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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Litteraturarchive - Littleton
terials auszeichnen. Neuere Darstellungen der allgemeinen Litteraturgeschichte gaben namentlich Scherr, "Allgemeine Geschichte der Litteratur" (2 Bde., Stuttg. 1851: 5. Aufl. 1887), und Ad. Stern, "Geschichte der Weltlitteratur" (ebd. 1887).
Litteraturarchive, eine von Wilh. Dilthey in Berlin 1889 in einem in der "Deutschen Rundschau" gedruckten Vortrag angeregte Einrichtung. Die L. sollen in derselben Weise wie die Staats- und Stadtarchive für das Gebiet der polit. und lokalen (beschichte, so für die Litteraturgeschichte ein möglichst vollständiges Material auf der breitesten Grundlage sammeln und zur wissenschaftlichen Benutzung stellen. Für die Zeit unserer klassischen Dichtung sind in dem Goethe-Archiv (s. d.) bereits reichliche Anfänge zu einem solchen Litteraturarchiv vorbanden. Dilthey möchte ein ähnliches Litteraturarchiv in Heidelberg für die Periode des Humanismus, in Berlin für die Litteratur der Aufklärung und der Romantik gegründet sehen. Hin diesem Ziele näher zu kommen, hat sich 1891 eine Gesellschaft für L. unter dem Vorsitz von Weinhold und Mommsen konstituiert, die sich den Erwerb von, litterarhistorisch wichtigen Handschriften aller Art durch Kauf oder Schenkung zur Aufgabe macht, aber auch Deposita unter den von den Besitzern gestellten Bedingungen in Verwaltung nimmt: ein Abkommen mit der königl. Bibliothek in Berlin ermöglicht es ihr, ihre bandschriftlichen Schätze mit der denkbar größten Sicherheit aufzubewahren und zugleich in bequemster Weise der wissenschaftlichen Arbeit zugänglich zu machen.
Litteraturzeitungen, Blätter, die es sich zur Aufgabe machen, ihre Leser über alle neuern litterar. Erscheinungen und Ereignisse zu unterrichten. Das Bedürfnis danach stellte sich im 17. Jahrh. bei der Unzulänglichkeit des Buchhandels dringend heraus. Nach dem Muster des seit 1665 in Paris erscheinenden "Journal des Savants" gründete 1682 der Leipziger Professor Otto Mencke die lateinisch geschriebenen und lediglich über wissenschaftliche, namentlich ausländische Werke berichtenden "Acta Eruditorum" (s. d.). Gegenüber der steifen Würde dieser gelehrten Zeitschrift (bis 1782) führte Thomasius in seinen "Monatsgesprächen" (1688-90) die deutsche Sprache, die journalistische Polemik und einen leichten Plauderton ein. Tentzels "Monatliche Unterredungen", die von 1689 bis 1707, wenn auch mit Unterbrechungen, erschienen, knüpften an diese Zeitschrift an, und 1712 wurden gar "Deutsche Acta Eruditorum" begründet, die bis 1758 bestanden. Der Aufschwung der schönen Litteratur bewirkte, daß auch ihre Interessen von den L. vertreten wurden. So haben die "Göttingischen Gelehrten Anzeigen" (s. d.) unter Haller, Michaelis und Heyne von wichtigen poet. Erscheinungen regelmäßig Notiz genommen. Besonders betriebsam in der Begründung von L. war Friedr. Nicolai, der nacheinander die "Bibliothek der schönen Wissenschaften" (gegründet 1757, 1760-1806 geleitet von Christ. Fel. Weiße), die "Briefe, die neueste Litteratur betreffend" (1751-66) und die "Allgemeine deutsche Bibliothek" (1765-1806) ins Leben rief. Während die erste dieser drei ein bloßes litterar. Organ der Mittelmäßigkeit war, eröffneten die "Litteraturbriefe", dank Lessing, die Blüte der fruchtbaren litterar. Kritik, und auch die vielverschrieene "Allgemeine deutsche Bibliothek" hat, obgleich Vertreterin der fanatischen Aufklärung, an tüchtigen Beiträgen, z. B. Herders, nicht Mangel gelitten. Eine kurze litterar. Bedeutung gewannen die 1736 begründeten "Frankfurtischen gelehrten Zeitungen", als 1772 die Stürmer und Dränger, voran Merck, Herder und der junge Goethe, sie in ihr streitbares litterar. Leiborgan umwandelten; doch überdauerte diese ihre kritische Blüte das Jahr nicht. Die 1785 gegründete "Allgemeine Litteraturzeitung" (Jena) wurde unter der Leitung von Schütz das wichtigste Litteraturblatt der Zeit; sie war Verfechterin der Kantschen Philosophie, die Romantiker debütierten in ihr. Als aber Schütz 1801 nach Halle übersiedelte, nahm er seine einflußreiche, der Romantik inzwischen verfeindete Zeitschrift dorthin mit; doch wurde eine neue "Allgemeine Jenaische Litteraturzeitung", an der sich auch Goethe eifrig beteiligte, in Jena unter Eichstädts Redaktion begründet. Dies Blatt bestand unter mancherlei Wandlungen und mit einer langen Pause (1849-73) bis 1879. Von einflußreichen L. des 19. Jahrh. seien außerdem erwähnt: Hegels und Varnhagens "Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik", die radikalen "Halleschen Jahrbücher" Ruges und Echtermeyers u. s. w. Die Specialisierung der modernen Wissenschaft bat mehr und mehr dahin geführt, daß die berufene Kritik sich in die Fachzeitschriften zurückgezogen hat, eine nicht durchaus erfreuliche Entwicklung. Von den deutschen L. der Gegenwart sind hervorzuheben: "Literarisches Centralblatt" (s. d.), "Deutsche Litteraturzeitung" (s. d.), beide streng wissenschaftlich, und die mehr für das größere Publikum bestimmten "Blätter für literarische Unterhaltung" (s. d.), von außerdeutschen die von Chuquet herausgegebene "Revue critique d’histoire et de littérature". - Vgl. Prutz, Geschichte des deutschen Journalismus, Tl. 1 (Hannov. 1845).
Little (engl., spr. littl), klein, unbedeutend.
Littleborough (spr. littlbŏrŏ), Vorstadt von Rochdale in der engl. Grafschaft Lancashire, hat (1891) 10878 E.; Woll- und Baumwollindustrie.
Little-Falls (spr. littl fahls), Stadt im County Herkimer im nordamerik. Staate Neuyork, unterhalb Utica, in einer Schlucht des Mohawk, der Wasserkraft liefert, und am Eriekanal, mit Strickwarenfabriken, bedeutendem Käse- und Butterhandel und (1890) 8763 E.
Little-Hampton (spr. littl hämmt’n), Hafenstadt und Seebad in der engl. Grafschaft Sussex, an der Mündung des Arun in den Kanal, hat (1891) 4452 E.
Little-Hulton (spr. littl höllt’n), Fabrikstadt in der engl. Grafschaft Lancashire bei Bolton, hat (1891) 6693, mit Middle-Hulton 9396 E.
Little-Miami-River, Fluß, s. Miami-River.
Little-Popo (spr. littl), Handelsplatz in Togoland, s. Klein-Popo.
Little-Rock (spr. littl), Hauptstadt des nordamerik. Staaten Arkansas und County Pulaski, am Arkansasfluß, Hauptknotenpunkt der Bahnen des Staates, Sitz eines kath. Bischofs, hat (1890) 15874 E. (gegen 13138 im J. 1880), elektrische Beleuchtung und Straßenbahnen, ein Arsenal, Strafanstalt, schöne Gerichtshalle, Staatshaus, mediz. College, Bibliothek (12500 Bände), Irrenanstalt, bedeutenden Handel, hauptsächlich mit Baumwolle.
Little-Salvadōr (spr. littl), eine der Bahama-Inseln (s. d.).
Littleton oder Lyttleton, Sir Thomas, engl. Jurist, geb. 1402 zu Frankley in Worcestershire, bekleidete verschiedene richterliche Stellungen und starb in seiner Heimat 1481. Er ist berühmt durch seine Abhandlung "On Tenures", worin er die Besitzlehre