben ist oder bei
dem Abschluß übergeben wird (Tageskauf), son-
dern wo die Lieferung erst einige Zeit nach dem
Abschluß geschehen soll. Der Lieferungskauf von
börsenmäßig gehandelten Waren oder Wertpapie-
ren, das sog. Zeitgeschäft (s. d.), artet leicht in ein
reines Differenzgeschäft (s. d.) aus. Das schwei-
zer Obligatiouenrccht hat deshalb in Art. 512 die
Bestimmung, daß aus solchen Lieferungs- und Dif-
ferenzgeschäften über Waren und Börsenpapiere,
welche den Charakter eines Spiels oder einer Wette
haben, keine Forderung entsteht. Das Preuß. Allg.
Landr. 1,11, §. 981 versteht unter Lieferungsver-
trag ein Geschäft, nach welchem die eine Partei die
(^ache anschaffen und der andern gegen einen Preis
liefern soll, so daß die Anschaffung, eine Handlung
(s. d.) im Sinne des Landrechts, Gegenstand der
Verpflichtung ist. Hier kann der Besteller die Be-
stellung widerrufen, wenn sie zu dem Zweck, zu
welchem sie gemacht ist, unbrauchbar oder uunütz
wird. Der Besteller hat dann den Lieferanten wegen
der zur Erfüllung von ihm gemachten Auswendungen
vollständig zu entschädigen und muß nur das zur
Erfüllung des Vertrags bereits Angeschaffte ab-
nehmen. Nimmt er nicht ab, fo steht dem Lieferanten
das Recht zu, das Nichtabgenommene öffentlich für
Rechnung des Bestellers zu verkaufen. Nach ge-
leisteter Lieferung treten die Grundsätze des Kaufes
ein. Liegt ein Handelsgeschäft vor und war der
Lieferungsvertrag über vertretbare Sachen abge-
schlossen, so gilt derselbe auch in Preußen nach dem
Handelsgesetzbuch Art. 338 als Kauf.
Lieferungsprämie, s. Prämiengeschäft.
Lieferungsverband, f. Kriegsleistungen.
Lieferungsvertrag, s. Lieserungsgei'chäft.
Lieferungszeit, Lieferfrist, die Zeit, zu wel-
cher eine Ware zu liefern, d.h. von dem Schuldner,
z. V. dem Verkäufer, dem Gläubiger, z. B. dem
Käufer, zu übergebeu ist. (S. Erfüllungszeit.)
Liefland, s. Livland.
Liegamboß, s. Treiben (des Bleches).
Liege (spr. liähsch), franz. Name für Lüttich.
Liegefeile, s. Feile. Liegezeit).
Liegegeld, soviel wie Überliegegeld (s. über-
Liegelscher Generator, s. Gasfeuerungen.
Liegendes, s. Gang (im Bergwesen).
Liegenschaften, soviel wie Grundstücke.
Liegenschaftsabgabe, Lieg ensch afts -
st euer, eine Abgabe, dic beim Übergang von