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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Lilie - Liliput

Artikel) gehalten. Gemüsepflanzen sind die Lauch- und Zwiebelarten aus der Gattung Allium (s. d.), sowie der Spargel (s. d. und Asparagus). Auch verschiedene offizinelle Gewächse gehören zu den L., so z. B. die Stammpflanzen der Sarsaparille aus der Gattung Smilax (s. d.), die Herbstzeitlose (s. Colchicin) und mehrere Arten der Gattung Aloë.

Lilie, Pflanzengattung, s. Lilium. L. von St. Jago oder Jakobslilie, s. Amaryllis. – Die L. im Wappen der Könige von Frankreich erscheint zuerst im Gegensiegel und auf den Münzen König Ludwigs Ⅶ. (1137‒80), vielleicht als Anspielung auf seinen Namen (altfrz. Loys). Unter Philipp Ⅱ. August (1180‒1223) begann man bereits die Krönungsgewänder, Kreuze und Kirchengeräte mit L. zu bestreuen, dieselben auch im Wappenschilde in willkürlicher Zahl zu führen, bis König Karl Ⅵ. (1380‒1422) die Zahl der L. auf drei beschränkte, doch findet sich diese Dreizahl vereinzelt schon früher in Siegeln vor. Durch Verleihung des Königs Ludwig ⅩⅠ. an Pietro de’ Medici kam die L. (ital. (Giglio) als Beizeichen in das Wappen der Medici und aus diesem in das Wappen von Florenz und Toscana.

Liliēen, s. Liliaceen.

Liliencron, Detlev, Freiherr von, Dichter, geb. 3. Juni 1841 in Kiel, trat in die preuß. Armee und nahm an den Feldzügen von 1866 und 1870/71 teil; in beiden wurde er verwundet. Später war L. in seinem Heimatlande eine Zeit lang königl. Verwaltungsbeamter. Er ist Hauptmann a. D. Seit einer Reihe von Jahren lebt er in Altona. L. gehört als Lyriker zu den besten Vertretern der realistischen Richtung. Er veröffentlichte: «Breide Hummelsbüttel» (Roman, Lpz. 1887), «Eine Sommerschlacht» (Novellen, ebd. 1886), «Adjutantenritte» (Gedichte, ebd. 1883), «Knut der Herr» (Drama, ebd. 1885), «Der Trifels und Palermo» (Trauerspiel, ebd. 1886), «Die Rantzow und die Pogwisch» (Schauspiel), «Arbeit adelt» (Genrebild in 2 Akten, ebd. 1887), «Die Merowinger» (Trauerspiel, ebd. 1888), «Unter flatternden Fahnen» (Erzählungen, ebd. 1888), «Gedichte» (ebd. 1889), «Der Mäcen» (Erzählungen, 2. Aufl., ebd. 1890), «Der Haidegänger und andere Gedichte» (ebd. 1890), «Krieg und Frieden» (Novellen, ebd. 1891), «Neue Gedichte» (ebd. 1893), «Kriegsnovellen» (ebd. 1895), «Ausgewählte Gedichte» (ebd. 1896). – Vgl. Bierbaum, Detlev Freiherr von L. (Lpz. 1892).

Liliencron, Rochus, Freiherr von, Germanist und Musikschriftsteller, geb. 8. Dez. 1820 zu Plön in Holstein, studierte in Kiel und Berlin Theologie und Jurisprudenz, später in Kiel deutsche Philologie, trieb 1846‒47 in Kopenhagen altnordische Studien und habilitierte sich in Bonn. 1848 kehrte er nach Holstein zurück, wurde Sekretär im Bureau der auswärtigen Angelegenheiten und vertrat vom Dez. 1848 bis 1850 Schleswig-Holstein in Berlin. Hierauf wurde er Professor der nordischen Sprache und Litteratur in Kiel, ging aber, von Dänemark nicht anerkannt, 1852 als Professor der deutschen Sprache und Litteratur nach Jena. 1855 wurde er Kabinettsrat in Meiningen, zugleich Intendant der Hofkapelle und Vorsteher der herzogl. Bibliotheken. Zum Mitglied der Münchener Akademie erwählt, zog L. 1869 nach München und leitete seitdem im Auftrage der Historischen Kommission, zu deren ordentlichem Mitglied er 1870 gewählt wurde, die Herausgabe der «Allgemeinen Deutschen Biographie» (Lpz. 1875 fg.) in Verbindung mit Professor von Wegele. Im Herbst 1876 siedelte er nach Schleswig über, wo er zum Propst des ritterschaftlichen Damenstifts erwählt worden war. L. schrieb: «Zur Runenlehre» (mit Müllenhoff, Halle 1852), und «Über die Nibelungenhandschrift C.» (Weim. 1856); er gab heraus «Lieder und Sprüche aus der letzten Zeit des Minnesangs» (mit W. Stade, ebd. 1854), «Düringische Chronik des Joh. Rothe» (Jena 1859), «Die histor. Volkslieder der Deutschen vom 13. bis 16. Jahrh.» (4 Bde. und Nachtrag, Lpz. 1865‒69), «Deutsches Leben im Volkslied um 1530» (Stuttg. 1885), «Liturgisch-musikalische Geschichte der evang. Gottesdienste 1523‒1700 u. s. w.» (Schlesw. 1893) u. a.

Lilienfeld, Markt in der österr. Bezirkshauptmannschaft St. Pölten in Niederösterreich, im obern Traisenthale, am Fuße der Voralpen, an der Linie Scheibmühl-Schrambach-Kernhof der Österr. Staatsbahnen, Sitz eines Bezirksgerichts (599,84 qkm, 13130 E.), hat (1890) 430, als Gemeinde 2585 E., ein 1220 von Leopold dem Glorreichen gestiftetes Cistercienserkloster mit schöner Kirche, 13 Höfen und einem botan. Garten; Steinkohlengruben, Eisenwerke, Marmor- und Alaunschieferlager.

Lilienorden, ein von König Ludwig ⅩⅧ. als Zeichen der Anhänger des Bourbonischen Hauses 1814 gestifteter Orden, bestand in einem weiß und blau emaillierten Kreuze mit dem Bildnisse des Königs und der Unterschrift «Fidélité, Dévouement», am blau und weißen Bande getragen.

Lilienpfeifer, s. Blattkäfer.

Lilienstein, s. Königstein.

Lilienstern, Rühle von, s. Rühle von Lilienstern.

Liliensterne, soviel wie Haarsterne, s. Seelilien.

Lilienthal, Dorf im Kreis Osterholz des preuß. Reg.-Bez. Stade, an der Worpe, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Verden), hat (1890) 870 E., Post, ehemaliges Cistercienserkloster, landwirtschaftlichen Verein, Dampfmahl- und -Sägemühle.

Liliiflōren, Ordnung ans der Gruppe der Monokotyledonen (s. d.), umfaßt Gewächse mit meist regelmäßig gebauten und ansehnlichen Blüten, die fast durchgängig zwitterig sind. Der Wurzelstock ist häufig knollig oder zwiebelförmig ausgebildet. Beistehende Textabbildung zeigt: Fig.1 Zwiebel von Lilium candidum L., Fig. 2 Zwiebel von Allium fistulosum L., Fig.3 Zwiebel von Crocus vernus L., Fig. 4 Knollen einer Ophrysart, Fig. 5 Knollen von Orchis maculata L. Es gehören hierher die Familien der Liliaceen (s. d.), Amaryllidaceen (s. d.), Juncaceen (s. d.), Iridaceen (s. d.), Dioscoreaceen (s. d.) und Bromeliaceen (s. d.). Hierzu Tafel: Liliifloren; zur Erklärung vgl. Aloë, Agave, Crocus, Dioscorea, Urginea, Smilax, Iris, Ananas.

Lilionēse, s. Geheimmittel.

Liliput, s. Lilliput.

^[Abb. Liliifloren]